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DIN EN 61936-1 (VDE 0101-1):2011-01 Teil 1: Allgemeine Bestimmungen

Starkstromanlagen mit Nennwechselspannungen über 1 kV

Auf einen Blick Starkstromanlagen sind das Thema der neu herausgegebenen Norm

Schalt- und Umspannanlagen Transformatoren und Stromerzeugungsanlagen sind davon in erster Linie betroffen

Die allgemeinen Bestimmungen reichen von der Betriebsmittelauswahl bis zu Brandschutz und Dokumentation
 Als Starkstromanlagen gelten Schalt- und Umspannanlagen zur Speisung von Bahnanlagen, elektrische Anlagen auf Masten oder in Türmen, deren Schaltgeräte oder Transformatoren auch außerhalb abgeschlossener elektrischer Betriebsstätten angesiedelt sein können, sowie elektrische Netze von Fabriken oder landwirtschaftliche und gewerblich genutzte Räumlichkeiten. Darüber hinaus sind Stromerzeugungsanlagen, die Generatoren und Transformatoren inklusive der zugehörigen Schaltgeräte enthalten, ebenfalls als Starkstromanlage definiert.In Starkstromanlagen können u. a. Betriebsmittel wie drehende Maschinen, Schaltgeräte, Kabel und Verdrahtungen, Batterien, sowie Erdungsanlagen und Schutzsysteme enthalten sein. Nicht zum Zuständigkeitsbereich dieser Norm gehören jedoch Freileitungen und Kabel zwischen getrennten Anlagen, elektrischen Bahnen, Leuchtröhrenanlagen sowie Anlagen auf Schiffen und Off-Shore-Plattformen. Elektrostatische Einrichtungen, Prüffelder und medizinische Einrichtungen werden ebenfalls nicht erfasst.

Allgemeine Bestimmungen der Norm

Elektrische Anlagen und Betriebsmittel müssen den am Einsatzort zu erwartenden elektrischen, mechanischen, klimatischen Umwelteinflüssen standhalten. Die Auslegung der Anlage muss den Zweck und die Anforderungen des Betreibers berücksichtigen. Dies umfasst u. a. die Spannungsqualität, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit des elektrischen Netzes. Die Sicherheit für Betriebspersonal und Öffentlichkeit und die Möglichkeit zur Instandhaltung und Erweiterung einer Anlage muss ebenfalls gewährleistet sein.

Der Betreiber hat die Merkmale der Anlage festzulegen und hat damit die Sicherheitsanforderungen zu bestimmen, um durch die richtige Auswahl und Aufteilungen der Schalt- und der Steuergeräte einen minimalen Anlagenausfall sicherzustellen. Wenn nötig ist die Aufteilung der Schaltanlage so vorzusehen, dass die Fehlerausbreitung und die Brandausbreitung minimiert wird. Damit diese Kriterien erfüllt werden, ist es notwendig, für die Projektierung genaue Absprachen zu den Eigenschaften einer Anlage zwischen Betreiber und Errichter durchzuführen und einzuhalten.

Anforderungen an die elektrischen Parameter

Eine Anforderung an die Beschaffenheit einer elektrischen Anlage ist die Art der Sternpunkterdung. Die Sternpunkterdung hat großen Einfluss auf die Größe und Dauer des Fehlerstroms. Weiter ist die Art der Sternpunkterdung wichtig für die Wahl des Isolationspegels, für die richtige Auswahl von Überspannungsableiter, Auswahl von Schutzrelais sowie für die Planung der Erdungsanlage.

Für die Auswahl der richtigen Sternpunkterdung sind einige Auswahlkriterien zu beachten. Zum einen sind die örtlichen Vorschriften (falls vorhanden), die geforderte Versorgungssicherheit und die Begrenzung der Schäden an Betriebsmitteln durch Erdschlüsse zu berücksichtigen. Ebenfalls beachtet werden müssen die Aspekte der selektiven Abschaltung fehlerhafter Netzteile, die Feststellung von Fehlerquellen und Berührungs- und Schrittspannungen.

