Vorsicht bei der Umrüstung

Sicherheits- und Allgemein­beleuchtung in einem

13. März 2019

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Die Anforderungen an Notbeleuchtung sind komplex. Neben der Verwendung von dedizierten Sicherheitsleuchten lassen sich einige Leuchten für die Allgemeinbeleuchtung mit Sicherheitsbeleuchtungsbausteinen erweitern und so gemäß den geltenden Normen und Vorschriften als Einzelbatterie-Sicherheitsleuchten einsetzen. Dabei gibt es einige Punkte zu beachten.

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Vom Gewitter über den Brand bis zum selbst verursachten Kurzschluss: für einen Stromausfall gibt es viele Gründe. Sicherheitsbeleuchtung soll Personen im Fall eines Stromausfalls das gefahrlose Verlassen eines Gebäudes ermöglichen und kann so helfen, Leben zu retten.

Komplexes Normen- und Regelwerk

Für die Notbeleuchtung maßgebend sind die vielfältigen Normen und Vorschriften der International Electrotechnical Commission (IEC), aus denen die Mehrzahl der entsprechenden europäischen (EN) und deutschen Normen (DIN EN) abgeleitet wurden.

So legen die lichttechnischen Normen insbesondere fest, welche Parameter die Sicherheitsbeleuchtung im Hinblick auf das emittierte Licht sowie die Installation der Leuchten erfüllen muss. Von zentraler Bedeutung ist dabei die DIN EN 1838. Sie setzt den Rahmen, um im Fall eines Netzausfalls eine ausreichende Beleuchtung und Kennzeichnung der Flucht- und Rettungswege sowie sämtlicher sicherheitsrelevanter Bereiche zu gewährleisten.

 Bild 1: Baustein für die Umrüstung von Leuchten für Allgemeinbeleuchtung in Sicherheitsleuchten mit Einzelbatterie

Bild 1: Baustein für die Umrüstung von Leuchten für Allgemeinbeleuchtung in Sicherheitsleuchten mit Einzelbatterie

So legt sie beispielsweise fest, an welchen neuralgischen Punkten – wie Notausgängen und Treppen – Sicherheitsleuchten angebracht werden müssen. Außerdem regelt die DIN EN 1838 unter anderem die minimale Beleuchtungsstärke für Sicherheitsbeleuchtung für Rettungswege, Anti-Panik-Beleuchtung und Sicherheitsbeleuchtung für Arbeitsplätze mit besonderer Gefährdung.

In Ergänzung zu den lichttechnischen Normen definieren die elektrotechnischen Normen die sicherheitsrelevanten Anforderungen sowohl für Leuchten für die Allgemeinbeleuchtung als auch für die Sicherheitsbeleuchtung und die dazugehörigen Betriebsgeräte.

Die allgemeinen und besonderen Anforderungen und Prüfungen für Leuchten »für Allgemeinzwecke« regeln die DIN EN 60598-1 beziehungsweise für fest verbaute »ortsfeste Leuchten« die DIN EN 60598-2-1.

Die besonderen Anforderungen an Leuchten für die Notbeleuchtung definiert dagegen die DIN EN 60598-2-22. Sie schreibt neben vielen anderen Punkten vor, dass eine gesonderte Glühdrahtprüfung vorgenommen werden muss, und stellt an die Zugentlastung und die mechanische Stärke hohe Anfor­derungen. Ein Indikationslicht muss außerdem jederzeit die Einsatzbereitschaft der Einzelbatterie-Sicherheitsbeleuchtung signalisieren.

Sicherheitsleuchten mit Sicherheitsbeleuchtungsbausteinen

Bild 2: Das Panel bietet eine Sicherheits­beleuchtungsfunktion für bis zu 3 h Betriebsdauer

Bild 2: Das Panel bietet eine Sicherheits­beleuchtungsfunktion für bis zu 3 h Betriebsdauer

Eine Alternative zur Installation dedizierter Sicherheitsbeleuchtungsprodukte ist die Umrüstung von Leuchten für die Allgemein­beleuchtung zu Sicherheitsleuchten über einen Sicherheitsbeleuchtungsbaustein (Bild 1). Dadurch lassen sich unter Umständen der planerische und auch der Kostenaufwand verringern, da man gegebenenfalls mit weniger verschiedenen Leuchtentypen und auch einer geringeren Gesamtanzahl an Leuchten auskommt – schließlich erfüllen die umgerüsteten Sicherheitsleuchten eine Doppelfunktion. Das kann im Ergebnis zu einem auch unter ästhetischen Gesichtspunkten stimmigeren, integrierten Gesamtkonzept führen.

Zunächst einmal gilt: Nur bestimmte Leuchtentypen eignen sich überhaupt für den Einsatz als Einzelbatterie-Sicherheitsleuchte. Im professionellen Sortiment von Ledvance sind dies beispielsweise die Panels (Bild 2) und Downlights (Bild 3).

Für die Erweiterung zu einer Sicherheitsleuchte wird dann ein Sicherheitsbeleuchtungsbaustein verwendet, ein fester Bausatz bestehend aus einer entsprechend geeigneten Batterie und einem elektronischen Vorschaltgerät (EVG).

