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Meisterberufe des E-Handwerks

Der »Meister« ist eine Qualitätsmarke. Seit einem Jahrhundert steht der Titel für Fachkompetenz auf höchstem Niveau, international wird Deutschland um diese Ausbildung beneidet. In den elek­tro- und informationstechnischen Handwerksberufen öffnet der Titel zudem Türen. Da es um sogenannte »gefahrenbehaftete Berufe« geht, ist der Meistertitel zwingende Voraussetzung für die Gründung und Führung eines Fachbetriebs.

Doch es gibt noch weitere Vorteile:
  • Meister haben eine hohe Arbeitsplatzgarantie in Handwerk, Großhandel und Industrie oder bei Versorgern und Kommunen.
  • Meister haben die Berechtigung, bundesweit einen Bachelor-Studiengang zu besuchen.
  • Meister haben ein höheres Einkommen.
  • Meister dürfen neue Fachkräfte ausbilden.

Die fünf Meisterprofile

Im E-Handwerk gibt es Meisterbriefe für Elektromaschinenbauer, Informationstechniker und Elektrotechniker. Letzterer Bereich wird unterteilt in Energie- und Gebäudetechnik, Systemelektronik bzw. Kommunikations- und Sicherheitstechnik. Somit ergeben sich fünf Meisterprofile:
  • Elektromaschinenbauermeister
  • Informationstechnikermeister
  • Elektrotechnikermeister Schwerpunkt Energie- und Gebäudetechnik
  • Elektrotechnikermeister Schwerpunkt Systemelektronik
  • Elektrotechnikermeister Schwerpunkt Kommunikations- und Sicherheitstechnik
Einen Überblick bietet die Grafik. Sie zeigt ferner die Zuordnung der Ausbildungsberufe zu den jeweiligen Meistertiteln; auch die Berufsbezeichnungen bis 2003 sind dargestellt.
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Voraussetzungen

Für eine Zulassung zur Prüfung muss der Meisterschüler entweder die Gesellenprüfung in dem Handwerk, in dem er sich prüfen lassen will, erfolgreich abgelegt haben. Oder einen Facharbeiterbrief (IHK-Abschluss) aus einem Berufsbild mit fachlicher Nähe vorlegen. Wichtig für alle, die es beim Hinaufklettern der Karriereleiter eilig haben: Nach der Gesellenprüfung gibt es keine Wartezeit, die Vorbereitung auf die Meisterprüfung kann direkt nach der Berufsausbildung beginnen.

Die Zulassung zur Meisterprüfung erteilt die Handwerkskammer, an der die Prüfung abgelegt werden soll. Sie entscheidet auch, ob mit Erfahrungen oder Zeugnissen, die nicht den genannten Punkten entsprechen, ebenfalls die Prüfungsvoraussetzungen erbracht sind. – Die Kammer ist somit für Meister-Anwärter ein wichtiger Anlaufpunkt.

Bestandteile und Prüfung

Eine Ausbildung zum Elektromeister sollte den Vorgaben des ZVEH entsprechen. Demnach sind 1 700 Unterrichtseinheiten abzuleisten, was in einem Vollzeitlehrgang binnen zwölf Monaten umgesetzt werden kann. Die Ausbildung umfasst vier Teile:
  • Teil 1: Fachtheorie
  • Teil 2: Fachpraxis
  • Teil 3: rechtliche und wirtschaftliche Kenntnisse
  • Teil 4: Berufs- und arbeitspädagogische Kenntnisse (Ausbildereignung)
Die Teile 3 und 4 sind für alle Meisterprofile gleich. Sie können zeitlich unabhängig von den Fachteilen 1 und 2 abgelegt werden, in jeder Meisterschule. Die Fachteile 1 und 2 werden hingegen in der Regel nicht getrennt, sondern zusammenhängend an einem Ort angeboten und umgesetzt.

Zur Prüfung: Für die Teile 3 und 4 müssen die wirtschaftliche und rechtliche Prüfung sowie die arbeitspädagogische Prüfung nach Ausbilder-Eignungsverordnung (auch bekannt als »AdA-Schein«) bestanden werden. Die Teile 1 und 2 sind fachbezogen; welche Prüfungsleistungen erbracht werden müssen, ist in den Verordnungen der Meisterberufsbilder festgelegt.