Die Betreiber müssen die Nennspannung und die maximale Betriebsspannung eines Netzes festlegen. Die Anlage ist so auszulegen, dass sie den unter Betriebsbedingungen fließenden Strömen standhält.

Die elektrischen Anlagen müssen den mechanischen und thermischen Auswirkungen eines Kurzschlussstromes gewachsen sein. Hierbei müssen alle Kurzschlussarten, wie der dreipolige-, der zweipolige Kurzschluss, der einpolige Erdkurzschluss und der zweipolige Kurzschluss mit Erdberührung berücksichtigt werden. Den Schutz gegen alle Kurzschlussarten erreicht man durch selbsttätige Einrichtungen zum Abschalten oder durch Einrichtungen zum Anzeigen des Erdschlusszustandes. Die Auswahl der richtigen Einrichtung ist abhängig von der Art der Sternpunkt-erdung. Die Bemessungskurzschlussdauer beträgt eine Sekunde.

Elektrische und magnetische Felder, die durch unter Spannung stehende Betriebsmittel erzeugt werden, müssen auf zulässige Werte für Personen begrenzt werden.

Mechanische und thermische Bedingungen

Betriebsmittel und Tragkonstruktionen, einschließlich Ihrer Fundamente, müssen den mechanischen Beanspruchungen aus der Umwelt standhalten. Dabei sind zwei Lastarten zu beachten, die Normallast und die Ausnahmelast. Für den Normallastfall sind Eigenschaften wie das Gewicht, die Zuglast, Montagelast, Eislast und die Windlast zu berücksichtigen. Neben dem Eigengewicht und der Zuglast sind bei den Ausnahmelastfällen auch noch die Schaltkräfte, die Kurzschlusskräfte und der Wegfall eines Leiterzugs zu beachten.

Die Umgebungstemperatur darf im Innenraum nicht über 40 °C und nicht unter – 25 °C liegen. Jedoch richtet sich dieser Temperaturspielraum auch nach der Temperaturgrenze des Betriebsmittels. Ähnlich verhalten sich die Temperaturbedingungen unter Freiluft. Hier kann jedoch, je nach Temperaturklasse, der tiefste Temperaturpunkt bei – 40 °C liegen. Zu beachten ist die Intensität der Sonneneinstrahlung, die nicht über 1 000 W/m2 betragen sollte. Die Aufstellungshöhe einer Einrichtung sollte 1 000 m nicht übersteigen.

Anforderungen und Auswahl der Betriebsmittel

Bei der Auswahl von den Betriebsmitteln ist darauf zu achten, dass eine sichere Konstruktion nach ordnungsgemäßer Montage, Installation und Anschluss an die Versorgung gewährleistet ist. Unter Berücksich-tigung der externen Einflüsse muss die sichere Leistung im Normalbetrieb und bei sich evtl. ändernden Bedingungen (Überlast / Störungen) an den Betriebsmitteln abgerufen werden können. Durch Entwicklung entsprechender Arbeitsabläufe, Dokumentationen und durch geeignetes Spezialwerkzeug sowie Erdungsmaßnahmen, sind Personen bei der Montage und der Instandhaltung besonders zu schützen. Bei Arbeiten in elektrischen Anlagen können Personen durch eine ordentliche Dokumentation für die zu montierenden Einrichtungen, durch den Einsatz von Spezial- und Sicherheitswerkzeugen sowie durch detailliert geplante Arbeitsabläufe und sichere Erdungsmaßnahmen geschützt werden.

