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Anschluss an das Wohnungsnetz?

Errichtung steckbarer Mini-PV-Anlagen

Auf einen Blick Es besteht Meldepflicht In das Installateurverzeichnis eingetragene Unternehmen müssen sämtliche notwendige Daten angeben – ähnlich wie bei größeren Erzeugungsanlagen

Eingetragen in das Installateurverzeichnis Es ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern und Fachhandwerkern erforderlich, um die Anlagensicherheit weiterhin zu gewährleisten
Für den Elektrofachbetrieb stellt diese Situation oft Neuland dar. So fragt er sich z. B. wie man eine Überlastung des Einspeisestromkreises verhindern kann. Natürlich muss der Kunde die Anlage beim Netzbetreiber anmelden, aber wie? Benötigt der Kunde einen Elektrofachbetrieb für die Inbetriebnahme der Anlage?

Allgemeine Vorbetrachtung

Wie überall gibt es auch bei »Balkonmodulen«, also steckerfertigen Mini-PV-Anlagen, verschiedene Sichtweisen und mehrere konkrete Standpunkte. So sehen die Netzbetreiber auf der einen Seite die vermeintliche Destabilisierung der Netze als drohende Gefahr, die Solar-Lobbyisten und PV-Hersteller benennen die Vorteile zur Beschleunigung der Energiewende und die mögliche Beteiligung der Mieter und Balkonwohnungsbesitzer an eben dieser.

Beim Anbringen von steckerfertigen Mini-PV-Anlagen sind vielfältige Betrachtungs­weisen erforderlich, um alle rechtlich relevanten Punkte abzuklären. Als oberstes Ziel gilt natürlich immer die Sicherheit, also der Personen- und Brandschutz. Sofern die verwendeten Produkte die CE-Konformität belegen, darf der Anwender und Errichter zunächst davon ausgehen, dass die Produkt­sicherheit gewährleistet ist. In den Produktinformationen einzelner Hersteller ist dies allerdings leider nicht immer fachlich und rechtlich korrekt dargestellt.

Gesetzliche Vorgaben

Handelt es sich um ein gemietetes (Wohn-)Objekt, so muss sicherlich auch im Mietvertrag geprüft werden, ob die Anbringung von zusätzlichen Komponenten im Außenbereich erlaubt ist. Letztlich bleibt der Vermieter als Anschlussnehmer nach der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) in der Haftung, falls sein Mieter hier unsachgemäß hat installieren lassen.

Im Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG 2017) steht unter §2 (1): »Strom aus erneuerbaren Energien (…) soll in das Elektrizitätsversorgungssystem integriert werden«, somit ist der Wunsch der Legislative hier klar definiert. Weiterhin muss auch der § 13 der NAV beachtet werden, welcher u. a. besagt: »Für die ordnungsgemäße Errichtung, Erweiterung, Änderung und Instandhaltung der elektrischen Anlage hinter der Hausanschlusssicherung (Anlage) ist der Anschlussnehmer gegenüber dem Netzbetreiber verantwortlich. (…) Die Arbeiten dürfen außer durch den Netzbetreiber nur durch ein in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragenes Installationsunternehmen durchgeführt werden.«

Normative Ergänzung

Aktuell liegt mit der DIN VDE V 0100-551-1:2018-05 eine nationale Ergänzung vor, welche sich mit dem Anschluss von Stromerzeugungseinrichtungen für den Parallelbetrieb mit anderen Stromquellen einschließlich einem öffentlichen Stromverteilungsnetz befasst. Auf dieser Grundlage hat sich das für zukunftsfähige Elektroinstallationen zuständige Normungsgremium nun klar geäußert.

