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Fachtagung Gebäude 4.0 des TÜV Süd

Chancen der digitalen Gebäudetechnik

Die Fachtagung »Gebäude 4.0« gab Tipps für Verfügbarkeit, Qualität und Zukunftssicherheit der Gebäudeautomation; Quelle: Uhlendorf/ TÜV Süd
Die Fachtagung »Gebäude 4.0« gab Tipps für Verfügbarkeit, Qualität und Zukunftssicherheit der Gebäudeautomation; Quelle: Uhlendorf/ TÜV Süd
Gleich zu Beginn erinnerte Patrick Lützel (TÜV Süd Industrie Service) daran, wie wichtig es ist, sich bei IoT-vernetzten Geräten und intelligenten Steuerungen über die Netzwerktopologien Gedanken zu machen. Denn immer mehr Smart Devices kommunizieren zwar via BACnet oder KNX miteinander. Gleichzeitig müssen sie aber gehandelt werden, sowie Richtlinien und Regelwerken entsprechen. Die technische Gebäudeausstattung in Liegenschaften umfasst heute schnell bis zu 60.000 Datenpunkte. Wie da eine qualitätsgesicherte Planung und Integration gestaltet werden kann, zeigt die Arbeitshilfe »Handlungsleitfaden Gebäudeautomation« des TÜV Süd.

Vorplanung der Gewerke

Ein wichtiges Element ist dabei die Netzwerkplanung für das Zusammenspiel der Anlagen-Komponenten. Denn jedes kleine Teil kann Prozesse verändern, wie Erika Benneckenstein und Jochem Gombert von der Deutschen Bundesbank zeigten. In ihrem Vortrag zur Raumautomation mit smarten Prozessen stellten sie ihre Vorgehensweise bei Planung und Abnahme vor. Neben der konsequenten Anwendung bestehender Vorschriften und dem Stand der Technik gehört auch die Bedarfsplanung und die Festlegung aller zu integrierenden Gewerke.

»Schon in der Vorplanung müssen alle Gewerke die gleiche Sprache sprechen«, gab Gombert zu bedenken. Proprietäre Systeme seien für die BACnet/IP oder BACnet MS/TP-Anbindung sämtlicher Medien und Zähleinrichtungen ungeeignet. »Und denken Sie daran, dass bei einer gewerkeweisen Planung eine einheitliche Schnittstelle nachträglich nicht mehr möglich ist«, so Gombert. Das teuerste Gebäude sei schließlich eines, das nicht funktioniert.

Aufgaben sauber definieren

Entwicklungen in der Gebäudeautomation und Anforderungen an ein Smart Building stellte Prof. Dr. Martin Becker (Hochschule Biberach und VDI) vor. Zum einen betrachtete er das Gebäude als System. Dort muss im Rahmen des Building Information Modeling (BIM) der digitale Zwilling auch während des Betriebs am Leben gehalten werden. Denn nur so sind die Vorteile der Gebäudedigitalisierung nutzbar. Zum anderen müsse das Gebäude im System betrachtet werden, das untrennbar z.B. vom Smart Grid und dem Internet der Dinge sei.

»Aufgaben und Bedarf müssen beim Smart Building sauber definiert sein, um einen sinnvollen, effizienten Betrieb zu erreichen«, so Prof. Dr. Becker. Um Engineering-Prozesse zu verbessern, werden auch Simulationswerkzeuge eingesetzt. Wichtig sei in jedem Fall, dass – auch in den Normen – die Begrifflichkeiten eindeutig und zeitgemäß geschärft würden. Sonst redet eine Person immer von Gebäudeautomationssystemen, und eine andere von Leittechnik.

Mehrwert und Kundenwünsche

Auf die Kundenwünsche hinsichtlich der Immobilienentwicklung lenkte Ingo Magon (Art-Invest Real Estate Management) den Blick. Denn Gebäudeautomation samt Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern muss Mehrwerte liefern, die z.B. zur Effizienzsteigerung der Mitarbeiter führen, und gleichzeitig von den Nutzern akzeptiert werden. In Immobilien gefragt sind laut Magon z.B. Indoor-Navigation, Arbeitsplatzbuchungen und intelligente Paketzustellung, wobei Smartphone-Apps als Schnittstelle zum Nutzer dienen.

Dr. Stefan Plesser (TU Braunschweig) erinnerte daran, dass die Aufrüstung an Technologie und Komplexität eine detaillierte Planung der Gebäudeautomation benötigt. »Wenn alles verzahnt und vernetzt ist, gibt es kein Plug-and-Play mehr. Die Bauherren müssen früh genug spezifizieren, was sie haben wollen, damit anschließend ein Monitoring starten kann«, erklärte Dr. Plesser. Er stellte das technische Monitoring als Schlüsselprozess des Qualitätsmanagements dar. Dabei tauchte auch die oft gestellte Frage auf, wem die Daten aus den Gebäuden eigentlich gehören, und ob eine Abnahme ohne Datenübergabe ratsam ist. Weitere Vorträge zur Zukunft der Interoperabilität im Gebäude, zur IT-Sicherheit und zu den Vorteilen der Digitalisierung der Gebäudeautomation durch die öffentliche Hand rundeten die Fachtagung ab.
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Britta Kalscheuer

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München
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