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Sinkende EEG-Umlage und Batteriekosten steigern Wirtschaftlichkeit

Eigenverbrauch von Solarstrom

Eigenverbrauch von Solarstrom
(Bild: Bundesverband Solarwirtschaft)

Mit der letzten EEG-Novelle haben sich die Rahmenbedingungen für den Betrieb von Photovolta­ik (PV)-Anlagen zum Teil erheblich verändert. Seit dem 1.1.2021 wurde die Grenze für die Anlagengröße, ab der die EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch von Solarstrom zu zahlen ist, auf 30 kW erhöht. Bislang mussten Anlagenbetreiber ab 10 kW installierter Leistung 40 % der EEG-Umlage zahlen, wenn sie ihren Strom selbst verbrauchten. 2020 waren dies 2,7 ct/kWh. Seit diesem Jahr nun entfällt diese Abgabe bis 30 kW Anlagengröße.

Durch diese geänderten Rahmenbedingungen sind nun größere PV-Anlagen wirtschaftlicher als bisher. Denn je mehr Kilowatt man sich an PV-Leistung zulegt, desto günstiger wird in der Regel der Einkauf. Die Solarstromkosten sinken dadurch. Hinzu kommt auch mehr Unabhängigkeit. Je größer eine Solaranlage dimensioniert wird, umso weniger Strom muss aus dem Energienetz bezogen werden. 

Sinkende Batteriekosten

Ob eine größere oder kleinere PV-Anlage – wichtig für die Wirtschaftlichkeit ist vor allem der Eigenverbrauch. Je höher er ist, desto mehr sparen die Betreiber. »Wer seinen Eigenverbrauch steigern will, sollte elektronische Geräte mit Zeitschaltuhr wie Waschmaschinen oder Geschirrspüler deshalb möglichst in der Mittagszeit laufen lassen«, erklärt Franz Pöter, der Geschäftsführer des Solar Clusters Baden-Württemberg. »Das steigert je nach Größe der Anlage und Stromverbrauch den Eigenverbrauch von 25 % auf 30 %.« Mit einem Batteriespeicher lässt sich der Wert von ca. 30 % auf bis zu 60 % erhöhen.

Jede zweite PV-Anlage wird inzwischen mit einem Speicher gekauft. Absicherung gegen steigende Strompreise, ein Beitrag zum Klimaschutz und Technologieaffinität sind hierbei die Kaufmotive. Die Anschaffungskosten waren bislang jedoch deutlich höher als die Kosteneinsparung durch die Speicherung. Neue Zahlen zeigen, dass die Preise weiterhin sinken, sie aber noch zu hoch für einen wirtschaftlichen Betrieb sind. Von 2018 auf 2019 sind die durchschnittlichen Kosten um knapp zehn Prozent gesunken. Nicht mehr rund 1200 €/kWh, sondern rund 1100 €/kWh Speicherinhalt müssen Anla­gen­eigentümer im Schnitt ausgeben, haben Jan Figgener vom Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe an der RWTH Aachen und weitere Wissenschaftler jüngst ermittelt. Die Ergebnisse sind im Dezember 2020 in dem »Journal of energy storage« erschienen. Zahlen für 2020 gibt es noch nicht. Es wird jedoch mit einem weiteren starken Wachstum gerechnet (Bild 1).

Bild 1: Entwicklung des Markts für Solarspeicherbatterien in Deutschland
Bild 1: Entwicklung des Markts für Solarspeicherbatterien in Deutschland
(Bild: Bundesverband Solarwirtschaft)

Inzwischen gibt es Systeme, die inklusive Leistungselektronik und Mehrwertsteuer unter 800 €/kWh Speicherinhalt kosten. Unterhalb dieser Preisgrenze sind die Powerpakete wirtschaftlich – vorausgesetzt, die Lebensdauer der Speicher beträgt 20 Jahre. Halten die Geräte, wie garantiert, nur zehn Jahre, rechnen sich die Speicher nicht. Anders aussehen kann es bei Solarstromspeichern, die noch zusätzliche Aufgaben für den Betrieb des öffentlichen Stromnetzes übernehmen.

Der Einbau von Batteriespeichern wird weiterhin durch zahlreiche Programme des Bundes und der Bundesländer gefördert. So übernimmt ab 1.3.2021 das neu aufgelegte Förderprogramm »Netzdienliche Photovoltaik-Batteriespeicher« in Baden-Württemberg einen Teil der Anschaffungskosten. Insgesamt 10 Mio. € stehen hier zur Verfügung. Das Programm fördert Batteriespeicher ausschließlich in Verbindung mit Photovoltaikanlagen, die neu errichtet werden. Es soll Ende 2022 enden. Experten gehen jedoch davon aus, dass der Fördertopf bereits Ende des Jahres 2021 verbraucht sein wird.

