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Auswahl und Errichtung

Kabel- und Leitungsanlagen

Auf einen Blick Was gehört dazu? Der Umfang dessen, was zu einer Kabel- und Leitungsanlage zählt, ist größer als oft vermutet

Norm im Wandel Einige wesentlichen Veränderungen zur Ausgabe aus dem Jahr 2003 werden in diesem Beitrag erläutert
Die vollständige Bezeichnung der neuen Norm lautet: DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520):2013-06, Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-52: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Kabel- und Leitungsanlagen. Beschrieben ist hier die Auswahl und Errichtung von Leitungsanlagen. Unterschiedliche Verlegemöglichkeiten und die Verwendung verschiedener elektrischer Kabel und Leitungen für unterschiedliche Anforderungen sind in dieser Norm aufgeführt.

Allgemeine Bemerkungen

Unter einer Kabel- und Leitungsanlage versteht man die Gesamtheit aller blanken oder isolierten Leiter in einer elektrischen Anlage. Dazu zählen somit Kabel oder Leitungen und deren Befestigungsmittel mit ihrem mechanischen Schutz. Auch Stromschienen, die als Leiter mit geringer Impedanz definiert sind, zählen zu einer Kabel- und Leitungsanlage im Sinne dieser Norm.

Es sind grundsätzlich die Forderungen der DIN VDE 0100-100 (VDE 0100-100) bei der Auswahl und Errichtung von Kabel- und Leitungsanlagen zu beachten. Zu den wichtigen Bestandteilen dieser Grundsätze zählen:
  • Kabel, Leitungen und Leiter,
  • ihre Anschlüsse und Verbindungen,
  • die zugehörigen Befestigungs- oder Abhängemittel und
  • ihre Umhüllungen oder Maßnahmen zum Schutz gegen Umgebungseinflüsse.

Anforderungen an Kabel- und Leitungsanlagen

Zu den vielen Merkmalen einer Kabel- und Leitungsanlage zählen z. B. die verschiedenen Ver­legearten. So können Kabel und Leitungen in Installationsrohren, auf Kabelpritschen, Unterputz in einem Mauerwerk oder in geschlossenen Kanalsystemen verlegt werden. Wo welches Kabel eingesetzt wird, richtet sich nach der Bauart des Kabels oder der Leitung. Der Einsatz einer Leitung in der richtigen Umgebung hängt von den äußeren Einflüssen ab. DIN VDE 0298-4 (VDE 0298-4) beschreibt hierzu viele Referenzverlege­arten. Diese spielen eine wichtige Rolle bei der Ermittlung der Strombelastbarkeit.

Schienenverteiler und Stromschienensysteme gelten ebenfalls als Bestandteil einer Kabel- und Leitungsanlage. Diese sind grundsätzlich nach den Herstellerangaben sowie unter Berücksichtigung der äußeren Einflüsse zu errichten.

Für die Installation in Hohlwänden sind die Anforderungen der DIN VDE 0100-482 (VDE 0100-482): 2003-06 in diese Normenausgabe übernommen worden. Hohlwände bestehen aus Ständerwerk, an denen Platten aus Holz, Gips oder Metall montiert sind. Auch eine fabrikfertige Herstellung von Hohlwänden ist möglich. Elektrische Betriebsmittel dürfen in diese Wandkonstruktionen eingebaut werden und entsprechen hierbei dem Schutzgrad IP 30. Kabel und Leitungen können fest oder beweglich eingebracht werden.

Zur Montage in brennbaren Hohlwänden müssen elektrische Betriebsmittel der DIN VDE 0606-1 »Verbindungsmaterial bis 690 V – Teil 1: Installationsdosen zur Aufnahme von Geräten und / oder Verbindungsklemmen« entsprechen. Ist dies nicht der Fall, sind die Betriebsmittel mit Silikatfasern oder nicht entflammbaren Material zu umschließen. Eine 100-mm-Umhüllung mit Glas- oder Steinwolle ist ebenfalls möglich. Die Ableitung der Wärme, die durch das Betriebsmittel entstehen kann, ist dabei zu gewährleisten.

Als Träger der Betriebsmittel dienen in Hohlwänden häufig Hohlwanddosen. Schalter und Steckdosen dürfen in Hohlwanddosen nicht mit Krallen befestigt werden. Sie sind mit den entsprechenden Geräteschrauben zu fixieren. Die in Hohlwanddosen eingeführten Kabel und Leitungen müssen zugentlastet sein.

Spannungsfall und elektrische Verbindungen

Der Spannungsfall zwischen der Hauseinführung und dem Verbrauchsmittel ist in der Tabelle erläutert. Abweichungen sind für Motoren und Verbrauchsmitteln mit hohen Einschaltströmen zulässig.
028_DE_2013_22_EI41-Tabelle

Verbindungen zwischen Leitern sowie die Anschlussstellen an Betriebsmitteln gewährleisten eine dauerhafte Stromübertragung und mechanische Festigkeit. Bei der Auswahl der Verbindungsmittel sind Eigenschaften wie der Werkstoff des Leiters, die Anzahl und die Form der Drähte, deren Leitungsquerschnitt und die Anzahl der zu verbindenden Leiter zu beachten.

Alle Verbindungen müssen zur Besichtigung, Prüfung und Wartung zugänglich sein. Ausnahmen bilden dabei z. B. Muffen im Erdreich, mit Isoliermasse gefüllte Muffen oder Verbindungen, die fester Bestandteil eines Betriebsmittels sind.

Es sind Vorkehrungen zu treffen, die erforderlichenfalls hohe Temperaturen im Betrieb verhindern. Dadurch wird die am Leiter befindliche Isolierung und die Klemmverbindung geschützt.

