Nachgefragt bei Thomas Laur

Eigenverbrauch dreistufig erschließen

4. Juni 2014

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In den Anfängen des PV-Marktes war der Elektrogroßhandel ein Spät­starter. Nun, wo es darum geht, erneuerbare Energien in die Gebäudetechnik einzubinden, bringt der Fachgroßhandel seine Kompetenz in die Erschließung neuer Märkte aktiv ein.

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Thomas Laur Geschäftsführer Sonepar Erneuerbare  Energien GmbH, Düsseldorf

Thomas Laur, Geschäftsführer Sonepar Erneuerbare Energien GmbH, Düsseldorf

Energiespeicher für Photovoltaik-Anlagen sind in aller Munde und ein immer breiteres Angebot an Batteriespeichern ist verfügbar. Wir sprachen mit Thomas Laur, Geschäftsführer von Sonepar Deutschland Erneuerbare Energien, wo ein eigenständiges Konzept für den Photovoltaik-Speichermarkt entwickelt wurde.

»de«: Herr Laur, Batteriespeicher sind im Kommen. Zu welchen Lösungen raten Sie Ihren Kunden?

Th. Laur: Hier nur eine einzige Lösung zu nennen, wäre sicherlich falsch. Vor einer Speicherempfehlung steht immer die Bedarfsanalyse beim Installateur oder Endkunden. So geben eine favorisierte Speichertechnik, das Verbrauchsverhalten des Endverbrauchers oder der Wunsch nach Wirtschaftlichkeit in vielen Fällen schon eine mögliche Speicher­lösung vor. Wir warnen daher vor dem »einen« System, dass alle Kunden zufrieden stellt.

»de«: Bisher zog die Photovoltaik ihre Marktdynamik aus der garantierten Einspeisevergütung, die stets über den Ge­stehungskosten liegen musste. Ist der Speichermarkt auch subventionsgetrieben?

Th. Laur: Zunächst einmal ist eine Subvention immer erst einmal gut, weil das häufig zu einer erhöhten Nachfrage führt. »Subventionierte Technik« wird vom Endverbraucher weniger in Frage gestellt. Auch wenn sie im Fall von Speichern z. Z. noch wenig genutzt wird. Da die Förderung vor allem für Neuanlagen konzipiert ist, stellt es gerade für die noch recht teure Lithium-Technik eine willkommene finanzielle Anschubhilfe dar. Vergessen sollte man aber auf keinen Fall den Nachrüstmarkt.

»de«: Welche Entwicklung sehen Sie denn im Speichermarkt und welche Rolle spielt dabei die Nachrüstung?

Th. Laur: Lassen Sie mich mit der Beantwortung der zweiten Frage beginnen. Der Wunsch nach Speicherlösungen ist ja nicht neu und viele Endverbraucher fragen danach. Berücksichtigt man, dass im letzten Jahr fast 90 000 PV-Anlagen mit einer Leistung kleiner als 10 kW errichtet wurden, könnte man daraus einen Markt ableiten. Wenn sich davon alleine zehn Prozent der Kunden für einen Speicher entscheiden, wäre das ein fantastisches Wachstum. Daher halte ich die Zahlen, die vom EuPD Research veröffentlicht wurden, für realistisch und erwarte für 2014 schon über 10 000 Installationen und für 2015 vielleicht doppelt so viele. Dabei wird der Nachrüstmarkt eben eine große Rolle spielen. Schließlich sind diese Kunden den Installateuren bekannt und er braucht sie nur anzusprechen. Und das gelingt dem Handwerker auch immer öfter ohne die etwas komplizierte KfW-Förderung.

»de«: Welche Rolle spielt denn die Wirtschaftlichkeit im Vertrieb von Speicher­lösungen?

Th. Laur: Nun, wer beim Autokauf über einen Porsche nachdenkt, denkt sicherlich nicht als erstes an die Wirtschaftlichkeit. Diese Käuferschicht haben wir beim Speicher ebenfalls und ich gestehe, solche hochwertigen Produkte zu verkaufen, macht richtig Spaß. In diesen Gesprächen geht es u. a. um neue Technologien (Lithium), Baumaße, Gewicht, Zyklenzahl und vieles mehr. Aber es gibt eben auch den Kunden, der über einen »festen Strompreis« seine Investitionen nach einigen Jahren amortisiert haben will.

Endverbraucher, die auf reine Wirtschaftlichkeit schauen und den selbsterzeugten Strom auch selbst verbrauchen wollen, kommen um den bewährten und preiswerten »Flüssigakku« nicht herum. Hier sehen wir die Lösung bei intelligenter Ladesteuerung in Verbindung mit preiswerten Akkus. Das alles aus »einer Hand«, damit im Gewährleistungs- oder Garantiefall sich nicht die Hersteller von Ladesteuerung bzw. Akkuherstellung gegenseitig die Schuld zuweisen.

»de«: Ist das E-Handwerk dem Markt der PV-Speicher gegenüber aufgeschlossen?

Th. Laur: Anders als bei reinen PV-Installateuren, denen natürlich viel Neubaugeschäft weggebrochen ist, gibt es im Elektrohandwerk keine Auftragsnot. Ganz im Gegenteil, die Auftragsbücher sind gut gefüllt und manche Betriebe müssen sogar Aufträge ablehnen oder weiterreichen. Trotzdem stehen unsere Kunden dem Thema sehr aufgeschlossen gegenüber. Im Bereich der erneuerbaren Energien ist der Speichermarkt wie für den Elektrotechniker geschaffen. Erstens ist der »Akku« für ihn kein Neuland und zweitens entsteht über diesen Markt eine echte Verbindung zum Thema Smart Home. Daher freuen wir uns besonders über sehr viele junge Kunden, die für diesen Markt offen sind und ihn für sich gerade in der Kombination mit Photovoltaik neu entdecken.

»de«: Vielen Dank für das Gespräch.