Nachgefragt bei Melanie Wolters

Junge Frauen im Elektrohandwerk

2. Oktober 2014

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Melanie Wolters konnte sich schon früh für den »Strom« begeistern. Inzwischen ist sie nicht nur Landessiegerin ihres Fachs gewesen und nahm deswegen auch am Bundesleistungswettbewerb 2013 am BFE in Oldenburg teil, sondern ging voller Tatendrang noch einen weiteren Schritt vorwärts: In diesem Jahr legte sie die Meisterprüfung im Elektrohandwerk ab und darf sich fortan »Elektrotechnikermeisterin« nennen.

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Melanie Wolters Elektrotechnikermeisterin aus Varel bei  Wilhelmshaven

Melanie Wolters, Elektrotechnikermeisterin aus Varel bei Wilhelmshaven

Es liegt schlicht in der Familie und damit auch ihr im Blut. Im Jahr 1987 gründete Melanie Wolters Großvater den Betrieb »Elektro Buchtmann« in Varel im Oldenburger Land und zwar nur deswegen, weil er arbeitslos war. Ihr Vater führt inzwischen die Handwerksfirma mit kleinem Ladengeschäft weiter und war so natürlich ebenso Vorbild.

Gelernt hat sie den Beruf der Elektronikerin für Gebäude- und Energietechnik allerdings in der Industrie bei der Langer E-Technik GmbH in Winkelsheide und kam dann erst zurück in den Familienbetrieb. Wir wollten wissen, was ihr im Einzelnen an dem Berufszweig gefällt und was sie anderen Interessentinnen raten würde.

»de«: Frau Wolters, was waren genau Ihre Beweggründe, diesen Beruf zu ergreifen. Gab es vielleicht ein »Schlüsselerlebnis«?

M. Wolters: Das müsste so ungefähr mit zehn gewesen sein, als ich meinen Großvater beobachte, wie er eine Waschmaschine, die hinten in der Werkstatt stand, anfing zu reparieren. Das fand ich so interessant, dass ich zu meinen Eltern sagte, dass ich das auch machen möchte. Die sagten zwar damals noch »Werde doch erst einmal groß, dann ändert sich das vielleicht noch«, aber der Gedanke setzte sich bei mir fest und als ich dann auch in den Ferien z. B. meine ganzen Praktika bei meinem Vater auf der Baustelle machte, war jedem klar, dass ich den Beruf ausüben würde.

»de«: Gab es Momente in denen Sie Ihre Entscheidung bereut haben oder die Hürden zu groß schienen?

M. Wolters: Es gab Hürden, schon allein, weil ich es nicht gewohnt war, mit den ganzen »Herren« umzugehen. Ich war, auch wenn Sie es mir vielleicht jetzt nicht mehr anmerken, früher nämlich sehr schüchtern. Zum Glück kam ich mit meinem Ausbilder sehr gut klar und ich konnte mich mit jeder Frage oder jedem Problem an ihn wenden, so dass nach zwei, drei Monaten Anlaufphase die ersten Schwierigkeiten überwunden waren.

»de«: Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit denn die meiste Freude?

M. Wolters: Es gibt ständig Neuerungen in unserem Beruf und gleichsam ist es auch die Zusammenarbeit mit den Kunden, die mir immer wieder viel gibt. Ich kann durch mein Wissen Anreize liefern, so dass die Leute vielleicht bei sich zu Hause etwas anders machen und ausprobieren oder ich lerne durch Gespräche mit Älteren Alltagsgegenstände, wie beispielsweise eine Geschirrspülmaschine, zu schätzen, denn diese Dinge gab es vor einigen Jahren nicht. Ein Herr erzählte mir von der handbetriebenen Wäscheschleuder, die er in seiner Jugendzeit noch benutzte. Heute gibt es den bequemen Schleudergang einer gewöhnlichen Waschmaschine, die jeder inzwischen bei sich stehen hat.

»de«: Was macht Ihnen denn weniger Spaß?

M. Wolters: Das sind dann so Sachen, wie auf irgendwelchen alten Dachböden rumzukrabbeln und in tote Mäuse zu fassen oder wenn die Arbeiten draußen stattfinden und das Wetter extrem ist, wie etwa starker Regen oder gar Hagel. Das hatten wir alles schon. Während meiner Ausbildung ging es auch im Dezember raus und wir installierten eine großflächige PV-Anlage. Dabei standen wir teilweise knöcheltief im Wasser und es war einfach nur kalt. Das war dann schon ein bisschen doof. Heute kann ich sagen, dass wir die Außenarbeiten – wenn möglich – ausschließlich in den Sommer legen. Das macht das Ganze dann schon wesentlich angenehmer.

»de«: Angenommen eine junge Frau käme in Ihr Ladengeschäft und zeigte Interesse an Ihrem Beruf, wäre aber noch unentschlossen. Was würden Sie ihr raten?

M. Wolters: Ich würde ihr raten, möglichst in verschiedenen Betrieben ein Praktikum zu machen, weil es einfach Unterschiede gibt zwischen einem größeren Industriebetrieb – wie ich ihn während meiner Ausbildung kennenlernte – und einem kleinen Handwerksgeschäft. Ein Azubi im E-Handwerk lernt z. B. sehr viel schneller den Umgang mit dem Kunden, was ich als sehr angenehm empfinde. Letztendlich gibt es aber überall Positives wie Negatives, für mich überwiegen aber gerade in einem kleinen Handwerksbetrieb die positiven Aspekte.

»de«: Frau Wolters, herzlichen Dank für das Gespräch.