Praxisfrage

Isolationswiderstandsmessung nach DIN VDE 0105-100

Frage gestellt am 29. Oktober 2018

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Wir prüfen für mehrere Kirchengeimeinden die elektrischen Anlagen in den Gebäuden ( Kirchengebäude, Pfarrheime, Pfarrhäuser, Kitas). Meine Frage bezieht sich auf die Vorgehensweise bei der Isolationswiderstandsmessung nach der DIN VDE 0105-100.
Normalerweise sollte vor der Messung in Erfahrung gebracht werden, ob in den zu messenden Stromkreisen elektrische Betriebsmittel mit elektronischen Bauelementen enthalten sind. Dadurch können die Messwerte verfälscht werden, im schlimmsten Fall werden elektronische Geräte durch Überspannung zerstört (500V).
Meistens sind abgesehen von den Beleuchtungsanlagen noch andere Betriebsmittel wie z.B. Heizungspumpen, Jalousiesteuerungen, Küchengeräte, ect. fest angeschlossen.
Dadurch sind mir zwei Messvarianten gegeben:
Variante 1 -ich trenne für den Zeitraum der Isolationsmessung alle Betriebsmittel
Variante 2 – ich verbinde Außenleiter und Neutralleiter und messe deren gemeinsamen Isolationswiderstand gegen den Schutzeiter.
Da die meisten Anlagen einem fremd sind und man nicht genau weiß wo und wie viele empfindliche Betriebsmittel verbaut sind, bzw. die Anschlüsse sind nur mit erheblichen Mehraufwand erreichbar/erkennbar, denke ich ist die zweite Variante sinnvoller.
Mir stellt sich jetzt die Frage, ob diese Variante üblich ist, wenn ja welchen Sinn machen dann N-Trennklemmen, wenn ich doch sowieso den Außenleiter und Neutralleiter verbinde?
Mit der Messvariante 2 ist trotzdem die Isolation zwischen Außenleiter und Neutralleiter nicht geprüft oder habe ich einen Denkfehler ? Gibt es noch andere Möglichkeiten zu messen?
Noch schwieriger ist die Situation, wenn in den Altanlagen keine N-Trennklemmen vorhanden sind, dann müsste man sich den passenden N-Leiter zum Außenleiter herraussuchen, das meiner Meinung nach sehr Zeitaufwändig ist.
In der DIN VDE 0100-420:2016-02 heißt es: »Zum Zwecke einer vereinfachten Isolationsmessung als vorbeugende Maßnahme für den Brandschutz muss jeder Neutralleiter mit einer Einrichtung zum Trennen nach DIN VDE 100-530 versehen sein. Hierfür dürfen z. B. Neutralleiter-Trennklemmen, Schalt-oder Schutzschaltgeräte, die in der Lage sind, den Neutralleiter zu trennen, verwendet werden.«
In der VDE 0100-718:2014-06 Abs. 718.421.8 heißt es weiter: »Die Haupt-und Unterverteilungen sind so auszuführen, dass eine einfache Messung des Isolationswiderstandes aller Leiter gegen Erde jedes einzelnen abgehenden Stromkreises möglich ist. Bei Leiterquerschnitten unter 10 mm² muss diese Messung ohne abklemmen des Neutralleiters möglich sein, z. B. durch den Einbau von Neutralleiter-Trennklemmen.« Öffentliche Einrichtungen und Arbeitsstätten steht der Anwendungsbereich unter Abs. 718.1. Dieser Teil der Normen der Reihe DIN VDE 0100 enthält zusätzliche Anforderungen für elektrische Anlagen in öffentlichen Einrichtungen und Arbeitsstätten.
D. D., Nordrhein-Westfalen

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Kommentare aus der Community (1)

