Elektroindustrie zuversichtlich für 2017:

Produktionswachstum von plus 1,5 % erwartet

25. April 2017

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Die deutsche Elektroindustrie ist gut ins Jahr gestartet. Die preisbereinigte Produktion ist in den ersten beiden Monaten um 4,4 % gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gestiegen. Für das Jahr 2017 wird ein Produktionswachstum von 1,5 % erwartet. Sorge bereiten vor allem mögliche politische Risiken, etwa durch den unklaren Kurs der USA unter Präsident Trump und den Brexit.

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»Die gegenwärtige Stimmung ist zuversichtlich«, so ZVEI-Präsident Michael Ziesemer. »Für 2017 rechnen wir insgesamt mit einem Zuwachs von 1,5 % bei der realen Produktion und einem Umsatzanstieg auf 182 Milliarden Euro.«

Damit bestätigt der ZVEI seine Prognose vom Jahresanfang. »Obwohl die allgemeinen Geschäftserwartungen der Unternehmen aktuell hoch sind, bleiben wir für das Gesamtjahr zurückhaltend«, erklärt Ziesemer. »Grund hierfür sind politische Risiken. Der wirtschaftspolitische Kurs der USA ist weiterhin unklar, die Folgen des Brexit sind noch nicht abzuschätzen. Hinzu kommen die Spannungen mit der Türkei und die wirtschaftliche und politische Unsicherheit in Italien.« Die vier Länder sind hinsichtlich Export und Direktinvestitionen von großer Bedeutung für die deutsche Elektroindustrie. Im vergangenen Jahr nahmen sie ein Fünftel der gesamten Branchenausfuhren auf. Zudem befindet sich hier ein Viertel des Bestands an Direktinvestitionen der Branche im Ausland.

2016 hatte die deutsche Elektroindustrie mit einem preisbereinigten Produktionsplus von 1,2 % abgeschlossen. Die Branchenerlöse erhöhten sich lediglich um 0,2 % auf 178,5 Milliarden Euro. Aktuell sind 847.000 Inlandsbeschäftigte in der Branche tätig. Dieses hohe Niveau sollte auch 2017 gehalten werden können.

Industrie 4.0: Neue Geschäftsmodelle entstehen

Die Hannover Messe 2017 zeigt, dass die Digitalisierung schnell voranschreitet. »Vor einem Jahr standen konkrete Industrie-4.0-Anwendungsfälle im Vordergrund. In diesem Jahr rücken neue digitale Geschäftsmodelle vor«, betont der ZVEI-Präsident. »Industrie 4.0 erklimmt die nächste Stufe: Der Wettbewerb zieht an und schafft neue Werte.« Zu dieser Entwicklung haben die Plattform Industrie 4.0, das Standardization Council Industrie 4.0 und das Labs Network Industrie 4.0 beigetragen. »Industriepolitisch sind wir gut aufgestellt, unsere Arbeit ist erfolgreich und findet international hohe Beachtung.«

Dem ZVEI ist wichtig, dass bei der Implementierung von Industrie 4.0 jeder mitmachen kann. Das gemeinsame Open-Source-Projekt openASS mit der RWTH Aachen zeigt, wie sich Industrie-4.0-Anwendungen unternehmensübergreifend umsetzen lassen. »Wir sorgen technologisch für Anschlussfähigkeit. Das ist auch politisch bedeutsam«, erklärt Ziesemer.

Fokus auf Innovationen, Wertschöpfung und Fachkräfte legen

Zur Bundestagswahl 2017 hat der ZVEI erneut Wahlprüfsteine vorgelegt. Um Deutschland zukunftssicher zu machen, sieht der Verband drei Schwerpunkte. Erstens, die Innovationsfähigkeit von Unternehmen durch eine steuerliche Forschungsförderung in Höhe von mindestens zehn Prozent der gesamten F&E-Aufwendungen stärken. Zweitens, die digitale Wertschöpfung ausbauen. Voraussetzung hierfür ist eine wettbewerbsfähige, digitale Infrastruktur. Ziesemer: »Das flächendeckende, industriefähige Breitbandnetz ist ein Muss. Deutschland riskiert durch politische Fahrlässigkeit seine Wettbewerbsfähigkeit.« Schließlich drittens, mehr Investitionen in Weiterbildung tätigen. Der digitale Wandel wird im Wesentlichen mit bestehenden Belegschaften zu bewerkstelligen sein. »Wir brauchen neue Konzepte, die die digitalen Kompetenzen entlang der Bildungskette erhöhen.«

www.zvei.org