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Nur maßgeschneiderte Lösungen bringen die gewünschten Effekte

Digitalisierung im Elektrohandwerk

Digitalisierung im Elektrohandwerk
(Bild: Taifun)

Welchen konkreten Herausforderungen sich das Elektrohandwerk gegenüber sieht und wie sich jedes einzelne Unternehmen diesen mit Hilfe der Digitalisierung seiner Prozesse am Besten stellt, war Gegenstand eines Gesprächs mit Holger Studtmund (Bild 1), CEO von Taifun, und Dominik Hartmann (Bild 2), CEO  von OneQrew.

»de«: Welche speziellen Herausforderungen hat das Elektrohandwerk?

Bild 1: Holger Studtmund, CEO  von Taifun
Bild 1: Holger Studtmund, CEO von Taifun

(Bild: Taifun)

H. Studtmund: Das Elektrohandwerk sieht sich im kommenden Jahr mit hohem Druck durch Fachkräftemangel und schwierigen Auftragslagen im Wohnungsbau aufgrund der hohen Kreditzinsen konfrontiert. Unternehmen müssen sich in 2024 verstärkt auf Aktivitäten im Bestand einstellen, da der Neubau merklich zurückgehen wird. Hinzu kommt, dass sich ein Rückgang der Anfragen in erneuerbare Energien bereits jetzt abzeichnet. Insgesamt reichen die Herausforderungen von der Personalrekrutierung über steigende Kosten bis hin zur digitalen Transformation, die viele Betriebe auch in 2023 nur sehr zögerlich angegangen sind, da die Fördertöpfe leer sind. Aber: wer hier auch ohne Förderung investiert, wird gegenüber seinem Mitbewerber im Vorteil sein.

»de«: Wie können innovative Digital-Tools helfen?

Dominik Hartmann: Digitale Werkzeuge und Softwarelösungen helfen durch Automatisierung von Prozessen besonders in der zeitintensiven und fehleranfälligen Dokumentation und Kommunikation. Die Nutzung digitaler Tools auf der Baustelle und der Einsatz von Planungssoftware im Büro mit Schnittstellen zur Handwerkersoftware ermöglicht eine effizientere Arbeitsweise für die Kollegen vor Ort. Das ist auch unser Anspruch: Wir müssen es schaffen, dass Fachkräfte möglichst viel Zeit in ihre Kerntätigkeit »Handwerk« fließen lassen können und da spielen besonders mobile Apps eine entscheidende Rolle.

»de«: Was fordert die Branche?

H. Studtmund: Unternehmen suchen nach Lösungen, die ihre Handwerker vor Ort, sprich auf der Baustelle selbst, unterstützen. Das Ausstatten der Fachkräfte mit mobilen Digital-Tools, um selbstständig und autark arbeiten zu können, ist daher essenziell. Denn dies bedeutet für den Handwerker eine Verringerung der lästigen Büroarbeit mit Zettelwirtschaft und unnötigen Fahrten von der Baustelle ins Büro. Um die Digitalisierung dementsprechend der Kundenwünsche voranzutreiben, bedarf es aber auch einer stärkeren Vernetzung mit Handwerkssoftware und mehr politischer Unterstützung, z.B. durch vereinfachte Fördermöglichkeiten.

»de«: Wo liegen die Schwachstellen?

Bild 2: Dominik Hartmann, CEO von OneQrew
Bild 2: Dominik Hartmann, CEO von OneQrew

(Bild: OneQrew)

Dominik Hartmann: Neue, digitale Prozesse zu implementieren, birgt immer Herausforderungen. Deswegen ist es entscheidend, Handwerker für Innovationen zu gewinnen und den konkreten Mehrwert für ihren Arbeitsalltag aufzuzeigen. Durch gezielte Personalentwicklung und Schulungen kann der digitale Wandel effizient und erfolgreich gestaltet werden. Auf uns als Unternehmen kommt hier eine wichtige Aufgabe als Berater und Trainer zu. Wir sind in der Pflicht, den langfristig gewinnbringenden Umgang mit den Tools zu sichern, neue Mitarbeiter anzulernen und die Teams auch in Bezug auf neue Software-Features oder auch gesetzliche Änderungen auf dem Laufenden zu halten. Diese Herausforderung nehmen wir gerne an.

»de«: Wie wirkt sich der Fachkräftemangel auf das Elektrohandwerk aus?

