Fernsehtechnik - Trend - Aktueller Stand

25 Jahre Deutsche TV-Plattform

12. Januar 2016

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Die Deutsche TV-Plattform blickte im Nov 2015 auf 25 Jahre Entwicklung in der elektronischen Medienlandschaft in Deutschland zurück. Aus diesem Anlass gestaltete gab es ein Symposium zum Thema »TV or not TV«, verbunden mit der Fragestellung »Wie dramatisch verändert sich unsere Industrie?« als Untertitel.

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Am 2. November 1990 wurde von 19 Unternehmen, Verbänden und Institutionen die Nationale HDTV-Plattform in der Rechtsform eines gemeinnützigen Vereins gegründet, um die Einführung des damals noch in analoger Form konzipierten hochauflösenden Fernsehens (high definition television, HDTV) zu unterstützen.

Der Verein wurde 1993 in »Deutsche TV-Plattform für HDTV und neue Fernsehsysteme« umbenannt. Im Jahr 1995 erfolgte eine weitere Änderung des Namens, nämlich auf die heutige Bezeichnung »Deutsche TV-Plattform« (Kurzform: DTVP). Als Zielsetzung gilt ab diesem Zeitpunkt die Förderung der Einführung, Verbreitung und Weiterentwicklung des digitalen Fernsehens auf der Basis offener Standards.

Bild 1: Carine Lea Chardon, Geschäftsführerin der DTVP; Quelle: Deutsche TV-Plattform

Bild 1: Carine Lea Chardon, Geschäftsführerin der DTVP; Quelle: Deutsche TV-Plattform

Die Deutsche TV-Plattform ist ein Zusammenschluss von privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern, Geräteherstellern, Infrastrukturbetreibern, Service- und Technik-Providern, Forschungseinrichtungen und Universitäten, Landesmedienanstalten, Bundes- und Landesbehörden sowie anderen mit den digitalen Medien befassten Unternehmen, Verbänden und Institutionen. Die DTVP hat etwa 60 Mitglieder, deren genaue Auflistung unter www.tv-plattform .de zu finden ist.

Die Deutsche TV-Plattform hat ihren Sitz in Frankfurt beim Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI). Als Geschäftsführerin wirkt seit einigen Jahren Carine Lea Chardon, die in ihrer Hauptfunktion die Abteilung Medienpolitik / Medienrecht beim ZVEI leitet (Bild 1).

Die Leitung der Deutschen TV-Plattform obliegt einem derzeit achtköpfigen Vorstand, deren Vorsitzender die DTVP nach außen repräsentiert. Die administrative Unterstützung der Aktivitäten erfolgt durch die Geschäftsführerin und ihr Team, um die Außenwirkung der DTVP kümmert sich der Pressesprecher Holger Wenk.

Bild 2: Verflechtung der Themenbereiche des DTVP-Symposiums; Quelle: Ulrich Freyer

Bild 2: Verflechtung der Themenbereiche des DTVP-Symposiums; Quelle: Ulrich Freyer

Weil die Deutsche TV-Plattform im Jahr 2015 auf 25 Jahre mitgestaltete Entwicklung der elektronischen Medienlandschaft in Deutschland zurückblicken konnte, nahm sie diesen »runden Geburtstag« zum Anlass und veranstaltete am 10. November 2015 in Berlin ein Symposium zum Thema »TV or not TV«, verbunden mit der Fragestellung »Wie dramatisch verändert sich unsere Industrie?« als Untertitel. In dieser Veranstaltung wurden den über 150 Teilnehmern von qualifizierten Referenten aus der Branche die Veränderungen der Bewegtbildnutzung, der Inhalte, der Produktion, der Gerätelandschaft, der Infrastrukturen der Geschäftsmodelle, sowie die Thematik TV und Social Media umfassend und aussagekräftig dargestellt (Bild 2). Die Schwerpunkte dieser Facetten sollen nachfolgend aufgezeigt werden, verbunden mit einem Blick in die Zukunft des Fernsehens.

Es gab zwei Keynotes. Dabei startete Dr. Marc Jan Eumann, Staatssekretär für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, seine Ausführungen mit folgender Aussage: »Die Medienpolitik ist auf dem besten Weg, für die konvergente Medienwelt die Weichen zu stellen.« Weiter kündigte er an, dass die Eckpunkte dazu im Dezember 2015 von der Bund-Länder-Kommission beschlossen werden sollen. Außerdem verwies er auf die 2016 anstehende Revision der europäischen Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (AVMD-Richtlinie), die direkt empfangbare Medien (lineare Medien) und Abrufmedien (nicht-lineare Medien) behandelt. Verbände und Branchenforen wie die Deutsche TV-Plattform forderte er auf, sich aktiv bei der Neuausrichtung der Medienregulierung einzubringen.