Grundsätzlich besteht eine Meisterprüfung aus einer schriftlichen und einer praktischen Prüfung – bei Elektrotechnikermeistern kommen indes noch »Situationsaufgaben« hinzu. Deren Hintergrund ist die dargestellte Unterteilung in drei Schwerpunkte. Da alle Elektrotechnikermeister unabhängig vom Schwerpunkt den gleichen Meisterbrief erhalten, werden über die Situationsaufgaben die weiteren Richtungen in die Gesamtprüfung einbezogen. Beispiel: Probanden aus dem Schwerpunkt Energie- und Gebäudetechnik müssen zusätzlich Prüfungsleistungen aus den Bereichen Systemelektronik und Kommunikations- und Sicherheitstechnik erbringen.

Gefährlicher Trend

Noch einmal zur Grafik: Ein kleines, aber wichtiges Detail ist der Begriff »verwandt«. Er zeigt, dass eine feste Zuordnung zwischen Ausbildungsberuf und Meisterausbildung nicht mehr besteht. Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass der Zugang zum Elektrotechniker-Meisterbrief auch denjenigen offen steht, die angesichts ihrer Ausbildung eigentlich den Bereichen Informationstechnik oder Elektromaschinenbau zugeordnet sind. Dank dieser Öffnung können sich angehende Meister auf ihrem Karriereweg neu orientieren – was erst einmal eine gute Sache ist.

Jedoch zeigen sich in der Praxis Auswirkungen, die alles andere als positiv sind: Die Verwandtschaft der Meisterprofile hat zu einem überproportionalen Anstieg der Anmeldezahlen für den Elektrotechnikermeister mit Schwerpunkt Energie- und Gebäudetechnik geführt. Sprich: Gesellen mit einer Ausbildung zum Informationselektroniker bzw. zum Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik wählen verstärkt dieses Meisterprofil – statt den Informationstechniker- bzw. den Elektromaschinenbauermeister.

Geschuldet ist diese Entwicklung schlicht organisatorischen Aspekten: Der Informationstechnikermeister kann beispielsweise nur an wenigen Ausbildungsstätten erworben werden. Finden Informationselek­troniker keine entsprechende Institution in der Nähe, wählen sie eben einen anderen Meisterweg. Verstärkt wird dieser Trend durch entsprechende Beratung: Schulen, die ein Meisterprofil nicht anbieten, empfehlen das »next best thing«, zumeist eben den Elektrotechnikermeister.

Dieser Trend ist gefährlich, da die »kleinen« Berufsgruppen immer weniger Mitglieder haben. Das gilt für Informationstechnik und Elektromaschinenbau ebenso wie für die Schwerpunkte Kommunikations- und Sicherheitstechnik und Systemelektronik innerhalb der Elektrotechniker-Gruppe.

Serie über Meisterprofile

Das BFE aus Oldenburg ist der Ansicht, dass jeder Meister wichtig ist. Daher bildet das Bundestechnologiezentrum als eine der wenigen E-Meisterschulen des Landes in allen fünf E-Meisterprofilen aus. Diese Serie befasst sich explizit mit der Meisterausbildung in den kleineren Berufsgruppen. Ziel ist es, das Interesse für diese Qualifizierungen zu vergrößern und damit dem genannten Trend entgegenzuwirken.

Zunächst steht der Informationstechnikermeister im Fokus, dann der Elektrotechnikermeister mit Schwerpunkt Kommunikations- und Sicherheitstechnik. Für angehende Meisterschüler lohnt es sich, die Serie aufmerksam zu verfolgen, da das Interesse des Marktes an Know-how aus diesem Bereich stetig wächst – was den entsprechenden Meistern exzellente Karrierechancen eröffnet. Eine vollständige Übersicht der Meisterbereiche in den elektro- und informationstechnischen Handwerken, mit Darstellung der Inhalte ist im Internet dargestellt unter: www.bfe-meister.de.

(Fortsetzung folgt)
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Über den Autor
Autorenbild
Dipl.-Ing. Rainer Holtz

Bereichsleiter für Gebäude- und Informationstechnik am Bundestechnologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik in Oldenburg (BFE)

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