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Nachgefragt bei Herbert Schmolke

AFDDs verbessern den Brandschutz

Herbert Schmolke, VdS Schadenverhütung, Köln
Herbert Schmolke, VdS Schadenverhütung, Köln
Hierzu befragten wir Herbert Schmolke vom VdS Schadenverhütung in Köln. Sowohl die Erfahrungen aus seiner hauptberuflichen Tätigkeit als auch sein vielfältiges Wirken als Autor von Büchern und in Fachzeitschriften sowie die Mitarbeit in Normungsgremien der DKE verleihen ihm aus Sicht der Redaktion »de« die Kompetenz, folgende Fragen souverän beantworten zu können.

»de«: Herr Schmolke, der VdS – bei dem Sie ja tätig sind – ist auch zuständig für die Beratung von Versicherungen und Ver­sicherungsnehmern in allen Fragen des Brandschutzes elektrischer Anlagen. Ist aus dieser Sicht durch die Einführung der Brandschutzschalter (AFDDs) in Deutschland eine wesentliche Verbesserung des elektrischen Brandschutzes zu erwarten?

H. Schmolke: Diese Frage kann ich eindeutig mit Ja beantworten. Mit dem Brandschutzschalter werden Lücken geschlossen, zu denen wir bisher geschwiegen haben, weil es keine effektiven Maßnahmen hierzu gab. Beispielsweise sind dies die seriellen Lichtbogenereignisse, die durchaus brandgefährliche Wirkungen entfalten können. Diese Lichtbögen konnten durch die bisher verwendeten Schutzgeräte, auch nicht durch eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung, erkannt und rechtzeitig abgeschaltet werden.

»de«: Oft hört man die Frage, wie denn ­eine solche sicherheitsrelevante Technik zu prüfen sei. Ist es nicht ein Widerspruch an sich, wenn es dafür keine genormten Messverfahren gibt?

H. Schmolke: Für ein Produkt ist stets in ­erster Linie der Hersteller verantwortlich. Bestimmte Parameter können bei einer Prüfung der elektrischen Anlage nicht nachgewiesen werden. Kein Prüfer würde z. B. auf den Gedanken kommen, die Herstellerangabe eines LS-Schalters bezüglich Typ und Nennstrom – z. B. LS‑Schalter, Typ B, 16 A – infrage zu stellen.

Beim Brandschutzschalter ist dies ähnlich. Nach Produktnorm ist für ihn eine Selbstüberwachung vorgesehen und diese wird von Hersteller z. B. durch das Aufbringen des CE-Zeichens nach außen garantiert. Der Prüfer darf diese Herstellergarantie ­akzeptieren. Es liegt nicht in seiner Verantwortung, wenn diese schlecht oder unsachgemäß funktionieren sollte. Andere Prüfungen, wie z. B. die Insolationswiderstandsmessung, werden durch den Brandschutzschalter nicht beeinflusst.

»de«: Während der Übergangsphase – also bis zum 8.12.2017 – herrscht Verunsicherung, ob es nicht gegen einen Errichter ausgelegt werden kann, wenn er in dieser Zeit noch auf AFDDs verzichtet. Ist diese Sorge unbegründet?

H. Schmolke: Vom Grundsatz her sollte klar sein, ob die alte Regelung in der Übergangsphase Gültigkeit besitzt oder nicht. Dazwischen gibt es keine Grauzone. Allerdings muss man sich vor Augen führen, warum solche Übergangsregelungen eingeführt wurden. Man ist früher wie heute davon ausgegangen, dass besonders bei komplexen Gebäuden eine Vorplanung, z. B. mit einer Kostenerfassung, notwendig ist. Auch die Ausführungsplanung kann mitunter bei komplexen Gebäuden eine längere Zeit in Anspruch nehmen. Wenn in dieser Phase eine Änderung im technischen Regelwerk auftritt, so darf das nicht dazu führen, dass man bei der Planung wieder von vorne anfangen muss.

Bei weniger komplexen Gebäuden, die innerhalb der Übergangsfrist komplett geplant und möglicherweise auch errichtet werden können, sind solche Befürchtungen eher unrealistisch. Hier müsste sich der Planer oder Errichter zumindest die Frage stellen, warum er bewusst die alte Regelung übernommen hat. Waren es rein finanzielle Gründe? Und bei einem eingetretenen Schaden könnte die Frage aufgeworfen werden: Wie hätte das vermieden werden können? Wenn dann die Antwort erfolgt: Durch Anwendung der neuen Technik, dann ist die Ausrede des Planers oder Errichters, dass die Anwendung der ­alten Technik ja in der Übergangsphase noch möglich war, sicher wenig hilfreich.

Im Zweifelsfall sollte der Planer oder Errichter also versuchen, die aktuelle Norm möglichst ohne Abstriche anzuwenden. Wenn z. B. der Bauherr die Zustimmung für die Anwendung der neuen Technik verweigert, möglicherweise weil er die Kosten scheut, sollte der Planer oder Errichter dies schriftlich festhalten einschließlich der Aussage, dass er alle Beteiligte darüber informiert hat, welche Vorteile die neue Technik mit sich bringt und welche zusätzliche ­Gefährdungsreduzierung dadurch möglich ist.

»de«: Vielen Dank für das Gespräch.
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Über den Autor
Michael Muschong
Dipl.-Ing. (FH) Michael Muschong

Redakteur der Fachzeitschrift »de«

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