Home Elektroinstallation Blitz- und Überspannungsschutz Potentialausgleich im Ex-Bereich

Potenzielle Zündquellen vermeiden

Potentialausgleich im Ex-Bereich

Der »de«-Leser M. K. aus Bayern wandte sich mit folgender interessanten Fragestellung an die Redaktion: »Ich habe die Aufgabenstellung, einen Potentialausgleich zu realisieren an einer Maschine im Ex-Bereich – aufgestellt in Zone 2.
  1.  Ist ein Potentialausgleich innerhalb der Zonen einer explosionsgefährdeten technischen Anlage immer notwendig – sozusagen als zusätzlicher örtlicher Potentialausgleich –, auch wenn der außerhalb der Zoneneinteilung im sicheren Bereich liegende Anlagenteil bereits über einen Potentialausgleich verfügt?
  2. VDE 0165-1 (Mai 2009) schreibt in Abschnitt 6.3.1 in Verbindung mit dem Poten­tialausgleich: »Die Verbindungen müssen gegen Selbstlockern gesichert sein.« Was ist damit gemeint? Sind nur spezielle Klemmen, Schienen erlaubt? Was gilt als »gegen Selbstlockern gesichert«? Leider findet man keinerlei Hinweis im Vorschriftenwerk zum Begriff »Selbstlockern«. Auch im VDE Buch Nr. 65 von Klaus Wettingfeld steht lediglich der Satz aus der Norm zitiert, ohne weitere Hinweise.
  3. Leider findet man am Markt keine Hilfsmittel (z. B. Rohrklemme, Banderdungschellen ...), die als solches ausgewiesen wären, nicht einmal von Marktführern. Lediglich ­Potentialausgleichsschienen, die als solches ausgewiesen sind, finden sich – ganz zu schweigen aber von Ausführungen in VA, die für den Außenbereich geeignet wären. Wie soll man insbesondere Rohrleitungen, Kabelrinnen etc. gegen Selbstlockern gesichert mit dem Potentialausgleich verbinden? Wären gewöhnlich erhältliche Hilfsmittel (z. B. Band­­erdungsschellen) denkbar, deren Schrauben mit Schraubensicherungslack gesichert werden? Eine meiner Ansicht nach zwar mögliche, aber wohl eher ungewöhnliche Lösung.Von der Fa. Dehn gibt es spezielle Ex-zertifizierte Banderdungsschellen, die aber deshalb besonders geprüft sind, weil sie blitzstromtragfähig sind. Blitzstromtragfähigkeit spielt aber in meinem Falle keine Rolle, da sich die Anlage im geschützten Bereich befindet.
  4. Welcher Querschnitt ist für den Poten­tialausgleich zu verwenden? Meiner Ansicht nach mindestens 6 mm2 Kupfer entsprechend VDE 0100-540, Abschnitt 544.1, so wie in anderen elektrischen Anlagen auch. Abschnitt 6.3.1 in VDE 0165-1 gibt an, dass alle Körper elektrischer Betriebsmittel an das Poten­tialausgleichsystem angeschlossen werden müssen. Viele Betriebsmittel – in meinem Falle hauptsächlich Sensoren an Maschinen – haben auch tatsächlich eine externe Anschlussklemme für den Potentialausgleich. Jedoch ist dieser meist für einen Querschnitt von maximal 2,5 mm2 oder 4 mm2 ausgelegt. Ein normgerechter Potentialausgleich mit 6 mm2 ist hier bauartbedingt gar nicht durchführbar. Gestattet die Bauvorschrift für Ex-Betriebsmittel (z. B. Sensoren an Maschinen) externe Klemmen für einem Querschnitt < 6 mm2 an den Geräten?«

Notwendigkeit eines Potentialausgleichs in Ex-Zonen

Auf einen Blick Potentialausgleich ist notwendig Wenn Ausgleichströme fließen können, kommt die Forderung nach einem Potentialausgleich

Schutz gegen Selbstlockern Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, mit denen man Schrauben arretieren kann

Geeignete Querschnitte Auch beim Ex-Schutz gibt es untere Grenzen für den Leiterquerschnitt
Ein Potentialausgleich ist nach der Norm DIN EN 60079-14 (VDE 0165-1) in allen Zonen erforderlich. Abweichend davon erlaubt die TRBS 2152-3 eine Erleichterung. Die Technischen Regeln (TRBS) entfalten in Deutschland bei ihrer Anwendung die Vermutungswirkung bezüglich der Einhaltung der Anforderungen der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Ein Verzicht auf den »zusätz­lichen« Potentialausgleich in den Zonen 2 und 22 ist danach möglich, wenn nicht schon im Normalbetrieb Ausgleichsströme fließen, die zu zündfähigen Funken führen können.

