Praxisfrage

Steckdosen ohne RCD in Netzwerkschränken?

Frage gestellt am 28. Juni 2019

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Für einen IT-Dienstleister der Bundeswehr müssen wir Verteilerräume mit Netzwerkschränken herstellen. Der IT-Dienstleister hat ein Handbuch herausgegeben, in dem Forderungen stehen, wie der Raum umzusetzen ist. Es wird dort u.a. gefordert: »(…) Steck­dosen in IT-Verteilerschränken In IT-Verteilerschränken sind für die Steckdosen, an die DV-Geräte angeschlossen werden, keine FI-Schutzeinrichtungen (RCD) vorzusehen. Die Steckdosen sind mit dem Vermerk ‚nicht über RCD abgesichert‘ zu kennzeichnen. Die Räume sind trocken. Alle eingesetzten Geräte sind nach DGVU-Vorschrift 3 (alt: BGV A3) ­geprüft. Der Zugang ist nur unterwiesenem Personal möglich, so dass hier eine Personengefährdung auszuschließen ist. Steck­dosen für Wartungs- und Reinigungszwecke sind entsprechend Abschnitt 5.3.3.2 mit RCD auszustatten.«

Diese Forderung umzusetzen ist nach den ­anerkannten Regeln der Technik und gültigen DIN-VDE-Normen schwierig, da das Personal des Dienstleister nicht ausschließlich aus elektrotechnisch unterwiesenen Personen besteht. In den Normen steht: »Steck­dosen, die durch Elektrofachkräfte oder elektrotechnisch unterwiesene Personen ständig überwacht werden, müssen nicht zwingend durch einen FI-Schutzschalter (RCD) geschützt sein. Als ständig überwacht gelten elektrische Anlagen und Betriebsmittel, wenn sie von Elektrofachkräften in Stand gehalten werden und durch messtechnische Maßnahmen sichergestellt ist, dass Schäden rechtzeitig entdeckt und ­behoben werden können.«
In den DIN-VDE-Bestimmungen wird von Steckdosen, nicht von Steckdosenleisten ­geschrieben. Die Räume sind durch ein elektronisches Schließsystem abgesichert. Der Dienstleister kann mir nicht schriftlich bestätigen, dass nur unterwiesene Personen ­Zutritt haben. Von meiner fachlich vorgesetzten Dienststelle bin ich nun angewiesen worden, die Steckdosenleisten im Netzwerkschrank eindeutig zu kennzeichnen und nicht über RCD abgesichert zu betreiben.

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J. V., Nordrhein-Westfalen

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Kommentare aus der Community (3)

  1. Also ehrlich, nach DIN VDE 0100-410:2018-10 MUSS eine RCD vorgesehen werden, wenn Laien die Steckdose verwenden – aber wenn sich dann jemand die Mühe macht eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, ist das alles nicht mehr so wichtig…
    Der durchschnittliche (ich nenne ihn jetzt einfach mal so) Elektriker bräuchte mittlerweile für jede Installation einen Normenstudierten und 2 Rechtsanwälte, um eine Steckdose zu tauschen. Weshalb wird zugelassen, dass simple und praxisorientierte Vorgaben immer wieder vollkommen unberechenbar und nach Gusto geändert werden dürfen?
    Endstromkreis ist Endstromkreis und daran angeschlossene Geräte sind defekt oder haben sich verändert, wenn sie ab einem Zeitpunkt X eine RCD auslösen.
    In diesem Fall muss dann das angeschlossene Gerät überprüft werden.
    Ausnahmen dürfen dann eben nur in der Form zugelassen werden, dass der Zugriff nur durch Fachpersonal erfolgen kann.
    Als Elektrotechniker in einem mittelständischen Unternehmen kann ich nicht für jeden Anschluss eine Gefährdungsbeurteilung erstellen lassen, sondern muss mich an bestehende Regelungen in Form von Gesetzen und mehr oder weniger eindeutigen Normen halten können.

  2. Ich muss, kann und werde mich definitiv dem Kommentar von Herrn G.B., aus Rheinland-Pfalz, nur anschließen können!
    Ich sehe dies absolut genauso!
    Es ist mittlerweile wirklich unfassbar schwer geworden, was von uns verlangt wird!
    Der zeitliche Faktor, um jegliche schriftliche Dokumentationen niederzulegen, um abgesichert zu sein, kann niemand bezahlen,- dass Fachpersonal fehlt an jeder Ecke und vor allem, hat der Tag leider nur 24 Stunden! (Nicht jeder hat für diese Arbeiten einen Angestellten)
    Ebenso sind wir in unserer Branche ja leider dazu verdammt worden, wirklich jeden kleinsten Handgriff, schriftlich niederzulegen… und das ist wirklich traurig.
    Selbst wenn man generell, VDE konform installiert… gibt es gleichzeitig wieder EN Vorschriften, welche über der VDE (eingetragener Verein!) angesiedelt sind… und schon ist diese Art der Installation nicht mehr korrekt ausgeführt.
    Hinzu kommt das ganze schriftliche Prozedere… , für die Berufsgenossenschaft, welches mit unserer „eigentlichen Tätigkeit“ als Fachleute nichts mehr zu tun hat!
    – Wer soll diese ganze Bürokratie sowie die ganzen Neuerungen der Vorschriften eigentlich noch vernünftig stemmen und verstehen können?
    – Wer soll da noch genau wissen, was zu tun ist?
    – Wer soll den ganzen bürokratischen Aufwand durchführen (Kleinunternehmen), wenn man im Endeffekt nur auf Baustellen und auf Kundendiensten seine Arbeiten verrichtet, um die Kunden zu bedienen?
    Lösung!?:
    Eine Bürokraft einstellen?
    -> hier müsste im Vorfeld bereits alles unserseits vorgeschrieben werden (außer man nutzt Leistungsverzeichnisse die mit den eigentlichen Situationen vor Ort, nichts gemein haben!)
    Unser Umfang von auszuführenden Arbeiten ist so immens komplex geworden, dass selbst so genannte „Fachleute“ nicht mehr genau wissen (widersprüchliche Antworten schreiben), wie, was, wann auszuführen und zu erstellen ist! Es gibt leider immer wieder nur Verweisungen auf die DIN,VDE und EN Vorschriften… und das war es dann auch schon…!
    (… auf gar keinen Fall, eine konkrete schriftliche Aussage niederlegen, weil man diese Aussage am Ende wohl möglich noch gegen den Publizisten verwenden könnte!)
    Ebenso kommt hinzu, dass stetig Änderungen in den Normen anfallen… – welche teilweise ebenfalls, absolut widersprüchlich sind!
    Ich hoffe ich habe nicht zu weit ausgeholt!?

  3. Es ist ein Rack. Eine vollkommen zweckoptimierte, verschlossene Umgebung in einem abgeriegelten Bereich. Die verbauten Geräte sind i.d.R. SKII und mehrfach (via C13/14-Kupplungen, Montagerahmen und häufig auch zusätzliche PE-Kabel via Rack) zuverlässig mit PE verbunden. Wir reden da nicht von der Steckdose bei Onkel Otto hinterm Sofa.

    Welches Schutzziel kann ein RCD da _realistisch_ überhaupt verwirklichen?

    Und welche gravierenden finanziellen und operativen Nachteile müsste man dafür in Kauf nehmen?


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