Home Licht+Energie Licht+Energie Das Elektrohandwerk – ein Flaschenhals des PV-Ausbaus?

Hohe PV-Nachfrage führt zu längerer Wartezeit

Das Elektrohandwerk – ein Flaschenhals des PV-Ausbaus?

Roland Lüders, Redaktion »de«
Roland Lüders, Redaktion »de«

Der Ausbau der Photovoltaik soll hierzulande nach einem Jahrzehnt Stillstand endlich wieder Fahrt aufnehmen. So wurden die Ausbauziele drastisch nach oben gesetzt, und es ist bereits eine gewisse Dynamik festzustellen. Laut Bundesnetzagentur kamen im ersten Quartal diesen Jahres schon 2,7 GW an photovoltaischer Stromerzeugung hinzu. Das sind 33 % mehr als in den ersten drei Monaten des Jahres 2022. Den größten Teil des Zubaus steuerten dabei wohl die Eigenheimbesitzer bei.

Der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit und selbst erzeugtem Strom sind angesichts der rasant gestiegenen Energiepreise mehr als verständlich. Womit wir auch schon beim Kern des Problems sind. Viele investitionswillige PV-Interessierte beklagen sich über lange Wartezeiten. Bereits auf ein Angebot muss man Wochen, manchmal Monate warten. Oftmals kommt es dann eher zu Preisschätzungen als zu einem konkreten Angebot. Ist dann ein Auftrag erteilt, folgen mitunter wieder ein paar Monate Wartezeit bis zur Errichtung. Neben knappen Personalressourcen im Elek­trohandwerk kommen Materialengpässe hinzu. Irgend etwas fehlt immer, bevor es mit der Installation losgehen kann.

Die Komplexität einer PV-Anlage hat seit dem ersten PV-Boom von 2008 bis 2012 enorm zugenommen. Waren es früher Solarmodule, Montagesystem, PV-Kabel, ein Wechselrichter und ein bisschen Elektroinstallation, kommen heute in der Regel ein Speicher, ein Energiemanagement mit diversen Sensoren und oft auch noch eine Wallbox hinzu. Wenn hier eine Komponente nicht lieferbar ist, muss der Montagetermin verschoben werden.

Nicht alle PV-Anlagen werden jedoch vom E-Handwerk errichtet. Wie bereits im ersten PV-Boom wirken neben Solar­teuren auch zahlreiche Quereinsteiger. Sicher, wer eine handwerkliche Ausbildung hat und eine gute Leistung abliefern will, kann v. a. die Arbeiten auf dem Dach in guter Qualität umsetzen. Der elektrische Anschluss sollte dann aber einem Elektrofachmann obliegen.

Die Nachfrage nach TREI-Kursen (Technische Regeln Elektroinstallation) durch »Nicht-Elektriker« ist stark gestiegen. Das Bestehen der TREI-Prüfung ist beim Fehlen eines Meistertitels Voraussetzung, um in das Installateurverzeichnis eingetragen zu werden. In der PV-Branche gibt es nicht wenige Akteure, die nicht nachvollziehen können, warum nur ein in das Installateurverzeichnis eingetragener Fachbetrieb eine PV-Anlage an das Stromnetz anschließen darf. Doch § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) regelt das ganz eindeutig.

Die begrenzten Kapazitäten beim Solarausbau kann man dem Elektrohandwerk aber sicher nicht anlasten. Es ist gerade ein Jahrzehnt her, als in Deutschland jährlich 12 GW PV-Leistung errichtet wurden, und das Elektrohandwerk war wesentlich daran beteiligt. Dann haben sich die Rahmenbedingungen immer mehr verschlechtert, so dass viele Betriebe den PV-Markt verlassen mussten. Sich nun angesichts knapper Personalressourcen und voller Auftragsbücher erneut in ein Solarabenteuer zu stürzen, das will wohl überlegt sein. Es bleibt also zu hoffen, dass dies jetzt ein nachhaltiger PV-Boom sein wird.

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Dipl.-Kommunikationswirt Roland Lüders

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