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Betriebsschliessungen drohen 

Unternehmensnachfolge – immer seltener aus dem Familienkreis

Auf einen Blick Die Bereitschaft von Einzelpersonen, sich durch Betriebsübernahmen selbstständig zu machen, sinkt. Deshalb ist es für Nachfolgesuchende notwendig, die Alternativen zu analysieren

Der Verkaufserlös orientiert sich an den Gewinnen des Unternehmens in den letzten vier bis fünf Jahren. Vor der Übergabe muss die Braut (also das Unternehmen) »hübsch« gemacht werden
Aus dem geburtenstärksten Jahrgang in Deutschland, nämlich 1964, leben aktuell 1.357.304 Menschen in der Bundesrepublik. Wenn wir unterstellen, dass ein potenzieller Nachfolger eines Unternehmers 30 Jahre jünger ist, d. h. Jahrgang 1994, dann weist das statistische Bundesamt aus, dass in diesem Jahrgang lediglich 769.603 Menschen in Deutschland leben. Wenn wir weiterhin unterstellen, dass die Anzahl der potenziellen Nachfolger prozentual genauso hoch ist wie die der Unternehmer/innen, dann wird deutlich, dass es weitaus weniger Menschen gibt, die den Weg in die Selbständigkeit wagen werden als in der Generation der Baby-Boomer.

Aktuell kommt hinzu, dass in Zeiten guter konjunktureller Lage – und das kann man für das Elektrohandwerk derzeit sehr wohl behaupten – das Interesse, sich selbstständig zu machen, immer geringer ist als in Zeiten einer Konjunkturflaute.

In Krisenzeiten wählen viele Menschen aus Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes den Weg in die Selbstständigkeit. Ob dies die richtige Strategie auf dem Weg ins Unternehmertum darstellt, sei dahingestellt.

Welche Möglichkeiten bleiben einem Unternehmer, der nicht das Glück hat, dass aus seinem Familienkreis ein Nachfolger parat steht, der engagiert und mit hoher Leistungsbereitschaft den Betrieb führt? Die Tabelle 1 gibt hierzu passende Ant­worten.
Tabelle 1: Chancen und Risiken der einzelnen Möglichkeiten der Unternehmensnachfolge
Tabelle 1: Chancen und Risiken der einzelnen Möglichkeiten der Unternehmensnachfolge

Ohne Kaufpreis keine qualifizierten Verhandlungen

Die Erfahrungen der Unternehmensberatung Heckner zeigen: Egal, ob ein Mitarbeiter, ein Externer oder ein anderer Betrieb das Unternehmen übernehmen möchte, es scheitern die Gespräche oft daran, dass sich der Verkäufer noch keine Gedanken darüber gemacht hat, welchen Wert sein Unternehmen aufweist und welchen Kaufpreis er fordern soll.

Nicht selten gibt es herbe Enttäuschungen, wenn Unternehmer ihren Betrieb als wesentlichen Bestandteil ihrer Altersvorsorge einplanen. Gerade kleinere Betriebe, die Gewinne in Größenordnungen von etwa 50.000 € bis 60.000 € aufweisen, werden sich schwer tun, einen Nachfolger zu finden. Vielleicht gelingt es, einen Mitarbeiter oder einen Externen zu finden, der bereit ist, den Betrieb zu übernehmen. Spätestens dann, wenn dieser Übernehmer Bankgespräche zur Finanzierung des Kaufpreises führt, könnte es für ihn schwierig werden. Denn die Banken finanzieren erfahrungsgemäß Betriebsübernahmen erst dann, wenn die Gewinn­größenordnung ausreicht, um den Lebens­unterhalt der neuen Unternehmerfamilie abzudecken und gleichzeitig die Rückzahlung der aufgenommenen Kredite zur Existenzgründung problemlos sicherzustellen (Berechnung der Kapitaldienstfähigkeit).

Optionen bei einem Verkauf

Wenn regional oder überregional tätige Wettbewerber als Käufer in Frage kommen, sollte auch geprüft werden, ob der Name des ­Unternehmens erhalten bleibt oder ob der Betrieb in die Organisation des Käufers integriert werden sollte. Aus emotionalen Gründen ist es manchen Verkäufern ganz sympathisch, wenn der Firmenname bleibt und ­lediglich ein Zusatz, z. B. Mitglied der xyz-Gruppe, enthalten ist.

Ganz oder gar nicht?

Im Falle eines Betriebsverkaufes, egal an wen, stellt sich die Frage, wie lange der Verkäufer als Person und in welcher Funktion zur Verfügung stehen sollte? Gerade bei Familienunternehmen ist es notwendig, dass sich der Senior einen eigenen Arbeitsbereich sucht und nach außen hin klar dokumentiert, dass der eigene Sohn oder die eigene Tochter in Zukunft das Sagen hat. Eine Stellenbeschreibung, in der die Aufgaben von Senior und Nachfolger auch für die Mitarbeiter einsehbar, klar aufgelistet sind, kann eine große Hilfestellung bieten.

Wenn das Unternehmen verkauft wird, dann soll im Vorfeld klar festgelegt werden, für welche Aufgaben, in welchen Zeitraum und in welchem zeitlichen Umfang der Verkäufer noch zur Verfügung steht.

Oft ist es für die Mitarbeiter besser, wenn ein klarer Schlussstrich gezogen wird und der Verkäufer noch für einen definierten Zeitraum von z. B. neun Monaten, zur Verfügung steht und dann gänzlich aus dem Unternehmen ausscheidet. Egal ob Familienbetrieb oder externer Käufer – es ist immer daran zu denken, dass man Mitarbeiter nur verun­sichert, wenn Alt- und Neu-Chef parallel im Unternehmen tätig sind.
Buchtipp
W
lrich C. Heckner:  Betriebsübergabe leicht gemacht –
lrich C. Heckner: Betriebsübergabe leicht gemacht –
er sich rechtzeitig auf das Thema Unternehmensnachfolge vorbereiten möchte, dem empfehlen wir das Buch von Ulrich C. Heckner, das im Hüthig-Verlag erschienen ist und das sich mit dem Thema Unternehmensnachfolge beschäftigt. Und zwar einerseits aus Sicht eines Verkäufers und andererseits aus Sicht eines potenziellen Übernehmers.

Ulrich C. Heckner: Betriebsübergabe leicht gemacht – Praxistipps für  das Handwerk 232 Seiten, Softcover, Hüthig Verlag 2012 ISBN: 978-3-8101-0319-2 Preis: 39,80 €shop.elektro.net

Rechtzeitig planen

Viele Unternehmer besuchen die Seminare der Unternehmensberatung Heckner zum Thema Unternehmensnachfolge bereits zehn Jahre vor dem Termin des geplanten Ausstiegs. Dies ist deshalb sinnvoll, weil vor der Übertragung des Unternehmens das Motto gilt »die Braut hübsch machen«.

Denn bei allen Methoden der Unternehmensbewertung wird der Gewinn der letzten vier bis fünf Jahre herangezogen, um daraus den Wert des Unternehmens zu ­errechnen.

Die Aussage »Wir sind so clever und sparen Steuern und weisen deshalb keine Gewinne aus« erweist sich dann als Bumerang. Betriebe, die keine vernünftigen Gewinne ausweisen, sind für einen potenziellen Käufer nicht interessant.
Über die Autorin
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Katharina Königsbauer

Senior-Berater bei der Unternehmensberatung Heckner GmbH, Kastl/Obb.

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