Highlights der Feuertrutz 2019

Hotspot für den vorbeugenden Brandschutz

25. April 2019

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Vorbeugen ist besser als nachsorgen – dieses Sprichwort gilt umso mehr im Brandschutz, wo es im Ernstfall um Haftung oder sogar Menschenleben geht. Über 9.000 Brandschutzprofis, Sachverständige und Fachplaner nutzten die Gelegenheit, sich auf der Feuertrutz 2019 in Nürnberg über neueste Lösungen aus dem baulichen und anlagentechnischen Brandschutz zu informieren.

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Auf dem Freigelände der Feuertrutz 2019 löschten Neuruppin-Handfeuerlöschern von Johnson Controls einen Reifenbrand; Quelle: Kalscheuer

Bild 1: Auf dem Freigelände der Feuertrutz 2019 löschten Handfeuerlöscher von Johnson Controls einen Reifenbrand; Quelle: Kalscheuer

Nicht zuletzt aufgrund aktueller gesetzlicher Vorgaben ist das Interesse am vorbeugenden Brandschutz groß. So vermeldete die Nürnbergmesse GmbH als Veranstalter der Feuertrutz-Messe, dass der dazugehörige Brandschutzkongress sowie die Kompakt-Seminare in diesem Jahr 1.700 Teilnehmer verzeichneten.

Im Rahmen der Messe wurden zahlreiche aktuelle Lösungen präsentiert, die die Ausbreitung von Bränden vermeiden sollen (Bild 1). Dazu gehörten unter anderem sichere Wanddurchführungen für Kabel und Rohre.

Kabel und Leitungen abschotten

Der Brandschutzkanal »Pyroment-EK« mit Funktionserhalt von E30 bis E90; Quelle: G+H Isolierung

Bild 2: Der Brandschutzkanal »Pyroment-EK« mit Funktionserhalt von E30 bis E90; Quelle: G+H Isolierung

Für den Schutz elektrischer Leitungen vor einem Brand von außen wurden auf der Feuertrutz Brandschutzkanäle vorgestellt. Sie gewährleisten den Funktionserhalt über einen bestimmten Zeitraum. So wie »Pyroment-EK« von der Firma G+H Isolierung mit einem Funktionserhalt von E30 bis E90 – sowohl im Innen- als auch im Außenbereich (Bild 2). Der Brandschutzkanal ist ein nach DIN 4102 Teil 12 geprüftes und bauaufsichtlich zugelassenes System mit dem Verwendbarkeitsnachweis abP P-MPA-E-18-008.

Die Einzelteile sind vorkonfektioniert lieferbar und ermöglichen eine Ein-Mann-Montage in allen Größen. Die Brandschutzplatten werden in zwei überlappenden Lagen einzeln in den Blechkanal eingelegt oder gestellt. Der Blechkanal ist in zwei-, drei- oder vierseitiger Ausführung erhältlich. Dabei lässt sich eine Direktmontage an Wänden oder Decken auf oder um Kabelpritschen sowie auf Abhängungen oder Konsolen vornehmen. Der Abstand der erforderlichen Abhängungen beträgt 1,25 m. Ein wiederholtes Öffnen und Schließen des Brandschutzkanals zu Revisionszwecken oder für Nachbelegungen ist laut Anbieter jederzeit möglich, ohne dass die Funktionsfähigkeit beeinträchtigt wird.

Brennbare und nicht brennbare Rohre

»Pyro-Fox Karo-Schott« schottet Elektrokabel, -leitungen und Rohre ab; Quelle: Kolektor Missel Insulations

Bild 3: »Pyro-Fox Karo-Schott« schottet Elektrokabel, -leitungen und Rohre ab; Quelle: Kolektor Missel Insulations

Zur Verlegung von Kabeln und Rohren durch eine gemeinsame Bauteilöffnung in Wand- oder Deckendurchführungen gibt es Lösungen wie den »Pyro-Fox Karo-Schott« von der Kolektor Missel Insulations GmbH (Bild 3). Dieser soll für die brandschutztechnische Abschottung von Elektrokabeln und -leitungen sowie brennbaren und nichtbrennbaren Rohren sorgen. Eine Nachinstallation und Belegungsänderung ist durch Herausnahme einzelner Steine möglich.

