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Die neue DIN 18015-3

Leitungsführung überarbeitet

Auf einen Blick DIN 18015-3:2016-09 Elektrische Anlagen in Wohngebäuden – Teil 3: Leitungsführung und Anordnung der Betriebsmittel

Neu und überarbeitet Es gibt neuerdings u. a. eine exakte Definition von Decken unnd Bodenplatten sowie Installationzonen an den Außenseiten von Gebäuden
Wie in der Vorgängernorm werden auch hier Installationszonen für elektrische Leitungen und Betriebsmittel in Wänden, Decken und Fußböden definiert. Die Gültigkeit erstreckt sich auf Wohngebäude, auch mit teilweise gewerblicher Nutzung. Durch die getroffenen Festlegungen lassen sich  Schäden an Leitungsanlagen vermeiden. Eine rechtzeitige Koordination der unterschiedlichen Gewerke kann für einen übersichtlichen Aufbau der Installationen sorgen.

Die Norm hat den Zweck, die Anordnung von unsichtbar angeordneten elektrischen Leitungen auf bestimmte festgelegte Zonen zu beschränken. Um bei der Installation anderer Leitungen – z. B. für Gas, Wasser oder Heizung – oder bei sonstigen nachträglichen Arbeiten an den Wänden und den Decken bzw. Fußböden die Gefahr einer Beschädigung der elektrischen Leitungen zu minimieren. Auch für Sanierungen, Renovierungen oder Modernisierungen gelten die Anforderungen aus der Norm.

Neue Anforderungen

Als eine der gravierendsten Veränderung in dieser Norm ist die Festlegung von Installa­tionszonen an den Außenseiten von Außenwänden eines Gebäudes zu sehen. Diese neu geschaffenen Installationszonen ­sollen Bauschäden verhindern. Besondere Rücksicht findet dabei die luftdichte und die wärmebrückenfreie Elektroinstallation aus den Vorgaben der DIN 18015-5.

Häufig tat man sich in der Vergangenheit mit der Definition des Begriffs Decke oder Bodenplatte eines Gebäudes schwer. Hierfür fand man nun eine eindeutige Beschreibung. Eine Decke ist als horizontales, raumabschließendes Bauteil ohne Bekleidung unterhalb und oberhalb der Rohdecke festgelegt. Zu der Bekleidung unterhalb zählen unter anderem Putz, Dämmung, abgehängte Decken oder Tapeten. Unter Bekleidung auf der Decke sind zum Beispiel Estrich, Dämmungen oder Schwing- und Installa­tionsdoppelböden zu verstehen. Auch der untere Gebäudeabschluss, z. B. die Fundament- oder Bodenplatte, wird als Decke bezeichnet. Auf weitere Neuigkeiten innerhalb des ­Regelwerks soll in dem nachfolgenden Text hingewiesen werden.

Leitungsführung innerhalb ­eines Gebäudes

Bild 1: Leitungsführung in Wänden innerhalb von Gebäuden
Bild 1: Leitungsführung in Wänden innerhalb von Gebäuden
Man unterscheidet bei der Leitungsführung grundsätzlich zwischen der Leitungsführung innerhalb von Installationszonen und der ­freien Leitungsführung. Die Leitungsführung innerhalb der Installationszonen soll im Anschluss beschrieben werden.

Die freie Leitungsführung findet man bei Installationen innerhalb der Rohdecke. Für die Leitungsanordnung in Decken sind keine Installationszonen beschrieben. Die festgelegten Installationszonen sind vorrangig für die Installation elektrischer ­Leitungen vorgesehen. Eine Verwendung der Installationszonen auch für Leitungen oder Rohre anderer Gewerke, bedarf einer Planung mit entsprechender Koordinierung. ­Leitungen anderer Gewerke können Heizung und  Sanitärleitungen sein.

Die Leitungsführung innerhalb der Installationszonen von Wänden findet in gemauerten oder betonierten Wänden statt. Auch ­bei Leichtbauwänden, Vorwandinstallationen oder in Ständerwänden spricht man von der Leitungsführung in Wänden.

Bei der Leitungsführung in Massivwänden ist vorab häufig das Einbringen von Schlitzen im Mauerwerk nötig. Innerhalb dieser Schlitze werden dann die Leitungen verlegt. Benötigt man für die Leitungsführung in der mittleren waagerechten Installationszone Schlitze, schwächen diese das statische Tragverhalten der Wände. Das Tragverhalten der Wände ist daher im Rahmen der statischen Planung darauf abzustimmen.

Eine Abweichung von den Installationszonen darf in Fertigbauteilen und Leitbauwänden erfolgen. Dieses aber nur dann, wenn eine Überdeckung der Leitungen von 6 cm sichergestellt ist oder Leitungen in Hohlwänden so installiert sind, dass sie einem in den Hohlraum eindringenden Körper ausweichen können. Diese Forderung wurde für die Neuausgabe der 18015-3 neu formuliert.