Für die Personensicherheit ist sicherzustellen, dass Schaltpositionen an Schalt- und Trenngeräten durch Schaltstellenanzeiger in der Position Ein und Aus, wie in Bild  1 dargestellt, kenntlich gemacht werden. Eine Auslösung einer Trenneinrichtung durch eine unbeabsichtigte Schalthandlung bei einer versehentlichen Berührung des Schaltorgans ist durch ein Verriegelungssystem auszuschließen.
Bild 1: Klarheit via Schaltstellenanzeiger
Bild 1: Klarheit via Schaltstellenanzeiger

Transformatoren und Drosselspulen

Beim Einbau von Transformatoren muss auf entsprechenden Brandschutz geachtet werden. Ebenso ist auf einen geringen Geräuschpegel im Betrieb des Transformators zu achten. Für im Innenraum aufgestellte Trafoanlagen ist eine ausreichende Lüftung zu planen und zu installieren. Eine Verschmutzung oder Belastung der Umwelt ist zu verhindern.

Ist es notwendig, während des Betriebes von Transformatoren Überwachungseinrichtungen zu kontrollieren oder Proben (Ölproben) zu entnehmen, ist sicherzustellen, dass diese Arbeiten gefahrlos durchgeführt werden können.

Bei der Verwendung von Drosselspulen ist bei der Aufstellung zu beachten, dass durch die Magnetfelder eines Kurzschlussstromes keine fremden Objekte in die Spule eingezogen werden. Benachbarte Teile, wie Metallteile oder Fundamentbewehrungen, dürfen sich nicht unnötig erwärmen und müssen den elektromagnetischen Kräften standhalten.

Kabel und Leitungen

Kabel und Leitungen sind so auszuwählen, dass im bestimmungsgemäßen Betrieb, bei Kurzschluss und speziellen Betriebsbedingungen die zulässige Temperatur des Leiters, der Isolierung und der Verbindungen nicht beeinträchtigt wird. Die zulässigen Temperaturen der Anschlussklemmen eines Betriebsmittels oder der Umgebung dürfen bei den genannten Betriebsbedingungen ebenfalls nicht überschritten werden. Die anzuschließenden Leitungen und Kabel sind frei von Zug und Druck montieren. Kabelhülsen sind gegen Abziehen zu schützen. Die Anschlüsse sind so zu gestalten, dass die Kabel nicht abknicken und die entsprechenden Biegeradien müssen eingehalten werden.

Kreuzungen zwischen Kabel und Leitungen und Rohrleitungen sind zu verhindern und Verlegetrassen in entsprechenden Abständen zu verlegen. Sind Berührungspunkte nicht zu verhindern, ist durch Isolierplatten oder Isolierschalen eine Trennung zu realisieren. Auch muss ein Abstand zu Fernmeldeleitungen eingehalten werden. Für Instandhaltungszwecke an Kabel- oder Leitungsanlagen sind Vorkehrungen für eine geeignete Zugänglichkeit zu treffen.

Anordnung von Sicherungen

Bei der Planung von Anlagen ist ein elektrischer Mindestabstand für die Anordnung von Sicherungen und alle Stellungen von spannungsführenden Teilen vor, während und nach dem Betrieb zu berücksichtigen. Ausblassicherungen sind geeigneten Sicherheitsabständen oder Schutzabdeckungen anzuordnen. Eine Sicherstellung, dass Personal durch Ausströmungen von Ausblassicherungen durch z. B. heiße Gase in Gefahr geraten, ist auszuschließen. Ein Auswechseln von Sicherungen muss für Personen gefahrlos auszuführen sein.

Geeignete Anlagenunterlagen

Nachfolgend werden Anforderungen an Anlagen hinsichtlich der Schaltungen, Dokumentation, Beleuchtung und der Betriebssicherheit beschrieben.

Die Schaltung einer Anlage ist entsprechend der Betriebserfordernissen und den Sicherheitsanforderungen zu errichten. Die Schaltung ist für kurze und sichere Schalthandlungen aufzubauen. Jedes elektrisch getrennte Netz ist mit einer Erdschlussüberwachung auszurüsten. Diese Einrichtung bewirkt die Abschaltung eines Erdschlusses.