Ein weiteres Abschottungssystem zeigte Zapp-Zimmermann. Der »Kombischott ZZ-Steine 200 BDS-N« ist eine Kombiabschottung S90 (Schott mit 90 min Feuerwiderstand) für Massivwände, Massivdecken, Gipswände und Wände vom Typ Priowall. Er bietet eine temporäre sowie permanente Brandabschottung von Elektrokabeln und -leitungen aller Art und Durchmesser sowie brennbaren und nichtbrennbaren Rohren. Der Kombischott kann dank der erweiterten allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung/allgemeine Bauartgenehmigung Z-19.15-1182 vielfältig eingesetzt werden. So dient das System auch der Abschottung von brennbaren Kunststoffrohren mit einem Durchmesser von maximal 160 mm. Ebenso der Abschottung von mit Foamglas isolierten, nicht brennbaren Rohren, von Elektroinstallationsrohren als Bündel und von Hohlleiterkabeln. Zugelassen ist auch die kombinierte Verarbeitung des Systems mit dem Brandschutzschaum »ZZ 330«.

Raumabschluss durch Brandschutzmanschetten

Ebenfalls um die Abschottung brennbarer Rohrleitungen kümmert sich die Firma Doyma. Sie setzt dies mit Hilfe von Brandschutzmanschetten wie »Curaflam XSPro« um. Diese bestehen aus einem Blechgehäuse und einer Einlage aus einem intumeszierenden Material. Letzteres ist ein Werkstoff, der zweckgerichtet sein Volumen vergrößert. Unter Einwirkung von Hitze, typischerweise im Bereich zwischen 130°C bis 160°C, beginnt sie aufzuquellen. Mit steigender Temperatur dehnt sich die Brandschutzmasse auf das zehn- bis 15-fache ihres ursprünglichen Volumens aus. Dadurch drückt sie mit bis zu 10 bar auf das inzwischen weich gewordene Rohr und quetscht es ab. In der Manschette bildet sich aus dem Brandschutzmaterial ein Ascheschaum. Dieser erhält für den geforderten Zeitraum (typischerweise 90 bis 120 Minuten) den sicheren Raumabschluss zu angrenzenden Bereichen aufrecht. So können weder Hitze noch Rauch durchdringen, und Personen und Sachwerte sind sicher.

Aufschäumende Brandschutzdosen

Bild 3: Bei Hitze schäumt in der Brandschutzdose Material auf und verschließt die  Installationsöffnung; Quelle: f-tronic

Bild 4: Bei Hitze schäumt in der Brandschutzdose Material auf und verschließt die Installationsöffnung; Quelle: f-tronic

Eine ähnliche Funktion bieten die Brandschutzdosen der Firma f-tronic (Bild 4). Das Material im Inneren der Dosen schäumt bei Hitze auf und verschließt hierbei die Installationsöffnung vollständig. So garantieren die Brandschutzdosen einen wirksamen Brandschutz und sichern den Funktionserhalt von Brandschutzwänden der Klassen EI 30 bis EI 120 für mindestens 90 min. Und das bei einer einfachen Montage, die gleichfalls einen gegenüberliegenden Einbau und die nachträgliche Installation zulässt. Bis zur Klasse EI 60 ist ein Einsatz ohne Dämmwolle möglich. Die luftdichte Konstruktion sorgt im Brandfall bereits vor der temperaturbedingten Auslösung der eigentlichen Brandschutzfunktion dafür, dass Rauch sich nicht im Gebäude ausbreitet.

