Praxisfrage

AFDDs in bestehenden Anlagen

Frage gestellt am 10. November 2017

,

Auch ich verfolge die Diskussion um die Forderung nach Brandschutzschaltern in der neuen Normen DIN VDE 0100-420. In dem Artikel „Sicherheit steht bei dem AFDD im Vordergrund“ auf Seite 6 der Ausgabe 18.2017 schreiben Sie wie folgt: „Die Verpflichtung beschränkt sich zudem auf neu zu errichtende Anlagen und einphasige Stromkreise bis 16 A. In den dort eingesetzten Verteilerkästen sind ausreichend Bauräume zum Einbringen der Brandschutzschalter vorhanden. Platzmangel und wesentliche Mehrkosten für größere Verteilerkästen sind demnach nicht zu befürchten“. Ich bin der Ansicht, dass alles was in einer Anlage neu installiert wird, auch den gültigen Normen entsprechen muss. Wenn dem so ist, ist in vielen Anlagen in den Verteilern eben nicht genug Platz und es entstehen erhebliche Mehrkosten für größere bzw. neue Verteilerkästen. Was gilt, wenn in einer feuergefährdeten Betriebsstätte z.B. zusätzliche Leitungen für Leuchten oder Steckdosen verlegt werden, oder ein zusätzlicher Stromkreis nachgerüstet wird. Was gilt, wenn in einem Fertighaus z.B. die Küche renoviert wird? Muss in diesen Fällen dann kein AFDD eingebaut werden, weil es keine Neuanlage ist?
K. A., Baden-Württemberg

Login

Sie sind bereits Abonnent?

jetzt einloggen

Sie sind noch kein Abonnent?

Als Abonnent der Fachzeitschrift de haben Sie Zugriff auf alle Inhalte des Online-Portals elektro.net

Jetzt abonnieren

Anzeige

Kommentare aus der Community (1)

  1. Zum benannten Thema AFDD gibt es eine neue Verlautbarung der DKE vom 02.11.2017

    https://www.dke.de/de/normen-standards/verlautbarungen/verlautbarungen-core-safety/verlautbarung-lichtboegen-in-endstromkreisen

    Diese ist nicht mehr weit weg von einem A1, in dem wohl zu erwarten ist, daß die pauschale Zwangsverpflichtung zum Einbau von AFDD fallen wird, sondern der Einsatz dieser an sich nicht schlechten Technologie dann dort erfolgen soll, wo der Brandschutz durch andere Maßnahmen noch nicht abgedeckt ist.

    „Das für die Norm DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2016-02 „Errichten von Niederspannungs­anlagen – Teil 4-42: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen thermische Auswirkungen (IEC 60364-4-42:2010, modifiziert + A1:2014); Deutsche Übernahme HD 60364-4-42:2011 + A1:2015“ zuständige DKE-Unterkomitee 221.2 „Schutz gegen thermische Auswirkungen/Sachschutz“ gibt als Hilfe für die Anwendung folgende Hinweise zur Norm. Diese gelten bis zum Abschluss der international begonnenen Überarbeitung dieses Normenteils und dessen Übernahme in Deutschland.

    1.) Von den Anforderungen kann abgewichen werden, wenn eine andere Lösung in gleicher Weise das vorgesehene Schutzziel „Vermeidung der Entstehung eines Brandes durch Fehlerlichtbogen“ erreicht und auf Basis einer Risikobeurteilung ein anderer mindestens gleichwertiger Schutz sichergestellt wird.
    Für öffentliche Gebäude hat der Arbeitskreis Maschinen und Elektrotechnik staatlicher und kommunaler Verwaltungen (AMEV) eine Ergänzung „Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung (AFDD)“ zur AMEV-Empfehlung „EltAnlagen 2015“ veröffentlicht.“

    Man traut sich offensichtlich nur noch nicht über den eigenen Schatten zu springen.
    Ansonsten ist es schwer erklärbar, daß ein rein deutscher Text bei IEC geprüft werden soll.

