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Neue Norm

Elektrische Anlagen betreiben

Auf einen Blick DIN VDE 0105-100: 2015-10 (VDE 0105-100) Betrieb von elek­trischen Anlagen – Teil 100: Allgemeine Festlegungen

Überarbeitet und Erweitert Dieses Regelwerk bietet für den Praktiker eine gute Orientierung für den sicheren Umgang mit elektrischer Energie
Elektrische Anlagen dienen der Erzeugung, Übertragung, Umwandlung oder der Verteilung elektrischer Energie. Diese können ortsfest oder ortsveränderlich sein. Ortsfeste sind zum Beispiel Verteilungseinrichtungen in Industriehallen oder Bürogebäuden. Ortsveränderliche Anlagen befinden sich zum ­Beispiel auf Baustellen oder elektrisch angetriebenen Baggeranlagen in Steinbrüchen. Ortsveränderliche Anlagen sind vorübergehend errichtet und können unter Spannung sowie ohne Spannung bewegt werden.

Die vorliegende Norm enthält Festlegungen für das sichere Bedienen und das Durchführen von Arbeiten an, mit oder in der Nähe von elektrischen Anlagen aller Spannungsebenen. Der Bereich erstreckt sich von der Kleinspannung bis zur Höchstspannung. Sie ist nicht anzuwenden auf das bestimmungsgemäße Benutzen von Anlagen und Betriebsmitteln, die für den Gebrauch durch Laien konstruiert und installiert sind.

In den nachstehenden Ausführungen werden einige der wesentlichen Anforderungen der Norm erläutert. Dabei sollen die Begriffe entsprechend des nachstehenden Kastens verwendet werden.
Wichtige Begriffe
Für elektrische Anlagen ist es unabdingbar, die Verantwortung für die Instandhaltung, Wartung, Änderung oder Erweiterung in Betrieben zu organisieren. Nachfolgend sollen hier einige wichtige Begriffe erläutert werden, die in der Neufassung der Norm überarbeitet wurden.
  • Anlagenbetreiber: Unternehmer oder eine von ihm beauftragte natürliche oder juristische Person, die die Unternehmerpflicht für den sicheren Betrieb und ordnungsgemäßen Zustand der elektrischen Anlage wahrnimmt.
  • Anlagenverantwortlicher: Beauftragte Person, die während der Durchführung von Arbeiten die unmittelbare Verantwortung für den Betrieb der elektrischen Anlage bzw. der Anlagenteile trägt, die zur Arbeitsstelle gehören.Der Anlagenverantwortliche kennt die mög­lichen Auswirkungen der Arbeiten und trägt die Verantwortungen in seinem Zuständigkeitsbereich. Aufgaben und Verantwortungsbereiche können andere Personen übertragen werden.
  • Arbeitsverantwortlicher: Beauftragte Person, die unmittelbare Verantwortung für die Durchführung der Arbeiten trägt. Einige mit dieser Verantwortung einhergehende Verpflichtungen können auf andere Personen übertragen werden.
  • Elektrofachkraft: Person die aufgrund Ihrer fachlicher Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen, sowie Kenntnisse der einschlägigen Normen besitzt und die Gefahren der übertragenden Arbeiten beurteilen und erkennen kann.
  • Elektrotechnisch unterwiesene Person: Wer durch eine Fachkraft über die übertragenen Aufgaben und Gefahren unterrichtet und angelernt wurde. Über notwendige Schutzeinrichtungen und Schutzmaßnahmen wurde die Person unterwiesen.
  • Elektrotechnischer Laie: Person die weder Elektrofachkraft noch elektrotechnisch unterwiesene Person ist.

Allgemeine Grundsätze für den Betrieb

Vor jedem Bedienungsvorgang und der Aufnahme von Arbeiten an elektrischen Anlagen oder Betriebsmitteln sind die möglichen ­Gefährdungen zu bedenken. Alle Gefahren wären dabei zu bewerten. Daraus resultierend müssen entsprechende Schutzmaßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen festgelegt werden.

Alle Anlagen und Betriebsmittel müssen entsprechend den Errichtungsnormen in ­einem ordnungsgemäßen Zustand erhalten werden. Bei Änderungen der Betriebsbedingungen, z. B. Art der Betriebsstätte, sind die bestehenden Anlagen den jeweils gültigen Errichtungsnormen anzupassen. Es besteht dabei eine Anpassungspflicht.

