Veranstaltung im Rahmen der Berliner Energietage 2014

Wachstumsmarkt Smart Home

27. Juni 2014

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Mit rund 8.000 Besuchern gehörten die Berliner Energietage auch 2014 wieder zu den führenden Kongressveranstaltungen für die Bereiche Energieeffizienz, Erneuerbare Energien und Energiedienstleistungen in Deutschland. Als eine Hauptsponsoren der Veranstaltung beleuchtete die HEA-Fachgemeinschaft auf ihrer Fachveranstaltung den »Wachstumsmarkt Smart Home«. Mit über 200 Teilnehmern war die Veranstaltung eine der am besten besuchten Tagungen der Energietage.

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Impressionen von den Berliner Energietagen

Impressionen von den Berliner Energietagen

Unter Smart Home versteht man die intelligente Vernetzung von elektrischen Geräten, Haus- und Hauswärmetechnik sowie Kommunikations- und Sicherheitstechnik im Wohngebäude. Die intelligente Elektronik lässt sich über Smartphone, Tablet PC und andere fest installierte Bedienoberflächen von daheim oder unterwegs aus steuern. Der Trend geht mittlerweile zu selbstlernenden Geräten, die sich nach einiger Zeit den Gewohnheiten der Nutzer anpassen. Entscheidend sei, »dass sich die Menschen mit den smarten Systemen wohl fühlen«, betont HEA-Geschäftsführer Dr. Jan Witt. Der Markt hält enorme Wachstumschancen für Hersteller, Planer oder Handwerker bereit. So schätzt das Beratungsunternehmen Deloitte das Marktpotenzial im Bereich Smart Home auf 4,1 Milliarden Euro bis zum Jahr 2017.

Keine smarte Welt ohne smarte Nutzer

Ulrich Fichtner von Albrecht Jung GmbH & Co.KG

Ulrich Fichtner von Albrecht Jung GmbH & Co.KG

Ausschlaggebend für den Durchbruch und Erfolg der smarten Systeme sind die Nutzer. Zwar sind viele Menschen den neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen, Skeptiker fürchten jedoch ihre Komplexität oder versteckte Kosten. Professorin Birgit Wilkes von der TU Wildau befasst sich seit 18 Jahren mit dem Thema Gebäudeautomation. Zentral sei es, Verbrauchern den Mehrwert von vernetzten Geräten zu vermitteln, betont sie. Smart-Home-Systeme bieten den Bewohnern mehr Komfort und Lifestyle, aber auch Sicherheit und Hilfestellung beim sorgsamen Umgang mit Energie.

Ullrich Fichtner von der Albrecht Jung GmbH & Co.KG verweist auf die Ergebnisse einer aktuellen Studie, die sein Unternehmen in Kooperation mit dem Handelsblatt durchgeführt hat. Demnach verbindet die große Mehrheit der Befragten (75 %) vor allem mehr Komfort mit den Smart-Home-Systemen. »46 % geht es vorrangig um mehr Sicherheit und etwas über die Hälfte (54 %) will Energie einsparen«, erläutert Fichtner.

Energieeffizienz zu Hause

Das größte Einsparpotenzial im Wohngebäude bietet der Bereich Heizen, rund 70 % der Endenergie werden hier verbraucht. Zwar wurde in den vergangenen Jahren viel Geld in Gebäudedämmung investiert. Durch ihr Heizverhalten machen jedoch viele Mieter den Effizienzbemühungen einen Strich durch die Rechnung. Prof. Wilkes plädiert daher für mehr Investitionen in neue Techniken: »Die leisten mehr und kosten weniger als bauliche Maßnahmen.« Mit Einzelraumregelungen, die eine individuelle Beheizung der Räume steuern können, lassen sich Heizkosten besser in den Griff bekommen. Selbstlernende Systeme gehen noch einen Schritt weiter: Per Bewegungsmelder wird ein Profil erstellt, dass das Nutzungsverhalten der Bewohner analysiert und die Raumtemperatur entsprechend reguliert. Doch Technik allein reicht nicht, um Energie zu sparen, so Wilkes. Verbraucher müssen sich konform verhalten: ihre Fenster und Türen beim Heizen geschlossen halten und automatische Systeme nicht selbstständig umprogrammieren.

Viele Menschen wissen auch nicht über den tatsächlichen Stromverbrauch ihrer Haushaltsgeräte Bescheid, oder dass diese auch im Stand-by-Modus noch Energie verbrauchen. Immerhin sind Hausgeräte für rund die Hälfte der Kosten auf der Stromrechnung verantwortlich. Problematisch sind hier vor allem die großen Bestände an Altgeräten. »Rund 30 Millionen der elektrischen Hausgeräte sind älter als 14 Jahre«, berichtet Dr. Claudia Häpp, Projektleiterin Smart Grid und Home Connect bei der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH: Zusammengenommen verbrauchen diese Geräte rund 8 Milliarden kWh Strom – so viel wie die Stadt München in einem Jahr. »Wir müssen Transparenz schaffen und dem Nutzer klar machen, was ein Gerät an Kosten verursacht.«

Intelligent gemessen und visualisiert

Gregor Wille von Hager

Gregor Wille von Hager

Verbrauchern sollte zudem verdeutlicht werden, dass Geräte  gezielt zu bestimmten Zeiten eingesetzt werden sollten, beispielsweise wenn sehr viel Strom aus erneuerbaren Quellen verfügbar ist. Zukünftige lastvariable Tarife, die den Stromverbrauch von Spitzenlast- in Schwachlastzeiten verlagern, könnten zu einem sorgsameren Umgang mit Energie führen. »Den Betrieb von Geräten mit hohem Verbrauch würde man in günstige Tarifperioden verschieben«, erklärt Gregor Wille von Hager, Spezialist für Systeme zur Energieverteilung im Wohn- und Gewerbebau. »Beim Waschen könnten auf diese Weise bis zu 25 % der Stromkosten eingespart werden.« Moderne Messsysteme und eine nutzerorientierte Energievisualisierung zeigen den Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit an.  Der Kunde kann somitnachvollziehen, wie viel Strom er wann verbraucht hat und erhält dadurch die Möglichkeit, sein Nutzungsverhalten zu optimieren.

Lastmanagement ist künftig unerlässlich

Mit dem zunehmenden Anteil an Erneuerbaren Energien werden effiziente Energiemanagementsysteme erforderlich, die die schwankende Stromerzeugung aus Windkraft und Photovoltaik ausgleichen. »Bis zum Jahr 2023 wird die installierte Leistung von Erneuerbaren Energien bei rund 140 Gigawatt liegen«, erklärt Jens Rammensee, Leiter Produktmanagement bei Dimplex, Anbieter für Hauswärmetechnik und Erneuerbare Energien. Künftig wird es demnach selbst an laststarken Wintertagen noch Stunden mit zu viel Energie im Netz geben. »Wir brauchen regelbare Energieverbraucher, die uns die Überkapazitäten abnehmen.« Dazu gehören thermische Energiespeicher aber auch Batteriesysteme, um kurze Lastspitzen aufzufangen.

Ausschlaggebend für einen Durchbruch des Smart Home ist vor allem die Akzeptanz der Nutzer. Darin waren sich alle Referenten einig. Es gehe darum, Transparenz zu schaffen, Mehrwert zu vermitteln und die einfache Bedienbarkeit von komplexen Technologien zu gewährleisten. Stolpersteine, wie uneinheitliche Herstellerstandards, die Furcht vor Datenmissbrauch oder eine fehlende Gebäudeinfrastruktur müssen aus dem Weg geräumt werden.

Weitere Informationen unter www.hea.de.

 

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