Dämmschicht durch Brandschutzgewebe

Um Kabel auf Kabeltrassen, Kabelleitern, Einzelkabel und Kabelbündel im Brandfall zu schützen, können auch Brandschutzgewebe eingesetzt werden. So verhindert z.B. »Hapuflam« durch einen dämmschichtbildenden Baustoff die Brandausbreitung über die mit der Brandschutzumhüllung versehenen elektrischen Leitungen und Leitungsanlagen. Relevant wird dies im Falle der Selbstentzündung von elektrischen Leitungen und Leitungsanlagen durch Kurzschluss oder Überhitzung. Das Gewebe ermöglicht aufgrund seiner hohen Flexibilität und Reißfestigkeit einen dauerhaften Brandschutz an den bestehenden Anlagen. Durch die offene Netzstruktur wird eine ständige Umlüftung der Kabel gewährleistet. Befestigt wird das Gewebe mit entsprechenden Montageklammern. Dabei erlaubt leichtes Öffnen und Verschließen eine einfache Nachbelegung.

Im Brandfall gilt es, eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Gleichzeitig muss weiterhin die sichere Funktion von rettungsrelevanten elektrischen Anlagen in Gebäuden und Tunneln gewährleistet sein. Dazu gehören vor allem Notbeleuchtungen und Entrauchungsanlagen in Flucht- und Rettungswegen. Speziell für diese hat Spelsberg seine Abzweig- und Verbindungskästen »WKE 2–5 SB« konzipiert. Sie bieten Funktionserhalt speziell für den Hauptstrang, indem sie einen abgesicherten Abzweig für jedes Stockwerk bzw. jeden Brandabschnitt ermöglichen. Alle WKE Kabelabzweig- und Verbindungskästen sowie die WKE-AK Kleinverteiler bieten im Brandfall elektrischen Funktionserhalt zwischen 30 und 90 Minuten (E30 bis E90). Sie sind nach der DIN 4102-12 geprüft. Für diese Produkte liegen darüber hinaus die Prüfzertifikate des VDE sowie die allgemeinen bauaufsichtlichen Nachweise vor.

Verriegelnde Schlösser, elektrische Öffner

Selbstverriegelndes Panikschloss; Quelle: Assa Abloy

Bild 5: Selbstverriegelndes Panikschloss; Quelle: Assa Abloy

Für den Brandfall lautet das Schutzziel Nummer eins, dass Menschenleben verschont bleiben. Deshalb kommt den Türen in Flucht- und Rettungswegen eine besondere Bedeutung zu. Je nach Vorgabe ist die Panikfunktion bei diesen Türen unterschiedlich gelöst. Ändert sich die Gebäudenutzung, müssen die Türen in der Regel aufwendig umgebaut werden. Eine Lösung für dieses Problem stellte Assa Abloy mit seinen selbstverriegelnden Panikschlössern auf der Feuertrutz vor (Bild 5). Diese ergänzen das Schlossprogramm »Onesystem«, das in drei untereinander kompatiblen Varianten – mechanisch, mit Überwachungsfunktion oder drückergesteuert – angeboten wird. Optional können die kompatiblen, selbstverriegelnden Panikschlösser nun also auch mit Überwachungsfunktionen ausgestattet werden.

An vielgenutzten automatischen Drehtüren sind elektrische Türöffner wichtige Helfer. Bei Brandschutztüren, die gleichzeitig als Fluchttüren dienen, werden spezielle elektrische Türöffner benötigt. Geze stellte mit dem »FT300« einen solchen Türöffner vor. Dieser ist nach DIN EN 14846:2008 für den Einsatz an Brandschutztüren zugelassen. Er öffnet Türen auch unter Vorlast bis 500 N bei vollem Falleneingriff. Durch den tiefen Falleneingriff von 9 mm werden Türen sicher zugehalten. Erhöhte Einbruchhemmung entsteht durch eine maximale Zuhaltekraft von 10.000 N gegen Aufbruch. Der Türöffner ist damit zugleich als Sicherheitstüröffner für den Einbruchschutz an Türen einsetzbar.