Beobachtete Mängel, die eine Gefahr für Personen, Nutztiere oder Sachen darstellen, sind unverzüglich zu beseitigen. Ist dieses nicht möglich, ist die Gefahr durch Absperren, Abschalten oder ähnliche Maßnahmen einzuschränken. Der Anlagenbetreiber ist dabei unbedingt zu benachrichtigen. Schadhafte elektrische Betriebsmittel dürfen nicht benutzt werden. Ein behelfsmäßiges Ausbessern ist nur zulässig bei Benutzung für kurze Zeit und bei Vorliegen von zwingenden Gründen.

Sicherheits-, Schutz- und Überwachungseinrichtungen dürfen nicht unwirksam, unzulässig durch fremde Einrichtungen verstellt oder verändert werden. Ausnahmen bestehen nur während des Prüfens, zur Fehler­suche und bei ähnlichen Tätigkeiten.

In der Nähe von nicht gegen direktes Berühren geschützten aktiven Anlageteilen dürfen keine Gegenstände wie Montagematerial oder Werkzeuge gelagert werden. An Kabeln, Leitungen, Gehäusen von Betriebsmitteln und Ähnlichem dürfen keine Gegenstände aufgehängt bzw. befestigt werden, die nicht zur Anlage gehören.

Personal und Organisation

Quelle: BFE
Quelle: BFE
Alle Personen, die an Arbeiten mit oder in der Nähe von elektrischen Anlagen beteiligt sind, müssen über die einschlägigen Sicherheitsanforderungen bzw. -vorschriften, betrieblichen Anweisungen und die mit den Arbeiten verbundenen Gefahren unterrichtet sein. Die Verantwortung dafür trägt der Arbeitsverantwortliche, der für jede der Arbeiten zu benennen ist. Arbeitskräfte müssen für den Arbeitsort und die dort herrschenden Bedingungen geeignete Kleidung tragen. Das kann eine eng anliegenden Arbeitsbekleidung oder eine zusätzliche persönliche Schutzausrüstung notwendig machen.

Hat eine Person nicht das für eine Arbeit erforderliche Fachwissen oder eine dafür ausreichende Erfahrung, darf sie die Tätigkeit nicht ausführen. Vor Beginn der Arbeiten muss der Schwierigkeitsgrad beurteilt werden, um die für die Durchführung geeigneten Elektrofachkräfte oder sonstigen Personen auszuwählen.

An Orten wo eine elektrische Gefährdung für Laien besteht, muss der Zugang durch entsprechende organisatorische Maßnahmen eingeschränkt und überwacht werden. So ist z. B. der Zugang zu abgeschlossenen elektrischen Betriebsstätten so zu regeln, dass die Schlüssel für solche Räume nur Elektrofachkräften (EFK) oder elektrotechnisch unterwiesenen Personen (EUP) zugänglich gemacht werden. Dem Laien ist der Zugang zu solchen Orten nur in Begleitung einer EFK oder EUP gestattet.

Für Arbeiten an elektrischen Anlagenteilen ist ein Anlagenverantwortlicher zu benennen. Wenn diesem die Verantwortung für den sicheren Betrieb obliegt, dann muss dieser zwingend Elektrofachkraft sein. Der Anlagenverantwortliche übernimmt die Aufgaben und Verantwortung nach § 8 Absatz 2 des Arbeitsschutzgesetzes an der Arbeitsstelle.

Werden durch den Anlagenverantwort­lichen mehrere Gruppen mit der Arbeit beauftragt, dann ist jeweils ein Arbeitsverantwortlicher in der Arbeitsgruppe zu benennen. Der Anlagenverantwortliche übernimmt die Koordination der einzelnen Gruppen. Die durchzuführenden Arbeiten, Schalthandlungen oder Arbeitsverfahren sind zwischen dem Arbeitsverantwortlichen und dem Anlagenverantwortlichen vor Arbeitsbeginn abzustimmen.

Von den an elektrischen Anlagen arbeitenden Personen muss eine ausreichende Anzahl so ausgebildet sein, dass von diesen Erste Hilfe bei elektrischem Schlag und Verbrennungen geleistet werden kann.
Bild 2: Abschrankung und Warnschild an ­einem Transformator
Bild 2: Abschrankung und Warnschild an ­einem Transformator
An Orten mit elektrischer Gefährdung ist der Zugang für Laien zu regeln. Hierfür sind abgeschlossene elektrische Betriebstätten einzurichten. Diese müssen verschlossen gehalten werden. Abgeschlossene Betriebsstätten dürfen nur von beauftragten Personen betreten werden. Diese müssen Elektrofachkräfte oder mindestens elektrotechnisch ­unterwiesene Personen sein.