Zur Vermeidung von Schädigungen am Mantel und an der Isolierung von Kabeln und Leitungen in Ständerwänden dürfen diese nicht innerhalb der Metallprofile angeordnet werden. Notwendige Durchführungen durch Metallprofile sind mit geeignetem Kantenschutz zu versehen. Zusätzlich ist auf die Zug- und Schubbelastung der Leitungen nach DIN VDE 0100-520 zu achten.

Im Bild 1 erkennt man die senkrechten und waagerechten Installationszonen innerhalb eines Gebäudes. Nachfolgend sollen hier die Maße der einzelnen Zonen, immer ausgehend von den Rohbaukanten, angegeben werden:
  • ZS-t: Senkrechte Installationszonen an Türen von 10 cm bis 30 cm
  • ZS-f: Senkrechte Installationszonen an Fenstern von 10 cm bis 30 cm
  • ZS-e: Senkrechte Installationszonen an Wandecken: von 10 cm bis 30 cm
  • ZW-u: untere waagerechte Installations­zone von 15 cm bis 45 cm über dem Fußboden
  • ZW-o: obere waagerechte Installationszone von 15 cm bis 45 cm unter der Deckenbekleidung
  • ZW-m: Mittlere waagerechte Installationszone von 100 cm bis 130 cm über dem Fußboden.

Leitungsführung auf Außenwänden

Quelle: SV-Aulenbach
Quelle: SV-Aulenbach
Im Zuge von Sanierungsarbeiten an einem Gebäude steht häufig eine energetische Sanierung an. Hierbei wird die Außenhülle eines Gebäudes entsprechend isoliert. Häufig ändert man dabei auch noch die Installationen der elektrischen Anlage des Gebäudes – z. B. die Nachrüstung von Netzwerkanlagen oder TV -/ Sat-Anlagen. Dabei bietet sich die Außenhülle des Hauses zum Zwecke der Leitungsverlegung an.

Gewerke, wie der Fassaden-, Fenster- oder der Rollladenbau oder zur Dachentwässerung benötigen Montagepunkte an der Außenhülle eines Gebäudes. Für den äußeren Blitzschutz ist die Einhaltung von Trennungsabstände nach DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3) von enormer Wichtigkeit. Um auch hier Schutzbereiche für elektrische Kabel- und Leitungsanlagen zu schaffen, wurden jetzt Installationszonen eingerichtet. Bei der Planung und Ausführung der äußeren Installationszonen ist eine Koordinierung mit anderen Gewerken unabdingbar. Die Installationszonen werden danach wie folgt definiert (Bild 2):
  • AZW-o: Äußere waagerechte Installationszone oben 20 cm bis 40 cm unter der Innendecke
  • AZW-u: Äußere waagerechte Installationszone unten 20 cm bis 40 cm über dem Fußboden
  • AZS-t: Äußere senkrechte Installations­zone an Türen 10 cm bis 30 cm neben Rohbaukanten
  • AZS-f: Äußere senkrechte Installations­zone an Fenstern 10 cm bis 30 cm neben Rohbaukanten
  • AZS-w: Äußere senkrechte Installations­zone an Wandkanten 50 cm bis 70 cm neben Rohbaukanten.

Leitungsführung auf der Decke

Bild 3: Verlegezonen auf der Decke (Maße in cm)
Bild 3: Verlegezonen auf der Decke (Maße in cm)
Unter der Leitungsführung auf der Decke ist die Verlegung von Leitungen direkt auf der Rohdecke gemeint. Häufig wird dieser Leitungsweg für Leitungen in Rohren von TV-Anlagen und Netzwerkanlagen in Wohngebäuden genutzt. Aber auch die Installation für Steckdosen oder Beleuchtung kann über die Rohdecke geführt werden. Über den Leitungen wird der Trittschallschutz, Estrich und Bodenbelag eingebracht.

Um die Stabilität des Estrichs zu gewährleisten, wurden auch für die Verlegung auf der Decke Installationszonen eingerichtet. Die Mindestwerte für Wandabstände, Zonenbreite und Zonenabstände sind einzuhalten, damit der Trittschalschutz für den Estrich stabil errichtet werden kann.