Wenn die Stromerzeugungseinrichtung auf der Lastseite aller Schutzeinrichtungen eines Endstromkreises der Anlage errichtet werden sollte, müssen alle nachgenannten Anforderungen erfüllt sein:
  1. Die Leiter der Endstromkreise müssen für die Belastung ausgelegt sein: Iz > In + Ig. Dabei ist Iz die Strombelastbarkeit der Leiter des Endstromkreises; In ist der Bemessungsstrom der Schutzeinrichtung des Endstromkreises und Ig entspricht dem Bemessungsausgangsstrom der Strom­erzeugungseinrichtung. Die Absicherung darf also nicht unbedacht belassen und durch die Einspeisung mit zusätzlicher Leistung beaufschlagt werden, wenn der Endstromkreis dafür nicht ausgelegt ist. Sofern also beispielsweise der betreffende Stromkreis »Balkon« mit 16 A abgesichert ist und die Mini-PV-Anlage 10 A einspeisen kann, muss die Absicherung im Endstromkreis entsprechend um 10 A auf 6 A reduziert werden, wenn die Kabel- und Leitungen sowie alle anderen elektrischen Betriebsmittel in diesem Stromkreis (Steckdosen, Schalter, Leuchten, Klemmen, etc.) nicht für diesen hohen Strom (z. B. 16 -A-Absicherung mit Leitungsschutzschalter (MCB) und 10 A durch die zusätzliche Einspeisung wären somit im Endstromkreis bis zu 26 A verfügbar) ausgelegt sind.
  2. Die Stromerzeugungseinrichtung muss an einen Endstromkreis entweder fest oder mit einer speziellen Energiesteckvorrichtung angeschlossen werden (Bild).
  3. Die Anschluss- oder Energiesteckdose ist mit entsprechender Kennzeichnung zu versehen inkl. der Angabe des max. zulässigen Bemessungsausgangsstromes der Stromerzeugungseinrichtung (Ig).
  4. Der betreffende Stromkreis im Verteiler ist ebenfalls mit entsprechender Kennzeichnung zu versehen.
  5. Es darf am betreffenden Stromkreis maximal eine Stromerzeugungseinrichtung betrieben werden.
  6. Der Endstromkreis muss durch eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom von ≤ 30 mA geschützt sein.
  7. Hinter der Schutzeinrichtung (z. B. RCD und MCB) des Endstromkreises dürfen sowohl der Außenleiter als auch der Neutralleiter des Endstromkreises und der Stromerzeugungseinrichtung nicht mit ­Erde verbunden werden.
Somit ist nach Auslegung der vorgenannten Norm DIN VDE V 0100-551-1:2018-05 der Einbau der beschriebenen PV-Kleinanlagen, zumindest bis zur geforderten normgerechten Energiesteckvorrichtungen nach DIN VDE 0628 (Bild), ganz klar die Aufgabe von Elektrofachkräften.

Aktueller Entwurf einer Anwendungsregel

Bild: Beispiel für eine Energiesteckdose nach VDE V 628-1. Die Steckerverriegelung kann nur mit Hilfe eines Werkzeuges gelöst werden
Bild: Beispiel für eine Energiesteckdose nach VDE V 628-1. Die Steckerverriegelung kann nur mit Hilfe eines Werkzeuges gelöst werden
In dieselbe Kerbe schlägt auch der aktuelle Normenentwurf zur VDE-AR-N 4105:2018-05. Dieser national abgestimmte Entwurf ist aktuell im Notifizierungsverfahren. Man kann aber davon ausgehen, dass die Inhalte noch im laufenden Jahr auf europäischer Ebene weitestgehend so übernommen werden. Diese Anwendungsregel legt die grundsätzlichen Anforderungen an Erzeugungsanlagen und Speicher fest und gilt auch für Erzeugungsanlagen mit einer maximalen Wirkleistung von < 800 W bzw. < 0,8 kW.

