Home Betriebsführung Betriebsführung Einfache Handhabung und Reinigung von Gipspfannen

Fränkischer Erfindergeist

Einfache Handhabung und Reinigung von Gipspfannen

Auf einen Blick Die Grundidee kam dem Erfinder beim Umgang mit einer unbrauchbaren Version aus dem Großhandel

Die Unterscheidungsmerkmale gegenüber herkömmlichen Pfannen sind ein besserer Stand, eine längere Haltbarkeit, die elastische Form und eine Abstreifkante aus Stahl sowie eine gerade Kante im Kunststoff und die umlaufende Abstreiflippe
Der Heimatort des Inhabers eines Elektroinstallationsbetriebs ist nicht gerade dass, was man als den »Nabel der Welt« bezeichnen würde. Vielleicht liegt hier aber auch der Vorteil: Man hat einfach die Ruhe, sich über vieles Gedanken zu machen, so auch über den Wert herkömmlicher Gipspfannen.

Die Beweggründe des Erfinders

Harald Walter (Bild 1) wollte es wissen: Wie viel Zeit und damit Geld ließe sich sparen, sollte die Reinigung des Werkzeugs schneller von statten gehen? Die Antwort: »Mein ‚GipsProfi‘ spart durch die einfache Reinigung und effektivere Handhabung mindestens drei Minuten Arbeitszeit ein. Wenn Sie das auf ein Jahr hochrechnen, bei einem Arbeitslohn von etwa 45,– € pro Stunde, dann sind das ungefähr 1600,– € pro Jahr. Die können Sie bestimmt sinnvoller investieren, als in die nervige Reinigung.«
 Bild 1: Der Tüftler 
in der häuslichen Werkstatt
 Bild 1: Der Tüftler in der häuslichen Werkstatt
Doch es ging ihm nicht nur um die Reinigung, auch die allgemeine Handhabung wollte er verbessern. So sollte die neue Gipspfanne stabil und gleichzeitig elastisch, für die Verwendung mit der im Elektrohandwerk üblichen Spachtel gut brauchbar und schließlich auch schmutzabweisend sein: »Als ich meine bislang benutzte Gipspfanne verlegt hatte, bat ich meine Frau, mir im Großhandel eine neue zu bestellen. Die kam dann auch und war einfach nur ‚Schrott‘, weil man sie gar nicht hinstellen konnte und auch keine eckigen Innenkanten für die Spachtel aufwies.«

Der erste Prototyp

Wie so oft im Leben: Selten ist es von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt nur ein kleiner Sprung. So auch bei Harald Walters neuer Gipspfanne. Der erste Prototyp – sozusagen in einem 3D-Drucker in einer Hinterhofwerkstatt geboren – entsprach noch gar nicht seinen hohen Ansprüchen, weil sie ihm schlicht zu klobig und zu schwer erschien. Doch die Richtung war klar und es gesellten sich ständig neue Detailideen dazu: »Ich nahm diese Form und überlegte mir, die Rundung an einer Stelle abzusägen und klebte eine Kunststoffplatte ein, damit ich ­eine Abstreifkante hatte. Das funktionierte einwandfrei. Endlich konnte ich meine Spachtel während des Gebrauchs vernünftig abziehen!« Daraus wurde dann in der endgültigen Version ein Behälter mit einer umlaufenden Abstreiflippe und einer, in die Kunststoffform eingebrachten, geraden Kante.

Die Frage des »richtigen« Materials

Der nächste Schritt musste dann zwangsläufig die Materialfindung sein. Weich und elastisch und dennoch beständig, was Kratzer oder gar Schnitte mit der Spachtel betraf: »Es gibt diesbezüglich viele Angebote von Kunststoffen im Netz, doch da war mir einfach der Weg zum Hersteller zu weit. Das waren dann z.B. Firmen aus Hamburg. Ich fand heraus, dass meine Gegend hier eine Kunststoffhochburg ist und mit Hilfe einer Firma in nächster Nähe fanden wir dann auch das passende Material«, so der stolze Erfinder.

