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Richtig wickeln will gelernt sein

Elektroisolierband passend zur Anwendung auswählen

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Auf einen Blick Anwendungsgerecht Je nach Anwendung bieten Klebebänder aus PVC, Gummi oder Mastik spezifische Vorteile

Temperaturen Man sollte auch darauf achten, für welchen Temperaturbereich ein Elektroisolierband zertifiziert ist
Ein gutes Elektroisolierband hat zahlreiche Anforderungen zu erfüllen: Es soll sich leicht abrollen lassen, ist gut zu verarbeiten und lässt sich faltenfrei auch auf unebenen Untergründen anschmiegen – das alles unter vielen verschiedenen Bedingungen oder im Außeneinsatz bei starker Verschmutzung, Hitze oder Kälte. Anschließend soll es dauerhaft und zuverlässig über Jahre funktionieren.

Entscheidend ist es für den Anwender daher stets, bedarfsgerecht die passende Lösung auszuwählen und auf bewährte Markenqualität zu setzen. Vermeintlich kostengünstige Tapes werden diesen Anforderungen oft nicht gerecht. Im Folgenden gibt es einen Überblick zu den verschiedenen Möglichkeiten sowie nützliche Praxistipps für den Profi.

Auf IEC-Klassifizierungen und Markenqualität achten

Bild 1: Qualitätsbänder bieten einerseits die erforderlichen Zertifikate, andererseits lassen sie sich auch bei Temperaturen ­unter dem Nullpunkt verarbeiten
Bild 1: Qualitätsbänder bieten einerseits die erforderlichen Zertifikate, andererseits lassen sie sich auch bei Temperaturen ­unter dem Nullpunkt verarbeiten
PVC-Isolierbänder für unterschiedliche Temperaturbereiche bieten die nötige Flexibilität, um das jeweils am besten geeignete Band für Anwendungsumgebungen von kalt bis heiß auszuwählen. Zuverlässige Eigenschaften hinsichtlich Haftung, Zugfestigkeit, Dehnung und Spannungsfestigkeit sorgen dafür, dass die Anwender bei ihrer Arbeit hohe elektrische und mechanische Anforderungen erfüllen können, sogar mit flammwidrigen Versionen, wenn erforderlich. Die PVC-Isolierbänder von 3M etwa (Bild 1) sind klassifiziert als IEC Typ 7 oder Typ 6 (nach IEC 60454-3-1) und verfügen über die betreffenden VDE-, UL- und CSA-Zertifikate:
  • IEC Typ 7: IEC 60454-3-1-7/F-PVCP/90; Temperaturbereich –18 °C bis +90 °C
  • IEC Typ 6: IEC 60454-3-1-6/F-PVCP/90; Temperaturbereich –10 °C bis +90 °C
No-name-Tapes weisen diese Zertifizierungen oft nicht auf. Oft haben sie beispielsweise eingeschränkte Temperurbereiche – ein Qualitätsunterschied, der sich in der praktischen Anwendung schnell negativ bemerkbar machen kann.

Welches Elektroisolierband für welchen Zweck?

Folgende Hinweise helfen bei der Auswahl und Anwendung von Elektroisolierbändern:
  • Elektroisolierbänder aus PVC sorgen für eine langlebige Ummantelung und hohen mechanischen Schutz. Dazu sollte der Anwender immer mindestens zwei überlappende Schichten benutzen. Die letzte Schicht sollte weniger straff umwickelt wer­den und ohne Zug angebracht werden, um ein Ablösen des Bandendes zu verhindern.
  • Isolierbänder aus Gummi sorgen für elek­trische Isolierung, mechanische Polsterung, Wasserabdichtung und Formgebung. Das Band sollte besonders fest gewickelt werden, um eine wasserdichte Versiegelung zu erzielen. Isolierbänder aus Gummi werden normalerweise mit Isolierband aus PVC umwickelt.
  • Mittel- und Hochspannungsbänder gibt es mit isolierenden und halbleitenden Schichten. Zunächst wird ein selbstverschweißendes Isolierband aus Gummi auf dem vorbereiteten Kabel in stark gedehnten überlappenden Schichten angebracht. Für die Isolierung darf in keinem Fall halbleitendes Band verwendet werden. Die Bänder sind in dieser Hinsicht klar identifiziert und markiert.
  • Bänder aus Mastik (Gummiharz) verbinden die elektrische Isolierung mit einer mechanischen Polsterung, Feuchtigkeitsabdichtung und Formgebung. Diese Bänder werden meist mit einem PVC-Band umwickelt, um eine hohe Witterungs­beständigkeit zu erzielen. Es sollte nicht zu viel Mastik verwendet werden, um ein Durchsickern zu vermeiden.