Ein außerhalb der Zoneneinteilung im sicheren Bereich liegender Anlagenteil mit Auswirkungen auf den explosionsgeschützten Bereich, der bereits über einen Potentialausgleich verfügt, muss mit dem Potentialausgleich im Ex-Bereich verbunden werden. So ist z. B. der Schutzleiter an der Übergangsstelle der Aufteilung vom TN-C- zum TN-S-System im nicht explosionsgefährdeten Bereich an das Potentialausgleichssystem des explosionsgefährdeten Bereichs anzuschließen. Um die Anforderung nach nur geringen Spannungsdifferenzen zwischen Körpern und fremden leitfähigen Teilen in explosionsgefährdeten Bereichen einzuhalten, muss der Erdungspunkt von Kabelschirmen und Kabelbewehrungen – wenn man diese nur außerhalb des explosionsgefährdeten Bereiches z. B. in der Warte erdet – ebenfalls mit dem Potentialausgleichssystem des explosionsgefährdeten Bereiches verbunden werden.

Forderung zum Schutz ­gegen Selbstlockern

In explosionsgefährdeten Bereichen muss für den Potentialausgleich zusätzlich gewährleistet sein, dass beim Stromübergang über die Potentialausgleichsverbindung kein Funken oder eine unzulässige Erwärmung entstehen kann. Funken und unzulässige Erwärmung beim Stromübergang sind dann wirksam verhindert, wenn die Verbindung stromtragfähig für den zu erwartenden Strom und ein zuverlässiger metallischer Kontakt gegeben ist. Letzteres ist erfüllt, wenn die Verbindungen von Potentialausgleichsleitern gegen Selbstlockern gesichert sind und sichergestellt wird, dass Korrosionen die Wirksamkeit der Verbindung nicht verringern.

Auswahl der Sicherungsmethoden

Im Grundsatz sollte der Anwender nur Verbindungen einsetzen, für die der Hersteller schon bescheinigt, dass ein Schutz gegen Selbstlockern gegeben ist. Dies ist bei bestimmten Potentialausgleichsschienen und den Anschlussstellen für den Potentialausgleich an elektrischen explosionsgeschützten Geräten nach der Richtlinie 94/9/EG (ATEX) der Fall. Lediglich bei Rohrleitungen und sonstigen Anschlüssen an fremde leitfähige Teile muss der Anwender sich auf seine eigene Beurteilung abstützen. Er benötigt dabei fundierte Kenntnisse der Ursachen des Selbstlockerns und der infrage kommenden Verbindungsmethoden. Die Beantwortung der Fragestellung vom M. K. benötigt deshalb einen tieferen Einstieg in den Bereich der Befestigungstechnik. So ist insbesondere auch zu berücksichtigen, dass es genormte und nicht genormte Sicherungselemente gibt. Nicht alle in der ­Mechanik geeigneten Sicherungsmethoden eignen sich auch für Anwendungen in der Elektrotechnik. Wichtig ist dabei zu verstehen, welche Wirkprinzipien beim Lockern der Schraube wirksam sind. Man muss unterscheiden zwischen dem Verlust der Vorspannung und selbstständigem Losdrehen. Der Verlust der Vorspannung lässt sich nur durch konstruktive Maßnahmen beherrschen, z. B. durch Veränderung des Klemmlängenverhältnisses oder mittels Verwendung elastischer Elemente. Gegen selbstständiges Losdrehen wirken besondere Sicherungselemente, die Vibrationen auffangen, indem die Gewinde verklebt werden oder man der Drehbewegung eine Sperre entgegensetzt (Losdrehsicherungen).

Mitverspannende, federnde Elemente

Wenn keine hohen Vibrationskräfte auftreten und auch keine hohen Festigkeitsklassen gefordert sind – was bei Potentialausgleichsverbindungen in der Regel gegeben ist – sind die mitverspannenden, federnden Elemente mit Ausnahme von Zahn- und Fächerscheiben i. d. R. einsetzbar. Bei Letzteren wurde festgestellt, dass ein ausreichender elektrischer Kontakt nicht sichergestellt werden kann. Bei den meisten mitverspannenden, federnden Elementen sind die Normen wegen Nichtwirksamkeit gegen Losbrechen zurückgezogen worden. Für höhere Anfor­derungen kann man als Losbrechsicherungen sperrende Elemente einsetzen.

