Risiken für Steuern und Abgaben

Zur Betriebsfeier nicht den Fiskus einladen

12. April 2019

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Viele Unternehmen bedanken sich für die Leistungen ­der Belegschaft mit einer Betriebsfeier und zeigen sich dabei als spendabler Gastgeber. Jedoch sollten Chefs die Kosten nicht aus den Augen verlieren – und ein neues Finanzgerichtsurteil kennen.

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Biergarten

Quelle: Adobe Stock /drubig-photo

Ob Firmenjubiläum, Sommerfest oder Weihnachtsfeier: Eine Betriebsfeier kann sich für Unternehmen in vielerlei Hinsicht lohnen. Neben dem Zusammenhalt in der Belegschaft fördern solche Events die Identifikation mit der Firma und im Idealfall auch noch die Arbeitsmotivation. Folglich zeigen sich Firmenchefs bei der Planung gerne großzügig. Doch je opulenter die Feier ausfällt, desto vorsichtiger müssen Gastgeber bei den steuerlichen Auswirkungen sein. Firmen sollten die Vorgaben des Fiskus genau kennen und einhalten. Schnell werden die Aufwendungen steuerpflichtig und das Finanzamt feiert kräftig mit.

Mitarbeiter wissen es zu schätzen, wenn man ihnen etwas Besonderes bietet. Nicht selten fallen hohe Summen an, etwa ­wenn Firmen auswärts in exklusivem Ambiente ­feiern oder ein Rahmenprogramm mit künstlerischen Darbietungen buchen. Aber: ­Wer bei den Kosten nicht aufpasst, muss womöglich im Nachhinein sogar noch draufzahlen.

Freibeträge regeln Abgabenlast

Der Fiskus sieht in Ausgaben für eine Betriebsfeier eine Zuwendung an die Mitarbeiter. Nur wenn die Aufwendungen pro Teilnehmer und Veranstaltung den Freibetrag von 110 € nicht überschreiten, bleibt das Finanzamt außen vor. Und nur dann können ­Firmen auch den Vorsteuerabzug auf bezahlte Rechnungen geltend machen. Firmen können jährlich maximal zwei Feiern für denselben Kreis von Begünstigten aus­richten. Finanzbeamte gehen dann in der Regel von einer sogenannten »Üblichkeit der Betriebsveranstaltungen« aus. Eine dritte Betriebsveranstaltung hingegen gilt sogar für jene Arbeitnehmer als Arbeitslohn, die an den ersten beiden Veranstaltungen nicht teilgenommen haben. Jeder Euro über dem Freibetrag ist steuer- und sozialabgabenpflichtig. Diesen Betrag müssen Firmen als zusätzlichen Arbeitslohn mit dem Monatsgehalt abrechnen. Oder sie versteuern die Kosten pauschal mit 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und pauschaler Kirchensteuer. Der Vorteil bei ­diesem Modell: Es fallen keine Sozialver­sicherungsbeiträge an.

Beachtenswertes Urteil

Ein neues Gerichtsurteil könnte die Kostenkalkulation wesentlich erleichtern. Bislang müssen Unternehmen damit rechnen, dass bei einer kurzfristigen Absage von Teilnehmern die Aufwendungen auf weniger Köpfe umgelegt werden, als geplant. Wer auf Nummer sicher gehen will, schöpft den Frei­betrag bei der Planung nicht voll aus. Das Finanzgericht Köln teilt die Auffassung der Finanzverwaltung nicht (Az. 3 K 870/17). Die Richter gehen davon aus, dass sogenannte »No-Show-Kosten« nicht zulasten der Teilnehmer gehen dürfen. Jedoch ist gegen das Urteil ein Revisionsverfahren vor dem Bundesfinanzhof (BFH) anhängig (Az. VI R 31/18). Betroffene Unternehmen sollten bei entsprechenden Steuerbescheiden Einspruch einlegen und mit Verweis auf ­das BFH-Verfahren das Ruhen des Einspruchsverfahrens beantragen. Auf diese Weise ­können sich Firmen für den Fall eines steuerzahlerfreundlichen Urteils ihre Rechte ­sichern.