Einen Kontrapunkt setzte der Kabarettist Django Asül mit seiner humorvoll, satirische unterhaltenden Keynote, in der er sich mit der Plattform und seinen Arbeitsgruppen befasste. So empfahl er der Fernsehbranche generell »mehr Irritation statt Faszination«, um für Nutzer und Zuschauer relevant zu bleiben.

Veränderung der Bewegtbildnutzung

Bild 3: Nutzung des linearen Fernsehens; Quelle: DTVP / GfK

Bild 3: Nutzung des linearen Fernsehens; Quelle: DTVP / GfK

Fernsehen ist dabei, den Übergang von »Television« auf »Total Video« zu meistern, ein kennzeichnendes Merkmal der Bewegtbildnutzung. Als Mantra gilt: »Jeder Inhalt soll überall und jederzeit auf allen Endgeräten verfügbar sein

Diese angestrebte Unabhängigkeit von Ort, Zeit und Gerät bedeutet erhebliche Freiheitsgrade für die Bewegtbildnutzung. Um die derzeitige Situation besser überblicken zu können, hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der Deutschen TV-Plattform im Oktober 2015 eine Befragung durchgeführt. Es handelte sich um Online-Interviews mit mehr als1000 Fernsehzuschauern im Alter über 14 Jahre in Deutschland.

Der bisherige Begriff »Fernsehen« wird inzwischen auch von 57 % der Befragten mit dem zeitversetzten Abruf von Programmen oder Videos assoziiert. Für 78 % der 14- bis 19-Jährigen ist diese Fernsehnutzung weder an ein Programmschema, noch an ein Endgerät gebunden.

Bild 4: 4.Altersabhängige Nutzungsquoten; Quelle: DTVP / GfK

Bild 4: 4. Altersabhängige Nutzungsquoten; Quelle: DTVP / GfK

Noch am meisten genutzt wird lineares Fernsehen (Bild 3). Es sind jedoch altersabhängige Nutzungsquoten bei den aktuellen Programmangeboten, den Mediatheken und den Festplatten-Aufzeichnungen feststellbar (Bild 4).

Die Präsentation zur Veränderung der Bewegtbildnutzung basierte auf nachfolgenden Thesen.

These 1: Die Mattscheibe hat ausgedient

Diese Aussage wurde durch die Zuschauerbefragung widerlegt, weil mehr als 90% der Bewegtbildnutzung über das TV-Gerät erfolgt. Es handelt sich dabei im Durchschnitt um etwa 240 min, also vier Stunden pro Tag. Die Nutzungszeiten von Laptops, Tablets und Smartphones sind signifikant geringer. Als Fazit lässt sich feststellen, dass wegen der immer besseren Ausstattung und Qualität, die TV-Geräte nach wie vor die wichtigsten Endgeräte für die im allgemeinen Sprachgebrauch häufig nur als Videonutzung bezeichnete Bewegtbildnutzung sind. Es steht allerdings auch eine große Zahl portabler/mobiler Endgeräte für den Videokonsum im Markt zur Verfügung. Second Screen und Smart-TV bieten außerdem einen Rückkanal und damit eine erforderliche Voraussetzung für interaktive Nutzungen.

These 2: Lineare TV-Nutzung dominiert

Mit 94 % dominiert die lineare TV-Nutzung tatsächlich, neue Zugangswege kommen »on top«. Letztere sind primär bei den jüngeren Zielgruppen von Interesse. Ein Beispiel stellen die Internet-Livestreams dar.

These 3: VoD wird Massenmarkt – auch in Deutschland

In Deutschland nutzen derzeit nur etwa 10 % der Fernsehhaushalte Video on Demand Services und zwar durchschnittlich 11 min pro Tag, getrieben durch Mobile TV und Smart TV.

Durch VoD hat sich von 2008 bis 2014 die Zahl der klassischen Videotheken etwa halbiert, wobei sich der Umsatz von 335 Mio € auf 203 Mio € reduzierte.

Video on Demand (VoD) stellt neben dem linearen Fernsehen einen zusätzlichen Weg dar, um werbefinanziert oder entgeltfinanziert Inhalte zum Zuschauer als Nutzer zu bringen.

