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Nachgefragt bei Herbert Schmolke

Brandschutzschalter halten Einzug

Herbert Schmolke, VdS Schadenverhütung, Köln
Herbert Schmolke, VdS Schadenverhütung, Köln
Obwohl es zurzeit nur wenig Lieferanten von AFDDs auf dem Markt gibt, muss darauf hingewiesen werden, dass die deutschen Hersteller in breiter Front hinter der Entscheidung standen, den AFDD normativ in Deutschland einzuführen. Demzufolge sind künftig auch mehr Anbieter zu erwarten.

Zu den eingangs erwähnten Fragen zu diesem Thema befragten wir bereits in der »de«-Ausgabe 17/2016 unter dem Titel »AFDDs verbessern den Brandschutz« Herrn Herbert Schmolke vom VdS Köln zu diesem Thema. Es gibt aber durchaus noch weitere Fragen für die Praxis zu beantworten. Eine zusätzliche Antwort stellen wir unseren Lesern nun an dieser Stelle vor.

»de«: Es herrscht auch mitunter Verun­sicherung bei der Festlegung der Bereiche, die mit AFDD zu schützen sind. Welche Eselbrücken könnte man hierfür anwenden?

H. Schmolke: Die Verwirrung ist durchaus verständlich. Kurze Aussagen im Sinne von Eselsbrücken, die alle Unklarheiten mit ­einem Schlag beseitigen, gibt es in dieser Frage leider nicht. Aus diesem Grund hat das zuständige DKE-Gremium eine Verlautbarung zu diesem Thema herausgegeben. Unabhängig von dieser Verlautbarung kann man meiner Meinung nach Folgendes dazu sagen:
  1. Es gibt keine Anpassungsforderung für bestehende Anlagen, vorausgesetzt, dass eine Anpassung nicht durch Änderungen oder Erweiterungen notwendig wird.
  2. Es geht ausschließlich um einphasige Wechselstromkreise.
  3. Die Anforderung zum Brandschutzschalter findet man in VDE 0100-420, Abschnitt 421.7a. Die ersten beiden Spiegelstriche (Schlaf- und Aufenthaltsräume von besonderen Einrichtungen) sind meiner Meinung nach eindeutig und deshalb unstrittig, obwohl es zahlreiche Stimmen gibt, die eine pauschale Forderung nach einem Brandschutzschalter in diesen Bereichen für übertrieben halten.
  4. Der dritte Spiegelstrich darf nicht als Pauschalaussage zu bestimmten Gebäudearten missverstanden werden. Vielmehr muss für den konkreten Fall geprüft werden, ob und in welchen Umfang für die betroffenen Anlagenbereiche die Anforderungen gelten, die in den Abschnitten zu finden sind, die das deutsche Normungsgremium hinter die Texte gesetzt hat (Abschnitte 422.3, 422.4 und 422.6). Diese Zusätze sollten eine Hilfe zu einer sinnvollen Einschätzung sein. Damit ist aber nicht gesagt, dass alle Stromkreise in den Räumen, Orten oder Gebäuden, die in diesen drei Abschnitten erwähnten werden, automatisch und pauschal mit dem Brandschutzschalter ausgestattet werden müssen. Es geht vielmehr immer um die Frage: Was kann ein Fehlerlichtbogen in diesem Stromkreis auslösen? Wie wahrscheinlich ist eine gefahrdrohende Flammausbreitung, die durch einen Fehlerlichtbogen entstehen kann? Sind für die konkreten Bereiche nach VDE 0100-100, Abschnitt 131.1 besondere brandschutztechnische Maßnahmen erforderlich? Muss z. B. die letzte Frage mit »Ja« beantwortet werden, ist ein Brandschutzschalter in den einphasigen Wechselstromkreisen erforderlich.
  5. Elektrische Anlagen in Krankenhäuser fallen nicht in den Geltungsbereich von VDE 0100-420, Abschnitt 421.7a.
  6. Für Holzhäuser gilt diese Forderung nach einem Brandschutzschalter nicht, wenn z. B. Wände mit Gipsbauplatten und nicht brennbaren Dämmstoffen errichtet wurden.
  7. Bei den Räumen und Orten mit Gefährdung von unersetzlichen Gütern geht es selbstverständlich ausschließlich um Räume oder Gebäude wie Museen, Galerien, Archive, Baudenkmäler sowie um ähnliche Räume oder Gebäude, bei deren Erhaltung und Nutzung es um besondere geschichtliche, künstlerische, wissenschaftliche, technische, volkstümliche oder städtebauliche Gründe geht.
  8. Von Fall zu Fall muss bewertet werden, ob bei bestimmten Räumen oder Gebäuden eine erhöhte Sachwertgefährdung vorliegt. Dies kann allerdings nur der Betreiber der Anlage oder dessen Versicherer festlegen. In diesem Fall zählen diese Räume oder Gebäude auch zu denen »mit Gefährdung von unersetzlichen Gütern«. Unter Umständen kann man dies auch von Räumen oder Gebäuden sagen, bei denen ein erhöhtes Betriebsunterbrechungsrisiko vorliegt, das erhebliche Kosten verursachen kann. Auch in diesem Fall sollte man natürlich den Betreiber oder dessen Versicherer befragen.
»de«: Vielen Dank für das Gespräch!
Über den Autor
Michael Muschong
Dipl.-Ing. (FH) Michael Muschong

Redakteur der Fachzeitschrift »de«

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