Türen in Rettungswegen sichern

Bild 5: Fluchtwegsicherung »Dexcon« für Druckstangen mit integrierten Voralarm; Quelle: GfS

Bild 6: Fluchtwegsicherung »Dexcon« für Druckstangen mit integrierten Voralarm; Quelle: GfS

Türen oder Fenster in Flucht- und Rettungswegen sollen zwar im Notfall schnell zu betätigen sein. Im alltäglichen Betrieb müssen sie jedoch geschlossen bleiben, um beispielsweise Einbrüche oder Diebstahl zu verhindern. Um sicherzugehen, dass relevante Türen nicht unbemerkt den ganzen Tag offenstehen, hat GfS mit dem »Dexcon« (Door Exit Controller) eine Überwachung für Türen und Fenster im Bereich von Flucht- und Rettungswegen entwickelt. Sobald diese geöffnet werden, ertönt ein akustisches Signal, das entweder autorisiert mit dem Geräteschlüssel quittiert werden kann oder selbsttätig nach vorab eingestellter Wahlzeit (3 min oder 30 s) erlischt. Werkseitig ist die Lautstärke des Alarmgebers auf 95 dB/1 m eingestellt; sie kann jedoch auf ca. 75 dB/1 m gedrosselt werden.

Eine solche Fluchtwegsicherung stellte das Unternehmen auf der Feuertrutz erstmals auch für Druckstangen vor (Bild 6). »Dexcon« für Druckstangen verfügt über einen integrierten Voralarm, der bereits bei leichter Betätigung der Druckstange auslöst. Dies dient als Hemmschwelle gegen unberechtigtes Öffnen der Tür. Sobald die Druckstange losgelassen wird, verstummt der Voralarm. Erst beim vollständigen Durchdrücken der Druckstange wird die Tür begehbar und der akustische Hauptalarm aktiviert.

Dynamisches Leitsystem für Fluchtwege

Dynamische Fluchtwegleitsysteme erlauben eine richtungsvariable Ausschilderung des Flucht- und Rettungsweges; Quelle: Inotec

Bild 7: Dynamische Leitsysteme erlauben eine richtungsvariable Ausschilderung des Flucht- und Rettungswegs; Quelle: Inotec

Kommt es zu einem Brand, müssen die Fluchtwege frei zugänglich sein. Darüber hinaus sollten sie die flüchtenden Menschen nicht in verrauchte Bereiche hineinführen. Diese Gefahr besteht durchaus bei statischen Fluchtwegmarkierungen in Form von fest montierten, bedruckten Blech- oder Kunststoffschildern. Eine flexible Lösung stellte die Firma Inotec mit ihrem dynamischen Fluchtwegleitsystem »D.E.R.« (Dynamic Escape Routing) vor. Dabei handelt es sich um eine richtungsvariable Ausschilderung des Flucht- und Rettungsweges in Abhängigkeit von der Lage eines Brandereignisses (Bild 7). Verrauchte Bereiche bzw. Fluchtwege können durch ein rotes LED-Sperrsymbol (Kreuz) optisch gesperrt werden. Dies verhindert, dass ein Fluchtweg weiterhin ausgeschildert bleibt, obwohl dieser nicht mehr nutzbar ist.

Bild 7: Beleuchtete Leitmarkierungen weisen mit Richtungspfeilen den Weg zum Ausgang; Quelle; Inotec

Bild 8: Beleuchtete Leitmarkierungen weisen mit Richtungspfeilen den Weg zum Ausgang; Quelle: Inotec

Unterstützung erhalten die dynamischen Rettungszeichenleuchten durch bodennahe elektrische Leitmarkierungen. Bodennah deshalb, weil heißer Rauch nach oben steigt und deckennah montierte Rettungszeichen verdeckt. Die beleuchteten Leitmarkierungen weisen sogar in verrauchten Bereichen mit Richtungspfeilen sichtbar den Weg zum nächsten sicheren Ausgang (Bild 8). Das »D.E.R.«-System korrespondiert dazu mit der im Gebäude vorhandenen Brandmeldeanlage. Potentialfreie Kontakte, angesteuert durch die Brandmeldeanlage, schalten eine Spannung auf die »D.E.R.«-Schnittstelle. Die Steuerungstechnik wertet die definierten Meldungen der Brandmeldeanlage aus und aktiviert zuvor programmierte Fluchtwegrichtungsmuster.