These 4: Vorbild USA: SVoD wächst – lineares Fernsehen unter Druck

SVoD (subscription video on demand) bedeutet Abruffernsehen im Abonnement. In den USA ist von 2011 bis 2015 die Zahl der Haushalte, die VoD nutzen, um etwa     80 % gestiegen. Als Folge werden Kabelanschlüsse wegen der immer teurer werdenden Pay-TV-Pakete zunehmend gekündigt, was zu einer Reduzierung des linearen Fernsehens führt.

These 5: Lineares Fernsehen ist ein Auslaufmodell

Vorstehende Prognose gibt es bereits seit Jahren. In der Praxis ist deren Erfüllung allerdings nicht zu erkennen. Das lineare Fernsehen wird vielmehr als Zentrum des Wohlfühlens gesehen. So orientiert sich die Einrichtung des Wohnzimmers in der Regel an der Position des TV-Anschlusses, es gibt durchschnittliche fünf Plätze mit Blick auf das TV-Gerät.

Das Fernsehen erfüllt für die Nutzer auch wichtige psychologische Funktionen im Alltag. Dazu gehören:

  • Gemeinschafts-Erleben durch Live-TV.
  • Strukturierung des Alltags durch Live-TV.
  • Bequeme Alternative zur Videothek durch VoD.
  • Jederzeit Verfügbarkeit von Inhalten durch VoD, wenn das Angebot des linearen Fernsehens nicht anspricht.
  • Immer auf dem Laufenden bleiben durch die Mediatheken.
  • Werbefreies Lean-Back-Genießen durch Pay-TV.
  • Bedienung von Nischeninteressen durch User Generated Content (UGC), also von Nutzern produzierte Inhalte. Dabei stehen die sozialen Netzwerke [social network], wie Facebook, Twitter, YouTube, XING und andere im Vordergrund.

Ergebnis: Fernsehen als Bewegtbildnutzung auch in Zukunft von Bedeutung ist, weil

  • manche Bedürfnisse nur lineares Fernsehen befriedigen kann.
  • andere Angebotsformen lineares Fernsehen ergänzen.
  • unterschiedliche Sehmotive mit entsprechenden Angeboten bedient werden.

Da am Ende der Zuschauer entscheidet, gilt es unbedingt seine Wünsche zu    erkennen und zu verstehen. Die Ausführungen über die Veränderung der Bewegtbildnutzung schlossen mit der Erkenntnis »Nichts ist so beständig wie der Wandel« (Heraklit).

Veränderung der Inhalte

Während früher aufwendig und teuer produzierte Shows Garantie für den Erfolg waren, sind es heute günstig produziertes Factual Entertainment und Castingshows. Früher haben sich Formate meist lange Zeit »gehalten«, heute ändern sich die Trends in wesentlich kürzerer Zeit. Noch vor einigen Jahren waren 10 Mio. bis 15 Mio. Zuschauer pro Sendung der Erfolgsparameter, heute gelten dagegen bereits 5 Mio. Zuschauer oder Aufrufe von Portalen als positives Kriterium.

Die Veränderung der Inhalte wird hauptsächlich durch die Weiterentwicklung der Übertragungskanäle auf digitales Fernsehen und Internet bestimmt. Dabei spielen die Rückkanalfähigkeit, die Entstehung von Mediatheken und die Angebote von Abrufdiensten [on demand service] eine wichtige Rolle. Besonders der Rückkanal bietet die Möglichkeit den Zuschauer unmittelbar einzubinden, was durch folgende Merkmale gekennzeichnet ist:

  • Konvergenz von linearem Fernsehen und Internet
  • Second Screen
  • Schaffung von Communities (z.B. Soziale Netze)
  • Zunehmende Inhaltevielfalt

Daraus ergibt sich ein geändertes Nutzungsverhalten der Zuschauer. Diesem muss das lineare Fernsehen durch geeignete Maßnahmen Rechnung tragen. Dazu gehören unter anderem:

  • Zusatzinformationen für die Zuschauer
  • Second Screen – Anwendungen
  • Angebote von Apps (z.B. für Nachrichten)
  • Trailer-Platzierungen auf Social Media – Plattformen
  • Vorabeinstellungen bei Mediatheken

Bei den Inhalten gilt es aber deren Wert durch entsprechende Qualität sicherzustellen.

