Nachgefragt bei Andreas König

Experten tagten zum Blitzschutz

18. Dezember 2013

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Ende Oktober fand zum zehnten mal die VDE/ABB-Blitzschutztagung in Neu-Ulm statt. Dort ging es um den aktuellen Stand der Normung, den Blitzschutz spezieller Objekte sowie Berichte zur Blitzforschung und zum Personenschutz.

Dipl.-Ing. Andreas König PMM Blitzschutzbau und Mobilfunk, Leiter der Obo-Akademie,  Obo Bettermann GmbH & Co. KG, Menden

Dipl.-Ing. Andreas König, PMM Blitzschutzbau und Mobilfunk, Leiter der Obo-Akademie, Obo Bettermann GmbH & Co. KG, Menden

Während dieser Fachtagung hatten wir die Gelegenheit, Herrn Andreas König, der auch in der Normung tätig ist, zu aktuellen Blitzschutzthemen zu befragen.

»de«: Herr König, wie bewerten Sie diese 10. VDE/ABB-Blitzschutztagung?

A. König: Für mich stellt diese Blitzschutztagung die wichtigste Veranstaltung für Blitzschutz in Deutschland dar. Neben den aktuellen Themen wie »Stand und Zukunft der Normung« und »Anwendungsbeispiele neuer Produktlösungen« stand in diesem Jahr die Thematik »Personensicherheit im Freien bzw. in spezieller Umgebung« in Vordergrund. Für mich eine sehr löbliche Tendenz. Besonders wenn man sieht, dass pro Jahr bis zu fünf Personen durch Blitzeinwirkungen sterben. Und das kann verhindert werden!

Endgültig ausgelöst durch den Blitzunfall in Waldeck – innerhalb einer Golf-Schutzhütte starben drei Personen durch Blitzeinwirkung – konnte die ganze Blitzschutzwissenschaft, das Handwerk und die Industrie für dieses Thema sensibilisiert werden. Neue Erkenntnisse wurden zusammengetragen, mit neuen Technologien und Computerprogrammen analysiert und damit neue Lösungsansätze bearbeitet.

Der VDE/ABB stellt diese Erkenntnisse der Öffentlichkeit kostenfrei auf seiner Internetseite www.vde.com zur Verfügung. Weitere Maßnahmen werden in die Normen eingearbeitet. Besonders hervorheben möchte ich hier noch das aus den o. g. Ergebnissen die erarbeitete Publikation »Blitzschutz bei Veranstaltungen« – an der ich mitwirken durfte – nun den Veranstaltern eine klare Bedienungsanleitung mitgegeben wird, wie mit der Blitzgefahr umzugehen ist. Allein diese Publikation wird mit »Sicherheit« zukünftig Menschenleben retten.

Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass die Beteiligten diese Forschungen und Arbeiten ohne Aussicht auf finanzielle Vorteile durchgeführt haben, da die hier durchführbaren Maßnahmen mehr auf organisatorische Maßnahmen anstatt auf das Verbauen von Produkten basieren.

»de«: Ihre Fa. Obo Bettermann stellte hier in Neu-Ulm eine interessante Software vor.

A. König: Ja, das stimmt. Für den Anwender ist es heutzutage nicht immer einfach, sich im aktuellen Normendschungel und der Produktvielfalt zurechtzufinden. Da werden Hilfestellungen gerne angenommen. Konkret haben wir diesbezüglich zwei neue Softwarelösungen den kritischen Tagungsteilnehmern vorgestellt:

Erstens: Eine neue Version der kostenlosen Planungssoftware OBO Construct TBS für Überspannungsschutz, die nun alle notwendigen Bereiche (230 / 400 V-Spannungseinspeisung, Photovoltaik-DC und -AC, MSR- und Datentechnik, TV / SAT / HF-Anwendungen) berücksichtigt.

Zweitens: Mit DDS-CAD Blitzschutz OBO – entwickelt und vertrieben durch Fa. DDS-DAC, Ascheberg – bieten wir speziell für den äußeren Blitzschutz sowie Erdungsanlagen eine Softwarelösung, die es dem Anwender ermöglicht, komplette Planungen als CAD-Zeichnung inklusive Stückliste mit OBO-Bauteilen oder freien alternativen Bauteilen zu erstellen sowie bei komplexen Gebäuden das Kugel- und Schutzwinkelverfahren schnell und einfach anzuwenden. Details über alle beiden Softwarelösungen finden Sie im Internet unter: www.obo-construct.de

»de«: Welche Entwicklungen zeichnen sich derzeit im Bereich Blitz- und Überspannungsschutz ab?

A. König: Das Thema Blitzschutz wird immer komplexer. In der Vergangenheit stand eher der Trennungsabstand im Fokus. Zurzeit geht es mehr um Themen zum isolierten Blitzschutz und zu isolierten Erdungsanlagen. Zukünftig wird uns zunehmend auch die Personensicherheit (Gefahr durch Schrittspannung, Überschlag usw.) und Blitzschutz bei Ex-Anlagen beschäftigen.

Nicht so schön ist, dass zurzeit fast nur noch Blitzschutzfachplaner und Blitzschutzfachbetriebe im Blitzschutz-Normendschungel durchblicken. Das senkt allerdings immer häufiger die Akzeptanz bei den Kunden und Anwendern. Wer eine Blitzschutzgefahr und Lösung versteht und einsieht, der setzt sich für die Lösung auch ein. Wenn er diese nicht versteht, schreibt er diese auch nicht immer verständlich aus.

Die Herausforderung für die Zukunft lautet daher, dem Normenleser die Thematik Blitzschutz wieder verständlicher und praxisrelevanter näher zu bringen und die neuen Erkenntnisse und deren Lösungsmöglichkeiten als Standard einzuarbeiten.

»de«: Vielen Dank für das Gespräch!