Home Elektroinstallation Elektrische Maschinen Neue Norm für elektrische Maschinen

Wesentliche Änderungen auf einen Blick

Neue Norm für elektrische Maschinen

Auf einen Blick

DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2019-06 Der vollständige Titel ­der neuen Norm lautet: »Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen«

Hilfestellung für künftige Anwendung Dieser Beitrag beschränkt sich auf die wesentlichen Aspekte von Änderungen der 149-seitigen Normenausgabe gegenüber der Vorgängerversion

Der Text der internationalen Norm IEC 60204-1:2016 wurde zuvor von der CENELEC (Europäisches Komitee für Elektrotechnische Normung) als Europäische Norm mit gemeinsamen Abänderungen angenommen. Es handelt sich hierbei um einen Normenteil, der Anforderungen und Empfehlungen für die elektrische Ausrüstung von Maschinen enthält, insbesondere zur

  • Sicherheit für Personen und Anlagen
  • Erhaltung der Funktionsfähigkeit sowie
  • Erleichterung von Betrieb und Instandhaltung.

Zum Verständnis der Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Elementen einer Maschine und der dazugehörenden Ausrüstung enthält die Norm ein Blockschaltbild als Beispiel (Bild 1). Alle diese Elemente – einschließlich der Schutzvorrichtungen, Werkzeuge/Befestigungen, Software und der Dokumentation – bilden die Maschine. Hingegen bilden eine oder mehrere zusammenarbeitende Maschinen mit wenigstens ­einer übergeordneten Steuerungsebene eine Fertigungseinheit bzw. ein Fertigungszentrum.

Blockdiagramm einer typischen Maschine
Bild 1: Blockdiagramm einer typischen Maschine (hier vereinfacht dargestellt) – zu all diesen Aspekten enthält die Norm konkrete Anforderungen
(Bild: DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2019-06)

Ausgewiesene Änderungen

Kommen wir nun zu den Änderungspunkten a) bis i) aus DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1): 2019-06, Seite 2.

Zu den Änderungen nach Punkt a)

Dieser Punkt lautet wörtlich: »Zusätzliche Anforderungen für Anwendungen mit Leistungsantriebssystemen (Power Drive Systems, PDS) hinzugefügt«. Dazu gibt es Festlegungen/Anforderungen in einigen Abschnitten. Laut Abschnitt 5.4 dürfen Leistungsantriebssysteme (PDS) – neben Schützen usw. – nun auch zur Verhinderung des unerwarteten Anlaufs vorgesehen werden. Aus der Anmerkung bezüglich »Risikobewertung« ist nun eine normative Anforderung geworden.

Zum Abschnitt 6.3.3 c): Im letzten Absatz heißt es: »Wenn ein Leistungsantriebssystem (PDS) verwendet wird, muss ein Fehlerschutz für die Stromkreise vorgesehen werden, die vom Umrichter versorgt werden. Wenn dieser Schutz nicht durch den Umrichter sichergestellt wird, müssen die notwendigen Schutzmaßnahmen entsprechend den Herstellerangaben des Umrichters vorgesehen werden.« Dies erfolgt üblicherweise durch Begrenzung der Ausgangsspannung auf AC ≤ 50 V/DC ≤ 120 V. 

Wichtig ist hierzu auch die Anmerkung im Abschnitt 9.2.2: »Als Unterbrechung der Energiezufuhr kann es ausreichend sein, die Energie, die zur Erzeugung eines Dreh­momentes oder einer Kraft benötigt wird, zu unterbrechen. Dies kann durch Entkuppeln, Trennen, Abschalten oder durch elektronische Mittel erreicht werden (z. B. durch ein Leistungsantriebssystem (PDS) entsprechend Normenreihe IEC 61800) usw.«

Zum Abschnitt 18.2.3 b): Aus der dort enthaltenen Aussage »Kontrolle, ob die Einstellung und die Kennwerte der zugeordneten Überstromschutzeinrichtung (…) bei Verwendung eines Leistungsantriebssystems (PDS) (…) übereinstimmen« folgt letztlich die Forderung  nach Überprüfung der Schleifenimpedanz.