Bild 5: 5.Veränderung der Verbreitungsmöglichkeit von Fernsehsendungen; Quelle: ZDF

Bild 5: 5. Veränderung der Verbreitungsmöglichkeit von Fernsehsendungen; Quelle: ZDF

Es wurde in der Präsentation eine ausgeprägte Veränderung der Verbreitungsmöglichkeiten von Fernsehsendungen aufgezeigt und als Perspektive die vollständige Konvergenz von TV, Social Media und Computer gesehen, wobei es praktisch keine Fernsehsendung ohne Einbindung der sozialen Netze gibt (Bild 5). Auf der Anbieterseite ist von einer zunehmenden Zahl globaler Player für Pay-TV und/oder Pay-VoD auszugehen.

Die Inhalte müssen sich allerdings auch an den neuen Aspekten des »besseren Fernsehens« orientieren. Dazu gehören Ultra HD (UHD), Virtual Reality (VR), 3D-Ton und andere.

Veränderungen in der Produktion

Den aufgezeigten Veränderungen der Inhalte muss auch die Produktion Rechnung tragen. So wurde von der UFA, als großer deutscher Produzent von Filmen, Serien und Shows, verdeutlicht, dass eine Diversifikation der Produkte deshalb unumgänglich ist. Nur dadurch bleibt man möglichst nahe am Zuschauer.

Veränderung der Gerätelandschaft

Man stellte die Trends der neuen Fernsehunterhaltung vor:

  • Trend 1: Smart-TV             → Das TV-Gerät als Inhalteplattform
  • Trend 2: 4k (Ultra HD)       → Mehrwert für alle Inhalte
  • Trend 3: Bildschirmgröße →   Von »Kleinzoll« zu »Großzoll«
Bild 6: Herausforderung durch veränderte Nutzungsgewohnheiten; Quelle: Sony

Bild 6: Herausforderung durch veränderte Nutzungsgewohnheiten; Quelle: Sony

Durch unterschiedlichste Inhalte, diverse Quellen und individuelle Bedürfnisse der Zuschauer haben sich die Nutzungsgewohnheiten bezüglich TV stark verändert. Diese Herausforderung bedarf Lösungsansätze durch einfache, intuitive und zukunftsorientierte Bedienoberflächen (Bild 6). Es soll mit diesen die Darstellung der Inhaltevielfalt, wie TV-Programme, Mediatheken, VoD-Services, Spiele, Social Media und andere, auf einem Bildschirm [screen] erfolgen können.

Außerdem stellt auch die als Connectivity bezeichnete Übertragung von Fernsehsendungen, Spielfilmen und Fotos vom Mobilgerät (Tablet, Smartphone) oder Laptop auf den großen Bildschirm des TV-Gerätes eine interessante Anwendung dar. Im Rahmen von Second Screen kann dies aber auch in umgekehrter Richtung erfolgen, in den meisten Fällen werden allerdings Mobilgerät oder Laptop zeitlich parallel zum TV-Gerät für andere Inhalte genutzt. Beispiele sind die Recherche für ergänzende Informationen zum Programm, und die Nutzung sozialer Netze (z.B. Facebook).

Eine interessante Form der intelligenten Bedienung des TV-Gerätes ist die in Erprobung befindliche Steuerung durch Sprache oder Gesten. Sie bietet dem Nutzer mehr Komfort.

Die 4k-Entwicklung

Die Entwicklung zu 4k (Ultra HD) geht zügig voran. Von den in Deutschland verkauften LCD-Fernsehern sind derzeit 15 % (ab 40 Zoll Bildschirmdiagonale) bzw. 35 % (ab 55 Zoll Bildschirmdiagonale) für 4k ausgestattet. Ultra HD –Inhalte sind bereits über einige Satellitenkanäle verfügbar, aber ebenso als Streaming-Angebote von YouTube, Netflix, Amazon Video und anderen Online-Plattformen.

Native 4k-Inhalte können aus folgenden Quellen stammen:

  • TV-Übertragung (via Satellit)           (20 … 30 Mbit/s)
  • Streaming                                         (10 … 20 Mbit/s)
  • BD-Player / Festplatte                     ( bis 100 Mbit/s)
  • Digitalkamera, Digital-Camcorder   (unterschiedliche Datenraten)

Durch geeignete 4k-Prozessoren in den TV-Geräten ist bestmögliche Bildqualität bei allen Inhalten erreichbar. Dabei wird das jeweilige Eingangssignal analysiert, optimal verarbeitet und im Bedarfsfall auf 4k hochskaliert (upscaling).