Wie bei allen nicht genormten Sicherungselementen liegt es in der Verantwortung des Anwenders, die Verwendbarkeit im Einzelfall nachzuweisen. Wer sicher gehen will – ins­besondere wenn Vibrationen zu erwarten sind –, sollte Schrauben mit Sägezahnflansch, Rippzahnschrauben und Keilsicherungsscheiben nach DIN 25201 oder Schorrscheiben einsetzen. Dies schließt nicht aus, dass für die Verbindungen von Schutz- und Potentialausgleichsleitern die nicht mehr genormten Sicherungselemente Federringe, Sprengringe und Federscheiben bei lediglich geringen mechanischen Anforderungen – hinsichtlich notwendiger Vorspannung, Vibrationen und Erwärmung – weiterhin einsetzbar sind. Entscheidend hierfür ist dann die Erfahrung der Hersteller und Anwendung für ihre Produkte.

Sicherungsmethoden gegen Selbstlockern

Der folgende Absatz ist besonders für diejenigen Fachleute von Interesse, welche tiefer in die Problematik der Sicherung gegen Selbstlockern eindringen wollen.

Grundsätzlich gibt es verschiedene Sicherungsmethoden, die entsprechend den auftretenden Belastungen und der benötigten Festigkeitsklasse unterschiedlich geeignet sind. Dazu gehören prinzipiell die folgenden Methoden:
  • Formschlüssige Elemente
  • Mitverspannende, federnde Elemente
  • Kraftschlüssige Elemente
  • Sperrende Elemente
  • Chemische Elemente.
Unter bestimmten Bedingungen sind viele dieser Elemente nur als Verliersicherungen und nicht als Losbrechsicherungen als Schutz gegen Selbstlockern einsetzbar oder sogar vollständig unwirksam.

Mechanische formschlüssige Sicherungselemente wie Splinte bei Kronenmuttern oder Sicherungsbleche wirken mehr als Verlierschutz, denn als ein Schutz gegen Selbst­lockern. Nur geeignet für niedrige Festigkeitsklassen (< 5,6) sind selbstsichernde Schraubverbindungen durch mitverspannende, federnde Elemente, wie Sprengringe, Fe­derringe nach DIN 127 und DIN 128, Federscheiben nach DIN 137, Belleville-Teller­federn, Fächerscheiben nach DIN 6798, Zahnscheiben nach DIN 6797 (alle Normen zurückgezogen) wenn nur geringe Lastwechsel durch Vibrationen und Axialkräfte zu erwarten sind. Eine fachgerecht ausgeführte Schraubverbindung hat z. B. bei der Festigkeitsklasse 8,8 zur Folge, dass schon bei lediglich 5 % der Nennvorspannkraft ein Federring nach DIN 127 so platt gedrückt ist, dass sie nur noch wie eine Unterlegscheibe wirkt. Sie geben der Verbindung nur dann Elastizität, wenn sie noch einen Federweg in der Verbindung haben, sie verhindern jedoch nicht zuverlässig eine Losdrehen unter starken dynamischen Belastungen senkrecht zur Schraubenachse und sind nicht wiederverwertbar. Sie können nur einen geringen Vorspannverlust durch Setzung ausgleichen, weshalb sie die oben genannten Normen zurückgezogen wurden und diese Verbindungen nach dem Stand der Technik als unwirksam zu betrachten sind. Bei den Fächerscheiben nach DIN 6798 und Zahnscheiben nach DIN 6797 kann außerdem ein ausreichender elektrischer Kontakt nicht sichergestellt werden, was ein weiterer Grund für das Zurückziehen der genannten Normen ist. Die wird auch im Beiblatt 2 zur DIN 62305-3 ausdrücklich für erwähnt – allerdings dort nur für Zahnscheiben.

Bei hohen dynamischen Belastungen quer zur axialen Schraubverbindung sind spezielle Losdrehsicherungen, wie Schrauben mit Sägezahnflansch oder Rippzahnschrauben (z. B. Ripp-Lock-Schraubensicherung) gut geeignet. Sie sind als sperrende Elemente einzuordnen, beschädigen aber die Oberfläche und sind teuer. Zu diesen Elementen können auch die Keilsicherungsscheiben nach DIN 25201 gezählt werden. Gut geeignet sind auch Schorrscheiben, welche eine federnde und formschlüssige Verbindung durch Zahnrippen herstellen.