Vor Arbeitsbeginn ist der Anlagenverantwortliche über die vorgesehene Arbeit zu ­informieren. Dabei sind Informationen unter anderem über den Netzzustand, Schaltgerätezustand und Zustand der Sicherheitseinrichtungen zu übermitteln. Alle Meldungen müssen den Namen und den Standort der Person enthalten, die die Information übermittelt.

Die Stellen, an denen die Arbeiten dann durchgeführt werden sollen, sind eindeutig festzulegen und zu kennzeichnen. Dort muss ausreichende Bewegungsfreiheit und ein ­ungehinderter Zugang gewährleistet sein – Fluchtwege dürfen nicht verstellt werden.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil für ein sicheres Arbeiten in elektrischen Anlagen stellen Werkzeuge dar. Beispiele für Werkzeuge, entsprechende Ausrüstung, sowie Schutz- und Hilfsmittel sind:
  • Persönliche Schutzausrüstung, wie isolierende Handschuhe, Schuhe, Augen- und Gesichtsschutz, Kopfschutz, Schutzkleidung etc. (Bild 1);
  • Isoliermatten, Schutzabdeckungen und Isolierstangen;
  • Isolierte Werkzeuge, Spannungsprüfer und Prüfsysteme;
  • Beschilderungen und Materialien zum Abschranken (Bild 2).
Alle Werkzeuge, Schutzeinrichtungen und Hilfsmittel müssen für den Betrieb und das Arbeiten an elektrischen Anlagen zugelassen und geeignet sein. Der Zustand der Werkzeuge darf auch nach mehrfachem Gebrauch nicht kritisch sein.

In bestehenden elektrischen Anlagen müssen aktuelle Schaltpläne und Unterlagen verfügbar sein. Dazu zählen Übersichtspläne von Schaltschränken, Installationszeichnungen und Bedienungsanleitungen. Diese Dokumentationen sollen dem Arbeits- und Anlagenverantwortlichen ständig zur Verfügung stehen.

Beschilderungen weisen während des ­Betriebs oder bei Arbeiten auf eventuelle Gefährdungen hin. Hierfür gibt es durch die einschlägigen europäischen Normen geeignete Sicherheitsschilder, die auf Gefahren aufmerksam machen sollen.

Für den Fall eines elektrischen Unfalls werden durch den Anlagenbetreiber geeignete Notfallpläne ausgearbeitet und in Kraft gesetzt. Alle Vorkommnisse sind in entsprechenden Notfallprotokollen festzuhalten. Für externe Arbeiter müssen Anweisungen zum Verhalten im Betrieb verfasst werden. Im Notfall hat der Anlagenverantwortliche ­geeignete Maßnahmen zur Situation zu ergreifen. Die Bereitstellung von Feuerlöscheinrichtungen und Erste-Hilfe-Maßnahmen ist Pflicht.

Übliche Betriebsvorgänge

Zu den üblichen Betriebsvorgängen in einer elektrischen Anlage zählen Schalthandlungen und der Erhalt eines ordnungsgemäßen Zustandes. Zu allen Tätigkeiten sind zugelassene Werkzeuge und Ausrüstungen zu benutzen. Alle anfallenden Arbeiten werden mit dem Anlagenbetreiber oder Anlagenverantwortlichen abgestimmt.

Schalthandlungen führt man durch, um den Schaltzustand einer Anlage zu verändern – unterschieden in:
  • Schalthandlungen zum Bedienen von Betriebsmitteln. Ein- / Ausschalten, Starten und Stillsetzen von Einrichtungen;
  • Aus- und Wiedereinschalten von Anlagen im Zusammenhang mit Durchführungen von Arbeiten.
Schalthandlungen zum Frei- oder Wiedereinschalten sowie im Notfall dürfen nur durch Fachkräfte oder unterwiesenen Personen ­getätigt werden. In Anlagen, deren Aufbau keinen Schutz für Personen gegen Auswirkungen von Störlichtbögen gewährt, sind nur Personen erlaubt, die mit der Schalthandlung zu tun haben.