Bild 8: Das digitale Brandmeldetableau mit Lageplänen für die Feuerwehr; Quelle; Regraph

Bild 9: Digitales Brandmeldetableau; Quelle: Regraph

Digitales Brandmeldetableau

Nicht nur die bestmögliche Unterstützung zur Selbsthilfe bei Personen, die sich in einem brennenden Gebäude befinden, ist überlebenswichtig. Ein weiterer Faktor ist die Hilfe von außen, die durch die Einsatzkräfte der Feuerwehr geleistet wird. Um bestmöglich helfen und den Löscheinsatz besser koordinieren zu können, sind Rettungskräfte auf aktuelle Informationen angewiesen. Dazu hat das Unternehmen Regraph ein digitales Brandmeldetableau entwickelt (Bild 9). Damit lassen sich Gebäudegrundrisse, Lagepläne und Alarmmeldungen einer Brandmeldeanlage rein softwarebasiert auf einem Monitor oder auf mobilen Endgeräten anzeigen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Aluminium-Tableaus können Nutzungs- und Grundrissänderungen durch einfaches Umprogrammieren ohne Zeitverlust berücksichtigt und abgebildet werden.

Brandrisiko vorab reduzieren

Damit die Feuerwehr gar nicht erst ausrücken muss, und der maximale Feuerwiderstand von Bauteilen nicht auf die Probe gestellt wird, bietet sich eine aktive Brandvermeidung durch Sauerstoffreduktion an. Ein solches System hat die Wagner Group mit ihrem Brandvermeidungssystem »Oxyreduct« im Portfolio. Es schützt, bevor sich ein Brand entwickeln kann, und verhindert so brandbedingte Verluste und betriebsgefährdende Unterbrechungen. Der Sauerstoffgehalt im zu schützenden Bereich wird dabei dauerhaft unter die Entzündungsgrenze der dort vorherrschenden Materialien abgesenkt und kontrolliert auf diesem Niveau gehalten. Der dafür benötigte Stickstoff wird je nach Bedarf aus der Umgebungsluft generiert.

Wo die Sauerstoffreduzierung technisch zu aufwendig ist, erfüllt auch eine klassische Brandwarnanlage ihren Zweck. Eine solche Lösung stellte die Teletek Electronics Deutschland GmbH mit der Funk-Hybrid-Brandwarnanlage »Iris« vor. Diese ist mit Ringbustechnik nach EN 54-2 und -4 ausgestattet. Alle Funkkomponenten sind ergänzend nach EN 54-25 geprüft und zugelassen. Somit ist die Brandwarnanlage eine Systemlösung für Einsatzbereiche nach DIN VDE 0826-2 in Kindertagesstätten, Heimen oder Beherbergungsstätten. Die Konfiguration der Zentrale erfolgt dabei entweder direkt über das LCD-Bedienfeld oder die lizenzfreie Programmiersoftware »ProsTE«.

Rauchsensoren und -warnmelder

Im anlagentechnischen Brandschutz stehen Melder und Sensoren in der ersten Reihe. Lupus-Electronics stellte auf der Feuertrutz das Konzept eines Rauchwarnmelders mit integriertem Mobilfunk vor, der dank SIM-Karte immer online ist. Damit benötigt der Warnmelder laut Anbieter kein Gateway, kein lokales Internet und keine lokale Stromversorgung, ist aber dennoch für zehn Jahre einsatzbereit. Und das inklusive Selbsttest alle 24 Stunden, Fernwartungsroutine und Dokumentation in der Lupus-Cloud nach DIN 14676-1 C aus 12/2018. Das voraussichtlich ab Quartal 4/2019 erhältliche Gerät sendet Warnmeldungen an ein Smartphone, eine Notrufserviceleitstelle oder eine IoT-Plattform.

