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Meisterschulen am Ostbahnhof München

Mit den Anforderungen Schritt halten können

Bild 1: Hans-Jürgen Schulmeister, Leitung Elektro- und Informationstechnik an der Meisterschulen am Ostbahnhof, München
Bild 1: Hans-Jürgen Schulmeister, Leitung Elektro- und Informationstechnik an der Meisterschulen am Ostbahnhof, München
Alles in allem versprach das Ganze ein spannender Termin zu werden, als ich mich an einem grauen und nasskalten Februartag auf den Weg machte, den neu ausgestatteten Raum 404 in der Abteilung für Elektro- und Informationstechnik zu begutachten. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

Ein Filmteam war auch dabei, um – wie sich später herausstellte – einen Imagefilm zu drehen: 70 Jahre Internationale Handwerksmesse in München und die Macher von der Firma »Media Box TV« aus München pickten sich dazu als Kulisse die Meisterschule heraus.

Beweggründe für den Umbau

H.-J. Schulmeister: Zunächst war uns als Schule wichtig, welche Themen der Digitalisierung in Zukunft eine tragende Rolle haben werden. Wohlgemerkt, wir denken dabei nicht nur an Digitalisierung 4.0, sondern an Wirtschaft 4.0, weil dort das Handwerk mit einbezogen ist und das war uns natürlich wichtig. So haben wir uns schon vor mehr als drei Jahren überlegt, wie kann man einen Raum, der funktional ist, für die Zukunft aufstellen?

B. Bernlochner: So wollten wir auch und gerade die Energie- und Gebäudetechniker für die Themen »Überwachung« und »AAL« sensibilisieren und ausbilden sowie letztendlich im Bereich Smart Home, wobei hier der Begriff schon durch die Medien etwas überstrapaziert ist. Dennoch wird dies aber in den nächsten Meisterprüfungen Thema sein, also weg vom »Schutz« hin zur »Intelligenz«, um es mal provokativ auszudrücken.

Realisierung des Projekts

Bild 2: Bruno Bernlochner, Dozent  für Energie- und Gebäudetechnik in den Meisterklassen der Meisterschulen am Ostbahnhof, Münche
Bild 2: Bruno Bernlochner, Dozent für Energie- und Gebäudetechnik in den Meisterklassen der Meisterschulen am Ostbahnhof, Münche
B. Bernlochner: Hier hatten wir das Glück, dass wir die Tische, die mittlerweile 15 bis 18 Jahre alt sind, immer noch verwenden können. Dank der Qualität, die der Hersteller bietet, haben wir eine hohe Kompatibilität, da nach fast 20 Jahren die Teile, die wir benötigten, immer noch verfügbar sind. So konnten wir die zeitgemäße Ausstattung der Tische mit ca. 25 000 € realisieren und erhielten damit 7 Plätze, an denen jeweils 2 Studierende zusammenarbeiten.

H.-J. Schulmeister: Die Kosten waren aber auch deswegen so überschaubar, weil unsere Mitarbeiter am Entstehungsprozess aktiv beteiligt waren, also bei Aufbau, Installation und Verdrahtung. Das zeichnet meine Mitarbeiter einfach aus, dass sie nicht nur sagen, beschaffe mir dies und das, sondern sie überlegen sich im Vorfeld die Verwendung der zu beschaffenden Materialien und denken auch bei der Installation einfach mit.

B. Bernlochner: Wir greifen also nicht auf Lösungen von großen Herstellern für Schullabore zurück, sondern die Aufgabenstellungen und -Lösungen sind Gedankengut der Kollegen. Bei einem Hersteller hat das Ganze oft leider nichts mehr mit der Praxis zu tun, die uns aber natürlich sehr wichtig ist. So dienten die Aufgaben einer Meister­prüfung als Grundlage, damit wir diese Anforderungen auch mit unserem neuen Equipment in die Praxis umsetzen können.

Der Raum in der Praxis

Bild 2: Bruno Bernlochner, Dozent  für Energie- und Gebäudetechnik in den Meisterklassen der Meisterschulen am Ostbahnhof, Münche
Bild 2: Bruno Bernlochner, Dozent für Energie- und Gebäudetechnik in den Meisterklassen der Meisterschulen am Ostbahnhof, Münche
Dann wurde es Zeit, sich den Raum unter Praxisbedingungen näher anzuschauen. Eine Klasse von Anwärtern auf den Meister für Energie- und Gebäudetechnik nahm die Plätze in Beschlag und die beiden Dozenten Petra Schönberger (Bild 3) und Mario Hänel teilten sogleich Aufgabenblätter aus, damit keinem der Teilnehmer langweilig werden konnte. Nach wenigen Minuten der Einarbeitung in die neuen Aufgabenstellungen, die auch an die Wand projiziert wurden, konnte ich mich mit Frau Schönberger etwas unterhalten.

»de«: Frau Schönberger, was ist in dem Raum nun anders geworden gegenüber früher?

P. Schönberger: Im Gegensatz zu unserer alten Anlage verfügen wir jetzt über feste Aufbauten für Antennenanlagen und Datentechnik. Wir haben nun die Möglichkeit in Netzwerken, die die Schüler aufbauen und einrichten, SAT over IP zu streamen. Wir verfügen über einen Serverschrank, somit können mehrere Fritz-Boxen verbunden und kleinere Netzwerke (LAN oder WLAN) aufgebaut werden.
Bild 4: Dr. Markus Kink (li.) und sein Team von »Media Box TV« beim Einstellen der Beleuchtung für eine Filmszene – Hans-Jürgen Schulmeister (re.) schaut aufmerksam zu
Bild 4: Dr. Markus Kink (li.) und sein Team von »Media Box TV« beim Einstellen der Beleuchtung für eine Filmszene – Hans-Jürgen Schulmeister (re.) schaut aufmerksam zu
Das Neueste sind aber die Überwachungskameras, die ebenfalls in die Netzwerke mit eingebunden werden, sowie eine Glasfaserverkabelung, mit der wir ab sofort arbeiten können. Wir sind mittels unserer neuen Ausstattung auch in der Lage, Glasfasern thermisch zu spleißen, zu messen und zu zertifizieren.

Wir arbeiten bei den Versuchen in allen Technikbereichen mit handelsüblichen Materialien. Damit dies für die Schüler auch sichtbar ist, wurden alle Bauteile auf oder in transparenten Platten und Gehäusen montiert (Bild 3). Die Schüler haben so die Möglichkeit an realistischen Anlagen zu arbeiten.

Inzwischen war auch das Filmteam eingetroffen (Bild 4) und legte sofort mit den Aufnahmen los. Die Schüler ließen sich davon kaum beeindrucken und arbeiteten konzentriert weiter. Ich hatte das unmittelbare Gefühl, dass sich die Zeiten, seit meiner Weiterbildung an der Technikerschule, wohl doch geändert haben, gut so.
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