Es ist zu gewährleisten, dass freigeschaltete Abschnitte einer Anlage nicht unbeabsichtigt von parallel geschalteten Spannungsquellen (z. B. Wandlern) unter Spannung gesetzt werden können. Einrichtungen zum Freischalten dürfen für die Öffentlichkeit nicht erreichbar sein und sollen absperrbar ausgeführt sein.

Für jede Anlage ist eine Dokumentation zur Verfügung zu stellen um die ordentliche Montage, Inbetriebnahme und den Betrieb zu gewährleisten. Wartungsvorgänge und Umweltschutzmaßnahmen sind ebenso in den Dokumentationen festzuhalten.

Begehbare Innenraum- und Freiluftanlagen müssen für den Betrieb mit einer geeigneten Beleuchtung ausgerüstet sein. Bei Bedarf ist eine Notbeleuchtung vorzusehen. Diese kann fest installiert oder ortsveränderlich sein. Für erforderliche Instandhaltungsarbeiten an einer Beleuchtungsanlage ist ein Schutzabstand zu aktiven Teilen einer Mittelspannungsanlage einzuhalten. Für Montage und Instandhaltungsgänge ist eine Mindestbreite von 500 mm erforderlich.

Aus Gründen der Betriebssicherheit sind Flucht und Rettungswege sowie Notausgänge so zu gestalten, dass diese im Falle eines Brandes sicher genutzt werden können. Flucht- und Rettungswege dürfen, je nach baulicher Gegebenheit, eine Länge von 40m nicht übersteigen. Die Anlagen sind gegen Brandgefahr, Überschwemmung und Verschmutzung zu schützen. Wichtige Anlagen sind gegen die Auswirkungen Straßenverkehrs durch zusätzliche Maßnahmen zu schützen.

Anforderungen an Gebäude mit Starkstromanlagen

Die Gebäude müssen den nationalen Bauvorschriften und Brandschutzbestimmungen entsprechen. Tragenden Wände, Trennwänden, Verkleidungen sind nach der zu erwartenden Brandlast auszuwählen. Das Eindringen von Wasser und Kondensation ist in elektrischen Betriebsräumen auf ein Minimum zu beschränken. Die Konstruktion des Gebäudes muss der zu erwartenden mechanischen Belastung und dem durch einen Kurzschlusslichtbogen verursachten Innendruck standhalten. Rohrleitungen, die für den Betrieb einer Einrichtung notwendig sind, dürfen die elektrische Anlage auch im Schadensfall nicht gefährden. Eine geeignete Klimatisierung der Einrichtung ist vorzusehen. Für Transformatorenräume ist eine natürliche Lüftung zu bevorzugen.

Korrekte Schutzmaßnahmen

Anlagen sind für Betriebs- und Instandhaltungspersonal so zu errichten, dass ein gefahrloses Erreichen aller Punkte ermöglicht wird. Spezielle Arbeiten wie Reparatur und Instandhaltungsarbeiten die in der Nähe von unter Spannung stehenden Teilen ausgeführt werden müssen, unterliegen entsprechenden Vorschriften und sind ihrer Abwicklung und ihren Abläufen genau zu planen.

Zum Schutz gegen das direkte Berühren sind Teile, die nur die Basisisolierung aufweisen und eine gefährliche Spannung aufnehmen können, durch entsprechende Maßnahmen zu schützen. Beispiele solcher Teile sind u. a. ungeschützte aktive Teile, Wicklungen elektrischer Maschinen, Gestelle von Kondensatoren, Transformatoren und Drosselspulen. Anerkannte Schutzmaßnahmen hierzu sind der Schutz durch Umhüllung, Abdeckung, Hindernis oder Abstand.

Es sind Sicherheitseinrichtungen vorzusehen, die je nach Betriebserfordernissen die gesamte Anlage, einzelne Bereiche oder Anlagenteile freischalten. Anlagen, die von mehreren Seiten Spannung beziehen, müssen vom Einspeisepunkt der Spannungsquelle freigeschaltet werden können. Sind Sternpunkte mehrerer Betriebsmittel mit einem gemeinsamen Mittelpunktsleiter verbunden, ist jeder Sternpunkt einzeln freizuschalten. Die Einhaltung der fünf Sicherheitsregeln ist für sämtliche Arbeiten an den elektrischen Anlagen zwingend einzuhalten.