Zum Anhang A.2.2.1 b): Folgende Aussage im letzten Absatz betrifft nur TT-Systeme: »Wenn ein Leistungsantriebssystem (PDS) verwendet wird, muss die Abschaltzeit als Fehlerschutz die relevanten Anforderungen des Anhangs A an den Anschlussklemmen des Antriebsgrundmoduls (BDM) des Leistungsantriebssystems (PDS) erfüllen (…)«. Es scheint kaum sinnvoll, in einem TT-System die Fehlerschleifenimpedanz als Nachweis für die automatische Abschaltung der Stromversorgung vorzugeben.  Hierzu enthält DIN VDE 0100-410:2018-10 einen entsprechenden Hinweis. Es besteht nämlich das Problem, dass die notwendigen Erdungswiderstände nur in ganz wenigen Fällen mit Sicherungen bis ca. 16 A erreichbar sind. Bei Verwendung von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) ist nur der Anlagenerdungswiderstand relevant.

Zu den Änderungen nach Punkt b)

Dieser Punkt lautet wörtlich: »überarbeitete Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV)«.

Zum Abschnitt 4.4.2: Die bisherigen einfachen Regelungen im Abschnitt 4.4.2 von DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2007-06 – die in etwa mit der Norm für Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen, der DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1) übereingestimmen – wurden gestrichen. Dafür wurde in einer Anmerkung auf relevante Fachgrundnormen verwiesen. Die darin enthaltenen Anforderungen lassen sich nur unter bestimmten Voraussetzungen erfüllen.

Des Weiteren sind umfangreiche Maßnahmen zur Reduzierung der elektromagnetischen Einflüsse im informativen Anhang H.3 angeführt.

Zu den Änderungen nach Punkt c)

Dieser Punkt lautet wörtlich: »geklärte Anforderungen an den Überstromschutz«. Dies betrifft den Abschnitt 7.2.2, wo es im Grunde bei der Forderung bleibt, dass der Lieferant (Hersteller) der elektrischen Ausrüstung entsprechende Vorgaben liefern muss.

Zu den Änderungen nach Punkt d)

Dieser Punkt lautet wörtlich: »Anforderungen an die Bestimmung des Bemessungskurzschlussstromes der elektrischen Ausrüstung«. Hierzu gibt es den neuen Abschnitt 7.10, wo Folgendes gefordert wird: »Der Bemessungskurzschlussstrom der elektrischen Ausrüstung muss ermittelt werden. Dies kann durch Anwendung von Konstruktionsregeln oder Berechnung oder durch Prüfung erfolgen (...).«

Zu den Änderungen nach Punkt e)

Dieser Punkt lautet wörtlich: »überarbeitete Anforderungen an das Schutzleitersystem und der Terminologie«.

Zum Abschnitt 8.2: Trotz Überarbeitung dieses Abschnitts sind dessen Festlegungen nach wie vor unübersichtlich, da Schutzleiterverbindungen und Schutzpotentialausgleichverbindungen vermischt werden. Neu ist, dass Mindestquerschnitte für Schutzleiter festgelegt sind, die nicht Teil eines Kabels/Leitung sind bzw. nicht in gemeinsamer Umhüllung mit den aktiven Leitern verlegt werden. Dies stimmt mit DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540) überein, es gelten hierfür folgende Vorgaben:

  • 2,5 mm2 Cu oder 16 mm2 Al, wenn ein Schutz gegen mechanische Beschädigung vorgesehen ist
  • 4 mm2 Cu oder 16 mm2 Al, wenn ein Schutz gegen mechanische Beschädigung nicht vorgesehen ist.

Die Aussage: »Die Verwendung von Stahl als Schutzleiter ist nicht aus­geschlossen« widerspricht leider DIN VDE 0100-540.

Neu hinzugefügt wurde: »Körper brauchen nicht mit dem Schutzpotentialausgleichssystem verbunden werden, wenn sie so ausgeführt sind, dass keine Gefährdung entstehen kann, wie z. B. wenn sie:

  • nicht großflächig berührt oder mit der Hand umfasst werden (...)
  • so angeordnet sind, dass weder ein Kontakt mit aktiven Teilen möglich ist noch ein Isolationsfehler wahrscheinlich ist.

