Praxisfrage

Erdung einer neuen Kunststoff-Wasserleitung in einem Altbau

Frage gestellt am 24. Juli 2018

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In meinem Wohnhaus, Baujahr 1971, ist die Wasserleitung im Keller vor einigen Jahren durch Kunststoffrohre ersetzt worden. Kürzlich traten elektrische Spannungen an allen Metallgegenständen im Keller auf. Dazu folgende Daten:

  • 1971: Neubau mit Anschluss der Erdung an die Wasserleitung (die ausführende Fachfirma sagt, dass dies bis 1972/73 zulässig gewesen sei)
  • 2015: Austausch der Zinkwasserleitung durch Kunststoffrohre (Fachfirma)
  • Juni 2018: alle Metallteile im Keller und Wasserleitung draußen am Haus standen unter Strom.

Die Fachfirma hat die Erdung jetzt über den bereits vorhandenen, aber nicht benutzten Erdanschluss neu angeschlossen, so dass die Gefahr gebannt ist. Es stellt sich jetzt die Frage nach der Verantwortlichkeit. Die Fachfirma aus dem Jahr 1971 ist anscheinend außen vor, da die damals übliche Erdung über die Wasserleitung erst ab 1972 oder 1973 in Deutschland nicht mehr zulässig war. Mir als Hausbesitzer war dieses technische Problem unbekannt. Derjenige der es hätte wissen müssen, war – so der hinzugezogene Elektriker – der Installateur der Kunststoffrohre. Der hat aber nichts gesagt und nur montiert.

Nun meine Frage: Gibt es in den geänderten Vorschriften eine konkrete Aussage darüber, dass ein Installateurmeister verpflichtet ist, bei der Annahme des Auftrages den elektrischen Hausanschluss entsprechend zu hinterfragen und den Hausbesitzer zu informieren?

H.-A. B., Nordrhein-Westfalen

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Kommentare aus der Community (1)

  1. In einer Veröffentlichung des Ausschuß Unfallforschung des VDE aus 2012 wird ein ähnliches Problem zum Teil beschrieben.

    H.Bauer, R.Irion Heizungseinbau in Altbauten – Stromschlag in der Wohnung verhindern: https://www.vde.com/resource/blob/1574634/0f1fd51bd473eb16aff7fca66052ff4d/2-leiter-installation-download-data.pdf

    Ich habe meine Meinung dazu bereits an anderer Stelle in elektro.net dazu dargelegt: https://www.elektro.net/praxisprobleme/zweiadrige-leitungen-in-wohnungsbestand/

    Rein rechtlich in der Verantwortung ist zuerst einmal der Eigentümer, der Arbeiten an einem Gebäude in Auftrag gibt. Daher auch die Unterüberschrift in den Hinweisen des SUF: „Was Hauseigentümer und Heizungsinstallateure bei nichtelektrischen Umbauarbeiten wissen sollten und worüber Elektroinstallateure diese informieren sollten.“

    Grundsätzlich gehört es zum Allgemeinwissen, daß technische Dinge, so auch Gebäude und elektrische Anlagen altern und daher hin und wieder geprüft werden müßten. Der Schornsteinfeger oder auch Heizungsanlagenmonteur kommt alle zwei Jahre zur Wartung, warum nicht auch ein Elektroinstallateur, der dann das Problem erkennen könnte.

    Das Problem besteht darin, daß aber hier nicht elektrotechnische Arbeiten durch nicht elektrotechnische geschulte Fachkräfte unternommen wurden. Diese können natürlich behaupten, da Problem nicht zu kennen. Ohne die Verantwortungsstrecke bis ins letzte untersuchen zu wollen liegt hier womöglich sogar Staatsversagen im Sinne der Fürsorgepflicht des Staates gegenüber
    seinen Bürgern vor.
    Anscheinend ist nicht gesetzlich geregelt, daß sich nicht elektrotechnische Gewerke vor Arbeiten an Gebäuden über das Baualter von Gebäuden informieren müssen. Liegt dieses nämlich vor den benannten Jahreszahlen um 1970 wäre dann die Folge, daß diese zuerst eine Aussage, Gutachten oder Ähnliches von einem Elektroinstallateur oder anderer Elektrofachkraft einholen müßten, daß die vorgesehenen Arbeiten keine elektrotechnischen Gefährdungen an der Anlage hervorrufen, wie hier durch Aufhebung der Erdung.
    Ich sehe hier auch ein Versagen der Arbeit der Verbände, wenn schon der Staat das auf Grund zu geringer Todesfälle nicht zentral regeln will, hätte dieses Problem schon vor über 40 Jahren durch den ZVEH oder den VDE an alle anderen relevanten Verbände der Heizung und Klimatechnik kommuniziert werden müssen, mit der Verpflichtung, dieses in die allgemein Ausbildung, Schulung und Unterweisung aufzunehmen. Bei eine Neubaurate von 1 % im Wohnungsbau setzen sich Änderungen eben auch erst in 100 Jahren fast vollständig um.

    Da dieses Verbandsversagen aber nur eine moralische Pflicht ist und nicht juristisch greifbar, würde wohl im Schadenfall, der hier glücklicherweise nicht eingetreten ist, die Haftbarkeit nur über die Verpflichtung des Eigentümers zum Schutz des Eigentums und der Verpflichtung, daß aus dessen Gebrauch keine Gefahren und Schäden für andere erfolgen dürfen übrigbleiben. Das Leben ist eben nicht einfach.


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