Der Kohlenmonoxidwarnmelder, schaltet bei unkontrolliertem CO-Austritt die Heizungsanlage automatisch ab; Quelle: Ei Electronics

Bild 10: Der Kohlenmonoxidwarnmelder schaltet bei unkontrolliertem CO-Austritt die Heizungsanlage ab; Quelle: Ei Electronics

Ei Electronics präsentiert auf der Brandschutzmesse seinen ersten Ferninspektions-Rauchwarnmelder zur flexiblen Einbindung in Open Metering Systeme. Das Modell »Ei650FA-SC327« stellt einen Rauchwarnmelder der Bauweise B mit zusätzlichen Funktionen und der Möglichkeit einer Teil-Ferninspektion nach DIN 14676-1 dar. Das Gerät prüft und speichert in regelmäßigen Abständen technische Melderdaten wie Batteriespannung, Rauchsensorik oder Demontagekennung, die per Funk aus der Ferne ausgelesen werden können. Der Melder kommuniziert über das Open Metering System auf Basis des Wireless M-Bus nach EN 13757.

Gas- und Wärme detektieren

Ebenfalls am Stand von Ei Electronics zu sehen war ein 230-V-Kohlenmonoxidwarnmelder, der bei einem unkontrollierten Kohlenmonoxidaustritt in Kombination mit einem Relais-Ausgangsmodul die Heizungsanlage automatisch abschalten kann (Bild 10). Der »Ei261ENRC« ist nach der europäischen Produktnorm DIN EN 50291-1 als Typ-A-Melder zertifiziert und erfüllt damit die normativen Anforderungen zum Auslösen von Hilfseinrichtungen.

Nicht nur Rauch oder Gas werden im Brandschutz detektiert, sondern auch Wärme, die bei einem Brand üblicherweise entsteht. Securiton präsentierte seinen rückstellbaren linienförmigen Wärmemelder »Securisens ADW 535«. Der Melder besitzt die VdS-Geräteanerkennung gemäß der neuen Norm DIN EN 54-22. Er steht laut Anbieter für maximale Täuschungsalarmsicherheit bei extremen Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, korrosiven Gasen oder verschmutzter Luft. Steigt die Temperatur, erhöht sich auch der Druck im Fühlerrohr des Melders. Diesen Druckanstieg registriert dessen elektronische Sensor. Wird dabei die vordefinierte Grenze überschritten, löst der der Wärmemelder Alarm aus.

Bild 10: Der batteriebetriebenen Funk-Rauchwarnmelder »Genius Plus X«; Quelle: Hekatron

Bild 11: Der batteriebetriebenen Funk-Rauchwarnmelder »Genius Plus X«; Quelle: Hekatron

Brandschutz speziell für Hochhäuser und multifunktionale Gebäude bildeten einen Schwerpunkt des Messeauftritts von Hekatron. Planer und Facherrichter stehen hinsichtlich des anlagentechnischen Brandschutzes vor Herausforderungen, denn aus bauordnungsrechtlicher Sicht werden multifunktionale Gebäude als Sonderbau eingestuft. Und nahezu alle Sonderbauvorschriften fordern anlagentechnische Lösungen zur Branderkennung und Alarmierung. Mit seinem Brandmeldesystem Integral IP und verschiedenen Brandmeldern stellt Hekatron dafür geeignete brandschutztechnischen Lösungen zur Verfügung. Aus technischer Sicht spricht auch nichts gegen einen Einsatz eines batteriebetriebenen Rauchwarnmelders wie »Genius Plus« oder des batteriebetriebenen Funk-Rauchwarnmelders »Genius Plus X« (Bild 11). Hierfür sind allerdings die jeweilige Landesbauordnung (LBO) und die technischen Baubestimmungen des jeweiligen Bundeslandes zu berücksichtigen.

Bild 11: Optisch-akustisches Signalgerät »Chiasso«; Quelle: Compro

Bild 12: Optisch-akustisches Signalgerät »Chiasso«; Quelle: Compro

Alarmieren und signalisieren

Wenn akustische oder optische Signalgeber allein nicht mehr ausreichen, ist der Einsatz von so genannten Kombigeräten gefragt. Sie vereinen die Funktionen von Blitzleuchte und Sirene und signalisieren sowohl über blinkende oder blitzende LEDs als auch über Zwei- bzw. Dreitonalarm, dass eine bestimmte Gefahrensituation eingetreten ist. Die Firma Compro bietet optisch-akustische Signalgeräte wie »Chiasso« (Bild 12), die beispielsweise als Feuermeldevorrichtung in der Industrie, in Wohnimmobilien, in gewerblich genutzten Hallen und Lagerräumen oder im öffentlichen Raum eingesetzt werden können.

