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Höhere Ausbildungsquote dank Meisterpflicht

Meister des Elektrohandwerks

Michael Muschong
Michael Muschong
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Diese uralte Redensart hat ihre Bedeutung bis heute nicht verloren. Ein Satz mit Symbolkraft, der ausdrückt, dass man viel lernen muss, um ein Fachmann zu werden. Es braucht seine Zeit, bis jemand etwas richtig beherrscht.

Aktuell gibt es vermehrt Bestrebungen zur Wiedereinführung des verpflichtenden Meisterbriefes. Kürzlich stimmte der Wirtschaftsausschuss des Bundesrats einem diesbezüglichen Antrag des Freistaats Bayern zu. ZDH-Präsident Wollseifer positionierte sich ebenfalls pro Meisterpflicht, wobei es ihm dabei insbesondere um zulassungsfreie Berufe geht – also z. B. Fliesenleger oder Jalousiebauer. Die deutsche Monopolkommission argumentiert allerdings vehement gegen die Rückkehr zum Meistervorbehalt, insbesondere mit Verweis auf wettbewerbspolitische Gründe und EU-Konformität.

Ich finde diese Entwicklung interessant, denn es geht dabei indirekt auch um eine Richtungsentscheidung. Es wäre ja durchaus denkbar, dass die Zahl der derzeit als meisterpflichtig eingestuften Berufe künftig weiter reduziert wird. Schauen wir in unsere Branche: Allein die seit 2004 eingeführte Altgesellenregelung hat im Laufe der Jahre nun auch ihre Schattenseiten offenbart. Sie führte leider zu vielen Einmannbetrieben mit gegen Null tendierender Ausbildungsquote. Wir diskutierten dieses Thema auch in der »de«-Expertenrunde Praxisprobleme. Hervorzuheben ist, dass die Ausbildungsquote in meisterpflichtigen Handwerksberufen durchschnittlich deutlich besser ist als in den zulassungsfreien und handwerksähnlichen Berufen.

Außerdem meine ich: Regionale bzw. nationale Besonderheiten haben ihre Daseinsberechtigung. Hierzu zählt auch die Meisterpflicht. Die jüngsten Entwicklungen in vielen Regionen Europas zeigen, dass man historisch gewachsenen Strukturen nicht nach Belieben kurzerhand beiseite wischen sollte, wenn die Menschen mitgenommen werden sollen. Der Meisterbrief ist sozusagen auch das historisch gewachsene Markenzeichen für die Qualität des Handwerks »Made in Germany«. Dies betrifft sowohl die Handwerksarbeit als auch die Ausbildung des Nachwuchses.
Über den Autor
Michael Muschong
Dipl.-Ing. (FH) Michael Muschong

Redakteur der Fachzeitschrift »de«

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