Biometrie in der Zutrittskontrolle

Der Finger als Türöffner

16. Juli 2019

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Was für einige Menschen noch Science-Fiction ist, benutzen Millionen andere bereits täglich: Der Fingerprint hat nicht nur beim Smartphone seinen Siegeszug angetreten. Er spielt inzwischen auch bei der Zutrittskontrolle und Integration in Gebäudesteuerungen für Unternehmen oder Eigenheime eine entscheidende Rolle.

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Fingerscanner sind nicht nur sicher und komfortabel, sondern bieten eine Vielzahl an Vorteilen, die die eigenen vier Wände oder das Unternehmen zu einem modernen und innovativen Objekt machen. Doch was sind eigentlich die Vorteile einer biometrischen Zutrittslösung?

Vorteile der Biometrie

Ein Vorteil ist, dass das Aussperren bei einer Zutrittslösung über Biometrie – auch für Kinder – unmöglich ist, denn den eigenen Finger hat man immer mit dabei. Die Haustür kann einfach mit dem Finger geöffnet werden (Bild 1).

Bild 1: Bei dieser Nachrüstlösung aktiviert der Fingerscanner den Türschlossantrieb, wenn eine befugte Person Zutritt verlangt

Bild 1: Bei dieser Nachrüstlösung aktiviert der Fingerscanner den Türschlossantrieb, wenn eine befugte Person Zutritt verlangt

Das Aufsperren geschieht ohne Schlüssel, Smartphone, Code oder Karte, so gibt es keine vergessenen, verlegten, verliehenen, verlorenen oder gestohlenen Schlüssel mehr. Ebenso sind illegale Schlüssel­kopien unmöglich.

Dazu kommt das beruhigende Gefühl, nicht mehr an das Abschließen denken zu müssen. Dafür sorgt eine automatische Verriegelung in Kombination mit einer Fingerscanner-Zutrittslösung. Sobald man die Tür hinter sich ins Schloss zieht, wird sie sich von ganz allein sicher verriegeln. So kommt der Einbruchsschutz voll zum Tragen. Und auch für die Versicherung gilt eine Tür tatsächlich erst dann als »verschlossen« wenn sie »verriegelt« ist.

Gut geschützte Daten

Bild 2: Bei der Minutien-Erkennung werden charakteristische Merkmale des Fingerabdrucks wie Linienendungen in einen binären Zahlencode umgewandelt

Bild 2: Bei der Minutien-Erkennung werden charakteristische Merkmale des Fingerabdrucks wie Linienendungen in einen binären Zahlencode umgewandelt

Wenn es um persönliche Daten oder gar die Vermessung von Körpermerkmalen geht, tauchen schnell datenschutzrechtliche Bedenken auf. Diese sind bei der biometrischen Zutrittskontrolle jedoch unbegründet. Denn es werden keine Fingerbilder gespeichert, sondern nur Merkmale der Fingerlinien, sogenannte Minutien (Bild 2).

Aus den biometrischen Merkmalen des originalen Fingerabdrucks, also aus den einzigartigen Punkten, Linienendungen, Gabelungen etc., wird dabei ein Muster erstellt. Dieses so genannte Template wird durch einen Software-Algorithmus in einen eindeutigen binären Zahlencode umgewandelt und jedes Mal zum Vergleich herangezogen.

Der Sensor erfasst die Fingermerkmale und startet den Erkennungsprozess. Der Algorithmus arbeitet mit einem »Feature Extractor« bzw. »Matcher«, der sehr schnell und zuverlässig den Abgleich vornimmt. Diese Informationen werden aber nur im Fingerscanner abgelegt. Selbst wenn Fremde solche Daten bekommen sollten, kann der ursprüngliche Fingerscan nicht rekonstruiert werden und schon gar nicht einer Person zugeordnet werden.

Nachrüsten ist möglich

Bild 3: Der Fingerscanner »Integra« kann Aufputz oder Unterputz montiert oder in die Tür integriert werden

Bild 3: Der Fingerscanner »Integra« kann Aufputz oder Unterputz montiert oder in die Tür integriert werden

Beim Nachrüsten einer biometrischen Zutrittskontrolllösung muss vor allem eines investiert werden: Zeit. Denn egal ob Neubau oder Renovierung, die Möglichkeiten sind vielfältig, und die Planung der perfekten Zutrittslösung sollte vom Schutzziel bis zur gewählten Lösung und Montageart gut durchdacht sein.

Es gibt grundsätzlich zwei Varianten: Die eleganteste Variante ist das nachträgliche Einbauen eines Motorschlosses in die Tür mit kombiniertem Fingerscanner in oder neben der Tür (Bild 3).

Die kostengünstigere Variante ist ein »Smart Lock«-Nachrüst-Set das ohne bohren, stemmen oder verkabeln angebracht wird. Mithilfe verschiedener Techniken wird auf den konventionellen Schlüssel verzichtet, dieser wird durch ein modernes Erkennungssystem (meist ist dies der Fingerabdruck oder auch der Zutritt über das Smartphone) ersetzt.

Hier gilt, dass niemand unbedingt eine neue Haustür kaufen muss, wenn das Türschloss intelligent reagieren soll. Im Set enthalten ist ein so genannter Türschlossantrieb, der auf der Türinnenseite auf das bestehende Schloss montiert wird und über den Fingerscanner die Tür entsperrt bzw. verriegelt (Bild 4).

Die Funktion unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der eines normalen Schlüssels mit dem zugehörigen Schloss. Während üblicherweise ein händisch betätigter Riegel zurückgeschoben wird, um die Tür zu öffnen, übernimmt hier ein elektrisch aktivierter Antrieb diese Funktion und öffnet das Schloss auf die gleiche Weise.

Der Finger muss auf einen Sensor gelegt werden, die Daten werden abgeglichen. Danach öffnet der über ein verschlüsseltes Funksignal verbundene und aktivierte Türschlossantrieb das Türschloss.

Notwendige Anforderungen

Allerdings müssen Haustür und Schließzylinder ein paar Anforderungen erfüllen, ehe eine Nachrüstlösung zum Einsatz kommen kann:
die Schlösser und Riegel müssen leichtgängig sein und dürfen nicht klemmen

  • Schlösser mit besonderem Öffnungsmodus sind ungeeignet
  • die Türdichtungen müssen intakt sein
  • der Schließzylinder muss 8 mm bis 15 mm über den Beschlag auf der Innenseite der Tür hinausragen.
Bild 4: Ein batteriebetriebener Fingerscanner funkt seinen Befehl zum Türschlossantrieb, der innen auf das bestehende Schloss montiert wird

Bild 4: Ein batteriebetriebener Fingerscanner funkt seinen Befehl zum Türschlossantrieb, der innen auf das bestehende Schloss montiert wird

Bedenken, dass zum Beispiel bei Verletzungen oder in anderen Notfällen das Schloss nicht entriegelt werden kann, sind übrigens unbegründet. Es gibt auch hier einen Notbetrieb, der auf zweierlei Arten möglich ist.

Zum einen die Öffnung mit dem Handrad auf der Innenseite: Das Handrad wird gedreht, dadurch wird das Schloss manuell entriegelt und die Tür geöffnet. Und zum anderen die Öffnung mit einem Schlüssel von außen: der Türschlossantrieb muss in Ruhe sein, danach lässt sich das Schloss mit dem Schlüssel entriegeln und öffnen.

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