Praxisfrage

Leitungen im Bereich KFZ-Technik

Frage gestellt am 20. Mai 2019

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Sehr geehrte Damen und Herren,

hätte einige Fragen zum Thema Praxisprobleme, —mal zu einem anderen Bereich der Elektrotechnik.
Welche Leitungen könnte man verwenden, um die Verkabelung von älteren Traktoren zu erneuern?
Aufgrund der allgemeinen Bewegung sowie Erschütterungen des Fahrzeugs und Vibrationen durch den Motor samt Anlagenteile müsste diese vermutlich von flexibler Bauart sein?
Eine gewisse mechanische Festigkeit in bestimmten Zonen des Fahrzeugs ist wichtig.
Beständigkeit von Kraftstoff, Ölen und Fetten ist erforderlich.
Im Bereich des Motors und der Auspuffanlage ist Temperaturbeständigkeit notwendig.

Früher wurde, so hat es den Anschein, PVC Aderleitung verwendet, welche z.T. im Metallischen Schutzrohr eingezogen wurde oder einen PVC Schlauch.

Ist evtl. eine PVC Leitung mit Schirm eine Lösung? Und könnte man da den Schirm als zusätzliche Masse verwenden, obwohl in der KFZ Technik früher grundsätzlich der Metallrahmen als Masse verwendet wurde?
Auch an den Leitungstype H07 RN-F hätte ich gedacht, wäre das auch eine Option.

Es hat auch schon mal eine Beitrag bei „de“ gegeben, wo es um Schutzmaßnahmen von Stromversorgung auf Fahrzeugen ging—bei einen 12 V Netz ist die Schutzmaßnahme Kleinspannung?
Gibt es bei meinem Vorhaben noch weiteres zum Beachten?
Mit freundlichen Gruß
A. S., Bayern

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Kommentare aus der Community (1)

  1. Grundsätzlich gilt:

    * Keinesfall eindrähtige oder mehrdrähtige Leiter einsetzen. Als Aderleitung bieten sich FLRy-Leitungen an. Diese sind je nach Montageort besonders zu schützen.

    * Schraubklemmverbindungen nur dort nutzen, wo es unvermeidlich ist. Für lösbare Verbindungen kleiner Ströme (<= 15A) bieten sich als einfachste Lösung z.B. Superseal-Steckverbinder (o.ä., gibts auch in kodierbaren Varianten) an. Unverriegelbare Steckverbinder und "Flachstecker" nur da nutzen, wo es nicht anders geht.

    * Den Stahlrahmen zur Stromübertragung (Masse) nutzen ist möglich, aber birgt die Gefahr unberechenbarer Störungen und erhöhter Korrosion. Im PKW-Bereich werden deshalb auch umfangreiche Berechnungen zur Vermeidung von Störungen angestellt. Leistungsfähige Verbraucher (z.B. E-Maschine) sollten grundsätzlich nicht auf diesem Weg angeschlossen werden. Ideal ist ein sternförmiger Potentialausgleich mit einem einzigen, zuverlässig und hinreichend geschützt angelegten Potentialausgleichspunkt in unmittelbarer Nähe des Akkus.

    * Die Hauptsicherung(en) sollten so nah wie möglich am ungeerdeten (+) Pol angebracht werden. Eine ANL- oder Mini-ANL-Sicherungs-Polklemme ist eine mögliche Option. Ist dies – warum auch immer – nicht möglich, muss zumindest die Leitung bis zu der/den Hauptsicherung(en) besonders kurzschlussfest ausgeführt sein.

    * Die fertigen KfZ-Sicherungskästen haben möglicherweise keine geeignete Schutzart für eine derartige landwirtschaftliche Maschine. Ist kein hinreichend geschützter Einbauraum hierfür vorhanden und/oder der alte Sicherungskasten muss ebenfalls erstetzt werden, ist der Einsatz von Sicherungsreihenklemmen für Stromkreise bis 25/30A eine mögliche Option (z.B. Wago 2006-1681, Phoenix ST 4-FSI/C, etc., aber nur die Zug- oder Druckfederklemmen). In einem Reihenklemmengehäuse hoher Schutzart (schlagfest, z.B. Spelsberg RKKi) kann man zusammen mit geegineten Kabelverschraubungen auf diese Art eine sehr zuverlässige und maßgeschneiderte Lösung bauen. Nicht die preisgünstigste Lösung.

    * Kantenschutz beachten. Leitungen, die durch Blech o.ä. führen stets geeignet (z.B. mittels Tüllen) schützen.

    * Leitungen, die unvermeidlich in unmittelbarer Nähe zu Wärmequellen (z.B. Auspuffanlage) geführt werden müssen, mit einem geeigneten Hitzeschild versehen.

    * Für selber konfektionierte Kabelsätze ist der Einsatz von geeignetem KfZ-Wellrohr (Temperaturbereich min. -40 – +125 °C, flammenbeständig wenn möglich und wo sinnvoll) ratsam. KfZ FLRyy-Mantelleitungen sind ebenfalls eine Option, aber besonders bei stark verzweigten Kabelsätzen oft mit gewissen Nachteilen behaftet (potentiell höhere Anzahl an Steckverbindungen und ungünstige Zuordnung von Farben zur Funktion erforderlich). Im geschützteren Bereich können die Leitungssätze im Gewebeschlauch geführt werden, im gut geschützten Bereich auch mit Gewebebandumwicklung. An dem Sonnenlicht ausgesetzten Stellen auf den Einsatz UV-beständiger Schutzrohre achten.

    * Potentiell exponierte Kontaktstellen (z.B. Massepotentialausgleich) reichlich einfetten oder anderwertig imprägnieren.

    * Im 14V-Netz ist der Spannungsfall ein besonders kritischer Faktor, insbesondere zwischen Batterie und E-Maschine.

    * Bestimmte Baugruppen (z.B. Richtungsanzeiger, Scheinwerfer, etc.) müssen ECE-Typengeprüft sein. Vieles ist in den ECE-Vorschriften geregelt, z.B. ob eine Einschaltkontrolle für eine Funktion vorgeschrieben ist und wie diese zu erfolgen hat (leuchtmelder, akustisch, etc.). Selbst wenn für den Traktor keine Zulassung für den öffentlichen Straßenverkehr mehr angestrebt wird ist die Berücksichtigung dieser Normen mehr als ratsam.


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