Im Zusammenhang mit den Regeln der DIN VDE 0105-1 (VDE 0105-1) ist der ordnungsgemäße Zustand einer elektrischen Anlage sicherzustellen. Wiederkehrende Prüfungen, z. B. im Rahmen des E-Checks, dürfen als Stichprobenprüfungen durchgeführt werden, wenn dadurch eine Beurteilung des ordnungsgemäßen Zustandes der elektrischen Anlage möglich ist. Die Anzahl der Stichproben muss sich am Gesamtzustand der Anlage und den möglicherweise auftretenden Gefährdungen orientieren. Wenn möglich, sind bei der Durchführung der Prüfungen die Berichte der früher durchgeführten Prüfungen zur Beurteilung heranzuziehen.

Mit regelmäßig durchgeführten wiederkehrenden Prüfungen soll Folgendes erreicht werden:
  • Die Sicherheit von Personen und Nutztieren vor den Wirkungen des elektrischen Schlags und vor Verbrennungen,
  • der Schutz gegen Schäden am Eigentum durch Brand und Wärme,
  • die Bestätigung, dass die Anlage nicht so beschädigt oder der Zustand nicht so verschlechtert ist, dass die Sicherheit beeinträchtigt wird und
  • das Erkennen von Fehlern an den Anlagen und Abweichungen von den Anforderungen der Norm, die eine Gefahr darstellen können.
Grundsätzlich sind wiederkehrende Prüfungen von Elektrofachkräften auszuführen, die über entsprechende Erfahrungen bei deren Durchführung und der Beurteilung des sicheren Zustandes verfügen. Dabei werden folgende Arbeitsschritte umgesetzt.

Arbeitsschritt Besichtigen

Durch Besichtigen wird der äußerlich erkennbare Zustand der elektrischen Anlagen und Betriebsmittel beurteilt. Dazu gehört ­unter anderem die Feststellung, ob:
  • die Betriebsmittel für den Montageort geeignet sind und den jeweiligen Errichtungsnormen noch entsprechen bzw. ob sie äußerliche Schäden aufweisen,
  • Schutz-, Erdungs- und Potentialausgleichleiter den richtigen Querschnitt aufweisen und zuverlässig angeschlossen sind,
  • Schutzleiter und deren Anschlüsse normgerecht gekennzeichnet sind,
  • Schutzkontakte von Steckvorrichtungen wirksam sind,
  • Schutzeinrichtungen – z. B. Überstrom-Schutzeinrichtungen, Fehlerstrom-Schutz­einrichtungen, Überspannungsableiter usw. – richtig ausgewählt, montiert und angeschlossen sind,
  • Schaltpläne, Kennzeichnungen, Sicherheitsschilder, Gebrauchs- und Betriebs­anleitungen vorhanden sind und noch zutreffen.

Arbeitsschritt Erproben

Durch Erproben wird die einwandfreie Funktion nachgewiesen. Dies gilt insbesondere für Sicherheitseinrichtungen wie Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (Prüftaste), Not-Aus-Schaltungen, Verriegelungen, Melde­leuchten, Rechtsdrehfeld von Drehstrom- Steckvorrichtungen usw.

Arbeitsschritt Messen

Durch Messen erfolgt die Beurteilung des Fehlerschutzes der elektrischen Anlagen unter Fehlerbedingungen. Dazu gehören die Messung der Schleifenimpedanz, des Schutzleiterwiderstandes, des Isolationswiderstandes und der Abschaltbedingungen der Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen. Dabei sind die in DIN VDE 0100-600 festgelegten Messverfahren anzuwenden.

Die Messung des Isolationswiderstandes muss zwischen jedem aktiven Leiter und der Erde bzw. dem Schutzleiter oder PEN-Leiter erfolgen. Zur Minimierung des Messaufwandes dürfen die aktiven Leiter für die Zeit der Messung – mit Ausnahme in feuergefährdeten und explosionsgefährdeten Betriebsstätten – miteinander verbunden werden.

Im Gegensatz zu dem bei der Erstprüfung geforderten Mindestwert von 1 MΩ sind bei wiederkehrenden Prüfungen geringere Grenzwerte zulässig – z. B. von 1000 Ω je V Nennspannung. Weitere Grenzwerte können der Norm entnommen ­werden.