  1. VDE 0105-100 / A1 : 2017 – 06 bezieht sich bei allen anzuwendenden Meßverfahren so auch der Isolationswiderstandsmessung auf VDE 0100 – 600. Dort heißt es u.a. Der Isolationswiderstand muss zwischen aktiven Leitern und zwischen aktiven Leitern und dem mit der Anlagenerde verbundenen Schutzleiter gemessen werden. Wenn zweckdienlich, dürfen bei dieser Prüfung Außenleiter und Neutralleiter miteinander verbunden werden. In der Praxis kann es erforderlich sein, diese Messung während der Errichtung der elektrischen Anlage vor dem Anschluss der Betriebsmittel durchzuführen. Letzterer Satz ist praktisch die Erkenntnis, daß in einer verzweigten modernen Anlage bei einer Wiederholungsprüfung die Isolationswiderstandsmessung praktisch nicht mehr durchführbar ist.
    Nachfolgend werden die Ausnahmen aufgezählt, extern angeschlossene elektronische Betriebsmittel, aber auch interne z.B. RCD Typ B, B+, F u.s.w. oder SPD`s auch solche in Steckdosen und es wird beschrieben wie die Isolationswiderstandsmessung durch Zusammenfassung von Leitern und Absenkung der Prüfspannung erleichtert werden kann bis 250 V DC – der Scheitelwert der 230 V Netzspannung liegt über 320 V , d.h. das Einschalten der Netzspannung an einer Anlage, ohne daß ein Fehler entsteht oder auftritt wäre dann defakto auch eine ständige Isolationswiderstandsmessung nur ohne angezeigten Meßwert. Gleichzeitig läß VDE0105-100 / A1 : 2017 -06 aber zu, daß die Isolationswiderstandsmessung durch eine dauerhafte Differenzstrommessung ersetzt werden kann, eine Anerkenntnis der Gleichwertigkeit der Prüfverfahren, mit dem Beigeschmack der ungleichen Bewertung. Der Isolationswiderstand zum Zeitpunkt X wäre formal nach DGUV V3 und üblichen Intervallen 4 Jahre gültig unabhängig ab durch Umgebungsbedingungen auch zyklische Verschlechterungen eintreten können. Für die Differenzstrommessung will man dieses nicht gelten lassen. Unabhängig davon kann man aber nur jedem Prüfer empfehlen den Anlagenbetreiber dazu zu bewegen seine Anlage im Speisepunkt so zu gestallten, daß eine Differenzstrommessung möglich wird und diese durch Anwendung des TN – S Netzes und konsequente parallele modulare Führung des N – Leiters parallel zu den Phasen- leitern auch in den Teilbereichen der Anlage referenziert werden kann. Die einmalige Anpassung der Anlage rechnet sich in den meisten Fällen gegenüber dem Aufwand, der zu treiben wäre um eine wirklich aussagefähige Isolationsmessung zu erreichen.
    Gegebenenfalls muß man dann nachfolgend auch zum Erreichen befriedigender Werte bei eine solchen Differenzstrommessung Betriebsmittel mit höheren Differenzstromwerten entfernen und solche durch ableitstromarme Betriebsmittel ersetzen. Als Richtwert für komplexe Anlagen im Sinne des Brandschutzes kann z.B. VDE 0100 – 530 herangezogen werden, die aussagt, daß der Ableitstrom auf 0,4 des Differenzstromes eines RCD, d.h. bei RCD für Brandschutz 300 mA dann < 120 mA koordiniert werden muß. Ich habe schon komplette Bereiche von Krankenhäusern, z.B. 2 OP, ITS, Bettenstationen mit ca. 50 Betten gemessen bei denen der Ableitstromwert unter10 mA lag oder Feldverteiler mit Einspeisung 3 x 50 A um 3 mA. Das sind Werte bei denen selbst ein einzelner vorgeschalteter RCD 30 mA, so es den gegeben hätte nicht auslösen würde. Wenn solche Werte dann durch zyklische wiederholte Messungen dauerhaft referenziert werden können, sehe ich die Gleichwertigkeit im Sinne der neuen Aussage der VDE 0105 – 100 / A1 : 2017 – 06 auch gegeben.
    Wenn sich später abweichende Werte ergeben, muß man das dann eben näher untersuchen, analog wie bei schlechten Riso Werten und kann sich aber bei modularem Aufbau und Lokalisierung des schlechten Differenzstromwertes dann auf diesen Teilbereich der Anlage beschränken, dann gegebenenfalls wider mit Riso Messung. Da nach meinem Bauchgefühl ca. 90 % aller gegenwärtig errichteten Anlagen nicht so aufgebaut sind, daß man in gänze oder auch nicht weiter modular Differenzstrommessungen durchführen kann, sollte man erst einmal Wert in der Ausbildung und Praxis darauf legen solche Anschlußgeometrien zu installieren, die so etwas ermöglichen. Nur dadurch werden sich in Zukunft Probleme wie oben dargestellt vermeiden und beherrschen lassen, dann auch gern automatisiert, was bei Riso schon wegen der notwendigen Abschaltung nicht geht.
    Siehe auch
    http://www.verpennte-installation.de/Plakat%202015.pdf


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