Das Anmeldeverfahren beim zuständigen Verteilungsnetzbetreiber sowie die relevanten Unterlagen werden im aktuellen Entwurf der Anwendungsregel für Kleinanlagen nicht gesondert geführt. Also ist auch hier das in ein Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragene Unternehmen gefordert, sämtliche notwendigen Daten anzugeben – so wie bei größeren Erzeugungsanlagen. Die wichtigsten Daten sind hierfür:
  • Anmeldung zum Netzanschluss
  • Lageplan
  • Datenblatt zur Erzeugungsanlage
  • Einheitenzertifikat
  • Beschreibung der Schutzeinrichtung
  • Übersichtsschaltplan.
Die technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers sind beim Anschluss einer Erzeugungsanlage ebenso einzuhalten wie die Grenzwerte für Netzrückwirkungen.

Der Abs. 5.5.3 beschreibt steckerfertige Erzeugungsanlagen. Es wird auf die Einhaltung der DIN VDE V 0100-551-1 und auf eine spezielle Energiesteckdose (Beispiel siehe Bild) verwiesen sowie folgende Erleichterung aufgeführt: Wenn bei einer Anschlussnutzeranlage die max. Scheinleistung der Erzeugungsanlage 600 VA beträgt (SAmax ≤ 600 VA) und zusätzlich zur speziellen Energiesteckdose ein Zweirichtungszähler auf dem zentralen Zählerplatz vorhanden ist, dürfen im Inbetriebsetzungsprotokoll (E.8) die Angaben und die Unterschrift des Anlagenerrichters entfallen. Ein Lageplan ist dann nicht notwendig. Der Zähler muss zwingend eine Rücklaufsperre und saldierende Messung aufweisen.

Anmeldung bei der Bundesnetzagentur

Die Meldepflichten von PV-Anlagen im Marktstammdatenregister bestehen unabhängig von der Anlagengröße und unabhängig davon, ob für den in der Anlage produzierten Strom eine finanzielle Förderung in Anspruch genommen werden soll. Bis das Internetportal des Marktstammdatenregisters zur Verfügung steht, sind die Anlagen weiterhin in PV-Meldeportal der Bundesnetzagentur zu registrieren.

Produktnorm in Arbeit

Eine zugehörige Produktnorm zu stecker­fertigen PV-Energie-Erzeugungssystemen ist aktuell in Vorbereitung. Bis diese vorliegt sind die Errichter sicherlich gut beraten, die aktuell gültige DIN VDE 0100-712:2016-10 zu berücksichtigen.

Inbetriebnahme oder Änderung

Nach jeder Veränderung an der elektrischen Anlage muss selbstverständlich eine entsprechende Prüfung nach DIN VDE 0100-600:2017-06 durchgeführt werden.

Fazit

Eine ablehnende Haltung des Netzbetreibers wäre sicher kontraproduktiv und nach meinem Dafürhalten auch rechtlich bedenklich. Wenn man sich hier als Netzbetreiber komplett verwehrt, steigt mutmaßlich die Quote der unsachgemäß und laienhaft angesteckten Baumarkt- oder Internetprodukte stärker an, als wenn man eine adäquate Lösung anbieten kann. Es gibt keine Gründe für eine Ablehnung der Netzbetreiber von entsprechend norm- und fachgerecht errichteten Mini-PV-Anlagen. Bei Anfragen sollten die Netzbetreiber besser auf die Gefahren und Rechtsverstöße bei Laienmontagen hinweisen sowie die Montage nur durch die im Installateurverzeichnis eingetragenen Fachhandwerker nach NAV §13 einfordern.

Der Endkunde kann zwar die Produkte frei erwerben, darf diese jedoch nach vorgenannten Gesetzen, Verordnungen und Normen nicht eigenständig ans Netz bringen. Hier ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern und Fachhandwerkern gefragt, um die Anlagensicherheit auch in Zukunft hoch zu halten.
Bestimmungen zum Beitrag
  • EEG 2017
  • NAV
  • DIN VDE V 0100-551-1:2018-05
  • VDE-AR-N 4105
  • DIN VDE 0100-600:2017-06
  • DIN VDE 0100-712:2016-10
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Über den Autor
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Norbert Pauli

öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Elektrotechniker-Handwerk bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz; VdS anerkannter Sachverständiger zum Prüfen elektrischer Anlagen nach SK 3602

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