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Breitbandausbau mit Glasfaser

Mikrorohre als Kabelwegsystem

Bild 1: Bunte Mikroröhrchen und Mikrorohrverbände gibt es in verschiedenen Farben und Durchmessern, sie sind die auffälligste Komponente im Breitbandausbau
Bild 1: Bunte Mikroröhrchen und Mikrorohrverbände gibt es in verschiedenen Farben und Durchmessern, sie sind die auffälligste Komponente im Breitbandausbau

Mikrorohre (MR) sind im Breitbandausbau die Transportwege, in die nach Abschluss der Verlegearbeiten oder auch erst zu einem späteren Zeitpunkt dünne Glasfaserkabel eingeblasen werden. Abhängig vom Rohrdurchmesser erfolgt nach Abschluss der Verlegung das Einbringen von LWL-Mikrokabeln mit Durchmessern bis 5 mm, LWL-Minikabeln mit Durchmessern bis 10 mm oder sogar LWL-Standardkabeln. Allerdings: Mikrokabel und Minikabel sind nicht für das Einziehen oder Einschieben konstruiert. Sie werden mit Hilfe von Einblasgeräten, die mit Druckluft arbeiten, eingeblasen bzw. »eingejetted«.

Kabelschutzrohre

Bild 2: Mikrorohre mit verschiedenen Durchmessern als Einzelrohr – a = MR 3/2 mm mit Mikrokabel 
∅ 1,1 mm, b = MR 5/3,5 mm mit Mikrokabel ∅ 1,8 mm, c = MR 7/4 mm mit Mikrokabel ∅ 2,5 mm, d = MR 10/6 mm mit Mikrokabel ∅ 2,5 mm und e = MR 10/8 mm mit Mikrokabel ∅ 6 mm
Bild 2: Mikrorohre mit verschiedenen Durchmessern als Einzelrohr – a = MR 3/2 mm mit Mikrokabel ∅ 1,1 mm, b = MR 5/3,5 mm mit Mikrokabel ∅ 1,8 mm, c = MR 7/4 mm mit Mikrokabel ∅ 2,5 mm, d = MR 10/6 mm mit Mikrokabel ∅ 2,5 mm und e = MR 10/8 mm mit Mikrokabel ∅ 6 mm

Glasfaserkabel werden schon seit den 1980er Jahren in Rohranlagen eingebracht, um die dünnen Kabel vor äußeren Einflüssen im Erdreich zu schützen. Zusätzlich ermöglicht die Kabelverlegung in Rohranlagen die Erweiterung und das Auswechseln der Kabel ohne umfangreiche Tiefbauarbeiten. Die dafür verwendeten schwarzen HD-PE-Rohre werden als Kabelschutzrohre (KSR) bezeichnet und sind mit Durchmessern von 20 mm, 32 mm, 40 mm, 50 mm und 63 mm verfügbar. Das eingesetzte Material, Polyethylen mit hoher Dichte (PE-HD) hat sich für den Aufbau langlebiger Infrastrukturen bewährt. Durch das Einblasen von Mikrorohren in bereits vorhandene Kabelschutzrohre kann eine Mehrfachnutzung erfolgen und Platz für zukünftige Kabelinstallationen bereitgestellt werden.

Mikrorohre für den Außenbereich

Bild 3: In ein KSR 50 mm x 4,6 mm können sieben Einzelröhrchen mit 10mm x 1 mm eingeblasen werden
Bild 3: In ein KSR 50 mm x 4,6 mm können sieben Einzelröhrchen mit 10mm x 1 mm eingeblasen werden

Mikrorohre werden als Einzelröhrchen mit verschiedenen Durchmessern von 3 mm bis 20 mm hergestellt. Es gibt sie als dickwandige Einzelröhrchen, die direkt erdverlegbar sind und z. B. als Hausanschlussröhrchen im Breitbandausbau eingesetzt werden. Bild 2 zeigt dick- und dünnwandige Einzelröhrchen mit verschiedenen Durchmessern, die mit typischen Mikrokabeln und Minikabeln belegt sind.

Dünnwandige Einzelröhrchen sind nicht direkt erdverlegbar. Sie werden als Rohr-in-Rohr-Lösung z. B. in Kabelschutzrohre eingeblasen oder eingezogen und ermöglichen dadurch eine Mehrfachbelegung von vorhandenen und neu erstellten Rohrtrassen mit Glasfaserkabeln. In ein Kabelschutzrohr 50 mm x 4,6 mm lassen sich sieben Mikroröhrchen 10 mm x 1 mm einblasen (Bild 3). Die Glasfaserkabel werden nach Fertigstellung der Rohranlage oder zu einem späteren Zeitpunkt bedarfsgerecht in die Mikroröhrchen eingeblasen.

