Nachgefragt bei Michael Lochthofen 

Prüfen und beurteilen

12. Mai 2016

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Wer viel unterwegs ist und elektrische Anlagen prüft, weiß wo gefährliche Situationen auftreten können. Anlagenbetreiber sind verpflichtet auf Grundlage der BetrSichV diesen Gefährdungen entgegenzuwirken.

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Michael Lochthofen  Meister des Elektrohandwerks, Mebedo Consulting GmbH, Montabaur

Michael Lochthofen, Meister des Elektrohandwerks, Mebedo Consulting GmbH, Montabaur

Unser heutiger Interviewpartner ist Spezialist auf diesem Gebiet und weiß an welchen Stellen es in der Praxis häufig klemmt.

»de«:  Herr Lochthofen, könnten Sie uns bitte kurz schildern, als was Sie gegenwärtig tätig sind?

M. Lochthofen:  Seit fast acht Jahren bin ich bei der Mebedo Consulting GmbH tätig. Mein Aufgabengebiet ist zweigeteilt, zum einen gebe ich Seminare zu den Themen »Messen und Prüfen« mit Schwerpunkt auf IT-Systeme, Stromerzeuger, Erdungsanlagen und natürlich »normale« Anlagen- und Geräteprüfungen nach den verschiedenen VDE-Normen. Dafür bin ich bundesweit – und teilweise darüber hinaus – im Einsatz.

Zum anderen werde ich als gesamtverantwortliche Elektrofachkraft bei einem Baukonzern eingesetzt und unterstütze meine Kollegen bei anderen VEFK-Projekten, wenn es sehr speziell wird: Auf Schiffen, unter Tage oder wenn es um den Themenkomplex Eisenbahn geht. Wenn dann noch Zeit ist, kümmere ich mich um die Weiterentwicklung meiner Bücher und arbeite einen Normen-Newsletter auf www.roe-gmbh.de aus.

»de«: In unserem Verlag sind Sie – neben der Autorentätigkeit in der »de«-Rubrik »Praxisprobleme« – auch als Buchautor tätig. Helfen diese bei der täglichen Prüfarbeit von Elektrofachkräften?

M. Lochthofen:  Ja, auf jeden Fall. Während das Buch  »Prüfen elektrischer Geräte« eher ein Grundlagenbuch mit vielen Bildern ist und dem Anfänger

Klaus Bödeker und Michael Lochthofen: Prüfung elektrischer Geräte; Hüthig GmbH; ISBN: 978-3-8101-0396-3

K. Bödeker und M. Lochthofen: Prüfung elektrischer Geräte

hilft, in der Thematik zurecht zu kommen, ist der Titel »Wiederholungsprüfung nach VDE 0105« deutlich umfangreicher. Es ist eher der tägliche Begleiter, um nachzuschlagen und Antworten zu finden. Allerdings kann man von den Büchern nicht erwarten, dass man sich autodidaktisch komplett in die Thematik einarbeiten kann. Es ist immer nur als Ergänzung zu sehen. Die Themen in den Büchern sind eher so ausgewählt, dass sie gut ins Handwerk, also für Prüfdienstleister passen. Beide Bücher sind vor kurzem erst aktualisiert worden und befinden sich damit auf dem neuesten Stand der aktuellen BetrSichV sowie der DIN VDE 0105-100.

»de«: Wo liegen heute die größten Probleme im Zusammenhang von Gefährdungsbeurteilungen gemäß BetrSichV?

M. Lochthofen:  Sie überhaupt durchzuführen. Die größte Hürde ist doch, dass die meisten eigentlich alles wissen, was in die Gefährdungsbeurteilung gehört, aber dies nicht schriftlich fixieren.

K. Bödeker, M. Lochthofen, K. Rohlof: Wiederholungsprüfungen nach DIN VDE 0105

K. Bödeker, M. Lochthofen, K. Rohlof: Wiederholungs-prüfungen nach DIN VDE 0105

Leider wird diese Sache insbesondere im Handwerk oft überhaupt nicht ernst genommen. »Wann soll ich das denn noch machen?«, ist die Standardantwort, die ich dann höre. Die Aufzählung der Faktoren, die nach der neuen BetrSichV in einer Gefährdungsbeurteilung betrachtet werden sollen, schreckt dann noch zusätzlich ab.

Allerdings wird meistens übersehen, dass natürlich auch der Umfang der Gefährdungsbeurteilung und die Tiefe der Betrachtung angemessen sein müssen.

Es ist ein Unterschied, ob ich eine Gefährdungsbeurteilung für eine Gruppe von 10.000 Arbeitsmitteln in einem Industriekonzern erstelle oder für zwei Arbeitsmittel eines Handwerkers. Im ersten Fall ist es zumutbar, sich mit allen Schritten der Gefährdungsbeurteilung nach BetrSichV und der BekBS 1113 auseinanderzusetzen, und eine entsprechend umfangreiche Ausarbeitung zu erstellen.

Geht es dagegen um eine kleine Anzahl Arbeitsmittel, so kann man das deutlich einfacher halten. Ich persönlich bin kein Freund von den »Ankreuz-Gefährdungsbeurteilungen«, aber die sind zumindest eine Grundlage.

»de«: Was wünschten Sie sich von den Anlagenbetreibern, damit elektrische Anlagen in Deutschland noch sichererer und mängelfreier werden?

M. Lochthofen:  Da sollten die Anlagenbetreiber selbst ein großes Interesse dran haben. Mit einer sauberen Instandhaltung kann man, entgegen dem was viele Controller behaupten, viel Geld sparen. Weniger Ausfälle – also mehr Anlagenverfügbarkeit – und natürlich auch weniger Störungen, Brände und Unfälle. Die Wirtschaft hat nach Liberalisierung der Vorschriften gerufen und nun wissen viele nichts mit der Freiheit anzufangen. Oder sie sind einfach hoffnungslos überfordert. Den meisten Anlagenbetreibern ist nicht einmal klar, für was sie verantwortlich sind und um was sie sich kümmern müssen, um zumindest den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden.

»de«: Vielen Dank für das Gespräch!