Nachgefragt bei Mirko Engert

Betreiberpflichten sauber delegieren

16. Dezember 2014

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Wir nutzen hier erneut die Gelegenheit, einen Autor der »de«-Rubrik Praxisprobleme vorzustellen, der regelmäßig Leserfragen beantwortet.

Mirko Engert Geschäftsführer,  Mebedo Akademie GmbH, Montabaur

Mirko Engert, Geschäftsführer, Mebedo Akademie GmbH, Montabaur

Herr Mirko Engert kommt beruflich aus dem Bereich der Instandhaltung elektrischer Anlagen und gibt heute sein dabei erworbenes Wissen in vielfältiger Form weiter.

»de«: Herr Engert, könnten Sie uns bitte kurz Ihre berufliche Vita skizzieren und uns sagen, als was Sie gegenwärtig tätig sind?

M. Engert: Nach meiner abgeschlossenen Berufsausbildung zum Energieelektroniker 1998 habe ich die folgenden zehn Jahre in der Elektroinstandhaltung gearbeitet, u. a. bei der Linde AG in Mainz-Kostheim. Zwei Jahre leitete ich die Elektroabteilung der Königsbacher Brauerei in Koblenz. Seit 2008 bin ich als Fachdozent für Elektrotechnik bei der Mebedo-Gruppe tätig. Dabei sind Praxisworkshops zum Prüfen von elektrischen Geräten, Maschinen und Anlagen mein Schwerpunkt. Nach erfolgreich absolvierter Prüfung zum Sachverständigen durch den Bundesverband Deutscher Sachverständigen des Handwerks in 2009 erstelle ich Gefährdungsbeurteilungen und Gutachten in der Elektrotechnik. Über die Mebedo Consulting GmbH berate ich Kunden der Großindustrie beim Aufbau rechtssicherer Organisationsstrukturen und implementiere dort ganzheitliche Prüfkonzepte. Dazu gehört zum Teil die Übernahme der Fachverantwortung im Elektrobereich als Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK). Seit 2013 bin ich Geschäftsführer der Mebedo Akademie GmbH, die Seminare rund um das Thema Elektrosicherheit anbietet. Bei der Mebedo Akademie GmbH und Mebedo Consulting GmbH, kurz Mebedo AC, sind zurzeit zwanzig fest angestellte Fachdozenten und Sachverständige deutschlandweit tätig.

»de«: Sie beantworten in »de« regelmäßig Praxisproblemanfragen. Was bezeichnen Sie als Ihr Spezialgebiet?

M. Engert: Die Organisation der Prüfung von elektrischen Geräten, Maschinen und Anlagen gestaltet sich meist genau so schwierig wie die eigentliche Durchführung der Prüfungen selbst. Dabei treten immer wieder Fragen auf, bei denen es darum geht, welche Anforderungen an die Prüfer als befähigte Personen gestellt werden, wie oft und in welchem Prüfumfang die Prüfungen durchzuführen oder wie die Prüfgrundlagen bzw.  Prüfnormen umzusetzen sind. Da ich in mehreren Betrieben selbst verantwortlich für die Organisation elektrischer Prüfungen bin und in diesem Zug anhand von Gefährdungsbeurteilungen Prüfart, Prüfumfang, Prüffristen sowie die erforderliche Qualifikation des eingesetzten Prüfpersonals ableite, kann ich in diesen Bereichen Rede und Antwort stehen. Durch meine Prüftätigkeiten in der Praxis sehe ich mich auch bei Fragen in Bezug auf die Anwendung von Messverfahren oder Bewertung von Messwerten als Ansprechpartner.

»de«: Was fällt Ihnen gegenwärtig bei der Entwicklung von Prüfkonzepten für elektrische Anlagen häufig positiv, aber auch ggf. negativ auf?

M. Engert: Immer wieder werden mängelbehaftete elektrischen Anlagen – darunter auch mit unvollständiger Dokumentation und fehlenden Erstprüfprotokollen – in Betrieb genommen. Sehr positiv empfinde ich i. d. R. das Engagement im Bereich der Instandhaltung, die technische Sicherheit der Anlagen sicherzustellen. Häufig kann dabei leider nur Schadensbegrenzung betrieben werden – also eine ganz klare Aufgabe, im Rahmen der Erstellung eines Prüfkonzeptes, die Beschaffungsprozesse zu optimieren. Die für den sicheren Betrieb umgesetzten Maßnahmen zur vorbeugenden Instandhaltung, wie auch die in einem bestimmten Intervall durchgeführten Prüfungen, finden sich meistens nicht in einer schriftlichen Gefährdungsbeurteilung der Anlagen wieder. Im Schadensfall kann dann nur schwer dargestellt werden, dass man die richtigen Maßnahmen umgesetzt hat.

»de«: Was wünschten Sie sich von den Anlagenbetreibern, damit elektrische Anlagen in Deutschland noch sicherer und mängelfreier werden?

M. Engert: Eine saubere Organisationsstruktur inklusive Beschreibung der unterschiedlichen Gewerke innerhalb einer Anlage, insbesondere zur Elektrotechnik hin, fehlt in nicht seltenen Fällen. Demnach werden Betreiberpflichten seitens der Anlagenbetreiber nicht sauber delegiert, wie z. B. die Prüfpflicht elektrischer Anlagen. Werden nämlich Wartungsverträge abgeschlossen, bedeutet das nicht automatisch, dass damit auch die erforderlichen Prüfungen aus Sicht der Elektrotechnik abgedeckt sind. Die wiederholt unzureichende Einbindung des Fachbereichs Elektrotechnik hinterlässt weitere Spuren, z. B. bei der Zutrittsregelung zu abgeschlossenen elektrischen Betriebsstätten, bei Erweiterung, Änderung, Ertüchtigung von Anlagen oder generell bei der Übergabe der Anlagen für Arbeiten. Hier ist teilweise noch sehr viel Überzeugungsarbeit bei den Betreibern elektrischer Anlagen zu leisten, die beruflich nicht aus dem Bereich Elektrotechnik kommen.

»de«: Vielen Dank für das Gespräch!