Dies betrifft kleine Teile, wie Schrauben, Nieten und Typschilder und Teile innerhalb von Gehäusen (...). Metallene Gehäuse, Montagerahmen oder -platten der elektrischen Ausrüstung, die an das Schutzleitersystem angeschlossen sind, dürfen als Schutzleiter verwendet werden, wenn folgende Anforderungen erfüllt sind:

  • die elektrische Durchgängigkeit muss durch Konstruktion oder durch angemessene Verbindung sichergestellt sein, so dass ein Schutz gegen mechanische, chemische oder elektrochemische Alterung gewährleistet ist; (...)
  • diese müssen den Anschluss anderer Schutzleiter an vordefinierten Anschlusspunkten erlauben.

Der Querschnitt der Schutzleiter muss entweder in Übereinstimmung mit IEC 60364-5-54:2011, 543.1.2, berechnet werden, oder in Übereinstimmung mit Tabelle 1 (siehe 5.2) ausgewählt werden. Siehe auch 8.2.6 und 17.2 d).«

Neu sind auch die folgenden Anforderungen, die es in dieser Klarheit und in diesem Umfang bisher noch nicht gab und in der Praxis sicher zu Problemen führen dürften. Sie gehen erheblich über die Vorgaben der DIN VDE 0100-410 und DIN VDE 0100-540 hinaus. Festgelegt ist nämlich: »Die folgenden Teile einer Maschine und ihre elektrische Ausrüstung müssen mit dem Schutzleitersystem verbunden werden, dürfen aber nicht als Schutzleiter verwendet werden:

  • leitfähige Konstruktionsteile der Maschine;
  • metallene Leitungskanäle von flexiblen oder starren Konstruktionen;
  • metallene Kabelschirme oder Armierungen;
  • metallene Rohre, die entzündbares Material, wie Gase, Flüssigkeiten oder Pulver enthalten;
  • flexible oder biegsame metallene Installa­tionsrohre;
  • Konstruktionsteile, die bei normaler Verwendung mechanischen Belastungen ausgesetzt sind;
  • flexible metallene Teile; Tragseile; Kabelwannen und Kabelpritschen.«

Hierzu bedarf es noch späteren getrennten Betrachtungen, z. B. in zusätzliche Beiträgen der Fachzeitschrift »de«, um den Leser weitere Hilfestellung zu geben.

Zum Abschnitt 8.2.6: Folgender Text ist besonders zu beachten: »Wenn in einem Schutzleiter einer elektrischen Ausrüstung ein Erdableitstrom, Gleichstrom oder Wechselstrom, größer 10 mA fließt, muss für die Sicherheit eine oder mehrere der folgenden Bedingungen in jedem Bereich des Schutzpotentialausgleichssystems, das einen Erdableitstrom führt, vorgesehen werden:

  • der Schutzleiter ist vollständig innerhalb der Gehäuse der elektrischen Ausrüstung verlegt, oder in anderer Weise auf seiner gesamten Länge gegen mechanische Beschädigung geschützt;
  • der Schutzleiter hat über seine gesamte Länge einen Mindestquerschnitt von 10 mm2 Cu oder 16 mm2 Al
  • wenn der Schutzleiter einen Querschnitt von weniger als 10 mm2 Cu oder 16 mm2 Al hat, muss ein zweiter Schutzleiter mit mindestens demselben Querschnitt bis zu dem Punkt vorgesehen werden, an dem der Schutzleiter einen Querschnitt von nicht weniger als 10 mm2 Cu oder 16 mm2 Al aufweist;  Dies kann erfordern, dass die elektrische Ausrüstung einen getrennten Anschluss für einen zweiten Schutzleiter aufweist
  • automatische Abschaltung der Stromversorgung bei Verlust der Durchgängigkeit des Schutzleiters;
  • wenn eine Stecker-Steckdosen-Kombina­tion verwendet wird, muss der Anschluss mit einem Steckverbinder für industrielle Anwendungen nach der Normenreihe IEC 60309 Serie ausgeführt sein und der Schutzleiter muss einen Mindestquerschnitt von 2,5 mm2 als Teil einer mehradrigen Leitung aufweisen (...).

Ein Warnschild kann in der Nähe des PE-Anschlusses angebracht werden, mit dem Hinweis, dass über den Schutzleiter ein Ableitstrom von größer 10 mA fließt.«

Die Abschnitte 8.3 und 8.4 wurden getauscht, ohne Änderungen. Beim Funktionspotentialausgleich wurde das Symbol IEC 60417-5020:2002-10 hinzugefügt.