Mikrorohre für den Innenbereich

Für die Verlegung im Außenbereich werden Mikrorohre aus Polyethylen mit hoher Dichte (HD-PE) eingesetzt. Mikrorohre für die Verlegung im Innenbereich bestehen aus halogenfreien, flammwidrigen Materialien (FRNC), die eine geringe Rauchgasentwicklung aufweisen.

Bild 4: Transparente Mikroröhrchen mit Farbstreifen – die Innenriefung sorgt dafür, dass große Einblaslängen erreicht werden
Bild 4: Transparente Mikroröhrchen mit Farbstreifen – die Innenriefung sorgt dafür, dass große Einblaslängen erreicht werden
(Bild: Gabocom)

Aufbau, Anforderungen und Kenngrößen

Der Querschnitt der Mikrorohre ist kreisrund. Die Typenbezeichnung erfolgt z. B. mit Außendurchmesser und Wandstärke wie 7 mm x 1,5 mm oder mit Außendurchmesser und Innendurchmesser z.B. als 7/4 mm. Beide Bezeichnungen beschreiben ein Mikrorohr mit 7 mm Außendurchmesser und einer Wandstärke von 1,5 mm, das einen Innendurchmesser von 4 mm aufweist.

Mikroröhrchen ab ∅ 7 mm sind mit einer Innenriefung (Bild 4) versehen, die dafür sorgt, dass beim Einblasvorgang große Einblaslängen erzielt werden. Die Riefentiefe beträgt ca. 0,1 mm. Neben den Angaben zu den Durchmessern werden von den Herstellern die Zugfestigkeit und die Druckfestigkeit angegeben. Die Druckfestigkeit ist ein wichtiger Parameter für das Einblasen. Üblich sind Angaben für die Druckfestigkeit in Pascal (Pa) oder bar. Die Umrechnung dazu lautet: 1 Pa = 100 kPa (Kilopascal). Hier zwei Beispielangaben zu Mikrorohren aus dem Datenblatt eines Herstellers für den max. Einblasdruck:

  • direkt erdverlegbares MR – 16 Pa = 1,6 MPa
  • nicht direkt erdverlegbares MR – 10 Pa = 1 MPa

Weitere Angaben von den Herstellern sind Biegeradien und Verlegetemperaturen.

Mehrere Röhrchen im Mikrorohrverband

Bild 5: Ein Mikrorohrverband – hier die runde Ausführung, die flache Version wird als »Flatliner« bezeichnet
Bild 5: Ein Mikrorohrverband – hier die runde Ausführung, die flache Version wird als »Flatliner« bezeichnet

In einem Mikrorohrverband (MR-V) werden mehrere Einzelröhrchen durch einen zusätzlichen Rohrverbandsmantel zusammengehalten. Es wird sowohl der Begriff »Verband« als auch »Verbund« verwendet. Mikrorohrverbände sind in vielen Varianten verfügbar. Es können auch Mikroröhrchen mit verschiedenen Durchmessern in einem Verband angeordnet sein (Bild 5). Die Bündelung der Mikrorohre kann rund, flach oder flach-klappbar sein. Für die flachen Mikrorohrverbände wird auch der Begriff »Flatliner« verwendet.

Der Rohrverbandsmantel kann aus Polyethylen (PE-HD) oder Polypropylen (PP) bestehen. Die Rohrverbandsmäntel sind in verschiedenen Farben lieferbar. Zur Unterscheidung von mehreren Rohrverbänden im selben Kabelgraben kann aber auch eine zusätzliche Kennzeichnung z.B. in Form von Strichen auf dem Kabelmantel aufgetragen sein.

Bild 6: Doppelsteckmuffen – der Sicherungsring verhindert ein ungewolltes Lösen der Verbinder
Bild 6: Doppelsteckmuffen – der Sicherungsring verhindert ein ungewolltes Lösen der Verbinder

Die Einzelröhrchen in einem Mikrorohrverband werden farbig codiert. Üblich sind zwölf verschiedene Farben. Durch den geförderten Breitbandausbau wurde die Zählweise im DIN-Farbcode für Mikroröhrchen festgelegt, wie sie auch für Fasern und Adern von LWL-Kabeln verwendet wird. Es können durchgefärbte Röhrchen in bis zu zwölf verschiedenen Farben in einem Rohrverband angeordnet sein. Sind mehr als zwölf Röhrchen in einem Rohrverband, so kann eine zusätzliche Codierung mit Farbstreifen auf dem Röhrchen erfolgen.