Und dieses Material heißt »TPU« (Thermoplastisches Polyurethan), ein weicher und silikonfreier Kunststoff, der sich gut formen und mit einer Farbe versehen lässt (Bild 2). In einem benachbarten, kunststoffverarbeitenden Betrieb entsteht mit Hilfe der Vakuumspritztechnik und einer ­entsprechenden Form aus Werkzeugstahl (Bild 3) der Korpus der Gipspfanne: »Wir kamen durch viele Versuche und Testsauf das richtige Material und das richtige Verhältnis von Elastizität und doch Steifheit. So bekamen wir zum einen die genügend große Festigkeit gegen Kratzer und dennoch die Weichheit zum leichten Reinigen und Entnehmen des Behälters«, resümiert Walter.

Bilder 2  bis 4



Zusätzliche Eigenschaften

Die Grundform mit der geraden Kante und das Material waren gefunden, jetzt ging es an den »Feinschliff«. Besonders stolz ist der Tüftler auf die Möglichkeit der beidhändigen Verwendung – in dem man den Topf quasi ‚umdrehen‘ kann – und einer drehbaren Lagerung für individuelle Griffpositionen. Dies war nur mit der Aufhängung an einem Stahlring möglich: »Hierzu war es wichtig, dass wir ein Material aussuchten, dass gleichsam federnd – also wieder in seine ursprüngliche Form zurückging – als auch rostfrei und nicht zu schwer war.«

Doch auch dieses Problem wurde gelöst und so entschied er sich nach einigen Tests für einen Ring in 4 mm Stärke und aus einem speziellen rostfreien Federstahl an den auch die zusätzliche Abstreifkante, auch aus einem rostfreien Stahl, angebracht ist und sich zum Lösen der Gipsreste an der Spachtel eignet. Von hier aus war es nun tatsächlich nur noch ein kleiner Schritt, um in Serie gehen zu können. Denn der Nutzer muss die Gipspfanne ja auch in den Händen halten können. Harald Walter demonstrierte dies »live« in seiner Werkstatt im Keller seines Hauses (Bild 4).

Mit einer speziellen PU-Heißklebepistole, einer selbstgebauten Haltevorrichtung und einem pneumatischen Kolben sitzt der Holzgriff mit dem Logo des »GipsProfis« innerhalb weniger Sekunden absolut fest am Stahlring. Versehen mit einer gedruckten Falteinlage ist das Gerät nun fertig zum Verkauf. Leichte Reinigung

Hier schließt sich dann wieder der Kreis, denn Walter wollte ja gerade ein Werkzeug, das sich leicht reinigen lässt und dadurch Zeit spart. Die Demonstration dieses Vorteils folgte auf dem Fuß (Bilder 5a, b und c). Die längere Gebrauchszeit des Gipses, infolge der glatten und nicht saugenden Oberfläche, nimmt der Handwerker selbstredend dann auch noch gerne an. Bei vielen E-Großhandlungen in Deutschland und Österreich ist der Gipsprofi schon gelistet und im Programm und diese Liste wird von Tag zu Tag länger.

Bilder 5a bis 5c

Und der Preis? Der ist natürlich etwas höher als bei einer einfachen Pfanne aus dem Internet, aber: »Ich biete dem Elektriker über den Großhandel den Gipsprofi in guter Qualität , ‚Made in Germany‘ und mit hoher Zeiteinsparung an.« Und diese Qualität wiederum hat – keine Frage – immer ihren Preis.
Infos
Wer sich etwas mehr Überblick verschaffen möchte, kann dies hier tun: www.gipsprofi.de

Hier gibt es auch ein Video, das die Vorgehensweise mit dem Werkzeug gut demonstriert sowie sämtliche Kontaktdaten.
Über den Autor
Autorenbild
Marcel Diehl

Redaktion »de«

Newsletter

Das Neueste von
elektro.net direkt in Ihren Posteingang!