Praxisfrage

Netzsystem in Zahnarztpraxis

Frage gestellt am 7. August 2019

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Ich bin in einer Zahnarztpraxis auf folgende Anschlussverhältnisse gestoßen: Die Zuleitung vom Zählerschrank zur Unterverteilung (UV) in der Praxis ist vieradrig ausgeführt. Der PEN wird dabei als reiner Neutralleiter verwendet. Der PE kommt als NYM-J 1 x 16 direkt von der Potentialausgleichsschiene am Fundamenterder im Keller und ist im Verteiler auf die metallischen Hutschienen aufgelegt. Ebenfalls von dieser Potentialausgleichsschiene am Fundamenterder führt ein Kabel 1 x 16 zum Hausanschlusskasten (HAK). Ich vermutete zunächst, dass ich es mit einem TT-System zu tun hätte. Es ist aber wohl doch ein TN-C-System.

Ist diese Anschlussart in einer Arztpraxis üblich? Ich denke, dass der Vorteil dieser separaten Verlegung des PE sein soll, dass vagabundierende Ströme minimiert werden. Als ein Nachteil könnte sich herausstellen, dass sich der PE-Anschluss an der Potentialausgleichsschiene in einem frei zugänglichen Raum befindet. Die Zahnarztpraxis befindet sich in einem großen Mehrfamilienhaus. Sollte jemand mal den PE versehentlich abklemmen, stünde die komplette Praxis ohne PE da. Es würde kein FI-Schalter mehr funktionieren. Das Schlimme daran wäre dann aber auch, dass es zunächst nicht bemerkt werden würde.

R. R., Baden-Württemberg

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Kommentare aus der Community (1)