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Rechtssicherheit im ElektrohandwerkRechtssicherheit im Elektrohandwerk
Von Ulrich C. Heckner, Sabine Bernstein,
2018, 296 Seiten, Softcover, 39,80 €, ISBN Printausgabe 978-3-8101-0448-9,
ISBN E-Book 978-3-8101-0449-6

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Die Geschäftstätigkeit eines Elektrohandwerkbetriebes wird von zahlreichen rechtlichen Aspekten und gesetzlichen Rahmenbedingungen begleitet. Anhand von Fallbeispielen werden in diesem Buch rechtliche Fragen, die für Inhaber und Geschäftsführer von hoher Relevanz sind, praxisnah erläutert.

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  • Arbeitsrecht: Personalsuche, Pflichten des Arbeitgebers und Mitarbeiters, Auflösung des Arbeitsverhältnisses
  • Arbeitssicherheit: Gefährdungsanalyse, Umgang mit Betriebsmitteln, Verhalten bei Unfällen
  • Vertragsrecht: Abnahme, Rechnungs­stellung, Mahnung
  • Aufgabe eines Unternehmens: Freiwillige Schließung, Verkauf oder Übertragung, ­Insolvenz

Zu den Autoren: Ulrich C. Heckner ist seit 1977 als Unternehmensberater tätig. Seit 1979 führt er eine eigene Unternehmensberatung. Sein derzeitiger Einsatzbereich sind Management- und Strategieberatungen, Erfa-Gruppen, Coaching von Führungskräften, ­Seminare, Mitarbeiter-Workshops, Entwicklung von Strategiekonzepten zur Kundenbindung von Industrieunternehmen und mittelständischen Herstellungsunternehmen für die Zielgruppe Handwerk. Außerdem begleitet er seit längerem Firmen bei der Unternehmensnachfolge. Er hat bereits zahlreiche Fachpublika­tionen im Bereich Handwerk veröffentlicht.

Sabine Bernstein ist seit 2000 bei der Unternehmensberatung Heckner tätig. Zu ihren Aufgaben gehört die Durchführung von klassischen Beratungen sowie die Moderation von Seminaren und Workshops mit den Schwerpunkten Zahlenmanagement/Controlling sowie Kundenumgang/Verkaufen. Darüber hinaus betreut sie eine Vielzahl von ERFA- und Netzwerk-Gruppen.

www.elektro.net/shop

Auf Details achten

Worauf sollten Verantwortliche bei der Kalkulation achten? Grundsätzlich müssen sie alle externen Aufwendungen für die Betriebsfeier einbeziehen. Dazu zählen Kosten, die Teilnehmern individuell zurechenbar sind wie etwa Speise- oder Getränkepauschalen. In die aufzuteilenden Gesamtkosten werden auch Aufwendungen für Begleitpersonen oder für Sachgeschenke an einzelne Mitarbeiter einbezogen. Letztere dürfen jedoch maximal 60 € kosten. Ansonsten ist der komplette Betrag dem jeweiligen Arbeitnehmer individuell als Arbeitslohn zuzurechnen. ­Firmen müssen auch Ausgaben einbeziehen, die einen rechnerischen Anteil für den äußeren Rahmen darstellen. Darunter fallen etwa Kosten für Saalmiete, Musik oder Dekoration.

Die Summe aller Aufwendungen wird gleichmäßig auf die teilnehmenden Mitarbeiter aufgeteilt. Aber Vorsicht: Maßgeblich sind grundsätzlich nicht die Netto-Ausgaben, sondern immer die Bruttobeträge. Interne Selbstkosten des Arbeitgebers im Rahmen der Organisation der Veranstaltung hingegen bleiben unberücksichtigt, also beispielsweise Aufwände für die Buchhaltung oder Personalkosten für die Veranstaltungsplanung.

Das Einkommensteuergesetz definiert Betriebsfeiern als »Veranstaltungen auf betrieblicher Ebene mit gesellschaftlichem Charakter«. Sie müssen mithin allen Mitarbeitern offenstehen. Begrenzte Teilnehmerkreise akzeptieren Finanzbeamte nur in Ausnahmefällen, etwa wenn bestimmte Abteilungen oder Fachgruppen feiern. Wichtig ist, dass einzelne Mitarbeiter nicht bevorteilt oder benachteiligt werden. Besonders kritisch sind Finanzbeamte bei Betriebsfeiern mit Geschäftspartnern oder freien Mitarbeitern. Anders als bei Angestellten ist deren Bewirtung nur eingeschränkt abzugsfähig. Firmen sollten immer eine Teilnehmerliste erstellen, die den jeweiligen Status genau aufschlüsselt. So lässt sich ­im Nachhinein kritischen Nachfragen von Finanzbeamten leichter begegnen.

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