Zum Schutz gegen direkte Blitzeinschläge stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die zwischen dem Lieferant und dem Betreiber zu vereinbaren sind.

Der Betreiber hat, abhängig vom Zu-verlässigkeitsgrad, die zu erreichenden Schutzpegel und anzuwendenden Schutzmittel festzulegen. Bauteile von Blitzschutzanlagen sind mit der Stahlkonstruktion oder dem Erdungsleiter zu verbinden, damit der Blitzstrom zur Erde abfließen kann.

Geeigneter Brandschutz

Für den Brandschutz an elektrischen An-lagen sind die nationalen, regionalen und örtlichen Brandschutzvorschriften sowie die Vorschriften der EltBau-Verordnung einzuhalten. Der Betreiber oder Eigentümer einer Anlage hat alle Anforderungen an Löscheinrichtungen zu erfüllen. Der Umfang einer Brandschutzeinrichtung richtet sich nach der Anlagengröße und muss die Maßnahmen zur Löschung von Bränden in elektrischen Anlagen erfüllen. Betriebsmittel in denen Funken, Lichtbögen oder hohe Temperaturen zu erwarten sind, dürfen in feuergefährdeten Betriebsstätten keine Verwendung finden. Ausnahmen bilden Betriebsmittel, die durch ein entsprechendes Gehäuse den Austritt von Wärme, Funken oder Lichtbögen verhindern. Ist diese Eigenschaft nicht sichergestellt, sind andere Vorkehrungen wie Brandschutzwände, Kapselungen etc. zu treffen. Bei Anlagen, in denen Transformatoren integriert sind, hängt die Brandgefahr u. a. von der Art des Isoliermittels ab. Hier ist eine entsprechende Risikoanalyse durchzuführen, um die geeigneten Schutzmaßnahmen bestimmen zu können.
Bild 2: Wanddurchbruch mit Brand­schottung
Bild 2: Wanddurchbruch mit Brand­schottung
In Kabel und Leitungsanlagen lässt sich die Gefahr durch den richtigen Einsatz und die Art der Verlegung reduzieren. Kabel können in unterschiedliche Klassen eingeteilt werden, die besondere Eigenschaften im Brandfall aufweisen. Verlegesysteme sind ebenfalls nach den Brandschutzeigenschaften zu wählen. Es wird vorgegeben, Wanddurchbrüche für Kabel entsprechend zu verschließen, damit eine Brandausweitung verhindert wird (Bild  2). Starkstromstromkreise und Steuerstromkreise sind getrennt voneinander zu verlegen (Bild  3).
Bild 3: Wanddurchbruch mit Brandschottung und Trennung von Starkstrom- und Steuerstromleitungen
Bild 3: Wanddurchbruch mit Brandschottung und Trennung von Starkstrom- und Steuerstromleitungen

Durchdachte Beschriftungen

Um Unfälle oder Fehlbedienungen und damit verbundene Unfälle zu vermeiden, sind klare und dauerhafte Beschriftungen und Beschilderungen in Anlagen zu montieren (Bilder  4 und 5). Schaltstellungen von Schaltgeräten sind durch Meldeeinrichtungen zu kennzeichnen. Es sind Warnhinweise vor gefährlicher Spannung und Anlagen mit Kondensatoren vorzusehen. Flucht- und Rettungswege sind eindeutig und gut erkennbar darzustellen.
Bild 4: Warnschilder in einer Mittel­spannungsanlage
Bild 4: Warnschilder in einer Mittel­spannungsanlage