Bild 12: Die Alarmierungsgräte »Sinteso F20« bieten Meldungen in 15 Sprachen; Quelle: Siemens

Bild 13: Die Alarmierungsgeräte »Sinteso F20« melden in 15 Sprachen; Quelle: Siemens

Auf eine schnellere Evakuierung durch Alarmierungsgeräte mit Sprachausgabe setzt die Firma Siemens mit ihrem Brandmeldesystem Sinteso. Da Sprachmeldungen die Reaktionszeit deutlich reduzieren, und viele Personen hörbeeinträchtigt sind, macht eine Kombination aus akustischen und optischen Signalgebern die Alarmierung deutlich sicherer. Die Alarmierungsgeräte »Sinteso F20« (Bild 13) umfassen neben akustischen und optischen Signalen deshalb auch Sprachmeldungen. In 15 Sprachen kann Personen im Brandfall mitgeteilt werden, wie sie sich am besten verhalten sollen. Das Portfolio umfasst Alarmierungsgeräte sowohl für die Wand- als auch die Deckenmontage. Bei diesen Signalgebern mit integrierter Sprachmeldung handelt es sich um adressierbare und loopgespeiste Geräte mit Turboisolator gemäß EN 54-17. Sie erfüllen zudem die Anforderungen an eine optische Alarmierung gemäß der aktuellen Norm EN 54-23.

Durchsagen in 15 Sprachen

Auch die Novar GmbH/Honeywell setzt mit dem »IQ8Alarm Plus/FSp« auf einen optischen Signalgeber mit Sound und Sprache. Dabei handelt es sich um einen adressierbaren, busversorgten, kurzschluss-und unterbrechungstoleranten kombiniertem akustischen Sprach- und optischer Signalgeber gemäß EN 54 3 & EN 54 23. Integriert sind Sprachdurchsagen, Signaltöne und weiße Blitzfarbe zur akustischen und optischen Alarmierung. Der Signalgeber bietet bis zu 20 verschiedenen programmierbare Signaltöne inklusive DIN Ton gemäß DIN 33404 3. Zudem ist ein Sprachalarm mit fünf vorprogrammierten Alarmtexten in fünf Landessprachen hinterlegt.

VdS-zertifizierte Handmelder; Quelle: LST

Bild 14: VdS-zertifizierte Handmelder; Quelle: LST

Zur händischen Alarmierung im Brandfall stellte unter anderem die Firma MEP-Gefahrenmeldetechnik, ein Unternehmen der Labor Strauss Gruppe, ihre VdS-zertifizierten Handmelder vor (Bild 14). Dabei können über Handfeuermelder andere Gewerke eines Gebäudesicherheitssystems angesteuert werden – beispielsweise Löschanlagen, Entrauchungssysteme oder Lüftungsanlagen.

RWA, Entrauchung, Lüftung

Rauch- und Wärmeabzugsanlagen sowie Lüftung decken einen weiteren Aspekt des baulichen Brandschutzes ab. Ganz frisch auf dem RWA-Markt ist die vernetzbare Steuerzentrale »Easyconnect« von STG-Beikirch. Besonders geeignet ist sie laut Anbieter für den Industriebau, bei dem für die Entrauchung meist pneumatische Anlagen eingesetzt werden. Für Lüftungsanwendungen sind diese hingegen ungeeignet. Denn die Entrauchungsklappen öffnen mittels spezieller CO2-Patronen, die nach einer Auslösung ausgewechselt werden müssen. Da aber zunehmend lüftungstechnische Aspekte eine Rolle spielen, werden mehr und mehr elektromotorisch betriebene Anlagen eingesetzt, die sowohl für Lüftung als auch Entrauchung verwendet werden können. »Easyconnect« eignet sich für diese Anwendungen, weil sie über zwei getrennte RWA- und Lüftungsgruppen verfügt.