  1. Gängige Praxis ist der beschriebene Installationszustand sicher für eine Neuinstallation nicht. Ob ein TT-System urspünglich war ließe sich beim EVU erfragen oder durch Vergleich der anderen Anschlüsse im Haus erkunden. Wenn diese auch einen separaten PE haben, wäre das durchaus möglich. Wenn diese 4 adrige TN – C Steigleitungen haben oder 5 oder 3 adrige TN-C-S Installationen wäre das dann eher nicht der Fall. Es kann sich bei der bezeichneten Installation um eine nicht ganz sauber bezeichnete Umstellung eines TN – C Haupleitungskabels auf ein TN-C-S-System durch zusätzliche Nachverlegung eines PE Leiters handeln, siehe z.B.
    https://www.hensel-electric.de/media/docs/de/service/der-elektro-tipp/etipps/2005-3-elektrotipp.pdf
    oder
    https://www.hensel-electric.de/media/docs/de/service/der-elektro-tipp/etipps/2004-2-elektrotipp.pdf
    Es ist zwar eine Verfahrensweise, die von einigen älteren Fachkollegen nicht so favorisiert wird, aber physikalisch sicher ist und insbesondere in Anlagen wo das TN – S System gefordert wird angewandt werden darf und wird, ohne das ganze Haus rekonstruieren zu müssen und mit relativ geringen Aufwand zum Erfolg führt.
    Aus dem ehemaligen TN – C Netz herrührende Betriebsströme auf sonstigen leitfähigen Bauteilen, die daher zuerst keine vagabundierenden Ströme sind werden beseitigt. Die Wirkung solcher Ströme auf z.B. medizinische Geräte wird verringert. Natürlich muß eine solche Änderung, die von der kompletten Neuinstallation einer Anlage abweicht und daher in Normen nicht beschrieben ist ausreichend sicher dokumentiert werden, siehe die oben angegebenen älteren Hensel Elektrotips. Ich habe schon mehrere Kunden auch in Ärztehäusern bundesweit beraten, in alten Anlagen so vorzugehen und sich damit von der Funktion dem aktuellen anerkannten Stand der Technik zu nähern.
    Natürlich ist es notwendig, daß grundsätzlich alle PE Leiter an der Potischiene sauber gekennzeichnet sind.
    Die Potischiene sollte sich als ein wesentlicher Bestandteil einer elektrischen Anlage in einem abgeschlossenen elektrischen Betriebsraum oder verschlossen Verteiler befinden. Der Abgang des zusätzlichen PE sollte vorzugsweise dort abgehen, wo auch das alte TN – C Kabel angeschlossen und nahe bei diesem Verlaufen sowie zusätzlich gekennzeichnet werden. Vielfach ist das dadurch gegeben, daß sich Etagenverteiler und Etagenpotischienen in solchen Betriebsräumen befinden.
    Die Funktion eines RCD – oben benannt als FI hängt nicht ausschließlich vom Vorhandensein des PE Leiters ab. Dieser ist am RCD normalerweise gar nicht angeschlossen, sondern nur die aktiven Leiter L1 – L3 und der Rückleiter N. Es wird aus diesen der Differenzstrom ermittelt und wenn dieser größer ist als der Bemessungsdifferenzstrom oder auch schon etwas darunter lößt der RCD aus. Dies passiert unabhängig davon auf welchen Wege der Differenzstrom fließt über einen angeschlossenen PE der Anlage oder über andere leitfähige Bauteile. Wichtig wäre daher zu prüfen, ob wie vorgegeben alle Stromkreise der ZA – Praxis durch RCD 30 mA zusätzlich geschützt sind und wenn nicht dieses zu ergänzen genauso wie die ordnungsgemäße Dokumentation der die Sicherheit grundsätzlich erhöhende wenn auch in der Norm so nicht beschriebene Lösung für die Umstellung auf ein TN – C – S – System. Der Vorteil des geforderten PE im Kabel und der Anlage liegt eigentlich darin, daß bei Fehlern immer von einem sehr geringen Widerstand der Fehlerschleife ausgegangen werden kann, so daß Ströme im Amperebereich fließen und LS und erst recht RCD so schnell ausschalten, bevor in vielen Fällen überhaupt ein Mensch die Fehlerstelle kontaktiert. Fehlt der PE kann es dagegen vorkommen, da erst ein Fehelrstromfluß über einen Menschen den RCD zum Auslösen bringt, während ein LS Schalter dann wegen zu
    geringen Fehlerstrom nicht mehr reagiert.
    Insofern ist durch die Normung schon einige mehrfache Sicherheit eingebaut. Die man, z.B. durch Verhinderung des Zugangs fremder Personen an die Potischiene bei anderen nicht in der Norm beschriebenen Installationen kompensieren muß. Dazu kommt noch die eindeutige Kennzeichnung des PEN Leiters mit zusätzlicher blauer Markierung, was eigentlich schon bei der Altinstallation hätte vorgenommen werden müssen und dem Hinweis, daß dieser jetzt als N – Leiter genutzt wird, damit künftig Kollegen schon beim ersten Hinsehen die Struktur der Anlage sicher erkennen können und nicht aus Versehen den nur grün-gelben PEN Leiter demontieren. Gegebenenfalls sollte auch ein als Phase genutzter blauer Leiter im Kabel dann an beiden Enden so gekennzeichnet werden.
    Ich habe erst in den letzten beiden Wochen in Berlin Installationen vorgefunden, wo in relativ neuen Gebäuden Baujahr um 1995 als auch mit um 2004 erneuerter Elektroinstallation Hauptleitungen nur vieradrig 4 x 16 qmm verlegt wurden Adernfarbe sw,gr,bn,gngb und Mietern von Wohnungen, Gewerbeeinheiten, Botschaften und auch medizinischen Praxen nur ein Einphasen Netz zur Verfügung gestellt wurde und möglicherweise in Ermangelung einer blauen Ader die Zuleitung nur TN -C geschaltet wurde. Offensichtlich macht Not und Termindruck auf Baustellen trotz Normung erfinderisch.
    Wenn man an solchen Anlagen etwas ändern will ohne das bestehende Gebäude einzureißen, wird man dann auch im Nachgang mit anderen Farben der Adern leben müssen als üblich, muss dieses dann aber deutlich in der Anlage so kennzeichnen, dass jeder Fachmann das auch versteht und die Anlage sicher betrieben werden kann.


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