H. Studtmund: Der aktuelle Fachkräftemangel ist katastrophal. Leider wird sich auch im nächsten Jahr die Lage nicht entspannen. Elektriker sind oftmals allein unterwegs, da kommen zum eigentlichen Handwerk noch viele weitere Tätigkeiten wie Dokumentation, Abnahme und Leistungsnachweis hinzu. Dies sind Aufgaben, die Zeit kosten und eine Elektrikerfachkraft beim Ausführen des Handwerks bremsen. Wir sehen jetzt schon überlastete Handwerker, abgesagte Projekte und Betriebe, die sich mit Leiharbeitern über Wasser halten. Dies wird zwangsläufig zu Qualitätseinbußen und Kundenunzufriedenheit führen. Aufgrund des Zeitmangels sehen wir auch verstärkt, dass die Lehrlingsausbildung als zusätzliche Belastung angesehen wird. Man muss es so deutlich sagen: Ein Teufelskreis zeichnet sich hier ab, da viele ältere Mitarbeiter in den Ruhestand gehen werden.

»de«: Was kommt Ihrer Meinung nach 2024 auf die Elektrobranche zu?

H. Studtmund: Das Jahr 2024 wird für das Elektrogewerbe entscheidend sein. Es wird sich zeigen, wer gut aufgestellt ist und welche Betriebe größere Anstrengungen unternehmen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Hohe Inflation, zurückgestellte öffentliche und private Bauvorhaben und keine Entspannung der Zinslage sind die herausfordernden Parameter in 2024. Hier wird sich zeigen, wer nicht nur guter Handwerker ist, sondern auch Kaufmann und Vertriebler.  

»de«: Wie sind Digital-Tools bereits durchgedrungen?

Dominik Hartmann: Unsere Kunden geben uns Rückmeldung, dass Mitarbeiter verstärkt den Einsatz von digitalen Helferlein im Arbeitsalltag anfordern – dennoch gibt es vereinzelt genauso auch Zurückhaltung bzw. sogar Ablehnung in Bezug auf digitale Unterstützung.  Hier ist es unsere Aufgabe als Partner und Berater: Eine möglichst einfache Implementierung der Tools beim Kunden zu ermöglichen und so etwaige Berührungsängste abbauen. Was erstaunlich ist: Die Akzeptanz variiert je nach Unternehmensgröße – größere Unternehmen tendieren stärker zum Einsatz von Softwarelösungen und sind auch bereit, Geld dafür zu investieren – das zahlt sich aus.

»de«: Welche Schnittstellen werden im Elektrohandwerk benötigt?

H. Studtmund: Gerade Elektrohandwerker brauchen digitale Tools diverse Schnittstellen, um den Zugang zu sämtlichen Großhändlern gewährleisten zu können, damit Artikel, Preise, Dokumente und Bilder schnell und einfach importiert werden können. Der Einsatz von Schnittstellen kann auch dazu beitragen, dass öffentliche Ausschreibungen schneller und somit effizienter bearbeitet werden können – ein wichtiges Asset im hartumkämpften Markt. Konkret sehen wir eine Vielzahl von Standards und Schnittstellen wie Open Masterdata, IDS, DNO, ZUGFeRD, UGL, GAEB sowie spezifische CAD-Schnittstellen, Datev, Oxomi als entscheidend an. Einige spezifische Anwendungen wie Open Masterdata, UGL-Online bieten ergänzend dazu flexible Lösungen für mobile Anwendungen.

»de«: Wie wichtig ist die individuelle Beratung, wenn Digitalisierung vorangetrieben werden soll?

Dominik Hartmann: In der Beratung muss nah am Kunden und somit unmittelbar mit den Anwendern der digitalen Tools deren Funktionsweisen erklärt werden – und dies geht über die reine Vorstellung von Software hinaus. Vielmehr sind wir hier als Sparringspartner gefordert – von der Praxisanwendung bis hin zu Erläuterungen über gesetzliche Vorgaben wie GoBD und DSGVO. Eine vorgelagerte, individuelle Bedarfsermittlung ist elementar, um maßgeschneiderte Lösungskonzepte für Handwerksbetriebe anbieten zu können. Hier können wir mit unseren geschulten Teams das Elektrohandwerk gezielt unterstützen und Digitalisierung gemeinsam mit den Kunden als Erfolgshebel nutzen.

Über den Autor
Autorenbild
Dipl.-Kommunikationswirt Roland Lüders

Redaktion »de«

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