Die Installation von elektrischen Leitungen und Leitungen oder Rohren anderer Gewerke ist derart vorzunehmen, dass eine gerad­linige, parallele und möglichst kreuzungsfreie Anordnung erreicht wird. Dabei ist immer mindestens eine separate Zone für elektrische Leitungen bereitzustellen. Die dabei gültigen Installationszonen wurden wie folgt festgelegt:
  • ZD-r: Installationszone im Raum mit einem Wandabstand von min. 20 cm und einer Breite von max. 30 cm
  • ZD-t: Installationszone im Türdurchgang mit einem Wandabstand von min. 15 cm und einer Breite von max. 30 cm.
Neu in dieser Fassung der Norm ist die In­stallationszone ZD-w. Diese beschreibt eine Zone mit Wanddurchbruch von einer maximalen Breite von 30 cm und einem Wandabstand von mindestens 20 cm. Die Zone wurde eingeführt, um Leitungslängen für Iuk- und RuK-Anlagen zu verkürzen. Der Wanddurchbruch ist mit der Baustatik abzustimmen. Werden Leitungen mehrerer Gewerke nebeneinander über die Decke verlegt, sind untereinander Mindestabstände von 20 cm einzuhalten (Bild 3).

Die Leitungsverlegung in der Decke beschreibt die Installation von Leitungen innerhalb einer Decke. So werden z. B. auf Fertigbetonteilen Leitungen direkt oder in Leerrohren verlegt, die im Anschluss noch mit Betone vergossen werden. Hierbei sind keine Verlegezonen festgelegt.

Leitungen in abgehängten Decken, in Hohlräumen, im oder Unterputz müssen mit einem Mindestabstand von 20 cm parallel zu den Raumwänden angeordnet sein.

Anordnungen von Betriebsmitteln

Bild 4: Die geforderte Restwanddicke beim Verteilungseinbau beträgt 6 cm
Bild 4: Die geforderte Restwanddicke beim Verteilungseinbau beträgt 6 cm
Bei mittiger Anordnung von Gerätedosen innerhalb der Installationszone ist auf eine geeignete Zuführung der Leitungen zu achten. Dadurch verhindert man Beschädigungen an den Leitungen durch die Geräteeinsätze.

Eine Restwandstärke von mindestens 6 cm ist beim Einsetzen größerer Betriebsmittel einzuhalten. Dies gilt z. B. für einen Stromkreisverteiler (Bild 4). Leitungen müssen innerhalb der festgelegten Installationszonen möglichst mittig angeordnet werden. Die Leitungen zum Stromkreisverteiler dürfen nur senkrecht geführt werden.

Leitungen in Wänden zu Betriebsmitteln, die notwendigerweise außerhalb der Installationszonen angeordnet werden müssen – z. B. Anschlüsse, Schalter oder Steckdosen –, sind als senkrecht geführte Stichleitungen aus einer Installationszone zu führen. Übergänge im Bereich der Decke zu den Wänden werden rechtwinklig aus der Installations­zone und senkrecht zu den Anschlüssen ­herausgeführt.

Anschlüsse, Schalter, Steck­dosen und Sondergeräte

Bild 5: Kombination von Einbaugerätedosen
Bild 5: Kombination von Einbaugerätedosen
Schalter sind vorzugweise in der Installa­tionszone neben den Türen anzuordnen. In der Höhe beträgt die Mitte des Schalters 105 cm über dem Fußboden. Bei Kombina­tionen ist entsprechend zu variieren (Bild 5). Steckdosen in der waagerechten Installa­tionszone werden im unteren Bereich auf 30 cm und im mittleren Bereich auf 115 cm vom fertigen Fußboden angeordnet. Eine weitere neue Forderung nach dieser Norm ist die Anpassung der Höhen für Steckdosen, die in einer Installationszone innerhalb eines Raumes angeordnet sind. In der Praxis wurden häufig Höhenunterschiede festgestellt, die ein nicht anschauliches  Erscheinungsbild zur Folge hatten.

Sondergeräte, wie z. B. Bedienungsdisplays, Raumthermostate oder Videosprechanlagen, sind nach den Empfehlungen der Hersteller  anzuordnen. Anordnungen von Betriebsmitteln  außerhalb von Installationszonen können immer wieder vorkommen – etwa bei der Installation von Küchen. Dabei wird eine individuelle Planung nötig und ist mit anderen Gewerken nach Möglichkeit abzustimmen.

Fazit

Die Anforderungen dieser Norm liefern dem Praktiker Vorgaben, an welchen Stellen in Wohngebäuden er elektrische Kabel und Leitungen errichten darf bzw. an welchen Posi­tionen elektrische Betriebsmittel anzuordnen sind. Durch Kenntnis dieser Norm erhalten auch Fremdgewerke einen Überblick zu Regeln der elektrischen Installationen. Hierdurch wird eine Beschädigung der Kabel- und Leitungsanlagen eingegrenzt.

Es kann und darf dabei immer mal wieder zu Abweichungen kommen. Diese sind dann aber durch eine entsprechende Planung unter den unterschiedlichen Gewerken zu koordinieren. Ziel dieser Norm ist es nicht zuletzt, Beschädigungen an elektrischen Anlagen weitgehend zu vermeiden. Dadurch werden letztlich auch die Gefahren für Personen und Sachwerte vermindert.
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Über den Autor
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Dirk Maske

BFE Oldenburg

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