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Elektrofachkraft, VEFK und EUP

Personen in der Elektrotechnik

Die unterschiedlichen Qualifikationsebenen in der Elektrotechnik werden gelegentlich falsch interpretiert. Dies gilt insbesondere für die Begriffe »Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten« (EFKffT) und »Elektrotechnisch unterwiesene Person« (EuP). Wir möchten den sicheren Umgang mit diesen Begriffen erreichen und haben deswegen das Thema in dieser Rubrik aufgegriffen und in einer leicht verständlichen Personenmatrix (s. S. 75) zusammengefasst.

Rechtliche Grundlagen

Bild: Qualifikations- und Verantwortungsebenen der Personen in 
der Elektrotechnik
Bild: Qualifikations- und Verantwortungsebenen der Personen in der Elektrotechnik
Mit den § 3 »Grundpflichten des Arbeitgebers« und § 4 »Allgemeine Grundsätze« des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) wird dem Unternehmer die Pflicht auferlegt, alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, welche die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Für elektrische Anlagen und Betriebsmittel werden diese Grundpflichten in der BGV A3 § 3 (1) konkretisiert:

»Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass elektrotechnische Anlagen und Betriebsmittel nur von einer Elektrofachkraft oder unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft entsprechend gerichtet, geändert und instand gehalten werden. Der Unternehmer hat ferner dafür zu sorgen, dass elektrische Anlagen und Betriebsmittel den elektrotechnischen Regeln entsprechend betrieben werden.« [BGV A3 § 3(1)]

Wer ist »befähigt«?

Auf einen Blick Bundesanstalt für Arbeitsschutz- und Arbeitsmedizin: www.baua.de

Berufsgenossenschaft für Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse: www.bgetem.de
Der Elektrofachkraft werden also die notwendigen fachlichen Fähigkeiten zuerkannt, um dieser Vorgabe gerecht zu werden. Im § 2(7) der Betriebssicherheitsverordnung ist dazu der Begriff »Befähigte Person« definiert. Beim Betreiben elektrischer Anlagen kommen nun aber nicht nur Elektrofachkräfte zum Einsatz. Ein Beispiel hierfür wäre der Gärtner, welcher in einer Freiluftschaltanlage den Rasen mäht. Diesen Arbeitsauftrag kann nun keinem Gärtner ohne die notwendigen Kenntnisse über die Gefahren des elektrischen Stromes in einer Freiluftschaltanlage übertragen werden. Die Befähigung zum Ausführen dieser Arbeiten muss der Gärtner zuvor erworben haben. Die Rechtsgrundlage hierzu findet sich im § 7 des Arbeitsschutzgesetzes. Hier wird der Unternehmer verpflichtet, nur geeignete Mitarbeiter mit einer Arbeitsaufgabe zu betrauen:

»Bei der Übertragung von Aufgaben auf Beschäftigte hat der Arbeitgeber je nach Art der Tätigkeiten zu berücksichtigen, ob die Beschäftigten befähigt sind, die für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Aufgabenerfüllung zu beachtenden Bestimmungen und Maßnahmen einzuhalten.« [ArbSchG § 7]

Beauftragt der Unternehmer einen nicht geeigneten Mitarbeiter mit einer Arbeitsaufgabe, so wurde er seiner Auswahlverantwortung nicht gerecht. Aus juristischer Betrachtungsweise liegt ein Organisationsverschulden des Unternehmers vor. Würde in einem solchen Fall ein Arbeitsunfall geschehen, so müsste sich der Unternehmer gegebenenfalls vor Gericht verantworten.

Übersicht der relevanten Regelwerke

Neben der Elektrofachkraft existieren im Bereich der Elektrotechnik noch weitere Personen mit unterschiedlichen Qualifikationen und Tätigkeitsspektren. Diese basieren auf unterschiedlichen Vorschriften und Regeln:
  • Gesetze / Verordnungen
    • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
    • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
    • Technische Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) 1203 »Befähigte Personen«
  • Unfallverhütungsvorschriften und BG-Informationen
    • BGV A1 »Grundsätze der Prävention«
    • BGV A3 »Elektrische Anlagen und Betriebsmittel«
    • BGR A3 »Arbeiten unter Spannung (AuS) an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln«
    • BGI 548 »Elektrofachkräfte«
  • DIN Normen
    • DIN VDE 1000-10 »Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen«
    • DIN VDE 0105-100 »Betrieb von elektrischen Anlagen«