Überwachungs- und Steuerungssysteme

Um eine sichere Funktion der elektrischen Betriebsmittel zu gewährleisten, sind Überwachungs-, Schutz-, Regelungs- und Steuereinrichtungseinheiten vorzusehen. Diese müssen Schutz geben gegen die Auswirkungen von
  • Überlast
  • Überstrom (Kurz- und Erdschluss)
  • Überspannung
  • Unterspannung
  • Unterfrequenz
Es sind Vorkehrungen zu treffen, um Gefährdungen von Personen und Betriebsmitteln bei Reparaturen auszuschließen. Steuer- und Signalstromkreise sind funktionsmäßig zu trennen. Störungen sollten durch Anzeigetafeln angezeigt werden können. Diese Fehlermeldungsanzeigen müssen Gefahren und Fehler eindeutig anzeigen.

Steuereinrichtungen und -systeme sind so zu planen und zu errichten, dass die Gefahr einer Störung durch elektromagnetische Felder oder durch Bedienungsfehler auszuschließen ist. Steuerelemente dürfen auch nicht durch eine zufällige Bedienung aktiviert werden können. Wenn gefordert, sind die Funktionen der Einrichtungen wie Schnellabschaltungen, Last-abwurf und Wiederanlauf bei Motoren während einer Betriebsstörung für sichere Betriebsabläufe aufrechtzuerhalten
Bild 5: Warnhinweise am Transformator einer Mittelspannungsanlage
Bild 5: Warnhinweise am Transformator einer Mittelspannungsanlage

Erdungsanlagen auf Hoch- und Niederspannungsebene

Zu den funktionalen Anforderungen einer Erdungsanlage gehört es, einen Fehlerstrom zu führen und gegen Erde abzuleiten. Eine Erdungsanlage muss für die vorgesehene Lebensdauer einer Installation ausgelegt sein. Beschädigungen an Betriebsmitteln in Erdungsanlagen sollen vermieden werden bzw. bei Auftreten von Schäden sollen diese umgehend behoben werden. Schritt- und Berührungsspannungen sowie Potentialverschleppungen sind durch Erdungsanlagen auf die zulässigen Spannungswerte zu begrenzen.

In Erdungsanlagen für Hoch- und Niederspannungsanlagen, die dicht neben-einander aufgebaut sind, aber kein gemeinsames Erdungssystem bilden, können Teile der Erdungsspannung in das Niederspannungssystem übertragen werden. Um dies zu verhindern, gibt es zwei Methoden:
  • Zusammenschluss aller Hochspannungs- mit den Niederspannungserdungsanlagen
  • Trennung der Hochspannungs- und Niederspannungserdungsanlagen
In beiden Fällen sind die Anforderungen an die Berührungs-, Schrittspannungen und Potentialverschleppungen zu erfüllen.

Befindet sich das Niederspannungsnetz innerhalb des Bereichs des Hochspannungsnetzes, sind beide Erdungsanlagen zusammenzuführen. Bei einer Trennung von Hoch- und Niederspannungserdungsanlagen muss durch die Verwendung von getrennten Erdern die Funktion für das jeweilige Netz gewährleistet sein, sodass keine Gefahr für Personen und Betriebsmittel auf der Niederspannungsseite auftreten kann. Schritt- und Berührungsspannungen sowie Potentialverschleppungen in der Niederspannungsanlage, die durch Fehler in einer Hochspannungsanlage ausgelöst werden, müssen unter den entsprechenden Grenzwerten bleiben.

In Niederspannungsanlagen in der Nähe von Hochspannungserdungsanlagen kann eine gemeinsame Erdungsanlage verwendet werden.