Klebstoff und Lack

Gut geeignet für den Maschinenbau ist auch das Verkleben mit Flüssigklebstoff, z. B. mit Loctide, oder mikroverkapselten Klebstoff. Bei den Flüssigklebstoffverbindungen ist die erforderliche Festigkeit der Verbindung abzuwägen gegen die Erfordernis, die Verbindung auch wieder öffnen zu müssen. Dazu geben die Hersteller verschiedene Festigkeitsklassen an. Für die Elektrotechnik ist Verkleben zur Sicherung gegen Selbst­lösen wenig empfehlenswert, weil sich der Kleber in die Trennfugen ziehen und dort isolierend wirken kann.

Im Gegensatz zu Klebstoffen zur Schraubensicherung wird ein Schraubensicherungs­lack nicht auf das Gewinde aufgebracht, sondern an der fest angezogenen Schraube außen am Schraubenkopf. Er setzt am Schraubenkopf eine Markierung mit der sich bei einer Sichtprüfung feststellen lässt, ob der Lack gerissen ist, er dient im Wesentlichen zum Signieren, Plombieren, Versiegeln von Schraubverbindungen sowie zum Manipulationsnachweis.

Es gibt ihn als aushärtenden Lack, der nach Aushärtung eine hohe Festigkeit erreicht oder als nicht aushärtenden Lack, der in einen zähflüssig-klebrigen Zustand übergeht. Ferner gibt es Lacke, die nach ihrer Aushärtung einen gummiartig-flexiblen Zustand annehmen. Ihre Eignung als Sicherungsmittel kann nach Auffassung des Autors nur der Hersteller eines Gerätes beurteilen.

Es sind aber für die Selbstsicherung auch andere Möglichkeiten denkbar, wie z. B. die nicht auf den ersten Blick erkennbaren integrierten Schraubensicherungen. Bei diesen entsteht mit steigendem Anzugsmoment zwischen Klemmhülse und Schraube eine wachsende Gewindereibung, die das Selbstlockern der Klemmschraube verhindert (Progressiv-Sicherung). Sie gehören zu den kraftschlüssigen Elementen. Zu dieser Klasse gehören auch die Muttern mit Polyamidstopfen, deren Wirksamkeit gegen Selbstlösen jedoch von Fachleuten als gering angesehen wird. Sie dienen eher dem Verlierschutz. Nicht geeignet für höhere Anforderungen sind auch Kontermuttern als zusätzliche kraftschlüssige Verbindung.

Anwender muss im Einzelfall prüfen

Wie bei allen nicht genormten Sicherungselementen liegt es in der Verantwortung des Anwenders die Verwendbarkeit im Einzelfall nachzuweisen. Es ist in jedem Einsatzfall zu prüfen, welche Beanspruchungswerte auftreten (Vibra­tionen, Rütteln, Wärmeausdehnung), um entscheiden zu können, welche Maßnahme am geeignetsten ist, diesen Zweck zu erfüllen. Die Normen haben dies nicht abschließend festgelegt. Entscheidend ist immer auch, dass das richtige Drehmoment unter Berücksichtigung der Anschlussdrehmomente – die entweder empfohlen, z. B. nach DIN 43673 Teil 1 oder vom Hersteller vorgegeben sind – eingehalten werden.

Bei elektrischen Verbindungen ist zu prüfen, dass die primäre Aufgabe erfüllt werden kann, der Verbindung eine elektrisch sichere Kontaktstelle zu schaffen. Erst danach ist die Eigenschaft »Schutz gegen Selbst­lockern« zu bewerten. Dazu sind insbesondere die Kontaktstellen zu betrachten. Es stehen damit primär die Fragen des Kontaktwiderstandes und seiner Langzeitstabilität im Vordergrund. Sind die Kontaktstellen lackiert? Können sich elektrisch nichtleitende Oxidschichten bilden (z. B. bei Aluminium)? Wie ist es mit der Korrosion (Kontaktkorro­sion?) bestellt, welche eine Stabilität des Kontaktes über längere Zeit beeinträchtigen könnte? Damit entfallen alle Sicherungsmethoden, welche den elektrischen Kontakt negativ beeinflussen können, wie z. B. Klebeverfahren. Wenn keine hohen Vibrationskräfte auftreten und auch keine hohen Festigkeitsklassen gefordert sind – wie bei Potentialausgleichsverbindungen i. d. R. nicht üblich –, sind sicher die mitverspannenden federnden Elemente mit Ausnahme von Zahn- und Fächerscheiben einsetzbar. Hierbei ist natürlich das Anschlussdrehmoment und der Federweg zu beachten. Für hö­here Anforderungen können als Losbrech­sicherungen sperrende Elemente eingesetzt werden.