Transparente Mikroröhrchen ermöglichen die Erkennung, dass ein Röhrchen bereits mit einem Kabel belegt ist. Für transparente Röhrchen ist die farbige Kennzeichnung mit zwei Farbstrichen für die Röhrchen 1-12 und vier Farbstrichen für die Röhrchen 13-24 festgelegt. Zusätzlich zur farblichen Kodierung wird von den Herstellern auch die im DIN-Farbcode dazugehörige Zählnummer auf das Röhrchen gedruckt, um Vertauschungen bei der Verbindung von Mikrorohren in Mikrorohrverbänden weitgehend auszuschließen zu können.

Verbindungselemente & Co.

Bild 7: Abzweig aus einem Mikrorohrverband für die Erstellung eines Glasfaser-Hausanschlusses
Bild 7: Abzweig aus einem Mikrorohrverband für die Erstellung eines Glasfaser-Hausanschlusses

Für die Abdichtung und Verbindung von Mikrorohren gibt es eine Vielzahl von Elementen:

  • Doppelsteckmuffen (DSM) dienen zur zugfesten und druckdichten Verbindung von Mikrorohren mit identischen Durchmessern. In Bild 6 ist der Einsatz von Doppelsteckmuffen zur Verbindung von zwei Mikrorohrverbänden dargestellt. Vormontierte Sicherungsclips verhindern ein ungewolltes Lösen der Verbinder. DSM sind meist für die direkte Erdverlegung geeignet und für einen Einblasdruck von 15bar (1,5MPa) spezifiziert.
    Wichtig: Doppelsteckmuffen dürfen nicht in Biegungen installiert werden, damit die Kabel beim Einblasen nicht stecken bleiben. Das Bild 7 zeigt den Abzweig aus einem Mikrorohrverband für einen Glasfaser-Hausanschluss. Die beiden Doppelsteckmuffen sind vor den Biegungen direkt am Rohrverband angeordnet. Die schwarze Abzweighilfe verhindert, dass die minimal zulässigen Biegeradien unterschritten werden. Vor der Wiederherstellung des Sandbetts müssen die Schottersteinchen aus der oberen Tragschicht des Gehweges aus der Baugrube entfernt werden.
  • Reduzier-Steckmuffen (RSM) ermöglichen die druckdichte und zugfeste Verbindung von Mikro­rohren mit unterschiedlichen Durchmessern.
  • Endkappen (EK) werden auch als Endstopfen bezeichnet und ermöglichen das gas- und wasserdichte Verschließen von nicht belegten Mikrorohren (Bild 8).
    Wichtig: Sobald Mikrorohre in der Erde oder auf dem Boden abgelegt werden, sollte ein gas- und wasserdichter Verschluss der Mikroröhrchen z. B. durch Endkappen erfolgen.
  • Transportkappen dienen nur zum kurzzeitigen Verschließen von Mikrorohren als Schutz vor Verunreinigung während dem Transport und bei Handhabung auf der Baustelle. Sie realisieren keinen gas- und wasserdichten Verschluss der Mikrorohre.
  • Einzelzugabdichtungen (EZA), die auch als Gas- und Wasserstopp bezeichnet werden, verhindern das Eindringen von Gas und Wasser in Gebäude oder Systemkomponenten wie Netzverteiler und Technik-Stand­orte, z. B. PoP, im Fall der Beschädigung von Mikroröhrchen. Sie sind in unterschiedlichen Ausführungen von verschiedenen Herstellern verfügbar (Bild 9). EZA sind typischerweise gas- und wasserdicht bis zu einem Druck von 0,5 bar (50 kPa), das entspricht 5 m Wassersäule. Es sind auch teilbare Versionen verfügbar, bei denen die Dichtungen nicht über die oft mehrere Meter langen Kabelenden geschoben werden müssen.
    Wichtig: Mit Kabeln belegte Mikrorohre sind grundsätzlich mit Einzelzugabdichtungen gas- und wasserdicht zu verschließen. Bild 10 zeigt die Anwendung in einem Glasfaser-Abschlusspunkt (Gf-AP), der im Hausanschlussraum des Teilnehmers installiert wird
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Über den Autor
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Werner Stelter

Dozent am BFE-Oldenburg. Er leitet dort die Seminare in der Produktgruppe »Lichtwellenleitertechnik«

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