Elektrofachkraft (EFK)

In der DIN VDE 1000-10 (5.2) sind die Anforderung der fachlichen Ausbildung für Elektrofachkräfte beschrieben (als detailliertere Erläuterung der Bestimmungen der BGV A3, § 2 Abs. 3). In der Regel sind diese Anforderungen durch den Abschluss einer der nachstehend genannten Ausbildungsgänge erfüllt:
  • Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf zum Gesellen / Facharbeiter,
  • Ausbildung zum Handwerksmeister,
  • Ausbildung zum Industriemeister,
  • Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker,
  • Ausbildung zum Diplom-Ingenieur, Bachelor oder Master.
Aus der Auflistung lässt sich keine Rangfolge ableiten. Es ist jedoch zu beachten, dass keine Elektrofachkraft so umfassend ausgebildet und qualifiziert ist, um das gesamte Spektrum der Elektrotechnik abzudecken.

Unter fachlicher Ausbildung ist die Ausbildung für ein bestimmtes Gebiet der Elektrotechnik (z. B. Hochspannungstechnik, Elektro-Maschinenbau, Niederspannungsinstallation etc.) gemeint. Allerdings gibt es auch hier eine Einschränkung: Ist eine Person nach dem Absolvieren von einem der vorher genannten Ausbildungsgänge längere Zeit berufsfremd tätig, so erlischt ihre Qualifikation als Elektrofachkraft. Die aktuellen Kenntnisse über technische Fortschritte, neue Vorschriften und Normen liegen dann nicht mehr vor.

Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK)

Ein Teil der unternehmerischen Gesamtverantwortung stellt die elek­trotechnische Fachverantwortung dar. Ist der Unternehmer keine Elektrofachkraft, so kann dieser gemäß § 13 BGV A1 eine zuverlässige und fachkundige Person (befähigte Person – TRBS 1203) schriftlich damit beauftragen, diese Unternehmerpflicht der Fach- und Aufsichtsverantwortung wahrzunehmen. Dies erfolgt durch eine formelle Bestellung einer Elektrofachkraft als verantwortliche Elektrofachkraft.

Die verantwortliche Elektrofachkraft vertritt somit in einer Führungsposition die Aufgaben des Unternehmers. Dies sollte durch eindeutige Regelungen in der Stellenbeschreibung, im Geschäftsverteilungsplan, im Betriebshandbuch für personelle Organisation oder im Arbeitsvertrag festgelegt sein. Es ist auch möglich, dass in einem Betrieb mehrere verantwort­liche Elektrofachkräfte bestellt sind. Die Differenzierung kann räumlich oder thematisch erfolgen. Die Aufgaben einer verantwortlichen Elektrofachkraft sind vielfältig (Auswahl):
  • Fachlicher Vorgesetzter der EFK
  • Disziplinarischer Vorgesetzter der EFK
  • Beurteilung von Fach- und Aufsichtskräften
  • Organisation der Arbeiten wahrnehmen
  • Anlagenverantwortlicher
  • Gefährdungsbeurteilungen erstellen
  • Ausbildungsmaßnahmen durchführen
  • Planung und Organisation der Qualifikation der EFKffT
  • Ausbildung und Schulung der »Elektrotechnisch unterwiesenen Person« (EuP)
  • Unterweisungen organisieren
  • Überwachung der Wartungsintervalle und -aufgaben
  • Prüfaufgaben veranlassen (Erst- und wiederkehrende Prüfungen)
  • Änderungen in den Regelwerken zur Kenntnis geben

Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT)

Sollen Mitarbeiter, welche keine Elektrofachkraft sind, für festgelegte Tätigkeiten bei der Inbetriebnahme und Instandhaltung von elektrischen Betriebsmitteln eingesetzt werden, so können sich diese durch die Ausbildung zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten dazu qualifizieren. Die BGG 944 legt diesbezüglich fest:

»Festgelegte Tätigkeiten sind gleichartige, sich wiederholende Arbeiten an Betriebsmitteln, die vom Unternehmer in einer Arbeitsanweisung beschrieben sind.«

In eigener Fachverantwortung dürfen nur die Tätigkeiten ausgeführt werden, für die die Ausbildung nachgewiesen ist. Die Arbeiten dürfen nur in Anlagen mit Nennspannungen bis 1 000 V AC bzw. 1 500 V DC und grundsätzlich nur im freigeschalteten Zustand durchgeführt werden. Unter Spannung sind Fehlersuche und Feststellen der Spannungsfreiheit erlaubt. Weiter heißt es in der BGG 944:

»Die Ausbildung muss Theorie und Praxis umfassen. Die Dauer der theoretischen Ausbildung ist ausreichend zu bemessen. Die praktische Ausbildung muss an den in Frage kommenden Betriebsmitteln durchgeführt werden. Die Ausbildung ist mit einer Prüfung abzuschließen, in der der Teilnehmer die erforderlichen Kenntnisse in Theorie und Praxis nachweisen muss.«

Im Anhang 1 der BGG 944 sind die Ausbildungsinhalte aufgezeigt:
  • Grundlagen der Elektrotechnik
  • Gefahren und Wirkungen des elektrischen Stromes auf den Menschen, auf Tiere und Sachen
  • Schutzmaßnahmen gegen direktes und bei indirektem Berühren
  • Potentialausgleich
  • Prüfung der Schutzmaßnahmen
  • Messung des Potentialausgleichs
  • Maßnahmen zur Unfallverhütung bei Arbeiten an elektrischen
  • Betriebsmitteln
  • Grundlagen »Erste Hilfe«
  • Unfallmeldung
  • Betriebsspezifische, elektrotechnische Anforderungen

Elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP)

In der Ausbildung und im Tätigkeitsbereich ist unterhalb der »EFKffT« die »Elektrotechnisch unterwiesene Person« platziert. Die BGR A3 beschreibt den Tätigkeitsbereich einer EuP:

»Elektrotechnisch unterwiesene Person ist, wer durch eine Elektrofachkraft über die ihr übertragenen Aufgaben und die möglichen Gefahren bei unsachgemäßem Verhalten unterrichtet und erforderlichenfalls angelernt, sowie über die notwendigen Schutzeinrichtungen und Schutzmaßnahmen belehrt wurde.«

Eine EuP darf folglich nur einfachste Wartungsmaßnahmen oder Prüfungen vornehmen. Die Leitung und Aufsicht muss hierbei durch eine Elektrofachkraft erfolgen. Beispiele für Tätigkeiten einer »EuP«:
  • Arbeiten in der Nähe von unter Spannung stehenden Teilen (Bsp.: Rasenmähen in einer Freiluftschaltanlage)
  • Auswechseln von Sicherungseinsätzen (sofern gefahrlos möglich)
  • Heranführen von Prüf- und Messgeräten
  • Brandschutz: Löschangriff auf aktive Teile
Um die Gefahren des elektrischen Stromes, sowie die Schutzmaßnahmen und Schutzeinrichtungen zu verstehen, benötigt die angehende EuP eine ein- bis zweitägige Schulung. Eine umfassende Prüfung in Theorie und Praxis ist nicht erforderlich.

Hat eine »Elektrotechnisch unterwiesene Person« nicht die notwendige Ausbildung absolviert, arbeitet nicht unter Leitung und Aufsicht einer EFK und führt darüber hinaus noch Tätigkeiten aus, die Elektrofachkräften vorbehalten sind, so liegt, wie erwähnt, ein Organisationsverschulden des Unternehmers vor.

Elektrotechnischer Laie (EL)

Alle Personen, die nicht einer der zuvor aufgeführten Personengruppen zugeordnet werden können, tragen die Bezeichnung »elektrotechnischer Laie« bezeichnet. Elektrotechnische Laien stellen die unterste Qualifikationsebene dar (Bild) und sind somit im Arbeitsbereich der Elektrotechnik nur sehr eingeschränkt einsetzbar. Dies bedeutet jedoch nicht, dass elektrotechnische Laien gänzlich untätig sein müssen. Elektrotechnische Laien können beispielsweise elektrische Anlagen und Betriebsmittel bestimmungsgemäß verwenden. Sie dürfen elektrische Geräte ein- und ausstecken und beispielsweise elektrische Anlagen und Geräte überwachen und auch in geschlossenem Zustand äußerlich reinigen, sofern ein vollständiger Berührungsschutz besteht.
abelle: Übersicht der Personen in der Elektrotechnik bezüglich Qualifikation und daraus folgenden möglichen Tätigkeiten
abelle: Übersicht der Personen in der Elektrotechnik bezüglich Qualifikation und daraus folgenden möglichen Tätigkeiten
 
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Matthias Link

Fachautor Karlsruhe

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Ingenieur- und Sachverständigenbüro Kies

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