Normgerechte Auslegung von Erdungsanlagen

Die Auslegung kann unter folgenden Gesichtspunkten durchgeführt werden:
  • Datenerfassung, z. B. Erdfehlerstrom, Fehlerdauer und räumliche Anordnung
  • Erstentwurf der Erdungsanlage unter Berücksichtigung der funktionalen Anforderungen
  • feststellen, ob ein globales Erdungssystem vorliegt
  • wenn nicht: Bestimmung der Bodenkennwerte, z. B. spezifischer Widerstand der Erdschichten
  • Bestimmung des Erdfehlerstromanteils, der im Bereich der Erdungsanlage in das Erdreich eintritt
  • Bestimmung der Gesamtimpedanz zur Erde, basierend auf der Anlagengestaltung, den Bodeneigenschaften und den parallelen Erdungsanlagen
  • Bestimmung der Erdungsspannung (EPR)
  • Bestimmung der zulässigen Berührungsspannung
  • die Auslegung ist abgeschlossen, wenn die Erdungsspannung (EPR) kleiner als die zulässige Berührungsspannung ist
  • falls nicht, ist festzustellen, ob die Berührungsspannungen innerhalb und am Rande der Erdungsanlage unterhalb der zulässigen Grenzwerte liegen
  • Prüfung, ob Potentialverschleppungen eine Gefährdung außerhalb oder innerhalb der Starkstromanlage darstellen. Falls ja, sind Abminderungen an den exponierten Stellen vorzusehen
  • Prüfung, ob Niederspannungsbetriebsmittel einer besonders hohen Spannungsbeanspruchung ausgesetzt werden. Falls ja, sind Abminderungsmaßnahmen vorzusehen, zu denen die Trennung der Hochspannung- und Niederspannungserdungsanlagen zählt
  • Prüfung, ob durch Sternpunktausgleichsströme der Transformatoren große Potentialdifferenzen innerhalb der Erdungsanlage entstehen können. Falls ja, sind geeignete Abminderungsmaßnahmen vorzusehen
Für jeden maßgebenden Gesichtspunkt der funktionellen Anforderungen ist der ungünstigste Fehlerfall zu bestimmen in dem die Fehlerströme zwischen folgenden Leitern ermittelt werden:
  • drei Leiter gegen Erde
  • zwei Leiter gegen Erde
  • ein Leiter gegen Erde
  • Leiter gegen Leiter über Erde (Doppelerderschluss)
Fehler sind innerhalb und außerhalb der Anlage zu betrachten, um den ungünstigsten Fehlerort bestimmen zu können. Bei Errichtungsarbeiten in vorhandenen Erdungsanlagen müssen Maßnahmen ergriffen werden, um den Schutz von Personen bei Fehlerzuständen sicherzustellen. In gewissen Abständen sind Erdungsanlagen durch Kontrollen und Messungen zu überprüfen.

Inspektion und Prüfung elektrischer Anlagen

Inspektionen und Prüfungen sind an Anlagen durchzuführen, um die Übereinstimmung mit dieser Norm und die Übereinstimmung der Betriebsmittel mit den anwendbaren Spezifikationen nachzuweisen. Dabei sind einige wesentliche Punkte zwischen dem Lieferant und dem Betreiber zu beachten. Zunächst gilt es, den Umfang der Kontrolle und Prüfung, die Auswahl der anzuwendenden Spezifikationen und der Umfang und die Art der Dokumentation zwischen den beiden Parteien zu klären.

Die notwendigen Prüfungen werden durchgeführt durch Sichtkontrollen, Funktionsprüfungen und Messungen. Inspektionen und Prüfungen sind nach der Errichtung der Anlage durchzuführen und dann in bestimmten Abständen regelmäßig zu wiederholen.

Jede Anlage sollte mit einem sogenannten Betriebshandbuch ausgestattet sein. In diesem Handbuch sind die entsprechenden Betriebsabläufe, Notfallpläne, Instandhaltungsmaßnahmen und Sicherheitsanweisungen für den Betrieb von Hochspannungsanlagen zu beschreiben. Ein aktueller Satz Zeichnungen und Schaltbilder soll dem Instandhaltungspersonal sichere und effiziente Maßnahmen in der Anlage ermöglichen. Sowohl Wartungsbücher als auch Prüf- und Inbetriebnahmeprotokolle sollten bei Bedarf leicht zugänglich hinterlegt sein.

www.bfe.de

Über den Autor
Autorenbild
Dirk Maske

BFE Oldenburg

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