DIN 14676-1:2018-12 in der Praxis

Rauchwarnmelder aus der Ferne prüfen

14. Juni 2019

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Die Inspektion von Rauchwarnmeldern in Wohngebäuden kann für Installateure eine zeitraubende Angelegenheit sein. Für Elektrofachbetriebe und andere Dienstleister ist jedoch mit der DIN 14676-1 Abhilfe in Sicht, denn sie erlaubt erstmals eine Ferninspektion von Rauchwarnmeldern.

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Quelle: Ei Electronics

Für die jährliche Vor-Ort-Inspektion von Rauchwarnmeldern müssen bisher Termine mit den Mietern abgesprochen und durchgeführt werden, was häufig mit mehrfachen Anfahrten zum gleichen Objekt verbunden ist. Die Dokumentation des Melderzustandes erfolgt oft händisch und muss aufwendig in verschiedene Systeme übertragen werden. Die neue Anwendungsnorm »DIN 14676-1:2018-12 Rauchwarnmelder für Wohnhäuser, Wohnungen und Räume mit wohnungsähnlicher Nutzung – Teil 1: Planung, Einbau, Betrieb und Instandhaltung« ermöglicht seit Dezember 2018 die normgerechte Ferninspektion von Rauchwarnmeldern (Details siehe Kasten).

Ferninspektion in Mehrfamilienhäusern

Quelle: Ei Electronics

Quelle: Ei Electronics

Mit der Marktverfügbarkeit geeigneter Rauchwarnmelder sammeln Installationsunternehmen jetzt erste Praxiserfahrungen mit der Ferninspektion (siehe Interview). Der Elektrofachbetrieb Elektro Richter e. K. vom Niederrhein installierte in zwei Wohnhäusern in Tönisvorst ferninspizierbare Rauchwarnmelder. Bei dem Projekt handelt es sich um eine Standardinstallation von jeweils vier Rauchwarnmeldern in zwölf Wohnungen von zwei Mehrfamilienhäusern. Gemäß Landesbauordnung Nordrhein-Westfalen sind Rauchwarnmelder in den Schlaf- und Kinderzimmern sowie in den Fluren zu installieren. Auch in den Wohnzimmern, welche als Rettungsweg aus den Kinderzimmern dienen, wurde je ein Melder installiert.

Zum Einsatz kam der Rauchwarnmelder Ei650FA-SC327 von Ei Electronics. Das Gerät der Bauweise B mit fest eingebauter Zehn-Jahres-Lithiumbatterie und Q-Label prüft und speichert regelmäßig alle relevanten Melderdaten gemäß DIN 14676-1. Die Datenübertragung per Funk erfolgt auf Basis des herstellerneutralen OMS-Standards und der kabellosen M-Bus Technologie.

Der Rauchwarnmelder kontrolliert über die normativen Anforderungen hinaus auch die Funktion des Warnsignals (Bild). Übernehmen die Nutzer die Umfeldüberwachung und Kontrolle der Raucheintrittsöffnungen selbst, wird das Betreten der Wohnung zu Inspektions­zwecken überflüssig. Der Ei650FA-SC327 eignet sich daher insbesondere für private Vermieter oder Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG).

Elektrofachbetrieb-Inhaber Marcel Scholz-Richter im Gespräch

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Marcel Scholz-Richter; Quelle: Elektro Richter

Über erste praktische Erfahrungen mit ferninspizierten Rauchwarnmeldern kann Marcel Scholz-Richter berichten. Er ist Inhaber von Elektro Richter e.K. aus Tönisvorst bei Krefeld. Der Elektrofachbetrieb mit vier Mitarbeitern führt Elektroinstallationsarbeiten in Industrie, Gewerbe und Privathaushalten durch. Als zertifizierter KNX-Partner hat er sich zusätzlich auf hochwertige Smart-Home-Lösungen spezialisiert.

»de«: Was bedeutet die Ferninspektion von Rauchwarnmeldern für Ihren Arbeitsalltag als Elektrofachbetrieb?

