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Fehlgriffe in der Elektroinstallation

Von neuen Steckern und ­alten Dosen

ild 1: Schutzkontaktsteckdose und der Ladestecker 
(Detailbild) zum Laden des Elektrofahrzeugs
ild 1: Schutzkontaktsteckdose und der Ladestecker (Detailbild) zum Laden des Elektrofahrzeugs
Zu diesem Thema sendete uns Norbert Ortlieb zwei Bilder in die Redaktion mit folgendem Kommentar: »Beim Thema ›Laden von E-Fahrzeugen an Schutzkontaktsteckdosen‹ haben die Markenhersteller von Steckdosen ja sofort Bedenken angemeldet. Das Fahrzeug (BMW I3) wurde im Mittel täglich etwa 8 h mit 12 A über eine 230-V-WS-Kabelbox (vermutlich der 1. Generation) geladen (Bild 1).

Da es sich bei der ›Schukoleitung‹ um ein ‚Standardmodell‘ (PVC 3G 1,5 mm²) mit angespritztem Stecker handelte (siehe Detailbild), habe ich allerdings eher die Innenkontaktierung des Steckers im Verdacht als die mit 3 x 2,5 mm² bei einem Ri von 0,35 Ω versorgte 620 WX. Auch etliche Markenstaubsauger werden ja schon nach ­Minuten des ­Betriebs am Stecker warm! Interessant wird sein, wie BMW auf die Kundenrückmeldung unter Übereichung des ›Geschmorten‹ reagiert. Dem Kunden war bewusst, dass das obige Beispiel keine normgerechte Kfz-Ladeeinrichtung darstellt. Im vorliegenden Fall war die Umrüstung auf den blauen CEE-Stecker sogar sein Wunsch. Der Basisfehler, dass es keine spezifische Kfz-Ladeeinrichtung ist, bleibt, jedoch ist zumindest das Schmor-Risiko meiner Meinung nach erheblich vermindert.

Die Einstellung ›Ich lege mir ein Kfz für einen 5-stelligen Betrag zu, habe jedoch keinen Etat für eine Ladeeinrichtung im entsprechenden 4-stelligen Bereich‹ ist aber kein Einzelfall. Eine alte Dame hat sich einen Treppenlift einbauen lassen, zahlt hierfür nach der Einbaupauschale noch monatlich 150 € Miete, nach Beratung mit der Nachkommenschaft ist aber die Versorgungs-Steckdose von 1972 auch ohne jegliche Prüfung ›sicher gut‹. So wie es die Abzweigdose in deren Keller dann doch nicht mehr war (Bild 2).«

Meinung des Experten

Bild 2: Nicht mehr ganz »hasenrein« – die Verteilerdose aus 
grauer Vorzeit
Bild 2: Nicht mehr ganz »hasenrein« – die Verteilerdose aus grauer Vorzeit
Mit dem Problem Steckdosen, aber auch mit Steckern werden wir uns zukünftig immer häufiger befassen müssen. Ich gehe davon aus, dass unsere normalen Schutzkontaktsteckdosen gar nicht für eine Dauerbelastung (über die Beharrungszeit hinausgehende Belastung) mit Ihrem Bemessungsstrom von 16 A ausgelegt sind. Auf der anderen Seite werden auch die Betriebsströme immer größer und auch immer größere Ströme bis zum Bemessungsstrom, werden über längere Zeit zum Fließen kommen.

Meine Bedenken beruhen auf den Vorgaben in der relevanten Betriebsmittelnorm. In den Prüfbedingungen von DIN EN 60309-1 (VDE 0623):2013-02 ist hierzu folgendes festgelegt: »Steckdosen mit einem Bemessungsstrom bis 16 A (z.B. Schutzkontaktsteckdosen) werden wie folgt geprüft: Eine 16-A-Steckdose wird mit einem Prüfstrom von 22 A geprüft, wobei ein Leiter mit einem Querschnitt von 4 mm² anzuschließen ist.« Die Prüfung dauert aber nur eine Stunde. Eine Prüfung mit Bemessungsstrom und über längere Zeit ist aber nicht vorgegeben. Vermutlich weil allen klar ist, dass die Steckdosen dafür nicht geeignet sind.

Gerade in Bezug auf Steckdosen für das Laden von Elektrofahrzeugen bedarf es eines Umdenkens. Ganz sicher hat auch dieser Kunde am falschen Platz gespart. Letztlich gibt es heute besondere Steckvorrichtungen für das Laden von Elektrofahrzeugen. Mit Steckvorrichtungen nach DIN EN 62196-1 (VDE 0623-5-1):06-2015, »Stecker, Steckdosen, Fahrzeugkupplungen und Fahrzeugstecker – Konduk­tives Laden von Elektrofahrzeugen« wäre das Problem sicher nicht aufgetreten.

