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Praxisfrage

Gesonderter Zähler für Wärmepumpen

Mit meiner Anfrage beziehe ich mich auf Ihre Antwort aus »de« 17.2022, »Zwei Zähler in Einfamilienhaus mit Wärmepumpe«. Sie schreiben im zweiten Abschnitt Ihrer Antwort auf die Leserfrage: »Grundsätzlich ist für den Betrieb von Wärmepumpen ein gesonderter Zähler nur dann erforderlich, wenn die Heizanlage unter Inanspruchnahme von Fördermitteln gebaut wurde

Hierzu habe ich eine Frage in eigenem Interesse. Ich beheize mein Haus seit 1971 mit Elektro-Nachtspeicherheizungen. Zum Aufladen der Öfen wird der Doppeltarifzähler über das Tarifrundsteuergerät vom Netzbetreiber auf Niedertarif umgeschaltet. Das gesamte Hausnetz läuft dann über den Niedertarif, bis am Morgen wieder auf den Haupttarif zurückgeschaltet wird. Das Abwerfen des Ladebetriebes ist bei hoher Netzbelastung jederzeit über das Lastabwurfrelais möglich und wird auch durchgeführt. Das allgemeine Hausnetz bleibt davon unberührt.

Nun hat mir der Netzbetreiber den Niedertarif gekündigt, mit der Begründung, dass meine Speicherofenanlage nach §14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) nicht netzdienlich sei. Im besagten Paragrafen wird gefordert, dass Wärmepumpen und elektrische Speicherheizungen vom Netzbetreiber fernsteuerbar sein sollen. Ich bin nun dazu angehalten, meine Anlage auf einen zweiten Zähler umzubauen. Wie vereinbart sich das mit Ihrer oben zitierten Aussage?

H. E., Niedersachsen

Expertenantwort vom 27.09.2022
Markus Klar
Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH) Markus Klar, LL.M.

EABCon-Ingenieurbüro Klar - Consulting Elektrotechnik-Arbeitsschutz-Betriebsorganisation. Der Berufsausbildung bei der Deutschen Post folgten eine Fortbildung zum Service-Techniker sowie eine Ausbildung zum staatlich geprüften Elektrotechniker. Anschließend studierte er Wirtschaftsingenieurwesen sowie Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt Arbeitsrecht als Master of Laws. Er ist sowohl Sicherheitsingenieur (Fachkraft für Arbeitssicherheit) als auch Arbeitssystem-Organisator sowie Organisations-Referent nach REFA und Mitglied im VDE e.V. Langjährig ist er ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht Gera, seit 2011 am Landesarbeitsgericht Thüringen. Markus Klar ist als Autor und freiberuflicher Ingenieur mit dem Schwerpunkt rechtssichere Betriebsorganisation, Arbeitsschutz und Elektrosicherheit beratend tätig.

EnWG

Separater Zähler ist grundsätzlich nicht verpflichtend

Die Ausführungen im Rahmen der Beantwortung von Praxisfragen beziehen sich grundsätzlich auf die konkrete Anfrage. Hier ging es ursprünglich darum, ob man nicht »versehentlich« Verbraucher des normalen Haushaltsstroms auf den Zähler der Wärmepumpe schalten könnte. Dazu wurde von mir angemerkt, dass ein gesonderter Zähler für Wärmepumpenstrom gesetzlich nur dann erforderlich ist, wenn die Wärmepumpe mit staatlicher Förderung gebaut und betrieben werden soll. Grundsätzlich ist der separate Zähler keine Pflicht (www.energie-fachberater.de → im Suchfeld Kennziffer 1643030592  eingeben).

Begehrt man allerdings Fördermittel für die Wärmepumpe, so muss die Effizienz der Heizung nachgewiesen werden. Dazu benötigt man als Messgerät den gesonderten Stromzähler. Natürlich ist der zweite Zähler auch für den Bezug vergünstigten Stroms aufgrund geringerer Konzessionsabgabe sinnvoll. Aber das ist keine gesetzliche Forderung, sondern eher ein wirtschaftlicher Aspekt. Daher bin ich auch nicht auf weitere Fälle, in denen ein zweiter Stromzähler sinnvoll ist und genutzt werden kann, eingegangen.

Zu Ihrer Fragestellung

In Ihrem Fall soll nun die Netzanbindung der Nachtspeicherheizung geändert werden. Dies wird mit §14a EnWG begründet. Hierzu ist allerdings festzustellen, dass die Umstellung nach §14a EnWG nach dem Wortlaut des Gesetzes eine Option und keine Pflicht für den Verbraucher darstellt. Vielmehr hat der Verteilungsnetzbetreiber dem Verbraucher ein geringeres Netzentgelt zu berechnen, wenn diese im Gegenzug die netzdienliche Steuerung von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen zulassen. Dazu wird dann ein separater Zählpunkt erforderlich. Die sogenannte netzdienliche Steuerung dient der Glättung des Stromverbrauchs dadurch, dass zeitweise Verbrauchseinrichtung vom Netz getrennt werden können. Die Einschätzung trifft der Verteilungsnetzbetreiber.

Dies wird auch mit dem etwas martialisch anmutenden Begriff des Lastabwurfs beschrieben. Der Verteilungsnetzbetreiber entledigt sich bei Bedarfsspitzen derjenigen Verbrauchseinrichtungen, für die ein solches Abschalten vereinbart wurde und die dies unkritisch z.B. aufgrund von Speicherungen verkraften können. Der Verteilungsnetzbetreiber hat natürlich mit Blick auf seine Netzaus- und -belastung ein großes Interesse an der Möglichkeit des temporären Lastabwurfs und wird daher diese Option, für die er über den steuerbaren Zähler Zugang bekommt, forcieren. Im Gegenzug ist er – wie in §14a EnWG beschrieben – verpflichtet, ein reduziertes Netzentgelt zu berechnen.

Ob der Verteilungsnetzbetreiber im konkreten Fall berechtigt war, einen zweiten Zähler zu fordern, um künftig den Lastabwurf zu realisieren, kann ich aufgrund der mir unbekannten individuellen Vertrags- und Datenlage nicht beurteilen. Hier empfehle ich, zur abschließenden Bewertung einen Berater nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz (z.B. einen Rechtsanwalt) aufzusuchen, der dann Einsicht in Verträge und sonstige Schreiben des Versorgungsnetzbetreibers nehmen kann. Eventuell bestanden Sonderkündigungs- oder Vertragsanpassungsrechte. Letztlich könnte mit der Umschaltung auf Nachtspeichertarif der gesamte Haushaltsstrom in der Umschaltzeit vergünstigt abgegeben worden sein, was nun korrigiert werden soll.   

Vertiefend zur technischen Thematik der netzdienlichen Steuerung kann ich auf die Stellungnahme des

verweisen.

Markus Klar

 

PP22104


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