Zu den Änderungen nach Punkt f)

Dieser Punkt lautet im wörtlichen Zitat: »Reorganisation und Überarbeitung des Abschnitt 9, einschließlich der Anforderungen an »sicher abgeschaltetes Moment des PDS, Not-Halt, und Schutz des Steuerstromkreises.«

Zum Abschnitt 9.1.1: Nach wie vor gilt der Verzicht auf einen Steuerspannungstransformator nur für Maschinen mit einem einzigen Motorstarter und/oder maximal zwei Steuergeräten (z. B. eine Verriegelungseinrichtung und eine Start/Stopp-Bedienstation).

Zum Abschnitt 9.1.2: Steuerspannung bis 277 V ist nun mit der Frequenz von 60 Hz verknüpft. Bei 50 Hz gelten 230 V.

Der Abschnitt 9.2.3 war bisher als 9.2.5 angeführt. Zu diesem Zwecke gab es einige Umnummerierungen.

Zum Abschnitt 9.2.3.2: Hier gibt folgende neue Anforderung: »Die Notwendigkeit der Auslösung von akustischen und/oder visuellen Warnsignalen, bevor die Maschine eine gefährliche Operation ausführt, muss im Rahmen einer Risikobeurteilung ermittelt werden. Wenn sich bei der Risikobeurteilung herausstellt, dass akustische und/oder visuelle Warnsignale notwendig sind, muss der Emissionsgrad der Lautstärke und/oder die Helligkeit geeignet für die vorgesehene Umwelt festgelegt werden.«

Zum Abschnitt 9.2.3.4.1: Eine bisherige Anmerkung hat nun normativen Charakter erhalten: »Not-Halt und Not-Aus sind ergänzende Schutzmaßnahmen und keine Maßnahmen zur Reduzierung von Gefahren an der Maschine (z. B. Einziehen, Aufwickeln, elektrischer Schlag oder Brand (siehe ISO 12100)

Zum Abschnitt 9.2.3.9: Die »Freigabesteuerung« wurde in »Zustimmungsfunk­tion« umbenannt.

Zu den Abschnitten 9.2.4.1 bis 9.2.4.8: Hier geht um kabellose Steuerungen (CCS – Cableless Control System). Diese Abschnitte enthalten zahlreiche  Festlegungen für CCS. Folgende Aussage ist hierbei insbesondere zu beachten: »Wenn über eine CCS eine Sicherheitsfunktion durch Datenübertragung erfolgen soll,  muss die Übertragungszuverlässigkeit bewertet werden. Die CCS muss auf Grundlage einer Risikobeurteilung für die Anwendung eine angemessene Funktionalität und Reaktionszeit aufweisen.«

Zum Abschnitt 9.3.6: Hierbei handelt es sich um einen neuen Abschnitt. Mit der dort erwähnten Aufhebung von Sicherheitsfunk­tionen und/oder Schutzmaßnahmen ist natürlich nicht der Fehlerschutz gemeint.

Zum Abschnitt 9.4.2.2: Neu  hinzugefügt wurden zwei Aufzählungsstriche unter dem 6. Aufzählungsstrich: »(...)

  • Verwendung von mechanisch gekoppelten Kontakten (siehe IEC 60947-5-1);
  • Verwendung von Spiegelkontakten (siehe IEC 60947-4-1«.

Zum Abschnitt 9.4.3.1.1: Hier gibt es eine neu hinzugefügte Methode d): »(...) Steuerstromkreise, die nicht über einen Transformator versorgt werden.« Außerdem wurde eine Vielzahl von Beispielbildern hinzugefügt (Bild 2).

Zu den Änderungen nach den Punkten g), h) und i)

Der Änderungspunkt g) lautet wörtlich: »überarbeitete Symbole für Stellteile von Steuergeräten«.

Zum Abschnitt 10.2.2: Die neue Tabelle 3 enthält Symbole für Start, Stopp, Befehlseinrichtungen mit selbstständiger Rückstellung und Not-Halt.

Der Änderungspunkt h) lautet wörtlich: »überarbeitete Anforderungen an die technische Dokumentation«.