Arbeitsschritt Prüfbericht

Nach Abschluss der wiederkehrenden Prüfung muss ein Prüfbericht erstellt werden, aus dem Einzelheiten zu den geprüften An­lageteilen sowie die Ergebnisse der Besich­tigungen, Erprobungen und Messungen hervorgehen. Insbesondere müssen darin alle Schäden, Fehler und gefährlichen Zustände dokumentiert werden. Der Prüfbericht darf Empfehlungen für Reparaturen und für Verbesserungen enthalten, wie das Anpassen der Anlagen an den aktuellen Normenstand.

Der Bericht muss von der für die ordnungsgemäße Durchführung der Prüfungen verantwortlichen Person unterschrieben und an den Auftraggeber übergeben ­werden.

Festlegung der Prüfintervalle

Die Häufigkeit der Prüfungen, d. h. die Prüfintervalle, bestimmen sich nach der Art der Anlagen und Betriebsmittel, deren Verwendung, der Häufigkeit und Qualität der Wartung sowie den äußeren Einflüssen. Zusätzlich sind gesetzliche und andere nationale Bestimmungen, z. B. aus der Versicherungswirtschaft, zu beachten.

Im Allgemeinen kann ein Zeitraum von vier Jahren zugrunde gelegt werden. Kürzere ­Abstände sind erforderlich bei Anlagen, in denen besondere Risiken hinsichtlich des elektrischen Schlags, Brand oder Explosion bestehen, auf Baustellen, für Anlagen für ­Sicherheitszwecke und ähnlichem (Richtwerte siehe auch DGUV-Vorschrift 3).

Für Wohnungen können längere Zeitspannen – z. B. zehn Jahre – geeignet sein. Bei einem Wechsel der Bewohner ist eine Prüfung der elektrischen Anlage dringend empfohlen.

Zulässige Arbeitsmethoden

Generell gilt, dass alle Arbeiten geplant werden müssen. Die ausführenden Personen müssen durch den Anlagen- oder Arbeitsverantwortlichen vor Beginn und nach Been­digung der Arbeiten aufgabenbezogen unterwiesen werden.

Vor Beginn der Arbeit ist der Anlagenverantwortliche über die Art, den Ort und eventuelle Auswirkungen auf die Anlage durch den Arbeitsverantwortlichen zu unterrichten. Bei großen Anlagen oder komplexen Tätigkeiten sollte diese Meldung vorzugsweise schriftlich erfolgen. Die Tätigkeiten beginnen erst nach Arbeitsfreigabe durch den Anlagenverantwortlichen. Unterbrechungen, unvorhersehbare Störungen oder die Beendigung der Arbeiten sind dem Anlagenverantwortlichen zu melden. Für die Arbeiten werden drei Arbeitsmethoden unterschieden:
  1. Arbeiten im spannungsfreien Zustand,
  2. Arbeiten unter Spannung und
  3. Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile.
Die Festlegung der Arbeitsmethode erfolgt durch den Anlagenverantwortlichen. Nachfolgend werden die Arbeitsmethoden für Arbeiten an elektrischen Anlagen bis 1000 V betrachtet.

Arbeiten im spannungsfreien Zustand

Diese Arbeitsmethode sollte den Regelfall darstellen, da unter Beachtung der fünf Sicherheitsregeln ein gefahrloses Arbeiten möglich ist.

Die fünf Sicherheitsregeln dienen zum Herstellen und Sicherstellen des spannungsfreien Zustandes an der Arbeitsstelle für die Dauer der Arbeit. Nachdem der Arbeitsbereich festgelegt wurde, werden die folgenden Maßnahmen in folgender Reihenfolge durchgeführt:
  1. Freischalten;
  2. gegen Wiedereinschalten sichern;
  3. Spannungsfreiheit feststellen;
  4. Erden und Kurzschließen;
  5. benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken.
Werden Sicherheitsregeln nicht durch den Arbeitsverantwortlichen vor Ort durchgeführt, so hat er sich die Durchführung der betroffenen Sicherheitsregel durch den Anlagenverantwortlichen bestätigen zu lassen.