Klima- und UV-Beständigkeit

Es gibt zwar Betriebsmittel, die eine Bohrung für Klimaschwankungen (Klimastutzen) aufweisen. Für Steckdosen ist das aber in der Betriebsmittelnorm nicht vorgesehen, so dass ein nachträgliches Einbringen einer solchen Bohrung eigentlich nicht zulässig ist. Einer Steckdose dürften die normalen Klimaschwankungen, auch wenn die Steckdosen im Außenbereich eingesetzt sind, nichts ausmachen.

Zum Thema Klimastutzen ist im Abschnitt 8.2.2 von DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1):2012-06 »Niederspannungs-Schaltgerätekom­bi­nationen« folgendes festgelegt: »Geschlossene Schaltgerätekombinationen für Freiluftaufstellung und für Innenraumaufstellung, die an Orten mit hoher Luftfeuchte und in weiten Grenzen schwankenden Temperaturen verwendet werden, müssen gegen schädliche Kondensation innerhalb der Schaltgerätekombination mit geeigneten Mitteln (Belüftung und/oder innere Heizung, Klimastutzen usw.) ausgestattet werden. Die festgelegte Schutzart muss dabei jedoch erhalten ­bleiben.«

Des Weiteren gilt, dass auch graue Elektroinstallationsrohre UV-beständig sein können (muss beim Hersteller erfragt werden), analog der grauen Aufputz-Steckdose. Ganz sicher aber ist die Ausführung des Silikonauftrages als Schutz vor eindringender Feuchtigkeit sehr fragwürdig. Da nur eine Buchse der Steckdose verschmort ist (der Strom fließt ja über beide Kontakte in gleicher Höhe), würde ich davon ausgehen, dass nicht nur die höhere Strombelastung über längere Zeit zum Verschmoren geführt hat, sondern vermutlich ist die Buchse durch häufiges Stecken in ihrer Kontaktkraft beeinträchtigt gewesen, was aber nur durch eine Untersuchung festgestellt werden kann. Vom Stecker dürfte die hohe Erwärmung vermutlich nicht ausgegangen sein, da sonst beide Buchsen der Steckdose eine braune Verfärbung aufgezeigt hätten. Schließlich muss davon ausgegangen werden, dass der Stecker nicht immer in der »gleichen Richtung« eingesteckt wird.

Letztendlich sollte man für solche Anwendungsfälle den Hersteller von Steckdosen befragen, was seine Steckdose kann. Es gibt unterschiedliche »Qualitäten«. Gegebenenfalls könnte schon die Verwendung einer CEE-Steckdose Abhilfe bringen.

Abzweigdose mit unsachgerechtem Anschluss

Ich treffe vorwiegend die Aussage, dass Installationsmaterial, welches zum Zeitpunkt der Errichtung den gültigen Normen entsprach, weiterverwendet werden darf. Allerdings muss ich bei der Betrachtung des Bildes meine Meinung ändern. Es hätte in diesem Falle keinen erhöhten Aufwand bedeutet, die Abzweigdose und das Verbindungsmaterial zu erneuern. Letztlich scheint die Dose gar nicht mehr fest in der Mauer zu sitzen. Zumindest den Klemmstein hätte man beim Anschluss des zusätzlich Kabels/der zusätzlichen Leitung erneuern können.

Ich selbst habe in meiner Anfangszeit als Elektriker solche Klemmsteine kennengelernt und habe oft geflucht, weil entweder die Ader­isolierung an den scharfen Kanten der Klemme sehr schnell beschädigt wurde. Dies ist auch schon an der Isolierung des schwarzen und des blauen Leiter des »neuen« Abgangs zu erkennen. Schlimmer war noch, dass sich die beiden »Backen« des Gewindebolzens aufbogen, weil mehrere Drähte unter einer solchen Klemme vorgesehen waren. Durch das »Aufbiegen« konnte es leicht zu einer unsicheren Kontaktgabe kommen, was letztlich zu einer unzulässigen Erwärmung und in den meisten Fällen zu einem Brand geführt hat.

Es sei noch darauf hingewiesen, dass ein PEN-Leiter mit mindestens 10 mm² zwar die Gefahr eines Leiterbruchs minimiert, eine unsichere Kontaktierung ist damit aber nicht ausgeschlossen. Eigentlich stellt sich nur noch die Frage, welche Elektrofachkraft die Verbindungen in der Abzweigdose hergestellt hat. So wie das Bild die Sache aufzeigt, gehe ich davon aus, dass hier keine Elektrofachkraft am Werk war.
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Über den Autor
hoermann
Werner Hörmann

Gelernter Starkstrommonteur und dann viele Jahre als Projektant für Schaltan­lagen und Steuerungen bei Siemens tätig. Aktive Normung in verschiedenen Komitees und Unterkomitees der DKE. Seine Spezialgebiete sind u. a. die Er­richtungsbestimmungen nach DIN VDE 0100 (VDE 0100) – insbesondere Schutz gegen elektrischen Schlag –, die Niederspannungs-Schaltanlagen nach DIN EN 60439 (VDE 0660-500 bis -514) oder das Ausrüsten von elektrischen Maschinen nach DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1). Werner Hörmann ist Verfasser zahlreicher Beiträge in der Fachzeitschrift »de« sowie Autor diverser Fachbücher.

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