Zum Abschnitt 17.1: Der Anhang I sollte als Leitfaden für die Zusammenstellung von Informationen und der Dokumentation herangezogen werden.

Der Änderungspunkt i) lautet wörtlich: »allgemeine Aktualisierung auf die aktuellen besonderen nationalen Gegebenheiten, normativen Standards und bibliographische Referenzen.« Der Autor verzichtet hier auf Hinweise, da er diesen Punkt als unbedeutend erachtet.

Steuerstromkreis
Bild 2: Steuerstromkreis, der ohne einen Transformator direkt von einem Außenleiter und dem Neutralleiter von einem geerdeten System versorgt wird
(Bild: Quelle: Bild 12 aus DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2019-06)

Diskussion weiterer Änderungen der Norm

In den einzelnen Abschnitten wird nun nicht mehr auf den Fragebogen für die elektrische Ausrüstung verwiesen. Dieser Fragebogen ist jedoch nach wie vor im informativen Anhang B enthalten.

Der informative Anhang NC wurde erweitert, insbesondere bezüglich der »Nationalen Abweichungen«. Der neue Abschnitt 3.2 enthält eine Liste der verwendeten Abkürzungen

Zum Abschnitt 4.2.2: Es bleibt bei der Festlegung, dass die Normen der Reihe DIN EN 61439 (VDE 0660-600) nicht verpflichtend sind – siehe jedoch Abschnitt 7.10 »Bemessungskurzschlussstrom«.

Zum Abschnitt 4.4.2: Es gibt jetzt Änderungen bezüglich der EMV, siehe oben ­unter dem Absatz »Zu den Änderungen nach Punkt b)«.

Zum Abschnitt 4.4.5: Folgende Aussage ist wichtig: »Bei elektrischen Ausrüstungen, die in höheren Lagen eingesetzt werden, ist es notwendig ­relevante Parameter zu ändern, z. B. die Reduzierung von:

  • der Isolationsfestigkeit, und
  • des Schaltvermögens der Betriebsmittel, und
  • des Kühleffektes der Luft.

Andere Parameter von unterschiedlichen Komponenten können auch mit der Höhenlage verändert werden. Es wird empfohlen, die betreffenden Korrekturfaktoren, die berücksichtigt werden müssen, mit dem Hersteller (der Komponente) abzustimmen, wenn die Faktoren im Produkt­datenblatt nicht angegeben sind«. Der bisherige Abschnitt 4.7 »Hinweise zur Errichtung« ist entfallen.

Zum Abschnitt 5.1: Bei Maschinen mit parallelen Einspeisungen sind Mehrfacheinspeisungen entsprechend IEC 60364-1 zu berücksichtigen, z. B. der zentrale Erdungspunkt (ZEP). Die in diesem Abschnitt erwähnte IEC 60364-1 entspricht DIN VDE 0100-100.

Zum Abschnitt 5.3.2 b): Zitat: »Steuerungs- und Schutzschaltgeräte mit Trenneigenschaften, nach IEC 60947-6-2; Abschnitt 5.3.3, dritter Aufzählungsstrich wurde inhaltlich in Abs. 5.3.4 integriert.«

Zum Abschnitt 5.3.4: Der dritte Aufzählungsstrich des bisherigen Abschnitts 5.3.3 wurde in 5.3.4 wie folgt geändert: »(...) Ausnahme: Leistungsschalter mit Motorantrieb benötigen keinen Handgriff außerhalb der Umhüllung, wenn andere Hilfsmittel vorhanden sind (z. B. Drucktaster), mit denen die Netztrenneinrichtung ­außerhalb der Umhüllung ausgeschaltet werden kann.« Es gibt hier außerdem zusätzliche Hinweise zur Farbgebung der Bedienvorrichtung.