Lukrativ für Gewerbe und Industrie

In Deutschland ist die Nachfrage nach PV-Anlagen im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Die neu installierte PV-Leistung betrug nahezu fünf Gigawatt, ein Plus von rund 25 % gegenüber 2019. »Für Unternehmen ist es weiterhin finanziell lukrativ, mit Solarmodulen Strom zu erzeugen«, erläutert F. Pöter. »Neben dem Gewinn, den die Anlage erzielt, steigt aber auch die Unabhängigkeit von der Strompreisentwicklung. So können Firmeneigentümer ihre Kosten besser kalkulieren.« Die Dächer auf Büro- und Gewerbeimmobilien bieten großes Potenzial (Bild 2). Zu den meist großen Flächen auf dem Dach kommen Freiflächen in Industrie- und Gewerbegebieten, die als Konversionsflächen ausgewiesen sind.

Bild 2: Große Dächer bieten viel Potenzial für Eigenverbrauchs-Photovoltaikanlagen
Bild 2: Große Dächer bieten viel Potenzial für Eigenverbrauchs-Photovoltaikanlagen
(Bild: Goldbeck Solar)

Die Kosten für Solarstromanlagen sind in den vergangenen zehn Jahren um rund die Hälfte gesunken. Für eine gewerbliche Aufdachanlage fallen derzeit je nach Größe 800 €/kWp bis 1000 €/kWp installierte PV-Leistung an. Der von den Solarkraftwerken auf dem Dach erzeugte Solarstrom kostet damit rund 6 ct/kWh bis 7 ct/kWh bei einem Betrieb über 20 Jahre. In den genannten Kosten enthalten ist der Aufwand für die Wartung und die Ausgaben für mögliche Reparaturen.

Da die Vergütung für mittelgroße Gewerbeanlagen – gängige Größen sind 100 kW bis 750 kW installierte Leistung – bei nur noch rund 6 ct/kWh liegt, ist ein kostendeckender Betrieb mit Volleinspeisung nur schwer möglich. Die Einspeisevergütung ist jedoch nicht die einzige Einnahme. Da die Firmen in der Regel einen Teil des Solarstroms selbst verbrauchen, kommen geringere Stromkosten hinzu. Nutzt ein Gewerbeunternehmen den eigenen Solarstrom, muss es dafür keinen Netzstrom für im Schnitt 17 ct/kWh einkaufen. Unternehmen sparen so die Differenz zwischen den Solarstrom- und Netzstromkosten von rund zehn Cent. Davon abgezogen werden muss noch ein Teil der EEG-Umlage von 2,5 ct/kWh für den Eigenverbrauch bei Anlagen über 30 kW installierter Leistung. Im Ergebnis erzielt der Verbrauch des Solarstroms vom eigenen Industriedach daher einen Gewinn von rund 8 ct/kWh.

Weiterbetrieb von Ü20-Anlagen

Für rund 10.000 Hauseigentümer mit alten Photovoltaikanlagen ist Ende vergangenen Jahres die staatliche Einspeisevergütung ausgelaufen. Es gibt mehrere Modelle des Weiterbetriebs der Ü20-Anlagen.

 

1. Weiter voll einspeisen: Der Netzbetreiber zahlt bis Ende 2027 eine Anschlussvergütung. Das ermöglicht die am 1.1.2021 in Kraft getretene EEG-Novelle. Anlagenbetreiber erhalten den Jahresmarktwert für den eingespeisten Solarstrom, rund drei bis vier Cent pro Kilowattstunde abzüglich 0,4 Cent Vermarktungskosten.

 

2. Kombination aus Einspeisung und Eigenverbrauch: Ein Teil des Solarstroms wird selbst verbraucht, der Rest dem Netzbetreiber oder Direktvermarktern zur Verfügung gestellt. Der Eigenverbrauch spart im Vergleich zum netto 26 Cent teuren Netzstrom durchschnittlich 23 Cent pro Kilowattstunde ein und ist damit deutlich lukrativer als die Einspeisung. Für die Umstellung auf Eigenverbrauch sind jedoch Umbauten nötig.

 

3. Nulleinspeisung: Eigentümer nutzen so viel Solarstrom wie möglich selbst und regeln den Rest ab. Dafür benötigt man moderne Wechselrichter. Die Anlage erzeugt dann nur so viel Strom, wie für den Eigenverbrauch im Haus erforderlich ist. Ökologisch ist das jedoch bedenklich, da deutlich weniger Solarstrom erzeugt wird.

Fazit:

Für Photovoltaikanlagen über fünf Kilowatt installierte Leistung kann die Kombination aus Eigenverbrauch und Einspeisung einen kleinen Gewinn abwerfen. Kleinere Anlagen sollten eher die Volleinspeisung beim Netzbetreiber wählen.

 

Diese und weitere Informationen enthält ein neues Faktenpapier des Solar Clusters Baden-Württemberg, das ist im Rahmen des Photovoltaik-Netzwerks Baden-Württemberg entstanden ist und gerade aktualisiert wurde:

 

https://solarcluster-bw.de/de/news-detail/eeg-2021-faktenpapier-zum-weiterbetrieb-von-ue20-photovoltaikanlagen-aktualisiert-279/

Über den Autor
Autorenbild
Dipl.-Kommunikationswirt Roland Lüders

Redaktion »de«

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