Praxisfrage

Blankes Aluminiumseil als Schutzleiter?

Frage gestellt am 17. Mai 2019

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Wir bauen temporäre Container-Trafostationen, die weltweit auf Baustellen zu finden sind. In unserer fünfpolig aufgebauten NSHV werden als Abgänge neben NH-Leisten auch 4-polige FI/LS Schalter bis zu 630 A eingebaut. Manche Baustellen haben von vier- auf fünfadrige Kabel umgestellt. Wir beobachten aber auch häufiger, dass man ein vieradriges Kabel (br, sw, bl, gr-ge) verlegt und zusätzlich dazu ein blankes Aluminium-Seil.

Das vieradrige Kabel wird am FI/LS-Schalter angeklemmt (L1 br, L2 sw, L3 bl, N gr-ge). Das Alu-Seil wird als Schutzleiter an der PE-Schiene angeklemmt und bis zum Verbraucher mitgeführt und dort ebenfalls an die PE-Schiene angeklemmt. Der grün-gelbe Draht vom vier­adrigen Kabel wird an der Klemmstelle mit einem blauen Isolierband gekennzeichnet.

Ich sage dann den Kollegen, dass das falsch ist. Sie müssten zusätzlich eine reine N-Aderleitung verlegen und den grün-gelben Leiter in der Vieraderleitung als Schutzleiter verwenden. Daraufhin ernte ich nur ein mitleidiges Lächeln. Können sie mir sagen was richtig ist?

T. E., Baden-Württemberg

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Kommentare aus der Community (1)

  1. Es wird hier nicht zum Ausdruck gebracht, wo sich die Baustellen befinden.
    In Deutschland muß bei einer neu eingerichteten Baustelle VDE 0100 – 704 eingehalten werden.
    Daher ist das als Neubau zu betrachten und es müssen zu den Verbrauchern fünfadrige Kabel verlegt werden. Eine Aufsplittung in ein vieradriges Kabel und einen separaten PE ist unzulässig.
    Eine Umstellung von vieradrigem TN – C System in ein fünfadriges TN – S System ist grundsätzlich nur in bestehenden Anlagen möglich, wenn wirtschaftlich angesagt, aber nicht auf Baustellen. Dieser Fall wurde bereits vielfach diskutiert. Es wäre in einer bestehenden Anlage, Ausnahme z.B. auch langfristige Baustellen wie S21 oder BBI,
    dann sinnvoll den grün-gelben PEN einer vieradrigen Leitung , der von Haus aus bereits an den Enden mit einer blauen Markierung versehen sein müßte, um diesen von einem reinen PE zu unterscheiden, nur noch als N zu nutzen und das bestehende Konstrukt um einen separaten stromlosen PE zu ergänzen, sinnvoll in Hauptleitungssystemen z.B. ab 25 qmm und mehr. Es kommt dann nicht auf die Farbe an, sondern die Physik oder EMV und Schadenszenarien.

    In anderen Ländern gilt bei Baustellen grundsätzlich IEC 60364-7-704:2017. Mit Ihren vierpoligen FI/LS haben Sie die Voraussetzungen zur Einhaltung dieser Norm erbracht.
    Grundsätzlich muß man vom beschriebenen Konstrukt überhaupt abraten und sollte die
    Erbringung einer solchen Leistung im Ausland auf Baustelle ablehnen.
    Aus rein physikalischer Sicht, EMV und der möglichen Gefährdungsbeurteilung sollte aber, wenn im Ausland schon so etwas gemacht wird der PE separat angebunden an die Leitung verlegt werden und nicht der N. Die aktiven Adern gehören zusammen in das Kabel. Der grün-gelbe Leiter im vieradrigen Kabel ist in der Regel ein PEN und kein PE auch wenn die blauen Markierungen an den Enden immer vergessen werden.
    Bei einer Absicherung mit FILS =< 30 mA fließt dann entweder bei hinreichend großem
    Widerstand gegen Erde kein Strom oder nur kleiner als 30 mA fließen oder bei kleinem
    Fehlerwiderstand ein höherer Strom, der den RCD zum Auslösen bringt.
    Das entspricht in etwa der Physik von VDE 0100 Beiblatt 2 1991 zum Thema Zweiaderleitung mit RCD 30 mA, ohne Mitführung des PE als Kompensationsmaßnahme für alte Installationen in den neuen Bundesländern, also nicht Neues.
    Im anderen Fall würde bei einer Unterbrechung des separaten N Leiters dagegen
    eine Sternpunktverschiebung auftreten, die angeschlossene Geräte überlastet und Brände auslösen kann.


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