Zum Abschnitt 6.3.3 a): Hier ist die Rede von Fehlerstromschutzeinrichtungen (RCDs) in Kombination mit Überstromschutzeinrichtungen. Aus Sicht des Autors bedeutet dies, dass ein FI/LS-Schalter angewendet werden muss. Allerdings lautet der englische Text in IEC 60204-1 wie folgt: »residual current protective devices (RCDs) and associated overcurrent protective device(s).« Aus Sicht des Autors wäre dies folgendermaßen zu übersetzen: »Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) und zugeordnete Überstrom-Schutzeinrichtungen.«

Zum Abschnitt 6.3.3 c): Für IT-Systeme gilt nun: »In IT-Systemen müssen die relevanten Anforderungen der IEC 60364-4-41 erfüllt werden. Während eines Isolationsfehlers muss ein akustisches und optisches Signal dauerhaft anstehen. Nach einer Meldung darf das akustische Signal manuell abgeschaltet werden. Dazu kann es erforderlich sein, dass bei den Maßnahmen mit Isolationsüber­wachungseinrichtungen und/oder Einrichtung zur Isolationsfehlersuche, eine Vereinbarung zwischen Lieferanten und Betreiber getroffen wird.«

Zum Abschnitt 7.2.4: Es wurde neu hinzugefügt: »Ausnahme: Wenn die Stromversorgungseinheit über eine Strombegrenzung verfügt, die unterhalb der Stromtragfähigkeit der Leiter in einem Stromkreis und unterhalb der Strombelastbarkeit der angeschlossenen elektrischen Betriebsmittel liegt, ist eine Überstromschutzeinrichtung nicht erforderlich.«

Im Abschnitt 7.2.5 wird die Wichtigkeit betont, den Abschnitt 15.1 zu berücksichtigen. Der bisherige Abschnitt 7.3.4 »Schutz durch Strombegrenzung« wurde gestrichen, kann aber durch den 3. Aufzählungsstrich im Abschnitt 7.3.1 als zulässig betrachtet werden

Zum Abschnitt 7.7: Hier gibt es folgende neue Anforderung: »Wenn Fehlerströme mit einem DC-Anteil zu erwarten sind, kann eine Fehlerstromschutzeinrichtung (RCD) vom Typ B in Übereinstimmung mit IEC/TR 60755 notwendig sein.«

Zum Abschnitt 7.10: Als Neuigkeit ist Folgendes hervorzuheben: »Der Bemessungskurzschlussstrom der elektrischen Ausrüstung muss ermittelt werden. Dies kann durch Anwendung von Konstruktionsregeln oder Berechnung oder durch Prüfung erfolgen.«

Zum Abschnitt 8.2.6: Dort gibt es neue Aufzählungen bezüglich »Erdableitströmen« – in DIN EN 61140 (VDE 0140-1) als Schutzleiterströme bezeichnet, sonst häufig auch als Ableitströme bezeichnet –, Zitat: »a) der Schutzleiter ist vollständig innerhalb der Gehäuse der elektrischen Ausrüstung verlegt, oder in anderer Weise auf seiner gesamten Länge gegen mechanische Beschädigung geschützt; (...)

e) wenn eine Stecker-Steckdosen-Kombination verwendet wird, muss der Anschluss mit einem Steckverbinder für industrielle Anwendungen nach der Normenreihe IEC 60309 Serie ausgeführt sein und der Schutzleiter muss ­einen Mindestquerschnitt von 2,5 mm2 als Teil einer mehradrigen Leitung aufweisen.«

Die Abschnitte 8.3 und 8.4 wurden getauscht, Symbol für Anschlussstelle Funktionspotentialausgleich hinzugefügt.

Zum Abschnitt 10.1.4: Die Bezeichnung »Wegfühler« wurde durch »Positionssensoren« ersetzt. Nach Betriebsmittelnorm ist die Bezeichnung hierfür »Positionsschalter«.

Zum Abschnitt 10.2.1: Für Not-Halt- und Not-Aus-Bedienteile muss die Farbe Rot verwendet werden (einschließlich Netztrenneinrichtungen, wenn sie dafür vorgesehen sind, bei Gefahr eingesetzt zu werden).

Zum Abschnitt 10.2.2: Siehe oben unter Änderungen nach Punkt g); die Tabelle 2 »Farben« ist entfallen.

Zum Abschnitt 10.7.2: Beschränkung auf die drei Aufzählungs­striche ist entfallen, d. h. es dürfen auch andere Einrichtungen/Geräte verwendet werden.

Der Abschnitt 10.7.3 wurde mit 10.7.4 zusammengefasst.

Zum Abschnitt 10.9: Geräte zur Freigabensteuerung heißen nun Zustimmeinrichtungen.