Brandschutz warten und mieten

Die beste Technik hilft allerdings nur, wenn sie funktioniert. Daher ist die Wartung von Brandmeldeanlagen ein wichtiger Beitrag für die Aufrechterhaltung der Personen- und Gebäudesicherheit. Dieser Service basierte bisher auf Papierakten. Hier schafft die Firma Pana-Med mit der »Cloudwartung 4.0« Abhilfe. Die Softwarelösung plant die Wartung von Brandmeldeanlagen elektronisch, dokumentiert und wertet diese aus. Die vorgegebene Struktur des Prozesses schließt laut Anbieter Fehler aus und dokumentiert festgestellte Mängel. Durch die Clouddatenbank haben Servicetechniker, Gebäudeeigner und auf Wunsch auch Versicherungen oder Behörden in Echtzeit Zugriff auf die Daten und den Zustand der Anlage.

Bild 14: Die mobile Brandmeldeanlage, kurz »Mobs«, kann angemietet werden; Quelle: C.M. Heim

Bild 15: Mietsache: die mobile Brandmeldeanlage »Mobs«; Quelle: C. M. Heim

Für Fälle, in denen eine komplette Schutzausstattung nur zeitlich begrenzt nötig ist, stellte die Firma C. M. Heim eine Lösung vor. Sie bietet eine mobile Brandmeldeanlage, kurz »Mobs«, auch zur Miete an (Bild 15). Der Kunde erhält eine auf sein Projekt abgestimmte, funktionsfähige und geprüfte Brandmeldeanlage, und zahlt nur für die vereinbarte Nutzungsdauer. Mobs besteht aus diversen Brandsensoren und Funk-Rauchmeldern, die bei detektiertem Brand den Meldeempfänger alarmieren. Der Meldeempfänger warnt mit einer eingebauten Sirene sowie ggf. weiteren zusätzlichen Funk-Sirenen und einem Blitzlicht die Personen vor Ort. Zusätzlich kann sofort die Feuerwehr oder ein Sicherheitsdienst informiert werden. Dies erfolgt über Schaltkontakte für die Aufschaltung auf eine bestehende Brandmeldeanlage, z.B. mit automatischem Wählgerät und VdS-2465-S2-Protokoll zu einer Notrufserviceleitstelle.

 

Brandschutzgehäuse im Schrank

Geht es hingegen nicht um den Brandschutz in kompletten Gebäuden, sondern sollen nun um den Schutz kleinerer Flächen, empfehlen sich Brandschutzgehäuse in Form von Standardschränken. Ein solches ist »Violution S-30« der Firma Celsion. Das geprüfte, leichte Brandschutzgehäuse eignet sich für den Funktionserhalt von Verteilern von mindestens 30 Minuten bei einer Brandbelastung von außen im Sinne der Klassifizierung E30 (geprüft in Anlehnung an DIN 4102-12). Dieses Gehäuse kann laut Anbieter einen feuerbeständigen Betriebsraum ersetzen. Das System wird mit den gewünschten Einbauten, z.B. Sicherungen, bestückt und als fertiges Element montiert. Durch das optionale Lüftungssystem KLS und die eingebauten Kabeleinführungen CKE sind keine weiteren Brandschutzmaßnahmen notwendig. Eine Aneinanderreihung der Gehäuse erzeugt optisch eine einheitliche Front. Für die Verbindung mit bestehenden Kabelkanälen besteht die Möglichkeit, mit einem im Brandversuch geprüftem Adapter Kabelkanäle an das Gehäuse heranzuführen und direkt anzuschließen.

Die Feuertrutz bot einen umfassenden Überblick über aktuelle Brandschutzlösungen. Die zwei Messehallen waren in diesem Jahr mit 315 Ausstellern ausgebucht. Deshalb entschied sich die Nürnbergmesse, die nächste Feuertrutz-Messe am 24. und 25. Juni 2020 in die größeren Hallen 4 und 4A zu verlagern. Der dazugehörige Kongress wandert in das nahegelegene Convention Center Ost.