Der Trend zu großen Bildschirmen (»Großzoll«) ist ungebrochen. Bei Geräten mit Bildschirmdiagonalen ab 50 Zoll stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 82 %. So wurden 2015 etwa 1,8 Mio. dieser Geräte verkauft, davon weisen etwa 1 Mio. Bildschirmdiagonalen zwischen 55 Zoll und 59 Zoll auf.

Abschließend wurde zusammenfassend dargestellt, dass die Veränderung der Gerätelandschaft auf einer breiten Produktpalette, intuitiver Gerätebedienung und Vernetzung der smarten Endgeräte beruht.

Veränderung der Infrastruktur

Der Bedarf für Veränderungen der Infrastruktur ist durch die Konvergenz der Mediennutzung und Kommunikation gegeben. Dabei wird die ursprüngliche Form des leitungsgebundenen Triple Play (Fernsehen, Internet, Telefonie) inzwischen durch das funkgestützte Konzept Mobilfunk zum Quadruple Play ergänzt. Wegen der zunehmenden Komplexität solcher Systeme bevorzugen die Nutzer solche Anbieter, die den kompletten Service aus einer Hand anbieten.

Die neue Auffindbarkeit

Die neue Inhaltevielfalt erschwert dem Nutzer das gezielte und schnelle Auffinden gewünschter Beiträge. Besonders die traditionellen Verlagshäuser für Programmzeitschriften (z.B. Burda) bieten daher inzwischen umfangreiche elektronische Programmführer (electronic programme guide, EPG) an, zum Teil mit integrierten Live-Streams. Es handelt sich dabei um Online-Angebote, auf die meist über entsprechende Apps komfortabel zugegriffen werden kann.

Als ein wichtiges Kriterium zur Verbesserung der Auffindbarkeit wurde auch die Integration von Social Media genannt, weil das den personalisierten TV-Video-Konsum attraktiv macht.

TV und Social Media

Bild 7: Facebook X Video; Quelle: Tweek / Facebook

Bild 7: Facebook X Video; Quelle: Tweek / Facebook

Bei vorstehender Thematik geht es um die Nutzerbindung im Online-Bereich mit Hilfe von Social Media. Das setzt eine möglichst schnelle Entdeckung (»one step discovery«) gewünschter Inhalte voraus. Von der Firma Tweek wurden die dafür geeigneten Apps »Personalisierte Video Discovery« und »Technische Schnittstelle für Content – Empfehlungen & Personalisierung« vorgestellt. Damit ist Instant Personalisierung für Video Services durch die Verknüpfung mit sozialen Netzwerken

(z.B. Facebook, Twitter, …. ) möglich. Dabei werden alle verfügbaren Daten aus den sozialen Netzen und der Zugriff auf Inhalte ausgewertet. Als Ergebnis lassen sich zielgruppenspezifische Kommunikations- und Distributionskanäle generieren.

Social Media bleibt aber nicht bei der Parallel-Interaktion, sondern will auch die Destination. So investiert Facebook, als eine der weltweit größten Social Communities nicht unerheblich in Video Destination. Dazu merkt der Firmengründer Mark Zuckerberg im November 2015 an: »We have the chance to build the best place to watch and share video« (Bild 7).

Es wurde in der Präsentation klar herausgearbeitet, dass durch den Einsatz der Infrastruktur-Funktionen die Nutzerbindung im Vordergrund stehen muss. Dazu gehören vor allem folgende Aspekte: Sharing, Interaktion und Discovery.

Veränderung der Geschäftsmodelle

8.Wertschöpfungskette im Bewegtbildmarkt; Quelle: Sky Deutschland

Bild 8: Wertschöpfungskette im Bewegtbildmarkt; Quelle: Sky Deutschland

Ein Geschäftsmodell beschreibt die logische Funktionsweise eines Unternehmens und insbesondere die spezifische Art und Weise, mit der es Gewinne erwirtschaftet. Diese grundsätzliche Definition zeigt deutlich, dass die Erfolge oder Misserfolge eines Unternehmens unmittelbar vom Geschäftsmodell abhängen. Das gilt insbesondere für Unternehmen der sich durch die Konvergenz im starken Wandel befindlichen Medienbranche.

Von Sky Deutschland wurden die spezifischen Probleme im Bewegtbildmarkt dargestellt und die vom Unternehmen ergriffenen reaktiven Maßnahmen aufgezeigt (Bild 8). Zuerst wurde verdeutlicht, dass die Nutzung des linearen Fernsehens stagniert, es handelt sich also um ein »no growth business«, Wachstum ist dagegen bei Online.Video gegeben.