Buch zum Thema

DE_2014_5_explosionsgefBereiche
DE_2014_5_explosionsgefBereiche
H. Greiner (Hrsg.), T. Arnold, D. Beermannn, K.de Haas, K. Kienzle, A. Schimmele, P. Völker: Elektroinstallation und Betriebsmittel in explosionsgefährdeten Bereichen, 384 S., 2006, 2. Auflage, ISBN 978-3-8101-0235-5 http://shop.elektro.net
 

Gegen Selbstlockern ­ geeignete Betriebsmittel

Oft bestehen Zweifel, ob Potentialausgleichsschienen und Schellen für den Potentialausgleich an Rohrleitungen in explosionsgefährdeten Bereichen zulässig sind. DIN EN 60079-14 (VDE 0165-1) liefert dazu nämlich keine expliziten Aussagen.

Für explosionsgefährdete Bereiche eignen sich nach Auffassung des Autors alle Potentialausgleichschienen, die DIN VDE 0618 Teil 1 entsprechen. DIN VDE 0618 Teil 1 fordert für Potentialausgleichsschienen, dass die Kontakte widerstandsfähig gegen Korrosion und die für eine sichere Klemmung erforderliche Kontaktkraft dauerhaft aufrechterhalten wird, ab Querschnitten von 10 mm2 müssen die Kontakte auch blitzstromfest sein und Blitzströme bis 20 kA führen können. Die in DIN VDE 0618 in Bezug genommene DIN VDE 0609 Teil 1 fordert für Schutzleiterklemmen zusätzlich, dass ein zufälliges Lösen der Leiter wirksam verhindert sein muss. Im Zweifelsfall sollte man sich die Eigenschaft der Verhinderung des Selbst­lockerns vom Hersteller bestätigen lassen. Potentialausgleichsschienen, die der Gerätenorm entsprechen, haben im Gegensatz zu spannungsführenden Klemmen bei bestimmungsgemäßer Verwendung keine eigene potenzielle Zündquelle. Sie stellen damit keine Geräte im Sinne der ATEX dar. Dies schließt nicht aus, dass es Hersteller gibt, die eine Zertifizierung nach der Richtlinie 94/9/EG durchführen lassen, weil sie sich davon einen besseren Marktzugang erhoffen.

Rohrschellen kritisch betrachten

Etwas differenzierter ist die Verwendung von Rohrschellen zu sehen, für die es derzeit keine gültige Herstellungsnorm gibt (der Entwurf E DIN VDE 0618 Teil 2 ist zurückgezogen). Hier kann man sich auf den Standpunkt stellen, das diese Betriebsmittel u. U. der ATEX unterliegen, weil erst aufgrund von speziellen Maßnahmen für den Explosionsschutz, die nicht schon in allgemeinen Normen festgelegt sind, potentielle Zündquellen vermieden werden, z. B. Selbstlockern, Verdrehschutz des Leiteranschlusses, Korrosion.

Nach Auffassung des Autors sollte auch für Schellen mindestens die Anforderung nach DIN EN 60079-0 für Geräte eingehalten werden. Diese legt im Abschnitt 15 »Anschlussteile für Erdungs- und Potentialausgleichsleiter« fest, dass Anschlussteile ausreichend gegen Korrosion geschützt sein und die Anschlüsse in solcher Weise aus­geführt sein müssen, dass die Leiter gegen Lockern und Verdrehen gesichert sind. Dabei muss der Kontaktdruck dauernd aufrechterhalten bleiben. Bei Leichtmetall als Kontaktpartner sind besondere Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Die Norm nennt als Beispiel in solchen Fällen die Verwendung eines Zwischenstücks aus Stahl.

Für den Blitzschutz-Potentialausgleich nach DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3) in Ex-Bereichen werden Anschlüsse an Rohrleitungen häufig geschweißt – mit Bolzen oder mit Gewindebuchsen ausgeführt –, da für Schellen der Nachweis der Zündsicherheit bei Blitzströmen zu führen wäre. Nach Wissen des Autors gibt es derzeit bisher nur einen Hersteller der diesen Nachweis geführt hat.