Arbeiten unter Spannung

Arbeiten unter Spannung müssen unter Beachtung der Arbeitsschutzvorschriften wie z. B. die DGUV-Vorschrift 3 und der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) durchgeführt werden. Als oberster Grundsatz gilt, dass diese Arbeiten nur dann durchgeführt werden dürfen, wenn die Sicherheit und der Gesundheitsschutz aller an den Arbeiten beteiligten Personen sichergestellt ist. Das Arbeiten unter Spannung erfordert besondere technische und organisatorische Maßnahmen. Nur durch Anwendung geeigneter Arbeitsverfahren und gut ausgebildetem und ausgerüstetem Personal kann die sichere Ausführung der Arbeiten erreicht werden.

Beim Arbeiten unter Spannung wird unterschieden zwischen
  • Arbeiten, die generell unter Spannung durchgeführt werden dürfen, (z. B. Heranführen von Prüf- und Messeinrichtungen),
  • Arbeiten, die aus technischen Gründen unter Spannung durchgeführt werden dürfen, wie die Fehlersuche in Hilfsstromkreisen und
  • Arbeiten, die nur unter bestimmten Voraussetzungen unter Spannung durchgeführt werden dürfen.
Für die letztgenannten Arbeiten muss neben weiteren Voraussetzungen die Anweisung der verantwortlichen Elektrofachkraft vorliegen und die Personen an einem speziellen Ausbildungsprogramm teilgenommen haben. Die Spezialausbildung muss sowohl theoretische Kenntnisse vermitteln als auch praktische Übungen beinhalten. Vor Aufnahme der Arbeiten sind Arbeitsverfahren und Arbeitsabläufe festzulegen, entsprechende Werkzeuge, Schutz- und Hilfsmittel bereitzustellen und die Umgebungsbedingungen zu beachten. Das Arbeiten unter Spannung, ­ohne Einhaltung der vorgenannten Bedingungen, ist nicht zulässig.

Arbeiten in der Nähe unter Spannung ­stehender Teile

Bei dieser Arbeitsmethode stellt eine geeignete Maßnahmen sicher, dass keine aktiven Teile mit einer Nennspannung > 50 V AC oder > 120 V DC berührt werden können bzw. bei Hochspannungsanlagen die Gefahrenzone nicht erreicht werden kann.

Schutz durch Schutzvorrichtung, Abdeckung, Kapselung oder isolierende Umhüllung

Die Schutzmittel müssen so ausgewählt und angebracht werden, dass ein ausreichender Schutz gegen direktes Berühren unter Beachtung mechanischer Beanspruchungen dauerhaft sichergestellt ist. Schutzeinrichtungen – z. B. Isoliertücher oder Isolierformteile – sind entsprechend durch geeignete Befestigungsmittel (z. B. Klammern) anzubringen. Erfolgt die Anbringung an aktiven Teilen oder in der Gefahrenzone, so sind die Festlegungen für das Arbeiten unter Spannung anzuwenden.

Schutz durch Abstand und Aufsicht

Bei dieser Methode muss der Abstand zu ­aktiven Teilen in Abhängigkeit der Nennspannung festgelegt werden. Da diese Maßnahmen nur einen teilweisen Schutz bieten, ist die Gefahr durch das Erreichen der Gefahrenzone mit sperrigen Gegenständen insbesondere bei der Personalauswahl zu berücksichtigen.

Instandhaltung von Anlagen

Durch Instandhaltungen sind elektrische ­Anlagen in Ihrem Zustand zu erhalten. Die Instandhaltung wird vorbeugend durch Wartungen und als Reparatur oder Austausch eines fehlerhaften Teils durchgeführt.

Alle Instandhaltungsmaßnahmen müssen vom Anlagenverantwortlichen genehmigt werden. Das Personal ist ausreichend zu unterweisen und muss fachlich qualifiziert sein. Geeignetes Werkzeug und eine persönliche Schutzausrüstung ist bereitzustellen.

Im Falle einer vorübergehenden Unterbrechung von Instandhaltungsarbeiten trifft der Arbeitsverantwortliche alle erforderlichen Maßnahmen, um Zugang zu unter Spannung stehenden Teilen und unbefugtes Bedienen der elektrischen Anlage zu verhindern. Ggf. ist der Anlagenverantwortliche über eine derartige Unterbrechung zu informieren.

Nach Beendigung der Instandhaltungsarbeiten ist die Anlage den Anlagenverantwortlichen zu übergeben. Der Zustand der Anlage ist vom Arbeitsverantwortlichen dem ­Anlagenverantwortlichen zu erläutern.
Über den Autor
Autorenbild
Dirk Maske

BFE Oldenburg

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