    Mit dem Verweis auf den AMEV ist es aber praktisch schon erfolgt.

    http://www.amev-online.de/AMEVInhalt/Planen/Elektrotechnik/EltAnlagen%202015/170623_Elt2015_1_Erg_AFDD_EF.PDF

    „Die Vorgaben der DIN VDE 0100-420:2016-02 im Abschnitt 421.7 sind pauschal und
    undifferenziert. Sie berücksichtigen unzureichend die baulichen, technischen und
    nutzungsspezifischen Randbedingungen und Besonderheiten der öffentlichen Gebäude.
    Zudem ist derzeit keine Marktdurchdringung von AFDDs festzustellen und die
    Praxistauglichkeit offen. In der vorliegenden Fassung wird der Abschnitt 421.7 der
    DIN VDE 0100-420:2016-02 nicht als allgemein anerkannte Regel der Technik eingestuft.
    Bezüglich des Einsatzes von AFDDs in öffentlichen Gebäuden sollte wie folgt verfahren
    werden:
    Für Räume und Orte, die nicht unter DIN VDE 0100-420:2016-02, Abschnitt 421.7,
    Aufzählungspunkt a) fallen, sollten keine AFDDs geplant und installiert werden.“

    „Kann das erhöhte Risiko nicht durch geeignete, aufeinander abgestimmte, bauliche,
    technische und organisatorische Maßnahmen kompensiert werden, dann sind
    AFDDs für die betroffenen Räume und Orte einzusetzen.“

    Au praktischer Sicht muß man sich immer vor Augen halten, daß es hier um Endstromkreise 3 x 1,5 qmm und kleiner geht. Es gibt zwar inzwischen AFDD mit höheren Bemessungsströmen. Einphasige Endstromkreise mit größeren Querschnitten sind aber sicher bestimmt Ausnahmen, z.B. IT Netze in Krankenhäusern und hier nicht zur Anwendung vorgesehen.
    Bei 3 x 1,5 qmm und den üblichen Isolierungen darf wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, daß der Vorgang der Fehlerlichtbogenbildung über die die Stufen Karbonisierung und schleichende Querschnittverringerung nicht nur in einer Phase vorgeht, sondern die entstehenden Temperaturen ebenso Auswirkungen auf die anderen Adern haben. Jedenfalls habe ich das an praktischen Beispielen bisher beobachtet. Spätesten beim durchschlagen der Adernisolierung und der Mantelisolierung der Leitung wird es damit auch zu einer Verbindung zu den anderen beiden Adern – PE – mit Ableitfehlerstrom oder / und N oder L kommen – Kurzschluß.
    Zu diesem Verhalten des Lichtbogenvorgangs fehlen ausreichend Untersuchungen.

    Eine geeignete Schutzmaßahme wäre dann wie bisher eine niedrig dimensionierte LS Schalter z.B. 10 A oder 6 A oder ein RCD mit kleiner Dimensionierung.
    Warum muß im Kindergarten die Steckdose im Schlafraum mit 16 A abgesichert sein ?
    Die neu anzuwendenden Staubsauger brauchen weniger als 4 A und das Spielzeug sicher noch weniger.
    Es sind also wie vom AMEV gefordert gleichwertig Maßnahmen durchaus möglich und sind und waren in VDE 0100-420 in nachfolgenden Kapiteln immer noch beschrieben.

    Wie in der Norm und den Verlautbarungen beschrieben sind feste Installationen in brennbaren Baustoffen nicht das pauschale Einsatzziel, siehe Thema Holzhäuser.

    Es geht also offensichtlich vorrangig um schlechte ortsveränderliche Betriebsmittel.
    Hier kann man auch in Altbauten durch Anwendung von mobilen PRCDS 10 mA gegensteuern oder sollte generell Verteilerleisten mit RCD in Steckernähe produzieren.

    Dagegen gibt es sicher andere sinnvolle Anwendungen für den AFDD z.B. im Zusammenhang mit Begleitheizung und Heizungsbändern.
    Da es sich hier um schutzisolierte BM handelt ist der PE nicht vorhanden und die Maßnahme mit dem RCD als Brandverhüter funktioniert schlecht, z.B. Brand in einem Kühlhaus in einer Bäckerei im Dezember 2016 durch defektes Heizband bzw. Heizbandanschluß an der Kühlhaustür im Zusammenhang mit brennbarer Dämmung.
    Hier hätte womöglich ein AFDD helfen können oder auch die Verwendung anderer Dämmstoffe. Der AFDD betrachtet auch den Kennlinien mit Wirksamkeit über 1,5 A und erst nach 1 s kein Allheilmittel und sollte dort eingesetzt werden, wo es die Gefährdungsbeurteilung und nicht eine pauschale Normforderung ergibt.


Einen Kommentar schreiben

Mit * markierte Felder müssen ausgefüllt werden. Ihre E-Mailadresse wird nicht angezeigt.