Zum Abschnitt 13.5.1 bis 13.5.7: Der bisherige Abschnitt 13.5.2 wurde in 13.5.1 integriert, damit mussten die nachfolgenden Abschnitte neu bezeichnet werden. Der Abschnitt 13.5.6 lautete bisher 13.5.7.

Zum Abschnitt 14.2: Für Motoren ist nun kein Mindestschutzgrad (statt bisher IP23) mehr vorgeschrieben.

Zum Abschnitt 15.1: Er lautet jetzt: »Stromkreise, die Steckdosen mit einem Nennstrom nicht größer als 20 A versorgen, müssen mit einer Fehlerstromschutzeinrichtung (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom von ≤ 30 mA zusätzlich geschützt sein.« Somit steht dieser Abschnitt aber immer noch nicht in Übereinstimmung mit Abschnitt 411.3.3 von DIN VDE 0100-410:2018-10.

Zum Abschnitt 15.2.2: Es wurde ein neuer Aufzählungsstrich hinzugefügt: »(...) Von einem Netzteil mit einem Trenntransformator der DC-LED-Lichtquellen versorgt (z. B. entsprechend IEC 61558-2-6).«

Zum Abschnitt 16.4: Gehäuse elektrischer Einrichtungen sind nun folgendermaßen zu kennzeichnen: »(...)

  • Name oder Firmenzeichen des Lieferanten;
  • wenn erforderlich, Zulassungszeichen oder andere Kennzeichnungen, die durch ört­liche oder regionale Gesetzte erforderlich sind;
  • Typbezeichnung oder Modell, wenn anwendbar;
  • Seriennummer, wenn anwendbar;
  • Nummer der Hauptdokumentation (siehe IEC 62023), wenn anwendbar;
  • Nennspannung, Anzahl der Außenleiter und Frequenz (bei AC-Versorgung) und Volllaststrom für jede Einspeisung.«

Zum Abschnitt 17.1: Dieser Abschnitt mit Anmerkung 1 wurde geändert. Die bisherige Anmerkung 2 bleibt unverändert.

Zum Abschnitt 17.2: Die Abschnitte 17.2 bis 17.9 wurden unter dem Abschnitt 17.2 zusammengefasst. Die Informationen in Bezug zur elektrischen Ausrüstung wurden wesentlich erweitert. Der Tabelle 10 wurde die Charakteristik D hinzugefügt und der Anhang A wurde ebenfalls wesentlich erweitert.

Schlussbetrachtung

Einiges vom originalen, englischsprachigen  Text ist aus der Sicht des Autors in der neuen Ausgabe anders übersetzt worden, was einen Vergleich schwierig macht. Daher kann es sein, dass einige Änderungen noch zusätzlich hätten herausgehoben werden müssen.

Dieser Beitrag stellt daher nur eine erste Hilfe für den Einstieg in die neue Norm dar. Es ist notwendig und unumgänglich, dass sich der Anwender ausgiebig mit diesem neuen Werk befasst.

Frühere Normenausgaben
  • VDE 0113:1942-07, 1954-11 und 1964-01
  • DIN 57113 (VDE 0113):1973-12
  • DIN 57113/A2 (VDE 0113/A2):1981-03
  • DIN VDE 0113-1 (VDE 0113-1):1986-02
  • DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):1993-06, 1998-11 und 2007-06
  • DIN EN 60204-1/A1 (VDE 0113-1/A1): 2009-10
  • DIN EN 60204-1 Berichtigung 1
  • (VDE 0113-1 Berichtigung 1):2010-05
Über den Autor
hoermann
Werner Hörmann

Gelernter Starkstrommonteur und dann viele Jahre als Projektant für Schaltan­lagen und Steuerungen bei Siemens tätig. Aktive Normung in verschiedenen Komitees und Unterkomitees der DKE. Seine Spezialgebiete sind u. a. die Er­richtungsbestimmungen nach DIN VDE 0100 (VDE 0100) – insbesondere Schutz gegen elektrischen Schlag –, die Niederspannungs-Schaltanlagen nach DIN EN 60439 (VDE 0660-500 bis -514) oder das Ausrüsten von elektrischen Maschinen nach DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1). Werner Hörmann ist Verfasser zahlreicher Beiträge in der Fachzeitschrift »de« sowie Autor diverser Fachbücher.

Newsletter

Das Neueste der
ema direkt in Ihren Posteingang!