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Technische Trends aus dem privaten Umfeld

Die Masse macht den Markt

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Die Deutsche Bundespost nahm 1958 mit dem A-Netz das erste Mobilfunksystem für Telefonie in Betrieb. Das damit erstmals nutzbare Autotelefon wurde aufgrund seines Gewichts von 16 kg, seiner sperrigen Ausmaße und der immensen Kosten ausschließlich in große Limousinen eingebaut. Das Mobiltelefon erlangte seinen Ruf als Statussymbol, der Markt blieb exklusiv. Bis die Kapazitätsgrenze des A-Netzes mit 11.000 Teilnehmern erreicht und ein neuer Entwicklungsschritt nötig wurde, hatte die Bundespost 13 Jahre Zeit.

Im digitalen Smartphone-Zeitalter sind solche langen Phasen des Technikstillstands undenkbar geworden. Innovationen sind dicht getaktet, schnell für den Massenmarkt tauglich und erschwinglich. Eine Ursache dafür ist, dass Geräte für den Privatgebrauch heute nicht mehr langwierig aus ­Geschäfts- oder Industrieanwendungen heraus weiterentwickelt oder ­abgeleitet werden müssen, wie damals noch das Mobiltelefon oder der Heimcomputer. Im Gegenteil: Immer öfter finden Anwendungen aus dem persönlichen Alltag ihren Weg in den professionellen Einsatz.

Privatpersonen telefonieren gebührenfrei über das Internet, nutzen kabellose Kopfhörer, speichern Urlaubsfotos in der Cloud und steuern die Alarmanlage über Sprache – am liebsten von unterwegs. Diese im Privatbereich etablierte Technik möchten Nutzer in ihr berufliches Umfeld übernehmen: Voice over IP erübrigt die Installation einer kabelbasierten Büro-Telefonanlage, Datenmengen hochauflösender IP-Kameras werden via Internet gesendet, Zutrittskontrolle darf heute virtuell vernetzt sein.

Technische Trends aus dem Privatsegment sollten Elektrohandwerks­betriebe genau im Blick behalten. Denn diese initiieren oft den Wandel des professionellen Marktes, beruflicher Aufträge und Aufgaben. Dabei muss der beratende Elektrofachmann durchaus die Erwartungshaltung von Kunden ausbremsen, die z. B. glauben, dass simple Apps und ­kostengünstige Alarmanlagen aus dem Baumarkt für normgerechte ­Sicherheit sorgen. ­Billig produzierte Plug-and-Play-Schnäppchen mit ­unbekanntem technischen Stand sind nie eine gute Wahl. Man kauft schließlich heute auch kein altes Autotelefon mehr, nur, weil es inzwischen preiswert ist.
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Britta Kalscheuer

Redaktion »de«

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