Letztlich bleibt der Betreiber in der Verantwortung, der insbesondere bei der Verwendung von Rohrschellen den Nachweis der Eignung der Verbindung im speziellen Anwendungsfall führen muss. Die recht­liche Grundlage dafür eröffnet ihm der Anhang 4 B der BetrSichV. Hier findet sich der Hinweis, dass Betriebsmittel den entsprechenden Katego­rien nach der ATEX für die Zonen entsprechen müssen – es sei denn, im Explosionsschutzdokument ist etwas anderes festgelegt. Dieser Nachweis erstreckt sich nach Auffassung des Autors auf die Stromtragfähigkeit, auf den Korrosionsschutz und die gegen Selbstlockern gesicherte Verbindung. Dies gilt insbesondere für Verbindungen, die regelmäßig Vibrationen oder wechselnden Temperaturen ausgesetzt sind. Der Korrosionsschutz kann durch leichtes Einfetten oder – je nach Einflussgrößen – durch eine Korrosionschutzbinde erfolgen. Hier entsteht der Nachteil, dass die Prüffähigkeit durch Sichtprüfung eingeschränkt ist. Isolierbänder werden für diese Zwecke nicht bestimmungsgemäß verwendet. Auf ihren Einsatz sollte daher verzichtet werden.

Für den Potentialausgleich geeignete Querschnitte

Auf einen Blick

Normen, Richtlinien und Verordnungen zum Thema

  • BetrSichV
  • TRBS 2152-3
  • Richtlinie 94/9/EG (ATEX)
  • DIN EN 60079-14 (VDE 0165-1)
  • DIN EN 60079-0 (VDE 0170-1)
  • DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3)
  • DIN 127
  • DIN 128
  • DIN 137
  • DIN 6797
  • DIN 6798
  • DIN 25201
  • Beiblatt 2 zur DIN 62305-3
  • DIN 43673 Teil 1
Der Potentialausgleich ist so auszuführen, dass nur mit geringen Spannungsdifferenzen zu rechnen ist. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Verbindungen ausreichend querschnittsstark sind. Bei der Auslegung des Querschnitts ist DIN VDE 0100 Teil 540 zu beachten.

Sie fordert für die Potentialausgleichsverbindung zwischen Körpern einen Querschnitt, der mindestens dem Querschnitt des kleineren Schutzleiters entspricht. Für die Verbindung zwischen Körper und leitfähigen fremden Teilen einen Querschnitt, der mindestens halb so groß ist wie der Querschnitt des entsprechenden Schutzleiters. Für die Verbindung zwischen fremden, leitfähigen Teilen muss der Schutzpotentialausgleichsleiter den Anforderungen von Abschnitt 544.1 für die Verbindung zur Haupt­erdungsschiene genügen. Damit darf er für diese Verbindungen
  • 6 mm2 bei Kupfer,
  • 16 mm2 bei Aluminium und
  • 50 mm2 bei Stahl
nicht unterschreiten.

Der vom Anfrager genannte Querschnitt von 6 mm2 gilt damit nur für die Verbindung zur Haupterdungsschiene und für die Verbindung zwischen fremden leitfähigen Teilen.

Als weitere einschränkende Bedingung gilt für explosionsgefährdete Bereiche, dass der Querschnitt des Potentialausgleichsleiters nicht unter 2,5 mm2 liegen darf, wenn mechanischer Schutz vorgesehen ist und nicht kleiner als 4 mm2, wenn kein mechanischer Schutz vorgesehen ist.

Die Bauvorschrift DIN EN 60079-0 (VDE 0170-1) legt für Erdungs- oder Potentialausgleich Anschlussteile an der Außenseite der elektrischen Betriebsmittel für den Anschluss eines Leiters eine Mindestquerschnittfläche von 4 mm2 fest. Sie stimmt somit mit den anderen oben genannten ­Normen überein. Der Anschlussquerschnitt an der Außenseite wird vom Querschnitt des angeschlossenen Schutzleiters bestimmt. Dieser dürfte für Sensoren den Querschnitt von 1,5 mm2 nicht überschreiten.

PP13311
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Über den Autor
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Klaus Wettingfeld

Dipl.-Ing. Elektrotechnik; seit 30 Jahren beim TÜV Rheinland; Leiter der Zertifizierstelle Explosionsgeschützte Produkte

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