Elektrische Verbindungen findet man z. B. in Anschlussdosen von Betriebsmitteln, in Abzweigdosen zur Leitungsverbindung oder in Schaltschränken zur Energieverteilung. Damit weisen die Verbindungsstellen geeignete Umhüllungen auf. Verbindungsdosen zur Unterbringung von Klemmen, Steckdosen oder Schaltern müssen den Anforderungen der Normenreihe DIN EN 60670 (VDE 0606) entsprechen. Kabel und Leitungen an Anschluss- oder Verbindungsstellen müssen zugentlastet sein und sind vor mechanischer Beanspruchung zu schützen.

Wird eine Verbindung in einer Umhüllung hergestellt – z. B. eine Quetschverbindung mit Schrumpfschlauch – hat die Umhüllung einen ausreichenden mechanischen und einen geeigneten Schutz gegen Umwelteinflüsse sicherzustellen.

Das Stecken von mehr als einem Stecker in eine Steckdose ist nicht erlaubt. Auch nicht bei der Verwendung von Eurosteckern.

Nähe zu elektrischen Anlagen und TK-Systemen beachten

Stromkreise mit Spannungen aus den Spannungsbereichen I und II dürfen nicht in der gleichen Kabel- und Leitungsanlage verlegt werden. Sie dürfen nur dann gemeinsam geführt werden, wenn
  • jedes Kabel / jede Leitung, welches Verwendung findet, entsprechend der höchsten vorkommenden Spannung isoliert ist,
  • bei jedem Leiter eines mehradrigen Kabels die Isolierung ebenfalls für die in der Leitung höchste vorkommende Spannung bemessen ist,
  • Leitungen in einem Installationskanal entsprechend ihrer Bemessungsspannung durch eine Trennwand im Kanal getrennt verlegt sind,
  • in einer Kabelbrinne zwischen den Leitungen eine Trennung mittels eines Trennsteges vorgesehen ist.
Besondere Maßnahmen bezüglich elektrischer Beeinflussung – d. h. sowohl elektromagnetische als auch elektrostatische – können für Fernmeldestromkreise und Datenübertragungsstromkreise erforderlich sein.

Bei Kreuzungen oder Näherungen von in Erde verlegten Telekommunikationskabeln und Starkstromleitungen ist ein Mindestabstand von 100 mm einzuhalten. Ausnahmen können z. B. durch das Einbringen von feuerhemmenden Zwischenlagen erzielt werden. Diese Zwischenlagen können z. B. aus Mauerziegeln oder Kabelschutzhauben hergestellt sein.

Die Abstände von Kabelverteilsystemen für Fernseh- und Tonsignale zu Starkstromanlagen sind in der DIN EN 60728-11 (VDE 0855-1) »Kabelnetze für Fernsehsignale, Tonsignale und interaktive Dienste – Teil 11: Sicherheitsanforderungen« geregelt. Für den Anschluss gemeinsamer Steckdosen für Telekommunikation und Energieverteilungsanlagen gilt die DIN EN 41003 (VDE 0804-100) »Besondere Sicherheitsanforderungen an Geräte zum Anschluss an Telekommunikationsnetze und / oder Kabelverteilsysteme«.

Liegen Starkstromkabel im Erdreich neben Rohre für Telekommunikationskabel, ist ein Mindestabstand von 300 mm einzuhalten. Dadurch soll ein Ausrieseln von Sand aus dem Rohrverbund verhindert werden.

Nicht elektrische Anlagen

Eine Errichtung von Kabel und Leitungsanlagen soll nicht in der Nähe von technischen Anlagen erfolgen, die durch Wärme, Kondensation, Rauch oder Dämpfe auf die Leitungen schädigend einwirken können. Ist eine entsprechende Schirmung der Kabel und Leitungsanlagen vorgesehen, die vor Beschädigungen schützen, darf eine Errichtung in der Nähe solcher Anlagen durchgeführt werden. Diese Schirmung darf die Wärmeableitung am Kabel oder an der Leitung nicht beeinflussen.

In gemeinsamen Versorgungsschächten, in denen Gas-, Wasser- oder Dampfleitungen verlegt sind, ist ein ausreichender Abstand einzuhalten. Ein schädigender Einfluss durch die benachbarten Anlagenteile darf im ungestörten Betrieb nicht hervorgerufen werden.

Ein entsprechender Schutz von Kabel- und Leitungsanlagen ist in der Nähe von nicht elektrischen Anlagen aufzubauen. Der Fehlerschutz ist nach den Anforderungen der DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410: 2007-06) auszuführen. Besteht die nichtelektrische Anlage aus Metall, so ist diese als fremdes leitfähiges Teil zu betrachten.

Instandhaltung und Reinigung von Kabel- und Leitungsanlagen

Auf einen Blick www.vde-verlag.de

www.bfe.de
Hinsichtlich der Instandhaltung einer Kabel- und Leitungsanlage sind die Anforderungen der DIN VDE 0100-100:2009-06 zu beachten. Wird im Zuge von Instandhaltungsarbeiten eine Schutzmaßnahme aufgehoben, ist Vorsorge zu treffen, diese unbedingt nach Fertigstellung wiederherzustellen. Dies muss ohne eine Verringerung des ursprünglichen vorgesehenen Schutzgrades erfolgen.

Für Instandhaltungsarbeiten ist während deren gesamter Dauer ein entsprechender Zugang zu allen Teilen der Kabel- und Leitungsanlage zu gewährleisten. Es kann notwendig werden, einen dauerhaften Zugang durch Leitern, Gerüste oder Gehwege herzustellen.
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Über den Autor
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Dirk Maske

BFE Oldenburg

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