Marcel Scholz-Richter: In erster Linie eine große Zeitersparnis. Für viele Kunden übernehmen wir per Servicevertrag die komplette Instandhaltung der Rauchwarnmelder. Die zeitraubenden jährlichen Terminabsprachen mit den Mietern für die Vor-Ort-Inspektion entfallen. Stattdessen lesen wir die Daten »im Vorbeifahren« aus und erhalten über die Software automatisch eine umfassende Dokumentation.

»de«: Welche Rolle spielt die neue Rauchwarnmeldernorm DIN 14676-1 dabei?

M. Scholz-Richter: Mit der DIN 14676-1 gibt es erstmals eine verlässliche Grundlage für die Ferninspektion. Die in der Norm beschriebenen Inspektionsverfahren lassen viel Raum für maßgeschneiderte Serviceangebote. Wir betreuen sowohl private Vermieter als auch Wohnungseigentümergemeinschaften und Wohnungsunternehmen mit unterschiedlichen Anforderungen.

»de«: Geht Ihnen durch den Wegfall der Vor-Ort-Inspektion nicht Geschäft verloren?

M. Scholz-Richter: Im Gegenteil, die Instandhaltung führen wir nach wie vor durch. Mit Ferninspektionsmeldern können wir jetzt mehr Kunden zu attraktiven Konditionen betreuen. Zudem lassen sich Serviceeinsätze besser planen. Kunden und Nutzer profitieren von mehr Sicherheit, da jederzeit ein genauer Überblick über den Zustand der Melder verfügbar ist.

Servicevertrag entlastet die Eigentümer

Der Eigentümer der Mehrfamilienhäuser in Tönisvorst hat die Instandhaltung der Rauchwarnmelder per Servicevertrag an Elektro Richter übertragen, um möglichst wenig darin involviert zu sein. Deshalb werden die gespeicherten Melderdaten zukünftig spätestens alle zwölf Monate von Elektro Richter im »Walk by«-Verfahren ausgelesen und dokumentiert.

Die Kontrolle der Raucheindringöffnungen und die Umfeldüberwachung führt das Unternehmen alle zweieinhalb Jahre vor Ort durch. Auf einen Vor-Ort-Termin könnte sogar noch verzichtet werden, wenn diese Pflichten vertraglich auf die Mieter übertragen würden.

Ferninspektion gemäß DIN 14676-1

Die DIN 14676-1 definiert drei unterschiedliche Inspektionsverfahren, die von der Bauweise der eingesetzten Rauchwarnmelder ­abhängen. Rauchwarnmelder der Bauweise A ohne zusätzliche Funktionen werden wie bisher spätestens alle 12 (+3) Monate vor Ort geprüft. Melder der Bauweise B müssen spätestens alle 12 (+3) Monate selbstständig die Funktion von Rauchsensorik und Energieversorgung sowie Demontage und funktionsrelevante Beschädigungen prüfen. Die Raucheintrittsöffnungen und die Funktion des Warnsignals sind mindestens alle 30 Monate und die Melderumgebung (50 cm frei von Hindernissen) mindestens alle 36 Monate manuell vor Ort oder automatisch zu inspizieren. Melder der Bauweise C prüfen alle oben genannten Funktionen selbstständig.

Der Status der Geräte ist verfahrensunabhängig spätestens alle 12 (+3) Monate an die inspektionsverantwortliche Stelle zu übertragen. Die DIN 14676-1 empfiehlt bei allen Verfahren die Überprüfung sämtlicher Kriterien nach zwölf Monaten.

Einfaches Auslesen per M-Bus-Funkmodem

Das Auslesen der Melder per Funk erfolgt mit einem kabellosen M-Bus-Funkmodem. Zusätzlich muss eine von Ei Electronics zur Verfügung gestellte Software unter Windows oder Android auf einem Laptop oder Tablet installiert werden.

Die Ferninspektion von Rauchwarnmeldern nach DIN 14676-1 bietet Elektrofachbetrieben und anderen Dienstleistern die Möglichkeit, flexible Servicekonzepte anzubieten und neue Kundengruppen zu erschließen. Der Aufwand für die Instandhaltung von Rauchwarnmeldern verringert sich durch die Inspektion aus der Ferne deutlich. Bei der Auswahl der Ferninspek­tionsmelder sollten die Eigenschaften der in Frage kommenden Produkte allerdings bereits vorab sorgfältig mit den Kundenanforderungen abgestimmt werden.

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