Individuellen Bedürfnisse zugrunde legen

Notfall- und Gefahren-Reaktionssysteme (NGRS)

21. September 2017

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Bei der Auswahl von NGRS legen immer noch zu wenige Organisationen und Unternehmen die individuellen Bedürfnisse zugrunde. Und das
obwohl die deutsche Vornorm DIN VDE V 0827-1 (VDE V 0827-1):2016-07 eine gute Orientierung zum Vorgehen und der notwendigen Ausstattung bietet.

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Egal ob Schulen, Universitäten oder Behörden: Organisationen aller Art sehen sich heute mit einer Vielzahl verschiedener Sicherheitslagen konfrontiert. Das gilt nicht nur für den Fall terroristischer Bedrohungen, sondern auch wenn ein wütender Kunde ­einen Mitarbeiter attackiert oder in einer Bildungseinrichtung ein Amoklauf droht.

Bedrohungslagen und Risikoszenarien

Vor diesem Hintergrund blüht vielerorts der Aktionismus. Klar scheint den Führungskräften lediglich zu sein, dass etwas für die Sicherheit des eigenen Umfelds getan werden muss. Die Vorstellungen, um was es dabei genau gehen könnte, sind allerdings oft diffus. Es fehlt schlicht und ergreifend das technische Know-how um die Sicherheitsanalyse in eine entsprechende technische Ausstattung zu überführen. Braucht es beispielsweise eine Videoüberwachung? Oder neue Brandmeldeanlagen? Und was ist mit Zugangskontrollen? Reflexhaft wird nach jedem Strohhalm gegriffen, der ein Plus an Sicherheit verspricht.

Aber Vorsicht: wer nach dieser Logik vorgeht, droht mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Denn Bedrohungslagen und Risikoszenarien sind je nach Umfeld höchst individuell und mit einer Großzahl an spezifischen Variablen versehen. Ein Beispiel: während es in einem Arbeitsamt durchaus Sinn macht, den einzelnen Sachbearbeitern unter dem Schreibtisch stumme Alarmschalter zur Alarmierung des Sicherheitsdienstes zur Verfügung zu stellen, ist dies in den Klassenräumen einer Grundschule in aller Regel unnötig (Bilder 1 und 2).

An der geltenden Norm ausrichten

Bild 1: Beispiel für normgerechte Kommunikation: Sprechstelle in einem Klassenraum

Bild 1: Beispiel für normgerechte Kommunikation: Sprechstelle in einem Klassenraum

Leider vermissen viele Verantwortliche einen klaren Leitfaden, an dem sie sich bei der Gebäudeausstattung und Geräteauswahl orientieren können. Dabei gibt es seit Mitte vergangenen Jahres mit der deutschen Vornorm DIN VDE V 0827-1:2016-07 ein ausführliches Regelwerk, das genau dabei weiterhilft. Dargestellt werden darin unter anderem technische Systeme, die sich in individuellen Gefahrenfällen dazu eignen, Hilfe herbei zu rufen, Amokalarme auszulösen, Betroffene zu warnen und Handlungsanweisungen zu übertragen.

Die Norm ist darauf ausgerichtet, die organisatorischen Prozesse innerhalb eines Unternehmens, einer Behörde oder einer Institution bestmöglich zu unterstützen. Sie gibt aber keine Verhaltensvorgaben zu spezifischen Vorfällen, wie etwa einem Amokalarm. Der Grund: In vielen Organisationen gibt es bereits Konzepte zur Krisenbewältigung. Es gilt also vielmehr, diese bestehenden Konzepte mit Hilfe von Notfall- und Gefahrenreaktionssystemen umzusetzen.

Technischer Sicherheitsmanager von zentraler Bedeutung

Bild 2: Gut, wenn sich am Ort des Geschehens sofort eine Gefahren­meldung absetzen lässt

Bild 2: Gut, wenn sich am Ort des Geschehens sofort eine Gefahren­meldung absetzen lässt

Das Gute ist: wer die in der Norm formulierten Prozesse einhält und sich intensiv mit seiner eigenen Gefährdungslage auseinandersetzt, wird automatisch zu der erforderlichen individuellen Sicherheitslösung geführt. Dabei beschreibt die Norm ganz konkret die geforderten Features der eingesetzten Systeme, definiert je nach Einsatzbereich drei unterschiedliche Sicherheitsgerade und beschreibt darüber hinaus, wer eigentlich für die Umsetzung verantwortlich zeichnet. In dieser Funktion legt sie auch eine gemeinsame Grundlage für die Zusammenarbeit der während der Einrichtung beteiligten Gewerke.

Neu – und von zentraler Bedeutung – ist dabei die Position des technischen Risikomanagers, der innerhalb einer Organisation die Risikoanalyse und Risikobewertung vornimmt. Einfach gesagt beantwortet er die Frage: »Was benötigen wir in unserer Situation eigentlich?« und bestimmt, welcher Sicherheitsgrad umgesetzt wird. Er ist quasi die Schnittstelle, die eine Institution oder ein Unternehmen mit zielführender Technik verbindet. Der technische Risikomanager bringt also stets genau die Lösungen ins Konzept ein, die die individuellen Risiken beherrschbar machen.

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