Elektroisolierbänder korrekt ­anwenden

Der sachgerechte Einsatz von Elektroisolierbändern kann im Installationsalltag wertvolle Zeit und somit bares Geld sparen – erfordert jedoch entsprechendes Fachwissen. Hier ­einige wichtige Wickel-Tipps, die für eine dauerhafte, sichere und langlebige Isolierung hilfreich sein können:
  • Das Band sollte stets mit ausreichend Dehnung angebracht werden, um es an die Gegenstände anzupassen, die um­wickelt werden. Die letzten 50 mm sollten ohne Zug anliegen, um das Abrollen/Heben des Bandendes zu vermeiden.
  • Unregelmäßige mechanische Verbindungsstücke wie zum Beispiel einen Splintbolzen sollte man stets zunächst mit Isolierband aus Gummi oder Mastik abbinden, um scharfe Kanten zu polstern, bevor es mit Elektroisolierband überklebt wird.
  • Spitz zulaufende Formen sollte man »ansteigend« umwickeln – sprich vom schmalsten zum breitesten Punkt. Auf diese Weise werden die unteren Schichten gesichert.
  • Zum Schneiden des Bandes immer eine Schere oder ein Messer benutzen. Wenn mangels Werkzeug doch einmal ein Band mit den Händen abgerissen werden muss, sollte der Anwender die Finger dabei nahe beieinander halten. Je weiter die Finger auseinander stehen, desto mehr dehnt sich das Band vor dem Reißen.
  • Entscheidend ist es, stets das richtige Band für die jeweiligen Bedingungen zu verwenden. Daher sollten Anwender stets darauf achten, welches Band für welchen Anwendungs- und Temperaturbereich zertifiziert ist.

Isolierband »mit Gedächtnis«

Bild 2: Im Handel sind zahlreiche Varianten von Elektroisolierbändern auf PVC-Basis erhältlich
Bild 2: Im Handel sind zahlreiche Varianten von Elektroisolierbändern auf PVC-Basis erhältlich
Im Handel sind zahlreiche Varianten von Elektroisolierbändern auf PVC-Basis erhältlich. Sie unterscheiden sich zum Beispiel durch ihre Dehnbarkeit und die Beständigkeit gegen Hitze- oder Kälteeinwirkung. Auch die Schwere oder Leichtigkeit des Abwickelns von der Rolle oder ein eventuelles Nachlassen der Klebekraft (»flagging«) sind wichtige Qualitätskriterien.

PVC-Bänder von 3M sind für dauerbeständige Isolierarbeiten in der Elektrotechnik zugelassen (Bild 2). Viele Elektriker setzen beispielsweise auf das »Scotch Super 33+«. Sein Klebstoff ist stabil und fließt nicht (es ist an den Seiten nicht klebrig), weshalb sich das Band rückstandslos von der Oberfläche entfernen lässt. Noch wichtiger: Die PVC-Schicht weist ein spezielles »Streck«- und »Rückstell«-Gedächtnis auf. Wenn das Band von der Rolle abgezogen wird, streckt es sich gleichmäßig, wie vom Anwender gewünscht, und wenn es losgelassen wird, versucht es, zur Originallänge zurückzukehren, auch nachdem es mehrfach gezogen und gestreckt wurde.

Dieses »Gedächtnis« hilft, um zum Fixieren Druck auf eine gleichmäßig umwickelte Klebe- oder Verbindungsstelle auszuüben. Das »Strecken« ermöglicht es sogar, unregelmäßig geformte Objekte mit einer einheitlichen Abdeckung an den erhöhten Stellen zu umwickeln, wo die Streckung am höchsten ist. Durch sein Gedächtnis kann das Band generell an jeder Seite einer Klebe- oder Verbindungsstelle auf den geringeren Durchmesser absinken und diese ohne Falten und ohne Öffnungen zwischen den Schichten abdecken. Das Ergebnis ist eine sehr gleichmäßige und einheitliche Isolierung, was Wasser, Feuchtigkeit und Staub davon abhält, unter oder zwischen die Schichten zu gelangen. Diese Leistungsfähigkeit lässt sich sogar noch steigern, indem beim Umwickeln Bänder aus Gummi oder Mastik unter dem Band aus PVC verwendet werden.
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Über den Autor
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Seref Cekic

3M Deutschland GmbH, Neuss

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