Bild 3: Bei dem Downlight 
kann man die Sicherheitsbeleuchtungs-Funktion durch ­eine integrierte automatische Testfunktion prüfen

Bild 3: Bei dem Downlight kann man die Sicherheitsbeleuchtungs-Funktion durch ­eine integrierte automatische Testfunktion prüfen

Bei den Batterien haben sich Lithium-Batterien mittlerweile als Standard etabliert. Gegenüber den älteren Nickel-Cadmium- oder Nickelmetallhydrid-Varianten haben sie eine deutlich längere Lebensdauer, verbrauchen wesentlich weniger Energie, sind umweltverträglicher, gesundheitlich unbedenklich und haben eine kompaktere und leichtere Bauform. Durch die geringere Größe lassen sie sich außerdem besser in Leuchten integrieren. Gemäß DIN EN 60598-2-22 muss die Batterie für eine Mindestlebensdauer von vier Jahren im Normalbetrieb gerüstet sein.

Das EVG schaltet die Stromversorgung bei Ausfall des Netzstroms schnell und zuverlässig auf Batteriebetrieb um.

Wenn im Leuchtengehäuse zu wenig Platz ist, kann man den Sicherheitsbeleuchtungsbaustein gegebenenfalls extern anbauen. Bei ausreichend Platz hingegen bietet sich der direkte Einbau in das Gehäuse der Leuchte an (Bild 4).

Dabei sollte man beachten, dass bei derart erweiterten Leuchten mit Doppelfunktion ­unter Umständen die Lichtverteilung im Notbetrieb nicht optimal ist und die vorgeschriebene Gleichmäßigkeit der Beleuchtung beeinträchtigt wird. Das könnte bei der Montage geringere Abstände zwischen den Sicherheitsleuchten erfordern.

Wer umrüstet, haftet

Bild 4: Feuchtraumleuchte in Schutzart 
IP65 mit integriertem Treiber und Batterie für die Sicherheitsbeleuchtungs-Funktion

Bild 4: Feuchtraumleuchte in Schutzart IP65 mit integriertem Treiber und Batterie für die Sicherheitsbeleuchtungs-Funktion

Allerdings entsteht durch die Umrüstung mit einem Sicherheitsbeleuchtungsbaustein eine neue Leuchte. Der jeweils Umrüstende, zum Beispiel ein Elektroinstallateur, wird zum Hersteller der neuen Leuchte. Damit haftet er in vollem Umfang dafür, dass die umgerüstete Sicherheitsleuchte den geltenden rechtlichen Anforderungen und Normen entspricht. Bei und nach dem Einbau eines ­Sicherheitsbeleuchtungsbausteins gelten für die neu entstandenen Sicherheitsleuchten die umfangreichen anwendbaren recht­lichen Anforderungen und Normen für ­Sicherheitsbeleuchtung, insbesondere der DIN EN 60598-2-22.

Die umgebaute Leuchte ist außerdem mit einem neuen Typenschild zu markieren. Auch muss der »Umrüster« Sorge dafür tragen, dass unter anderem die CE-Labels nach den erforderlichen Prüfungen erneuert werden. Die neue Leuchte muss gemäß den anwendbaren Anforderungen und Normen bezüglich der elektrotechnischen und lichttechnischen Parameter neu getestet und die Ergebnisse umfassend dokumentiert werden. Außerdem erlischt in der Regel eine etwaige ursprüngliche Herstellergarantie, wenn ein Elektroinstallateur selbständig eine bestehende Leuchte modifiziert.

Daher ist es wesentlich unkomplizierter und risikoärmer, Leuchten für die Allgemeinbeleuchtung inklusive Sicherheitsleuchten-Funktion direkt vom Hersteller zu beziehen. Dabei sollte man auf die einschlägigen Prüfzeichen und Gütesiegel achten. Ledvance beispielsweise bietet solche ­fertigen Leuchten mit bereits integriertem Sicherheits­beleuchtungsbaustein, den sogenannten »conversion kits«, an. Sie erfüllen alle relevanten Normen, haben ein CE-Label und werden außerdem mit einer vollstän­digen technischen Dokumentation angeboten.

Weiterentwicklung der Normen

Auf der Ebene des IEC werden derzeit Erweiterungen der bestehenden sicherheitsrelevanten Normen diskutiert. Konkret gibt es Bestrebungen, die Normen IEC 60598 -2-22 und IEC 61347-2-7 um einige Punkte zu erweitern. Dazu gehören eine klarere Definition der Regeln für den Gebrauch und die Ladegeräte von Lithium-Batterien, für die Funk­tionssicherheit elektronischer Vorschaltgeräte und für einen besseren Schutz gegen exzessive Entladung.

Ein weiterer Vorschlag betrifft die Anpassung der Normen an moderne elektrochemisch doppelt beschichtete Kondensatoren (EDLC), die unter dem Namen »Super-Kondensator« bekannt sind. Gegenüber herkömmlichen, aufladbaren Batterien haben EDLC-Kondensatoren eine erwartete Lebensdauer von bis zu zehn Jahren und können mit einer Nennkapazität bei Temperaturen von bis zu - 40 °C betrieben werden. Außerdem zeichnen sie sich durch eine sehr kurze Aufladezeit sowie einen gegenüber der Batterie deutlich niedrigeren Energieverbrauch aus.

Auf diese Weise versuchen die Normierungsgremien, den neuen technischen Möglichkeiten laufend Rechnung zu tragen, was im besten Sinne von Anwendern, Installateuren und Herstellern ist. Immerhin geht es um die Sicherheit.

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