Es müssen die Kundenbedürfnisse erkannt und daran orientiert die eigenen Produkte gestaltet werden. Dabei geht es um folgende Punkte:

  • Exklusivität
  • Eigenproduktion vs. eingekaufte Fremdproduktion
  • Auswahl der Lizenzfenster und Genres
  • kuratiert vs. nutzungsbasiert
  • Abomodell vs. Transaktionsmodell
  • Featuresets
  • Preisgestaltung

Die ersten Erkenntnisse von Sky Deutschland führten unter der Thematik »Content wird zur Commodity« zu folgenden Aussagen:

  • Je größer, desto austauschbarer werden die Film- und Serien-Angebote.
  • »Grundrauschen« an wichtigen Inhalten ist notwendig, um Grundbedürfnisse zu befriedigen.
  • Das Marktverhalten entspricht auf Angebots- und Nachfrageseite jedoch noch nicht einem vergleichbaren Markt für Handelswaren.
  • Differenzierung über Standardinhalte ist komplex.

Eine Auswertung vorstehender Beschreibungen des Sachstands führte zu dem wichtigen Ergebnis, dass langfristige Differenzierung essenziell ist. Das bedeutet:

  • Differenzierung über Preis, Inhalte oder Usability und Features.
  • Technische Features und Usability sind kaum dauerhaft haltbare USPs.
  • Exklusive Inhalte, redaktionelle Aufbereitung und intelligente Wege der Content Discovery sind Haupttreiber von Differenzierung.
  • Der Markt für exklusive Inhalte ist aktuell ein Verkäufermarkt.

In diesem Zusammenhang wurde festgestellt, dass die Technik zwar Voraussetzung ist, die Inhalte jedoch der Differenzierungsfaktor im Wettbewerb.

Da es sich bei Sky Deutschland um Bezahlfernsehen (Pay-TV) handelt, wird Konfusion für den Nutzer als großer Feind gesehen. Es wird deshalb folgende Angebotsstrategie verfolgt:

  • Einfache und übersichtliche Bedienung der Geräte
  • Optimale Nutzungsbedingungen
  • Bedienoberflächen, die konsequent den Vorstellungen der Kunden angepasst sind.
  • Gleiches Design auf allen Endgeräten.
  • Klare Zuordnung von Geschäftsmodell und Inhalt.
  • Langfristige Einhaltung des Versprechens bezüglich Inhalte, Qualität und Service.

Das Fazit für Sky Deutschland lautet: Eine konstant hohe Nutzung resultiert in einer hohen Weiterempfehlungsrate und großen »Stickiness«, also Anhänglichkeit, der Kunden. Der Erfolg des Unternehmens basiert auf dem Angebot attraktiver Inhalte über fast alle Übertragungswege, das die Kunden mit nahezu allen Bewegtbildgeräten nutzen können.

Die Struktur des Geschäftsmodells von Sky Deutschland umfasst hochwertige und exklusive Programme, wegweisende Innovationen und einen ausgezeichneten Kundenservice.

Wie dramatisch verändert sich unsere Industrie?

In der das Symposium abschließenden Diskussion wurden noch einmal die thematischen Schwerpunkte zusammenfassend behandelt. Es bestand Einvernehmen, dass TV heute nicht nur lineares Fernsehen ist, sondern immer stärker »Total Video«. Der klassische Rundfunk sei allerdings nicht durch andere Verbreitungsverfahren ersetzbar, wenn auch inzwischen die meisten Inhalteanbieter eine Multiscreen-Strategie verfolgen.

Vom Fachhandel wurde auf den Bedarf hingewiesen, den Konsumenten durch qualifizierte Beratung die Nutzung der vielfältigen multimedialen Welt zu erleichtern. Das führt zu der Forderung, den Verbraucher besser zu informieren und aufzuklären. Dieses Erfordernis ist auch deshalb gegeben, weil der Mobilfunk zunehmend ebenfalls Bewegtbild anbietet und bei den Standards übergreifende Lösungen in Arbeit sind.

Die über E-Mail und Twitter von den Teilnehmern des Symposiums für die Diskussion übermittelten Beiträge machten den Wunsch des jüngeren Publikums an die Fernsehmacher deutlich, frecher und experimentierfreudiger zu sein.

Fazit

Das Symposium »25 Jahre Deutsche TV-Plattform« wurde von den Teilnehmern mit großer Mehrheit als eine gelungene Veranstaltung bewertet, weil die Entwicklung der audiovisuellen Welt mit allen Problemstellungen, Lösungsansätzen und Perspektiven umfassend behandelt wurde.

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